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Kann Entschuldung die treibende Kraft sein? - Diskussionsbericht
Diskussionsbericht Armutsbekämpfung:
zusammengestellt von
A. Einführung
A. EinführungDas Entwicklungspolitische Forum (EF) der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung (DSE) hat einen internationalen Politikdialog zum Thema "Armutsbekämpfung: Kann Entschuldung die treibende Kraft sein?" vom 15. – 16. Juni 2000 im Hotel Intercontinental in Berlin durchgeführt. Der Politikdialog wurde gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank sowie in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) organisiert. Ein kleiner, ausgewählter Kreis führender Entscheidungsträger aus Asien, Afrika und Lateinamerika, von internationalen Organisationen und der Europäischen Union, vom privaten und öffentlichen Sektor in Deutschland und von Nichtregierungsorganisationen aus Europa und Afrika kam dabei zusammen, um die Frage zu erörtern, in welcher Form Entschuldung dazu beitragen könnte, die Armutsbekämpfung zu beschleunigen.Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßten die Gelegenheit
zum Gespräch und zum Austausch über derart wichtige Themenkomplexe
und bedankten sich bei der DSE für ihre Initiative, diesen Dialog
zu organisieren.
B. ÜbersichtDieser Politikdialog wurde als Folgeveranstaltung zweier früherer Dialogveranstaltungen betrachtet. Die erste trug den Titel "Öffnung und Liberalisierung von Märkten in Afrika - Eine Antwort auf die Globalisierung" und fand im Dezember 1998 in der Villa Borsig in Berlin statt. Die zweite fand ebenfalls in der Villa Borsig im Juni 1999 unter dem Titel "Politische Dimensionen ökonomischer Reform: Bedingungen für eine erfolgreiche Anpassung" statt. Diese Veranstaltungen untersuchten die wirtschaftspolitischen Anforderungen, die erfüllt sein müssen, damit Afrika die Herausforderungen von Wachstum und Entwicklung im Zusammenhang der Globalisierung der Weltwirtschaft bestehen kann, und betrachteten einige der politischen Dimensionen, die für erfolgreiche Anpassungsbemühungen erforderlich sind. Es wurden klare Verbindungen zwischen einer guten Regierungsführung und der politischen Situation, zwischen dem Kapazitätsaufbau und der Entwicklung personeller Ressourcen sowie des privaten Sektors, zwischen gesetzlichen Reformen und der Schaffung eines wirtschaftlich sicheren Umfeldes und zwischen Ownership und Beteiligung einerseits und der Nachhaltigkeit der Reformbemühungen andererseits aufgezeigt.Im Zusammenhang mit der laufenden internationalen Debatte zur Entschuldung und der wachsenden Besorgnis innerhalb der Völkergemeinschaft über die weltweite Armut hat diese Dialogveranstaltung den neuen internationalen Ansatz zur Armutsbekämpfung und den Prozess des Strategiepapiers zur Armutsbekämpfung (PRSP) untersucht, der kürzlich von den Bretton-Woods-Institutionen eingeführt worden ist. In den Diskussionen wurde hinterfragt, ob Entschuldung ein grundlegender Bestandteil dieses neuen internationalen Ansatzes ist, und es wurden verschiedene Aspekte der Formulierung nationaler Strategien zur Armutsbekämpfung betrachtet – die Verbindung makroökonomischer und strukturpolitischer Vorgaben und Maßnahmen für Wachstum und Stabilität mit sozialpolitischen und sektoralen Entscheidungen zur Minderung der Armut, die Erfordernisse für eine erfolgreiche Umsetzung einer Strategie zur Armutsbekämpfung und die Rolle der internationalen Gemeinschaft bei der Unterstützung der Bemühungen einzelner Länder im Kampf gegen die Armut. In diesem Sinne wurde der Dialog in vier Abschnitte gegliedert, in denen
man sich mit den folgenden Themen befasste: (i) Entschuldung als ein wesentliches
Element für einen neuen Ansatz zur Armutsbekämpfung, (ii) Koordinierung
der Unterstützung von außen im Rahmen der nationalen Strategien
zur Armutsbekämpfung, (iii) Einbindung makroökonomischer und
struktureller Reformen in die Armutsbekämpfungsstrategie und (iv)
Gewährleistung einer wirksamen Umsetzung der Strategien zur Armutsbekämpfung.
Neben den Schlussfolgerungen, die für jeden dieser Themenbereiche
getrennt erarbeitet worden sind, wurden im Verlaufe der Diskussionen eine
Reihe von übergreifenden Aspekten offenkundig. Hierbei wurde ein breiter
Konsens zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hinsichtlich der wichtigsten
zu berücksichtigen Gesichtspunkte der Programme zur Armutsbekämpfung
und zur Entschuldung deutlich.
C. Übergreifende ThemenFünf übergreifende Themen sind in den Diskussionen der beiden Tage herausgestellt worden:Zunächst einmal bleibt Armut trotz beträchtlicher Fortschritte weit verbreitet und stellt die größte systemische Bedrohung der Stabilität in einer globalisierten Welt dar. Deshalb sollte die Eliminierung dieses der menschlichen Entwicklung im Wege stehenden Hindernisses das Hauptziel der Entwicklungspolitik sein. Zweitens ist Armut mehrdimensional – beispielsweise gekennzeichnet durch zu geringe Einkünfte, keinen Zugang zu grundlegenden sozialen Leistungen, keinen Zugriff auf Wirtschaftsgüter. Eine erfolgreiche Strategie zur Minderung der Armut sollte deshalb auch multidimensional ausgerichtet sein und sich nicht ausschließlich auf die Verbesserung der sozialen Versorgungsleistungen konzentrieren. Für eine dauerhafte Armutsbekämpfung ist es von ausschlaggebender Bedeutung, die Armen zu befähigen, Zugang zu Beschäftigung und Einkommen zu finden. Darüber hinaus sollten die Strategien zur Armutsbekämpfung dem jeweiligen Land zueigen werden und auf den Grundsätzen von Ownership, Transparenz und guter Regierungsführung aufbauen. Die Erfolgsaussichten würden sich noch weiter verbessern, wenn diese Strategien in einem breiten, partizipativen Prozess entwickelt würden und somit die Unterstützung der Zivilgesellschaft fänden. Drittens werden Maßnahmen zur Umverteilung des Einkommen, so wichtig sie auch sein mögen, nicht hinreichen, um Armut in den ärmsten Ländern zu mindern, wo ein ohnehin niedriges Einkommensniveau die Wirksamkeit der Umverteilung insgesamt einschränkt. Die grundlegende Vorbedingung der Armutsbekämpfung ist, eine hohe Wachstumsrate zu erzielen und über einen langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Deshalb muss man mit wirksamen Strategien gegen die Wachstumshindernisse angehen und Einsparungen sowie Investitionen fördern. Anstrengungen zur Förderung des Wachstums und Bekämpfung der Armut können und sollen einander stärken. Viertens begrenzen exzessive Auslandsschulden die für Investitionen und soziale Ausgaben verfügbaren Mittel. Dadurch kann das Wachstum verlangsamt und die Wirksamkeit der Maßnahmen zur Armutsbekämpfung gemindert werden. Somit kann Entschuldung zur Erleichterung der Armut beitragen, aber nur dann, wenn die durch Entschuldung freiwerdenden Ressourcen für Anstrengungen zur Armutsbekämpfung wirksam werden – Entschuldung muss deshalb in die umfassende, multidimensionale Strategie zur Armutsbekämpfung eingebettet sein. Und schließlich muss man erkennen, dass durch Entschuldung weder
neue Ressourcen für die Entwicklung geschaffen werden, noch dass diese
automatisch Investitionen in menschliche und physische Kapazitäten
oder Zugang zu den internationalen Märkten nach sich zieht, den die
armen Länder brauchen, um der Armut zu entwachsen. Deshalb muss die
Unterstützung der Völkergemeinschaft für Anstrengungen zur
Armutsbekämpfung in armen Ländern über die reine Entschuldung
hinaus gehen. Partnerländer müssen weiterhin technische und finanzielle
Unterstützung für die notwendigen Strukturreformen bereitstellen,
und, was genauso wichtig ist, sie müssen ihre Märkte für
Produkte aus den armen Ländern öffnen, damit diese sich den Neubeginn
nutzbar machen können, den die Entschuldung bietet, um so die Armut
hinter sich zu lassen.
D. ThemendiskussionEröffnungssitzungDie Redner stellten heraus, dass sich seit dem Kopenhagener Weltsozialgipfel 1995 ein neuer internationaler Ansatz in der Frage der Armutsbekämpfung entwickelt habe. Es wurde betont, dass Anstrengungen zur Förderung des Wachstums und Bekämpfung der Armut einander stärken und dass eine wagemutige und katalytische Veränderung in der internationalen Entwicklungshilfe erforderlich sei, um den Teufelskreis der Schulden und Unterentwicklung zu durchbrechen. Dieser neue Ansatz erkenne auch die klare Verbindung zwischen exzessiven Schulden und dem Versäumnis der zurückliegenden Jahrzehnte, die Armut signifikant zu mindern, an. Resultierend daraus habe in den vergangenen vier Jahren dass Prinzip der substanziellen Schuldenerleichterung für die ärmsten Länder die vollständige Unterstützung der internationale Gebergemeinschaft gefunden, so wie es in der ursprünglichen Initiative für arme, hochverschuldete Länder, der HIPC-Initiative, festgehalten ist, die 1996 vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank eingeführt und von den Regierungen der G7-Staaten auf dem Kölner Gipfel 1999 erweitert worden ist.Der neue internationale Ansatz zur Bekämpfung der Armut und Förderung der Entwicklung baut auf verschiedenen grundlegenden Prinzipien auf, wie die Redner feststellten:
Es gebe auch eine klare Verbindung zwischen der erweiterten HIPC-Initiative und der Vorbereitung der PRSPs seitens der Empfängerländer – durch den PRSP-Rahmen solle sichergestellt werden, dass die durch Entschuldung freigesetzten Ressourcen zur Armutsbekämpfung eingesetzt werden, und einige Geber haben das zur Vorbedingung der Entschuldung gemacht. Die Rednerinnen und Redner stellten jedoch heraus, dass die Formulierung von Strategien zur Armutsbekämpfung und die Umsetzung des neuen Ansatzes Zeit brauchen würden und warnten, dass es inhärente Spannungen zwischen einer zügigen Entschuldung und der für die Entwicklung hochwertiger Strategien zur Armutsbekämpfung benötigten Zeit gebe. Deshalb sei es erforderlich, sich davor zu hüten, unrealistische Erwartungen aufzubauen – in einigen Ländern sei es bereits zu Verzögerungen gekommen, was auf Verzug auf der makroökonomischen Ebene, Konflikte und Fragen der Regierungsführung oder Korruption zurückzuführen sei. Die Rednerinnen und Redner hielten fest, dass sowohl Geber- als auch
Empfängerländer sich den internationalen Entwicklungszielen für
das Jahr 2015 verpflichtet hätten. Darüber hinaus hätten
die afrikanischen Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel im Januar
2000 in Libreville den Vorrang von Wachstum, guter Regierungsführung
und Transparenz betont sowie auch ihre Unterstützung des neuen internationalen
Ansatzes zur Armutsbekämpfung und der erweiterten HIPC-Initiative
unterstrichen. Einige Empfängerländer hätten jedoch ihre
Besorgnis geäußert, dass die HIPC-Initiative keine zusätzlichen
Bedingungen mit sich bringen dürfe, dass der geforderte partizipative
PRSP-Prozess keine neuen sozialen oder politischen Bedingungen nach sich
ziehen solle und dass die Entschuldung zusätzlich zu weiteren unterstützenden
Entwicklungsmaßnahmen stehen solle.
Arbeitssitzung I: Entschuldung als ein wesentliches Element für einen neuen Ansatz zur ArmutsbekämpfungDie erste Arbeitssitzung befasste sich mit der Entschuldung und ihrem möglichen Beitrag zur Armutsbekämpfung unter Einbeziehung des Umfeldes der HIPC-Initiative. Generell stimmte man überein, dass die Entschuldung in der Tat einen Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten könne, dass sie aber keine hinreichende Bedingung darstelle – Entschuldung müsse vielmehr einen Bestandteil einer umfassenden Strategie zur Armutsbekämpfung darstellen, die politische Vorgaben und Maßnahmen zur Förderung der makroökonomischen Stabilität, der effizienten und wettbewerbsfähigen inländischen Produktion und des beständigen Wachstums integriert. Der partizipative Ansatz, eine national akzeptierte Strategie zur Armutsreduzierung zu definieren, wurde als erhebliche Verbesserung gegenüber der Praxis in der Vergangenheit betrachtet. Der partizipative Prozess als solcher könne jedoch sehr zeitaufwendig werden. Die Geber sollten nicht zulassen, dass dies zu ungebührlichen Verzögerungen der effektiven Schuldenerleichterungen führt. Außerdem bräuchten die Länder auch die technische und finanzielle Unterstützung ihrer Partner, um den partizipativen Prozess durchführen zu können.Das PRSP wurde als hilfreiches Instrument gesehen, um die Armutsbekämpfungspolitik zu fokussieren und die Wirksamkeit der Entschuldung zu vergrößern. Die Referenten waren sich einig, dass die notwendigen Reformen in einer angemessenen Abfolge stattfinden müssen und dass die Geber die vom Empfängerland angeführte Strategie zur Armutsbekämpfung voll unterstützen und sich von Anfang an langfristig zu finanzieller Unterstützung verpflichten sollten. Es gab auch Kritik an der erweiterten HIPC-Initiative. Ein Redner vertrat die Ansicht, dass sowohl die HIPC- als auch die erweiterte HIPC-Initiative in zu geringem Maße und zu spät eingesetzt hätten, teilweise, weil man in den achtziger und frühen neunziger Jahren den Schwerpunkt darauf gelegt habe, die Probleme der Länder anzugehen, die Schulden bei privaten Gläubigern und offiziellen bilateralen Stellen hatten. Entschuldung für Länder, die hauptsächlich von multilateralen Gläubigern Kredite erhalten hatten, wurde lange Zeit aufgeschoben, teilweise, weil die Geldgeber der letzten Instanz, die internationalen Finanzierungsinstitutionen, nicht ihren Status als bevorrechtigte Gläubiger gefährden wollten. In diesem Zusammenhang wurde außerdem festgestellt, dass die Bereitschaft zu einer breit angelegten Schuldenerleichterung, die sich auch auf Kredite von multilateraler Seite erstreckt, zum Teil Ergebnis des Druckes gewesen sei, den Nichtregierungsorganisationen und Millionen von einfachen Bürgern ausgeübt haben. Darüber hinaus seien sowohl die ursprüngliche als auch die erweiterte HIPC-Initiative darauf ausgerichtet, dafür zu sorgen, dass der Schuldner den Schuldendienst an der Restschuld nachhaltig erfüllen könne, statt Wachstum und Entwicklung sicher zu stellen. Um letzteres zu erreichen, sollte die Entschuldung nicht durch einen numerischen Prozess von oben herab bestimmt werden, der sicherstellt, dass der Schuldendienst weiterhin beglichen werden könne, sondern besser durch einen Ansatz von unten nach oben, der auf den Bedürfnissen des Schuldners aufbaue. Die angemessene Lösung für einen Schuldenüberhang bestünde entweder in einer gänzlichen Streichung der Schulden oder in einem vollständigen Schuldendienstmoratorium gepaart mit zusätzlichen Mitteln, Investitionen und Zugang zu entwickelten Märkten für die Exporte des Schuldnerlandes. In diesem Zusammenhang sagte einer der Redner, dass im Interesse der Armutsbekämpfung die erweiterte HIPC-Initiative, die zwar einen positiven Schritt darstelle, nur als eine erste Maßnahme, keinesfalls aber als die Endphase der Entschuldung betrachtet werden sollte. Weiterhin sei exzessive Verschuldung keineswegs nur auf arme Länder beschränkt, und die Entschuldungsdebatte solle keinesfalls die Probleme hochverschuldeter Länder ignorieren, die nicht für Unterstützung im Rahmen der HIPC-Initiative qualifiziert seien. Die diesen Ländern zur Verfügung stehenden traditionellen Mechanismen der Schuldenerleichterung würden das Problem lediglich aufschieben und schließlich die Kosten für eine umfassende Lösung ansteigen lassen. Entschuldungsverfahren, die auf einem breiteren, kooperativen Ansatz aufbauten – unter Beteiligung aller Gläubiger und gerechter Lastenverteilung – würden wahrscheinlich zu verantwortungsvolleren Lösungen führen und auf beiden Seiten zu pflichtbewussteren Darlehenspraktiken anregen. Außerdem sei die Außenschuld nicht das einzige Hindernis bei der Armutsbekämpfung und Entwicklung. Viele Länder litten zusätzlich unter ihrer inneren Verschuldung, und der fehlende Zugang zu den Märkten begrenze den Exportanstieg. Widmet man der Entschuldung der hochverschuldeten armen Länder Aufmerksamkeit, so dürfe man sich auch nicht den Veränderungen, die an die Rolle der ausländischen Partner geknüpft seien, entziehen – beispielsweise gebe es immer noch Zweifel an der Bereitschaft des IWF, alternative makroökonomische Ansätze zu akzeptieren, die möglicherweise günstigere Auswirkungen auf die Armutsbekämpfung haben. Unter Bezug auf Guyana wurde konkret festgestellt, dass die zwölf Jahre andauernden Reformbemühungen dazu beigetragen hätten, makroökonomische Stabilität und Vertrauen als Grundlage für Wachstum wiederherzustellen, aber Schockeinwirkungen von außen hätten die Exportzahlen und die Einnahmechancen gemindert, die sozialen Aufwendungen und Lohnsteigerungen begrenzt und zu Unruhen unter der Arbeiterschaft geführt. Die erhaltenen Schuldenreduzierungen seien verwendet worden, um öffentliche Investitionen sowie Ausgaben zur Entwicklung der personellen Ressourcen und der physischen Infrastruktur zu steigern. Die Ergebnisse seien zwar positiv, aber immer noch ungenügend und führten zu großer Unzufriedenheit mit dem Anpassungsprozess. Das Beispiel Guyana zeige, dass Ausgaben für soziale Belange nicht ausreichen, um die Armut zu bekämpfen – man braucht einen umfassenden makroökonomischen Rahmen, der die Produktivität, Einkommenschancen und wirtschaftliche Diversifizierung fördert. In der allgemeinen Diskussion wurde bemerkt, dass die HIPC-Initiative vielleicht nicht so viel zusätzliche Mittel biete wie erwartet, da die Länder den Schuldendienst nicht vollständig abgeleistet hätten. Immerhin biete die Initiative jedoch eine Erleichterung der multilateralen Schulden, und in der erweiterten Form gebe es auch eine vorläufige Schuldenerleichterung seitens der Bretton-Woods-Institutionen, was eine der Hauptveränderungen darstelle. Darüber hinaus sei die Löschung des Schuldenüberhangs ein Gewinn an sich, weil dadurch den armen Ländern Möglichkeiten geboten würden, Zugang zu den privaten Kapitalmärkten zu erhalten, was für Investitionen und anhaltendes Wachstum wesentlich sei. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass Geber grundsätzlich darauf verpflichtet seien, die Modalitäten ihrer Unterstützung anzupassen, um den Erfolg der HIPC-Initiative zu gewährleisten, und alle sagten, dass sie es gerne sähen, wenn die Entschuldung schneller vonstatten ginge. Es war jedoch bereits schwierig, politische Übereinstimmung über die Finanzierungsbedingungen der Initiative zu erzielen, wie sich an der kontroversen Debatte über die Goldverkäufe des IWF zeigte. Verzögerungen können sich auch aus Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Programmkonditionen ergeben – die Anforderung des partizipativen Prozesses wurde als Innovation begrüßt, aber dieser würde Zeit und Geld kosten. Es sollte ebenfalls anerkannt werden, dass einige Länder angesichts ihrer Vergangenheit Schwierigkeiten haben würden, schnell das geforderte Niveau an guter Regierungsführung, Transparenz und Anti-Korruptionsmaßnahmen zu erreichen. Während es allgemeine Zustimmung dafür gab, dass eine national
akzeptierte Strategie zur Armutsbekämpfung erforderlich sei, warfen
die Teilnehmer einige Fragen auf: Ist die Strategie zur Armutsbekämpfung
lediglich dafür erforderlich, um eine Entschuldung möglich zu
machen? Wenn ja, kann sie dann wirkliche nationale Akzeptanz finden? Werden
die Länder die für die Ausführung des Konsultationsprozesses
notwendige finanzielle und technische Unterstützung erhalten? Eine
breite Konsultation sei erforderlich, aber gleichzeitig bedürfe es
internationaler Unterstützung, um die Fähigkeit der Zivilgesellschaft
weiterzuentwickeln, damit sie die von ihr erwartete Rolle auch in den Ländern
spielen könne, in denen eine starke und auch hörbare Zivilgesellschaft
keine Tradition habe. Eine rationale Strategie zur Bekämpfung der
Armut müsse auch auf einem vollständigen Verständnis der
die Armut bestimmenden Faktoren aufbauen – der Schwerpunkt der internationalen
Debatte scheine jedoch hauptsächlich auf der Sozialpolitik zu liegen
und weniger Aufmerksamkeit auf Einkommen und Beschäftigung zu lenken.
Arbeitssitzung II: Die Rolle externer Partner: Die Armutsbekämpfungsstrategie als Rahmen für Geberkoordinierung?Die zweite Arbeitssitzung befasste sich mit dem Potenzial des neuen Strategiepapiers zur Armutsbekämpfung als Instrument für die Zusammenarbeit der Geber.Drei zentrale Themen wurden in dieser Sitzung aufgeworfen – die Bedeutung der nationalen Akzeptanz (Ownership), die Notwendigkeit, dass Geber ihre Zusage zur Zusammenarbeit in konkrete Handlungen umsetzen und die praktischen und politischen Hindernisse, die einer besseren Harmonisierung im Wege stehen. Die Rednerinnen und Redner waren sich darin einig, dass die nationale Akzeptanz und Aneignung der Strategien zur Armutsbekämpfung von grundlegender Bedeutung seien, wenn diese von den Gebern unterstützt werden und eine größere Koordinierung herbeiführen sollen. Sie betonten, dass ohne eine solche Ownership das Risiko bestünde, dass das PRSP wie bereits auch schon sein Vorgänger, das Policy Framework Paper, die Prioritäten der Geber reflektierte, statt dass es die Länderstrategien dokumentierte. Die Akzeptanz der Strategien zur Armutsbekämpfung müsse auf nationaler und lokaler Ebene erreicht werden und erfordere die Beteiligung demokratischer Institutionen und der Zivilgesellschaft, insbesondere der Armen, an den Entscheidungsfindungsprozessen, da sie die unmittelbaren Nutznießer der Reformen seien. Wo immer eine solche Haltung der Ownership erreicht sei, müssten die Geber sich innerhalb des durch die Länder geschaffenen politischen Rahmens bewegen, und die Empfängerländer müssten eine führende Rolle übernehmen, um sicher zu stellen, dass dies auch wirklich geschieht. Sowohl multilaterale als auch bilaterale Geber waren sich im Grundsatz einig, dass das PRSP zur Grundlage ihrer Unterstützung für die Entwicklungsländer werden müsse. Der entscheidende nächste Schritt bestehe darin, diese Zusage in konkrete Handlungen umzusetzen. Die Referenten waren sich darüber einig, dass dies die Akzeptanz einer Strategie zur Armutsbekämpfung erforderlich machen würde – einschließlich der politischen Entscheidungen und Handlungsprioritäten – und dass diese den ausschließlichen Rahmen für Entwicklungsaktivitäten bilden würde, obwohl die Geber von Anfang an klarstellen sollten, welche Art von Politik sie nicht zu unterstützen bereit wären. Eine Unterstützung der Entwicklung sollte mit der Umsetzung von messbaren Zielen der Armutsbekämpfung verknüpft sein, wobei die mittelfristigen Ziele und Indikatoren gemeinsam in einem partizipativen Ansatz vom Empfängerland und den externen Partnern bestimmt werden. Unterstützung sollte von Anfang an und langfristig zugesagt werden, um den Ländern die Sicherheit zu geben, dass die für die Umsetzung der Strategie zur Armutsbekämpfung erforderlichen Mittel entsprechend dem Bedarf verfügbar sind. Die politischen Instrumente sollten jedoch auch den Gegebenheiten im Land angemessen sein, und das könne nur erreicht werden, indem man sicherstellt, dass die Länder die Führungsrolle bei der Festlegung dieser Instrumente übernehmen. Die Redner stellten aber auch fest, dass es viele Hindernisse gebe, die dem Aufbau einer besseren Zusammenarbeit selbst der am stärksten engagierten Geber im Wege stünden. Oft gebe es starke politische Fürsprecher im Geberland, die sich für projektbezogene Unterstützung aussprächen. Darüber hinaus mache die Notwendigkeit, dem Parlament Rechenschaft über Entwicklungsausgaben ablegen zu müssen, es schwierig, auf Haushaltsfinanzierung oder gebündelte Projektfinanzierung umzustellen; und außerdem könnte diese Rechenschaftspflicht zu Formen der Auflagenabhängigkeit führen, welche die nationale Ownership aushöhlten. Weiterhin bestehe das Risiko, dass das Aufeinanderschichten verschiedener Rahmen, die allesamt von den Gebern für diverse Darlehenszusagen gefordert werden, die Zusammenarbeit behindern könnten. Eine solche Häufung könnte abgebaut werden, indem man die in anderen Initiativen gewonnenen Erfahrungen teilte, die Programmanforderungen auf einige entscheidende Zielsetzungen fokussierte und extensive, sich überschneidende Auflageanforderungen vermied sowie die Akzeptanz der Geber hinsichtlich unterschiedlicher Ansätze in der Armutsbekämpfung in den Empfängerländern stärkte. In diesem Zusammenhang wurde festgestellt, dass der Ausschuss für Entwicklungshilfe der OECD im Mai 2001 Richtlinien dazu herausgeben werde, wie bilaterale und andere Partner in der Entwicklung auf koordinierte Weise die Strategien zur Armutsbekämpfung der Länder unterstützen sollten. Die Richtlinien bieten möglicherweise eine Auflistung verschiedener Bereiche an, in denen die Partner Unterstützung anbieten sollten – beispielsweise beim Kapazitätsaufbau der Zivilgesellschaft und in partizipativen Prozessen, bei der Erarbeitung von Armutsgutachten und statistischen Kapazitäten, wodurch die Unterstützung für sektorumfassende Ansätze vertieft würde, weiterhin bei der Harmonisierung der Auszahlungen, der Beschaffung und den Abrechnungsverfahren sowie bei den Bemühungen, den Fluss der staatlichen Entwicklungshilfe zu steigern. In der allgemeinen Diskussion unterstrichen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Notwendigkeit, konkrete Aktionen durchzuführen, um die Zusammenarbeit zu stärken. Sie stellten fest, dass die Geber hinsichtlich der politischen Entscheidungen des Empfängerlandes unbedingt mehr Flexibilität und Bereitschaft zur Akzeptanz zeigen müssten. Als Beispiel wurde Thailand angeführt, wo nach der Finanzkrise soziale Netze aufgebaut werden. Die Regierungsstellen hätten Mühe damit, die Geber dazu zu bringen, den vom Empfängerland bevorzugten Ansatz zu akzeptieren, nämlich die finanzielle Unterstützung an die kommunalen Verwaltungen zu leiten statt an eine nationale Arbeitslosenversicherung westlicher Machart, wie sie von den Gebern vorgeschlagen worden sei. Außerdem wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern geäußert, dass es oft Schwierigkeiten gebe, wenn Geber sich überschneidende Mandate verträten und politische Reformen auf ihren Namen angerechnet bekommen wollten – gerade letzteres unterminiere das Konzept der Ownership für politische Reformen in den Empfängerländern. In einigen Fällen beharrten Geber auch darauf, Projekte zu unterstützen, die nicht vollständig den Prioritäten des Empfängerlandes entsprächen. In der Diskussionsrunde war man sich einig, dass ein Umstieg von Projekt- auf Programmfinanzierung die Erfolgsaussichten der Strategien zur Armutsbekämpfung deutlich verbessern würde, obwohl man auch sagte, dass dieser Umstieg nur möglich wäre, wenn die Geber überzeugt wären, dass die bereitgestellten Mittel in der Tat für die vereinbarten Zwecke Verwendung finden. Das impliziere, dass die Empfängerländer ihre Transparenz und die Rechenschaftspflicht auf ein höheres Niveau bringen müssten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich jedoch auch einig, dass es in vielen Geberländern politische Schwierigkeiten geben werde, diesen Umstieg vorzunehmen. Will man die nationale Akzeptanz der Strategien zur Armutsbekämpfung stärken, sollten die Geber damit anfangen, ihre finanzielle Unterstützung von den Erfolgen abhängig zu machen, welche die Länder in der Armutsbekämpfung erzielen. Als Messlatte sollten hier ein paar Indikatoren dienen, die einigen Schwerpunktbereichen entnommen sind und für die entsprechend brauchbare Daten zur Verfügung stehen, statt dass man sich auf eine lange Liste vorhergehender Aktionen berufe. Und vor allem hielten es die Teilnehmer für wesentlich, dass die Geber vermeiden, eine unüberschaubare Fülle an Bedingungen aufzustellen, weil dadurch die Fähigkeit der Länder zur Reform stark in Mitleidenschaft gezogen werde. Dieser neue Ansatz sei erstmalig in Burkina Faso angewendet worden. Die Geber müssten auch in ihrem Finanzierungsansatz flexibler vorgehen, wenn Länder ein oder zwei der Kreditbedingungen nicht erfüllten. Statt dann die gesamte finanzielle Unterstützung auf Eis zu legen, sollten die Geber zunächst die Gründe untersuchen, weshalb diese Bedingungen nicht erfüllt werden, und den Behörden im Land anschließend bei der Korrektur der Situation helfen. In der Diskussion wurde ebenfalls bemerkt, dass die Geberkoordinierung im Rahmen des PRSP eine inländische Koordinierung und den Aufbau eines gesellschaftlichen Konsens im Empfängerland voraussetze. Es wurde herausgestellt, wie wichtig es sei, partizipative Prozesse in den Empfängerländern durch technische und finanzielle Hilfe zu unterstützen. Genauso wichtig sei es aber auch, die notwendige Unterstützung zu gewähren, damit die Länder besser die Armutssituation im Lande analysieren und die Wirksamkeit der staatlichen Aktionen überwachen können, um so eine angemessene Politik zu entwickeln und die Strategie zur Armutsbekämpfung entsprechend anzupassen. Die Teilnehmer stellten auch eine Reihe von Schwierigkeiten bezüglich der Geberkoordinierung heraus:
Die dritte Arbeitssitzung untersuchte einige Gesichtspunkte der Integration
von makroökonomischer und struktureller Politik in eine umfassende
Strategie zur Armutsbekämpfung. Angesichts der klaren Tatsache, dass
Wachstum zur Armutsminderung beiträgt und von grundlegender Bedeutung
für die Einkommenssteigerung der Armen ist, müssten politische
Ansätze zur Wachstumsförderung ein Schlüsselelement einer
jeglichen Strategie zur Armutsbekämpfung sein, insbesondere in Ländern,
wo niedrige Einkommensniveaus die Wirksamkeit einer Umverteilungspolitik
begrenzten. Das würde höhere und effizientere Investitionen,
die Entwicklung personeller Ressourcen und eine höhere Faktorproduktivität
erfordern.
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