Texte und Berichte
- Entwicklungspolitk und Militär- Dokumente
Einführung
Session V
Adolf
Kloke-Lesch
Unterabteilungsleiter
Frieden und Demokratie, Menschenrechte, Vereinte Nationen
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (BMZ), Deutschland
Sehr geehrte Damen
und Herren,
wir haben uns bislang
in vier Sitzungen mit unterschiedlichen Regionen und unterschiedlichen
Mandaten internationaler Friedensmissionen beschäftigt. Jetzt kommen
wir in dieser Schlusssitzung zusammen, um Bilanz zu ziehen, um zu fragen,
welche Konsequenzen wir entwickeln können - in Deutschland, in
den anderen hier vertretenen Geberländern und in den jeweiligen
multilateralen Formaten.
Dass unser Thema
absolut "key" - ein Schlüsselthema - ist, wurde daran
deutlich, dass eine ganze Menge Frieden zu sichern ist - eine
Botschaft, die wir gestern gerade auch aus der afrikanischen Perspektive
vernommen haben. Gleichzeitig haben wir gehört, dass in der ersten
Postkonfliktdekade rd. 50 % der Länder in den Konflikt zurückfallen,
davon in der Hälfte der Fälle, so wurde geschätzt, aufgrund
von Fehlern oder Prozessen in der Postkonfliktphase. Einige sprachen
von einer tiefen und fundamentalen Krise von Peacekeeping/Peacebuilding,
andere waren optimistischer. Der VN-Generalsekretär hat in seinem
jüngsten Bericht an die Generalversammlung zur Implementation der
Millenniumserklärung auf eine bevorstehende 50%ige Steigerung der
Blauhelme hingewiesen, wenn alle in Vorbereitung stehenden Missionen
voll implementiert werden. Damit wird einmal mehr die wachsende Bedeutung
des Themas unterstrichen.
Einige Diskussionsbeiträge
meinten festzustellen, dass die Unterschiede zwischen Krieg und Frieden
verschwämmen. Das schafft natürlich eine äußerst
komplizierte Situation. Als im Jahre 1791 die französische Konstituante
sich mit dem Verhältnis von Zivilverwaltung und Militär befasste,
hat sie drei Zustände beschrieben: Im Zustand des Friedens - état
de paix - arbeiten Militär und Zivilverwaltung in ihren jeweiligen
eigenen Aufgaben parallel nebeneinander. Im Zustand des Krieges - état
de guerre - müssen sich die zivilen Verwaltungen mit den Militärs
koordinieren. Im Belagerungszustand - état de siège
- wird die gesamte Zivilverwaltung unter das Militärkommando gestellt.
Wir sind sicherlich heute über 200 Jahre weiter und uns einig in
der Frage der zivilen und politischen Steuerung und Kontrolle des Militärs.
General Eisele und andere haben darüber hinaus betont, in jedem
Militär stecke ein Zivilist. Trotzdem sind es diese Bilder und
Begriffe von Frieden, Krieg und Belagerungszustand, die viele, gerade
auch zivile Aufbauhelfer nervös machen, wenn es um das Zusammenwirken
von Militär und Entwicklungspolitik in politischen Stabilisierungsmissionen
geht. Deshalb müssen wir, wenn wir über Peacekeeping sprechen
und um Peacebuilding ringen, klar machen, dass es um den Zustand des
Friedens geht und dass sich daraus auch die Akteure und Rollen ergeben,
die in dieser Situation Vorrang haben sollten.
Wenn ich jetzt
überleite zum Panel, so geht es einerseits darum, wie Entwicklungspolitik
in solchen Kontexten besser werden kann. Andererseits ist gleichzeitig
zu fragen, wie sich auch militärische und außenpolitische
Akteure anpassen oder verändern müssen, damit wir alle gemeinsam
besser werden. Erlauben Sie mir an dieser Stelle eine kurze präzisierende
Bemerkung: Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe werden leicht
in dieser Diskussion in einen Topf geworfen. Sie haben sicher viele
Gemeinsamkeiten, aber im Kontext von Peacebuilding gibt es auch deutliche
Unterschiede. Entwicklungspolitik ist eine politische Gestaltungsaufgabe,
die im Zusammenhang mit anderen Instrumenten internationaler Politik
steht. Insofern sind einige Prinzipien der Humanitären Hilfe nicht
"eins zu eins" übertragbar auf die Entwicklungspolitik.
Durch die beiden
Tage des Entwicklungspolitischen Forums hat uns eine Reihe von Fragen
begleitet. Ich will zusätzlich zu den Leitfragen unserer Sitzung
einige noch mal kurz hervorheben, die sich sicherlich auch durch die
Beiträge in dieser Sitzung ziehen werden:
Erstens: Mandate
und Akteure. Wie müssen Mandate gestaltet sein und welche Akteure
sind geeignet, um ein optimales Zusammenwirken von Entwicklungspolitik
und Militär zu ermöglichen?
Zweitens: Finanzierung.
Sind die Ressourcen, die wir im militärischen Bereich weltweit
haben, auf die richtigen Prioritäten gesetzt - international, wie
auch in den Entwicklungsländern? Wie können wir aufeinander
abgestimmte Finanzierungsinstrumente für militärische und
entwicklungspolitische Beiträge finden.
Drittens: Zeit.
Gerade auch das vorangegangene Panel zu Afghanistan hat deutlich gemacht,
dass Zeit und Timing Schlüsselkategorien sind. Zeit ist unerbittlicher
als Geld. Wie können die verschiedenen internationalen Interventionen,
die zivilen und die militärischen sowie die örtlichen Prozesse
zeitlich besser ineinander greifen und aufeinander abgestimmt werden?
Viertens: Prinzipien.
Was sind die wichtigsten Prinzipien für bessere Koordination, Kommunikation,
Komplementarität? Wo liegen dazu die gemeinsamen ethischen Grundlagen?
Wir haben für
unser Thema und diese Fragen ein interessantes Panel, das sowohl die
VN, bilaterale Akteure, die EU wie auch NGOs und gleichzeitig die außenpolitische,
die militärische und die entwicklungspolitische Perspektive zusammenführt.
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