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Leserbriefe


Irritierende Beiträge

Der Mythos westlicher
Entwicklungshilfe
Die Wurzeln
der kenianischen Krise

E+Z/D+C 2/2008, S. 69 ff. und S. 86

Der Aufsatz von K. Mahbubani „Der Mythos westlicher Entwick­lungshilfe“ erweckt nicht den Eindruck, dass der aus Singapur kommende Autor hinreichend Kenntnis der langjährigen westlichen Bemühungen um die Entwicklungshilfe hat. In seiner ablehnenden Beurteilung strotzt der Aufsatz von altbekannten Klischees. Herr Mahbubani macht gar keinen Versuch, einen erhellenden Beitrag zur Erläuterung seiner fast durchweg negativen Thesen zu erbringen. Ich bin wahrlich nicht der Meinung, dass die westliche Entwicklungshilfe und -politik als Ganzes eine sehr überzeugende Bilanz aufweist. Aber die Thesen des Herrn Mahbubani werden der Vielfalt der eingeschlagenen Ansätze, der Komplexität der Materie und auch der Ergebnisse in keiner Weise gerecht.

Auch den Kommentar von M. Ngesa über die Wurzeln der kenianischen Krise finde ich irritierend. Die Autorin bezieht sich in der Mittelspalte auf eine These von C. Elkin zur Schuld der britischen Kolonialmacht an der fortwirkenden Malaise von Hass und Tribalismus in der kenianischen Gesellschaft und macht sich diese offenkundig zu eigen. Es macht den Eindruck, dass sie die Diskussion um Anspruch und Wirksamkeit der von der Kolonialmacht versuchten „pax britannica“ insbesondere in den ersten Dekaden der Kolonialzeit überhaupt nicht kennt, sonst wäre sie darauf eingegangen. Auch um eine Analyse der neuen nachkolonialen Probleme bemüht sie sich nicht sonderlich. Ihr Urteil wäre sonst vielleicht weniger vernichtend ausgefallen.

Prof. Dr. P. von Blanckenburg, Berlin



Vernachlässigte Kommunen

Schwerpunkt:
Geberharmonisierung und die EU / „Ohne Wirkung“,

Monitor S. 50, E+Z/D+C 2/2008

In E+Z 2/2008 wird die Beobachtung geschildert, die Intentionen der Paris-Erklärung seien nicht verwirklicht. Aus der intensiven Arbeit mit Kommunen gibt es Erfahrungen, die das bestätigen und bekräftigen.

ICLEI-Local Governments for Sustainability ist ein weltweiter Kommunalverband (www.iclei.org). Wir arbeiten seit fast 20 Jahren an globalen Programmen zur Stärkung der kommunalen Handlungsfähigkeit im Sachen Nachhaltigkeit. In den letzten Jahren beobachten wir eine zunehmende Diskrepanz. Zu allen möglichen Gelegenheiten werden Kommunen als relevante Handlungsträger gepriesen. Faktisch wird die globale Arbeit mit Kommunen gerade im Süden aber immer schwieriger. Warum?

– „Ownership“ gibt es zwar auf der kommunalen Ebene, aber mehr Entscheidungsspielraum der Empfängerländer kommt den Regierungen zugute – nicht den Kommunen. Gerade in Ländern mit schwachen Governance-Strukturen, wo es besonders wichtig wäre, an der Basis anzusetzen, haben Projekte zur Stärkung der Kommunen keine Priorität. Dabei ließen sich öffentliche Beteiligung und Kontrolle auf dieser Ebene praktisch einführen, was der demokratischen Entwicklung dienen würde. Die Fixierung auf nationale Regierungen ist problematisch, wenn der demokratische Unterbau gestärkt werden soll.

– Internationale Geberprogramme werden immer aufwendiger. Bündelung heißt das Schlagwort. Kommunen kann man aber sehr wirkungsvoll mit kleineren, dafür aber langfristigen Projekten unterstützen. Mehrstellige Millionen-Programme sind oft gar nicht nötig, diese nützen den großen Konsortien, regionalen Banken und Zwischeninstitutionen.

– Auch wenn multilaterale Zusammenarbeit auf der Geberseite wächst, bleibt sie in den meisten Fällen doch auf einzelne Zielländer beschränkt. Posititive Ausnahmen bilden neue Programme von EuropeAid, die ganze Regionen im Blick haben. Gerade in Projekten zum kommunalen Klimaschutz, zu neuen Mobilitätsstrategien, zu Umweltmanagementsystemen und so weiter lernen Kommunen von anderen Kommunen. Nichts ist wirkungsvoller als inter-kommunale Netzwerke Nord-Süd und zunehmend Süd-Süd. Diese passen aber sehr oft nicht in die Schwerpunkt-Kataloge für einzelne Zielländer der Geberorganisationen. Ein internationales Projekt, wie es etwa vor 15 Jahren zur Verbreitung der „Lokalen Agenda 21“ gegeben hat, wäre heute schwieriger zu finanzieren als damals.

Solche, ganz praktischen Probleme müssen in der Diskussion über die Paris-Erklärung berück­sichtigt werden.

Monika Zimmermann
Direktorin, International Training Centre; ICLEI-Local Governments
for SustainabilityTraining;.centre@iclei.org; Freiburg




Sensationalismus

Titelbild Fragile Staatlichkeit
E+Z/D+C 3/2008

Ich gebe gerne zu, dass das ge­wählte Bild den Zusammenhang zwischen Krieg, Bewaffung, Zerstörung und gegebenenfalls Afghanistan präsentiert – aber Sie liegen schief. Die Zerstörung war Folge eines Klinikbrandes, und die Bundeswehr (siehe Soldat links) hat erste Hilfe geleistet, ebenso wie bei der Errichtung eines Containerkrankenhauses und einer Bettenstation (Auftrag AA an KfW/GTZ). Ein neues Krankenhaus ist in der Vorplanung (Auftrag AA für KfW).

Wenn kommerzielle Zeitschriften / TV-Medien die Lehmruinen Kabuls als Ergebnis der Befreiung von den Taliban zeigen, obwohl es mit den Taliban nichts zu tun hat, ist das eine Sache. E+Z sollte da etwas weniger effektheischend sein, sorry.

Thomas Schwabe, GTZ, Eschborn


Anmerkung der Redaktion:
Das Bild symbolisiert die komplexe Thematik fragiler Staatlichkeit aus unserer Sicht korrekt. Wo sonst als in einem Krisenstaat würde jemand eine Brandstelle in solch schwerer Bewaffnung besuchen? Und wo in Asien – außer in einem Krisenstaat – würde das ein Bundeswehrsoldat tun? Die Ausrüstung des Soldaten sieht wirklich nicht nach Erster Hilfe aus. Das Foto dokumentiert durchaus die schwierige Konfliktsituation.

Die Aufnahme wurde vermutlich nicht gleich nach dem Brand, sondern bei einem Besuch des SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Struck im Februar 2007 gemacht. Das ergibt der Kontext, in dem dpa das Bild anbietet. Leibwächter sind in friedlichen Ländern meist anders gekleidet, und deutsche Spitzenpolitiker greifen im Ausland normalerweise nicht auf schwerbewaffnete Bundeswehrsoldaten zurück.

Wir wollten Leser nicht in die Irre führen, sondern haben eine Illustration gesucht, welche die Dilemmata fragiler Staatlichkeit andeutet. Sollten sich Leser ernsthaft getäuscht fühlen, entschuldigen wir uns.
Wir bitten aber auch zu bedenken, dass die Bildberichterstattung aus Kriegssituationen immer problematisch ist. Das Material, das die „embedded journalists“, egal von welcher Seite, liefern, ergreift fast immer Partei. Dieses Bild tut das nicht – und auch das sprach dafür, es zu verwenden. (dem)

E+Z, 2008/05, Debatte, Seite 216-217

Entwicklung & Zusammenarbeit

E+Z Ausgabe

Nr. 05 2008, 49. Jahrgang, Mai 2008

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