[ Editorial ]
Was zu tun wäre
Kinder kriegen ist die natürlichste Sache der Welt. Aber in Entwicklungsländern ist sie oft tödlich. Jede Minute stirbt irgendwo auf der Welt eine Frau während Schwangerschaft oder Geburt – 99 Prozent davon in armen Ländern.
Wo die Mädchenheirat Tradition ist, werden junge Frauen schwanger, ehe ihr Körper dem gewachsen ist. Bei unter 20-Jährigen ist das Risiko, im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt zu sterben, bis zu 25 Mal höher als bei erwachsenen Frauen. Oft fehlt es auch an qualifizierter medizinischer Betreuung. Notfallmaßnahmen bei Komplikationen – wie etwa Kaiserschnitte – können vielerorts nicht unternommen werden.
Viele Frauen, die komplizierte Entbindungen überleben, tragen schwere Schäden, etwa Fisteln, davon. Genitalverstümmelung macht derlei noch wahrscheinlicher. Aber auch Unwissenheit, eingeschränkte Möglichkeiten der Empfängnisverhütung oder mangelnde Kooperationsbereitschaft der Männer tragen dazu bei.
Die Gesundheit von Frauen ist überall da besonders gefährdet, wo es um ihre Selbstbestimmung – und zwar auch die sexuelle – schlecht bestellt ist und sie nur geringen Einfluss auf die Familienplanung haben. Besonders schlimm ist die Lage in Ländern, wo Soldaten und Milizionäre Frauen aus kriegstaktischen Gründen vergewaltigen, wie das nicht nur in Kongo oder Sudan geschieht.
Viele Frauen sind nicht in der Lage, selbst zu entscheiden, ob sie ein Kind bekommen wollen oder nicht. Für sie ist eine Schwangerschaft nicht Segen, sondern Strafe. Jährlich treiben 42 Millionen Frauen weltweit ab. Damit ist dies einer der häufigsten medizinischen Eingriffe. Wo dieser verboten ist, versuchen verzweifelte Frauen, ihr Problem selbst zu lösen, sei es mit Stricknadeln und anderen fraglichen Mitteln und gefährden so ihr Leben.
Bis 2015 soll die Müttersterblichkeit – so ein Millenniumsziel der UN – um drei Viertel reduziert werden. Doch in Malawi zum Beispiel starben in den letzten Jahren sogar mehr werdende Mütter. Voraussetzungen, um die Situation zu verbessern, wären:
– Stärkung der Rechte und Selbstbestimmung der Frauen,
– Zugang zu Bildung,
– Umfassende Aufklärung,
– Ausbau des Gesundheitswesens,
– qualifizierte Betreuung während Schwangerschaft und Geburt sowie
– Möglichkeiten der Familienplanung.
Bislang zeichnen sich kaum Erfolge ab, die „unsichtbare Epidemie“, wie die WHO Müttersterblichkeit nennt, in den Griff zu bekommen. Was zu tun wäre, ist längst bekannt. Es ist gut – aber eben längst nicht ausreichend –, dass die internationale Gemeinschaft wenigstens dem verwandten Thema HIV/Aids zunehmend Aufmerksamkeit schenkt.
Eleonore von Bothmer
Redakteurin E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation
»» euz.editor@fsd.de
Verwandte Artikel
»» Mehr zum Thema Bevölkerung, Familienplanung
»» Mehr zum Thema Gender, Frauen
E+Z, 2008/09, Editorial, Seite 310



