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[ Nachwuchsförderung ]

Young Leaders für eine sozialere Wirtschaft

Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility sind Begriffe, mit denen sich größere Unternehmen heute aktiv auseinandersetzen müssen. Bisher gibt es wenig qualifiziertes Personal. Neue Nachwuchs­programme für die Bildungselite sollen das ändern. Die Unternehmen reagieren positiv auf diese Bemühungen.


[ Von Sarah Schmitz ]

Die Teamleiter umarmen sich. Auf dem Boden liegt eine bunte Decke, darauf eine alte Konservenbüchse mit Blumen. Das Klischee des jungen, engagierten Menschen, der hinaus in die Welt zieht, um sie ein Stück besser zu machen, schwingt beim Besuch dieses ASA-Vorbereitungsseminars ein bisschen mit. ASA ist ein Programm für junge Studierende und Berufstätige ohne akademischen Hintergrund, die Erfahrung in Afrika, Lateinamerika, Asien oder Südosteuropa sammeln möchten.

Zu den traditionellen ASAten hat sich auf diesem Workshop erstmals auch ein neuer Typus hinzugesellt: die Young Leaders for Sustainability (YLS). Das Seminar, an dem sie teilnehmen, hat sie in eine Jugendbildungsstätte in Werftpfuhl, einem Dorf in Brandenburg, geführt. Es beruht auf einem neuen Konzept, das gemeinsam mit dem Collective Leadership Institute (CLI)­­ ­­ e. V. entwickelt wurde. Das CLI ist in der Wirtschaft gut vernetzt. Das Ziel der Kooperation ist, nachhaltiges Wirtschaften in Un­ter­nehmen zu fördern.

Die Young Leaders stehen zumeist am Ende ihres Studiums und sind das, was man als junge Bildungselite bezeichnet: Sie sind auf dem Sprung in eine Karriere. Ihren Lebenslauf zieren internationale Praktika und Arbeitserfahrung, häufig auch in der Privatwirtschaft. Im YLS-Programm absolvieren sie zunächst drei Monate lang ein Praktikum in einem deutschen Unternehmen. Sie betreuen ein Projekt, das sie im Anschluss im entsprechenden Auslandsbüro oder in einer Partnerorganisation weiterführen.

Frederik Tipp beginnt im Oktober sein Masterstudium in Umwelt- und Entwick­lungsangelegenheiten in Sussex. Er ist einer der elf Teilnehmer, die Anfang des Jahres das Auswahlverfahren zum Young Leader erfolgreich mitgemacht haben. Der 24-Jährige hat Praktika unter anderem in England und Vietnam absolviert. Nun ist er für drei Monate Praktikant bei EDE Consulting. Dann geht es weiter nach El Salvador, wo er für das Unternehmen den betriebs- und volkswirtschaftlichen Mehrwert von nachhaltig produziertem Kaffee untersuchen soll. Besonders schätzt er daran, dass er Gestaltungsspielraum hat und von den „typischen Praktikanten-Arbeiten“ verschont bleibt.


Vorteile für alle Beteiligten

Während ihres halbjährigen Trainings beschäftigen sich die Young Leaders mit Themen wie interkulturelle Kommunikation, Nachhaltigkeit und soziale Unternehmensverantwortung. Corporate Social Responsibility – kurz CSR – ist mittlerweile in aller Munde. Firmen nehmen diesen Wettbewerbsfaktor ernst. CSR ist eine Möglichkeit, das soziale Image eines Unternehmens in der Öffentlichkeit und in den Medien zu verbessern. Wer keinen Nachhaltigkeitsbericht vorweisen kann, gilt unter den großen Firmen als Stiefkind.

Noch immer gibt es in Deutschland nur wenige Studiengänge, die sich im Schwerpunkt mit Nachhaltigkeit beschäftigen. Daher kommen praxisorientierte Programme wie Young Leaders for Sustainability bei den Unternehmen gut an: „Es gibt noch zu wenig qualifiziertes Personal im Bereich des CSR“, sagt Christian Pohl, bei Ernst & Young Deutschland für das Thema zuständig. Zwar habe sich das CSR Team von Ernst & Young in diesem Jahr nahezu verdoppelt, aber man sei immer noch auf der Suche nach zusätzlichem Personal. „So ein Programm ist sinnvoll, um das Thema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft weiter zu verankern“, sagt Pohl.

Er hat gleich zwei Studenten des Young-Leaders-for-Sustainability-Programms in sein Team aufgenommen. Mittlerweile sind sie in der Dependance in Mumbai (Bombay). Sie untersuchen, wie zuverlässig indische Zulieferer in Indien Wertschöpfungsketten für ihre europäischen Auftraggeber managen. Die Rückmeldung der an dem Pilotprojekt beteiligten Unternehmen ist positiv. Neben Ernst & Young, der Tchibo Holding AG und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) wollen im zweiten Durchlauf auch viele weitere Unternehmen Studierende aufnehmen. Die Zahl der Teilnehmer soll verdoppelt werden.

Auch für die jungen Menschen lohnt sich das Praktikum: Anita Augustin, eine 27-jährige Diplom-Soziologin, sieht ihren Young-Leaders-Aufenthalt als Chance: „Für mich ist das Programm ein Sprungbrett, um in der Berufswelt Fuß zu fassen.“

Das Konzept ist viel versprechend. Dennoch gibt es auch die Befürchtung, das seit 1960 bestehende ASA-Programm könnte sein traditionelles Gesicht verlieren und sich zu stark nach wirtschaftlichen Aspekten orientieren. Andrea Dorneich, zuständig für das Young-Leaders-Programm bei ASA, hält dagegen: „Die Diskussion, mit welchen Unternehmen wir kooperieren, wird bei ASA sehr sensibel geführt.“ Sie betont aber auch, es bringe nichts, nur mit Firmen zusammenzuarbeiten, die ohnehin schon ein soziales Image hätten.

Dorneich sieht YLS als ein Mittel, um Nachhaltigkeitsdenken fester in Unternehmen zu verankern, ohne dass wirtschaftliche Aspekte aus den Augen verloren würden. Deshalb erhielt das Programm für 2009 auch schon eine internationale Auszeichnung als offizielles UN-Dekaden-Projekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Dorneich hofft, dass diese Tatsache zusätzliche Unternehmen dazu motivieren wird, im nächsten Jahr mit YLS zu kooperieren.

E+Z, 2008/09, InWEnt Forum, Seite 346-347

Entwicklung & Zusammenarbeit

E+Z Ausgabe

Nr. 09 2008, 49. Jahrgang, September 2008

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