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Erste deutsche Technische Auslands-Universität in Kairo eröffnet

Etwa eine halbe Autostunde außerhalb der Millionenstadt Kairo liegt fast malerisch die erste deutsche private Auslandsuniversität, die am 5.10.03 von Bundeskanzler Schröder, Ägyptens Staatspräsidenten Mubarak und dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Teufel
eröffnet wurde.
"Gerade in dieser von Krisen und Konflikten so schmerzhaft geprägten Region wollen wir unsere Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass Frieden und Entwicklung einander bedingen", sagte Schröder bei der Eröffnung: Nur eine aufgeklärte wissenschaftliche Führungsschicht sei ein mächtiger Verbündeter im Kampf gegen Fanatismus, Ideologie und Demagogie ... Der Bundeskanzler würdigte die Deutsche Universität Kairo als einen starken Pfeiler in den ohnehin engen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. [...]
Auch für die Dozenten der Universität ist dieser Tag sehr wichtig. Dekan Professor Ali Tallat hat jahrelang auf diesen Tag gewartet. Die Technische Hochschule mit 800 Studenten gilt bereits jetzt als Prestigeobjekt für den deutschen Bildungsexport. Die Inhalte werden zwar in englischer Sprache unterrichtet, aber alle Studenten sollen begleitend Deutsch lernen. In Berlin wird dieses Konzept als Versuch gewertet, ägyptische Eliten an Deutschland heranzuführen. Akademische Unterstützung kommt von den Partneruniversitäten Ulm und Stuttgart, die die Qualität der Lehrinhalte gewährleisten. [...]
Im Wintersemester 2007/2008 sollen über 5000 Studenten eingeschrieben sein und 300 Dozenten lehren. Leisten kann sich eine solche Ausbildung in Ägypten nur, wer das nötige Kleingeld mitbringt.
Die Idee für die German University Cairo (GUC) hatte der ägyptische Polymer-Physiker Aschraf Mansur, der sich an der Universität Ulm habilitierte. "Diese Wurzeln wollte ich nicht aufgeben, aber sie sollten jetzt in Ägypten wachsen", beschreibt der 41-Jährige heute seine Motivation für die Neugründung. Ägyptische Geschäftsleute und Hochschullehrer stellten das Startkapital bereit, das notwendige Know-how lieferten die Partneruniversitäten in Ulm und Stuttgart. Im Oktober 2001 wurde der Grundstein für die GUC gelegt, ab der kommenden Woche werden zunächst Fächer wie Informationstechnologie, Biotechnologie oder Management gelehrt. Der Lehrbetrieb soll über Studiengebühren finanziert werden, bis zu 8700 Euro im Jahr.
Für das deutsche Hochschulwesen symbolisiert die Eröffnung der GUC eine Trendwende. "Die GUC steht in einer Reihe mit 29 anderen Projekten von China bis Chile, in denen deutsche Hochschulen ihre Bildungsangebote exportieren", so der Generalsekretär des DAAD, Christian Bode. Bisher mussten ausländische Studenten nach Deutschland kommen, um in den Genuss deutscher Bildungsstandards zu kommen. Jetzt wird der umgekehrte Weg erprobt. Die GUC ist das wohl bedeutendste der 29 Projekte, in denen deutsche Universitäten Studienangebote ins Ausland exportieren – von einer deutschen Fakultät an der Universität Hanoi bis zu einer "Summer School Deutsches Recht" in der Ukraine.

Quelle: Christiane Buck, Die WELT vom 6. Okt. 2003