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Seite 4:

Gesellschaft
und Kultur

Äthiopien




Flagge
Äthiopien ist eine Gesellschaft mit einer sehr vielfältigen, alten und traditionsbewussten Kultur. Im Hochland zeugen noch heute beeindruckende Bauten von den Leistungen seiner Bewohner. Axum, Harar und Gonder, ebenso wie die Felskirchen von Lalibela, die zum Weltkulturerbe zählen, oder der Fundort von Lucy sind Anziehungspunkt für die Äthiopier, Touristen und Forscher.



Scheich


Von großer Bedeutung für Kultur und Gesellschaft ist, dass Äthiopien keine Kolonie war. Es war nur einige Jahre von Italien besetzt (1936 - 1941) und bis Anfang der 1990er Jahre ein weitgehend von der Welt abgeschlossenes und isoliertes Land.

Seit Mitte der 1990er Jahre haben sich fremde Einflüsse auf das Alltagsleben der äthiopischen Gesellschaft erheblich ausgeweitet und intensiviert. Hierfür ist vor allem das Ende der Militärdiktatur ursächlich. In der Folge sind es dann die Rückkehr von Äthiopiern aus dem Exil und von einer sehr großen Zahl von Stipendiaten, die in allen Kontinenten studierten, von Arbeitskräften, die in den Golfstaaten arbeiten, die mit ihrer Rückkehr neue Erfahrungen und Ideen mitbringen. Aber auch Entwicklungsvorhaben von bi- und multilateralen Gebern sowie von NGOs tragen erheblich zu Veränderungen bei, ebenso wie die Liberalisierung des Handels, die Entwicklung des Medienangebotes, das Internet und der Tourismus. All diese Faktoren haben befruchtende aber auch konfliktive Wirkungen. Es gibt nach wie vor Landesteile (wie etwa in den Bundesländern Gambella, Benishangul-Gumuz, Afar, Teilen von Somali und der Süd-Region), in denen noch heute Teile der Bevölkerung ohne dem Zwang zur Auseinandersetzung mit der Moderne leben.

Äthiopien wird als Vielvölkerstaat mit einer sehr großen Zahl von Ethnien bezeichnet. Ihre genaue Zahl ist nicht bekannt. Sie wird mit mindestens 64 und in anderen Quellen mit bis zu 120 angegeben. Geschätzt wird, dass bis zu 80 Sprachen in 200 Dialekten gesprochen werden. Die größte ethnische Gruppe wird von den Oromo gebildet, die eine kuschitische Sprache sprechen. Sie stellen schätzungsweise 35% der Bevölkerung. Amharen stellen gut 30% der Bevölkerung, die Tigray 7%. Bedeutende Gruppen sind weiterhin die Somali mit 6% und Sidama mit 6%.

Religion

Annähernd 90% der Bevölkerung sind Teil einer Glaubensgemeinschaft . Es gibt zwei große Glaubensgemeinschaften. Dies sind orthodoxe Christen (35% - 40%) und sunnitische Muslime (45% - 50%). Ca. 15% sind entweder Anhänger anderer christlicher Kirchen oder aber Animisten. Sie sind in der Regel sehr strenggläubig. Gleichzeitig gilt Äthiopien als Beispiel der friedlichen Koexistenz von Glaubensgemeinschaften. Mit dem Ende des Bürgerkriegs setzte eine teilweise massive und aggressive Missionierung durch unterschiedliche Kirchen ein. Dies hat Verschiebungen in den Anteilen der Glaubensgemeinschaften zur Folge. Auch deswegen häufen sich Konflikte.



Moschee


Rolle der Frau

Die Rollen von Frauen sind bestimmt durch traditionelle Institutionen. Heirat, Rolle als Mutter und Aufgabenzuweisung im Haushalt bestimmen vor allem im ländlichen Bereich das Leben.



Brot


Obgleich die Rechte der Frauen in der Verfassung verankert sind, sind kulturelle Barrieren ein wesentlicher Hinderungsgrund für ihre sehr schwerwiegende Benachteiligung. Frühe Zwangsverheiratung, Vergewaltigungen und Verstümmelung der Geschlechtsorgane sind ebenso manifeste Benachteiligungen wie ein schwerer Zugang zu Bildung und eine völlig unzureichende Repräsentation auf politischer Ebene.

Konflikte

Äthiopien hat eine sehr kriegerische und konfliktive Vergangenheit. Dies hat einen erheblichen Einfluss auf die Gegenwart. Erst seit einigen Jahren findet eine analytische Auseinandersetzung mit Konflikten und ihrer Bedeutung für die heutige Gesellschaft statt.



Reiter


Konflikte in Äthiopien haben Ihren Auslöser unter anderem in der Konfrontation des angestrebten modernen, bürokratischen Staates mit den vorstaatlichen, gruppen- und familiengesteuerten Regelungsformen der Bevölkerung. Der Regierung ist es bis heute nicht gelungen, in diesem Kontext selbst gesetzte, rechtsstaatliche Normen einzuhalten. In einer Reihe von Fällen ist sie für die gewaltsame Eskalation von Konflikten verantwortlich.
Darüber hinaus gibt es Konflikte, die aus gewaltsamen Expansionsbestrebungen von Gruppen resultieren, oder sich etwa aus unterschiedlichen traditionellen Nutzungsinteressen von natürlichen Ressourcen (nomadische Viehwirtschaft gegenüber sesshafter Landwirtschaft) ergeben.
Des Weiteren gibt es Konflikte, die ihren Auslöser in der Vorstellung von einigen ethnischen Gruppen haben, dass sie über einen "natürlichen" Herrschaftsanspruch in Äthiopien verfügen oder aber dass aus dem Freiheitskampf, der bis in die 60er Jahre zurückreicht, ein spezifischer Herrschaftsanspruch einer oder mehrerer Gruppen abzuleiten sei.
Äthiopien hat mit dem föderalen Regierungssystem einen Versuch unternommen, formale Institutionen zu schaffen, die es ermöglichen, Konflikte ohne die Anwendung von Gewalt zu bearbeiten. Dies umzusetzen ist für alle Beteiligte eine enorme Herausforderung.

Musik und Tanz


Die unterschiedlichen Ethnien haben eigenständige Musikformen und Tänze entwickelt. Viele Lokale und Restaurants in Addis Abeba und anderen großen Städten bieten mehrmals in der Woche einen guten Einblick in die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen, die in Äthiopien zu finden sind. Ein Besuch lohnt sich immer.


Tanz


Verbindungen traditioneller Musik mit modernen Musikelementen sind sehr beliebt. Aster Aweke ist die wohl bekannteste äthiopische Weltmusikerin. Reggae ist sehr beliebt in Äthiopien. Reggae wird häufig in Verbindung mit Rastafari gestellt. Es ist eine um 1930 in Jamaika entstandene afroamerikanische Religion. Sie ist nach Haile Selassie I. benannt. Der Geburtsname Selassies war Ras Tafari Makonnen. Daraus entstand Rastafari.

Sport


In Äthiopien wird viel Sport getrieben. Fußball ist sehr beliebt und 'gekickt' wird mit so gut wie allem, was nach einem Ball aussieht.

Fussball


Äthiopien hat viele international sehr erfolgreiche Läuferinnen und Läufer. Und vor allem hat Äthiopien den afrikanischen Läufer aller Läufer hervorgebracht, Abebe Bikila, das Vorbild einer, in vieler Hinsicht, sehr erfolgreichen, folgenden Läufergeneration. Heute genießt zum Beispiel Haile Gebreselassie auch wegen seiner persönlichen, vorbildlichen Integrität den Status eines Nationalhelden. Es gibt inzwischen regelmäßig stattfindende Laufveranstaltungen mit mehreren tausend Teilnehmern.

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