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Afghanistan

Flagge

Seite 1: Landesübersicht & Naturraum

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Lage und Größe des Landes

Blick von Norden auf Spinghar-Gebirge
Ostafghanistan: Der Spinghar
("Weißer Berg")

Die Islamische Republik Afghanistan bedeckt eine Fläche von ca. 652 000 km²; zum Vergleich: die Bundesrepublik Deutschland begnügt sich mit
357 000 km². Ihre größte Ausdehnung beträgt in Südwest-Nordost-Richtung rund 1550 km, von Norden nach Süden etwa 750 km. Afghanistan liegt zwischen dem 29. und 38. nördlichen Breitengrad sowie dem 60. und 75. östlichen Längengrad; die afghanische Ortszeit ist daher der Mitteleuropäischen Normalzeit um 3 Stunden und 30 Minuten (bei Sommerzeit 2 Stunden und 30 Minuten) voraus.
Das Land liegt im altweltlichen Trockengürtel, der sich von Nordafrika bis Zentralasien erstreckt, es ist durch extremes Kontinentalklima gekennzeichnet mit einem Tag-Nacht-Gefälle von bis zu 40 Grad und Sommer-Winterextremen von -59 Grad bis +53 Grad. Die geringen und unregelmäßigen Niederschläge erlauben  nur 10 % des Landes mit regelmäßigem Ackerbau zu nutzen, der Rest des Landes besteht aus Steppen, Wüsten und Hochgebirge.

Man kann sich Afghanistan wie eine Hand mit dem Rücken nach oben vorstellen, die von Nordost nach Südwest weist, der Handrücken entspricht dem Hauptkamm des Hindukusch, dessen Gipfel über 7000 m ragen, die gespreizten Finger bilden die Gebirgszüge, welche vom Hindukusch ausgehen. Zwischen den Fingern fließen die wichtigsten Flüsse, wie Kabul, Hilmend, Farah Rud, Hari-Rud und Murghab. Im Nordosten bildet der im Oberlauf auch Panj genannte Oxus (Amu Darya), der aus dem Pamir kommt, die Grenze zu Mittelasien. Nur zwei ganzjährig befahrbare Pässe, der Sabzak (2120 m) im Westen und der Salang (3400 m) im Osten verbinden Nordafghanistan mit dem Rest des Landes.

Schneebedeckter Hindukusch, vom Flugzeug aus gesehen
Hindukusch-Hauptkamm

Landes-
impressionen

Der Website von Luke Powell enthält eine große Sammlung eindrucksvoller Fotos aus allen Regionen Afghanistans, sowohl aus der Vorkriegszeit wie auch aktuelle Bilder.

Einen Kontrast zu diesen malerischen Szenen bilden die Afghanistan-Fotos von Ben Krain, der für die US-amerikanische Regionalzeitung Arkansas Democrat Gazette arbeitet und das Land vor allem unter dem Aspekt von Krieg und Wiederaufbau fotografiert hat.

Westafghanistan
Westafghanistan: Südlich Shindand


Grunddaten

Einen umfassenden Überblick über Afghanistan in englischer Sprache stellt der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA in seinem World Factbook zur Verfügung, ebenso das Länderprofil "Afghanistan" der Washingtoner Kongressbibliothek.


Naturräumliche Gegebenheiten









Satellitenfoto des oberen Kabulbeckens;
markant hebt sich das grüne Kulturland von
den umliegenden kahlen Bergen ab
(Quelle: NASA)

Landschaftsgeographisch läßt sich Afghanistan in folgende sieben Regionen einteilen:

  • die an den nördlichen Grenzfluss Amu-Darja angrenzenden Ebenen und Hügelländer ("Baktriane"); diese Region zählt dank ihrer Lößböden zu den fruchtbarsten Kulturlandschaften Afghanistans und wird von Flüssen aus dem nördlichen zentralen Hochland (Balkhab, Safed Rud, Samangan, Kunduz) bewässert. Unmittelbar am Amu-Darja, der als einziger afghanischer Fluss ganzjährig schiffbar ist, erstreckt sich ein etwa 50 Kilometer breiter Wüstengürtel aus Sanddünen, den lediglich der Kunduz-Fluss zu durchqueren vermag; die anderen genannten Flüsse versiegen südlich davon in Binnendeltas.
  • das westliche Hügelland entlang der iranischen Grenze; es erstreckt sich von Gulran an der turkmenischen Grenze über die Flussoase des Heri Rud mit der Großstadt Herat bis etwa zum Farah Rud, wo es in die Wüstenregion des weiter unten beschriebenen Hilmend-Beckens übergeht. Von den Flussoasen abgesehen herrscht Steppenvegetation vor, die nach Süden zunehmend in Halbwüste übergeht. Unmittelbar an der iranischen Grenze erstrecken sich ausgedehnte vegetationslose Salztonebenen (Namaksar, Dasht-e Naomid).
  • der eigentliche Hindukusch; das imposante Hochgebirge im Osten und Nordosten, mit dem Afghanistan üblicherweise pauschal identifiziert wird ("Land am Hindukusch"). Die Hauptkette des Hindukusch beginnt östlich von Bamiyan mit Gipfelhöhen um 5000 m, die nach Osten hin schnell ansteigen; östlich des Anjuman-Passes werden bereits beträchtlich über 6000 m, im Wachan-Korridor schließlich bis zu 7490 m (Noshaq, höchster Berg Afghanistans) erreicht. Die Schneegrenze liegt zwischen 4700 und 5500 m, so dass die Vergletscherung nach Osten hin ebenfalls zunimmt. Die südlichen Nebenketten des Hindukusch (Nuristan) liegen bereits im Einflussbereich des indischen Sommermonsuns, dessen Regenfälle hier hochstämmige Wälder aus Eichen, Kiefern und Zedern ermöglichen, wie sie sonst in Afghanistan kaum zu finden sind.
  • das zentrale Hochland; hier entspringt ein Großteil der Flüsse, die die Gebirgsfußlandschaften des Nordens, Westens und Südwestens bewässern, darunter auch der Hilmend, mit etwas über 1000 Kilometern Afghanistans längster Fluss. Obwohl das zentrale Hochland landläufig auch oft zum Hindukusch gezählt wird, unterscheidet sich es sowohl landschaftlich als auch klimatisch deutlich von Letzterem; abgesehen von der Koh-e Baba-Kette südlich von Bamiyan finden sich hier keine Erhebungen über 5000 m, wie überhaupt ausgeprägte Hochgebirgslandschaften selten sind, stattdessen überwiegt welliges Relief in Meereshöhen zwischen 2500 und 4000 m. Die ursprüngliche Vegetation, nämlich offene Baumfluren mit Pistazien- und Wacholderarten, wurde in den vergangenen Jahrzehnten wie auch die Wälder in anderen Teilen des Landes durch überweidung, Dürre und nicht zuletzt auch Kriegseinwirkungen stark dezimiert; inzwischen dominiert auch hier steppen- bis halbwüstenartige Vegetation.
  • die innermontanen Beckenlandschaften Ostafghanistans (Kabul, Jalalabad); das auf 1500 bis 1900 m Höhe gelegene obere Kabulbecken mit der afghanischen Hauptstadt und der fruchtbaren Schomali-Ebene ist die am dichtesten besiedelte Region Afghanistans und gehört zu den produktivsten Agrarregionen des Landes. Durch mehrere schluchtartige Durchbrüche erreicht der Kabulfluss weiter östlich das untere Kabulbecken mit der Stadt Jalalabad, der ehemaligen Winterresidenz der afghanischen Könige; im Gegensatz zum kontinental-gemäßigten oberen Becken herrscht hier trockenes Subtropenklima mit sehr milden Wintern (Frost und Schnee sind fast unbekannt), in dem kälteempfindliche Kulturen wie Dattelpalmen und Bananen gedeihen, auch die Fauna leitet mit Rhesusaffen, Papageien und Waranen bereits zum indischen Subkontinent über.
  • das südöstliche Hochland zwischen Kabul und Kandahar mit den Becken und Durchbruchstälern zur pakistanischen Grenze hin; steigt von 1100 m bei Kandahar allmählich bis auf 2700 m (nördlich von Ghazni) an, um dann zum oberen Kabulbecken hin abzufallen. Hier entspringen einige Flüsse, deren Täler sich nahe der pakistanischen Grenze zu Beckenlandschaften mit ähnlich subtropischem Klima wie im unteren Kabulbecken ausweiten; als wichtigste wären der Khost Sin und der Kurram zu nennen. Die diese Becken nach Westen hin begrenzenden Gebirgszüge liegen im Einflussbereich des indischen Monsuns und sind daher ähnlich wie das weiter nördlich gelegene Nuristan mehr oder weniger dicht bewaldet.
  • das südwestliche Hilmend-Becken; eine flache Wüstenlandschaft mit Höhen zwischen 400 und 1000 m. An der iranischen Grenze liegen eine Reihe flacher Seen (Hamun-e Helmand, Hamun-e Saberi), die hauptsächlich von Hilmend, Farah Rud und Khash Rud gespeist werden. Während längerer Dürreperioden kommt es vor, dass diese Flüsse im Unterlauf versiegen und die Endseen vollständig austrocknen. Der westliche Teil (Dasht-e Margo, die "Todeswüste") des Helmandbeckens (rechts vom Unterlauf des Hilmend) besteht hauptsächlich aus Stein- und Kieswüste, während links des Hilmend (Registan, persisch "Sandland") ausgedehnte Dünenfelder vorherrschen.

Eine umfassende Einführung in die Geographie Afghanistans bietet das Kapitel 2 "The Society and Environment" des Afghanistan-Bandes der "Country Studies"-Serie in der Washingtoner Kongressbibliothek. Darüber hinaus geht Südasien Online, die Webpräsenz des Südasien-Informationsnetzes e. V., auch auf Flora, Fauna und Umweltsituation ein; ein sehr informativer Artikel zu den verschiedenen Vegetationszonen Afghanistans stammt von Sigmar Breckle (PDF, 64 KB).

Die Vielfalt der landschaftlichen Räume Afghanistans spiegelt sich auch in den klimatischen Verhältnissen wieder. Zwar lässt sich generell sagen, dass in Afghanistan ein trockenes Kontinentalklima mit ausgeprägten Temperaturunterschieden sowohl zwischen Sommer und Winter wie auch zwischen Tag und Nacht herrscht, aber die Variationsbreite der einzelnen Klimaelemente ist von Region zu Region beträchtlich.

Besonders offensichtlich ist dies bei den durchschnittlichen Wintertemperaturen: sie reichen von sibirischen -20°C im zentralen Hochland und im Wachankorridor bis zu mediterranen +10°C im unteren Kabulbecken - hier zeigt sich schon, dass es den in den Medien häufig beschworenen "harten afghanischen Winter" so verallgemeinert nicht gibt. Im Sommer ist das Bild ausgeglichener, abgesehen von den hohen Gebirgslagen über 3500 m liegen die Juli-Durchschnittswerte durchweg beträchtlich über +20°C (z. B. 24,5°C in Kabul, zum Vergleich Köln: 18°C), über 30°C in den Gebirgsfußoasen und Ebenen, vor allem in der südwestlichen Wüste und im unteren Kabulbecken können Extremwerte um 50°C erreicht werden.

Eine detailliertere Darstellung der Temperaturverhältnisse in Afghanistan mit Meßdaten zahlreicher Wetterstationen findet sich bei Afghanist.

Die Niederschläge sind sehr ungleichmäßig über das Jahr verteilt; in den meisten Landesteilen konzentriert sich der größte Teil des Jahresniederschlags auf die Monate Dezember bis April, während insbesondere Sommer und Herbst praktisch niederschlagsfrei sind. Abweichungen von dieser Grundtendenz gibt es in der Baktriane, wo die Regenfälle bereits im Oktober einsetzen, und in den Ostprovinzen, wo der Sommermonsun von Indien her für kräftige Sommergewitter sorgt, die gelegentlich westwärts bis nach Kabul vordringen. Auch die absoluten Niederschlagsmengen variieren beträchtlich: von 50 mm/Jahr in der Dasht-e Margo bis etwa 1100 mm am Nordhang des Hindukusch.

Anschaulich mit Temperatur- und Niederschlagsdiagrammen zahlreicher Wetterstationen wird das Klima Afghanistans in einer PowerPoint-Präsentation von Sigmar Breckle dargestellt.


Ökologische Probleme

Der Krieg hat in weiten Teilen Afghanistans zu schwerwiegenden Umweltschäden geführt, sowohl direkt (etwa durch Einsatz von chemischen Waffen insbesondere zur Zeit der sowjetischen Besatzung) wie auch indirekt (Zerstörung von Bewässerungssystemen, unkontrollierter Holzeinschlag in den östlichen Waldgebieten und damit verbundene Erosion und Verkarstung). Diese Umweltzerstörung stellt ein Hemmnis sowohl für den (land-)wirtschaftlichen Wiederaufbau als auch für die allgemeine Entwicklung des Landes dar. Eine Einführung in die Thematik gibt es auf der Afghanistan-Seite von Südasien Online, ausführlicher ist der

UNEP-Bericht zur Umweltsituation in Afghanistan vom Januar 2003.


Sozialgeographische Gegebenheiten

In Afghanistan liegen die Bevölkerungsschwerpunkte hauptsächlich in den Flußoasen am Rand des zentralen Berglandes (Herat, Farah, Kandahar, Maimana, Mazar-e Sharif, Kunduz) sowie in den innermontanen Beckenlandschaften Ostafghanistans (Kabul, Jalalabad); in diesen Gebieten befindet sich der größte Teil der bewässerten Ackerflächen. Die höchsten Bevölkerungsdichten, nämlich bis über 200 Einwohner/km², werden dabei in der Region Kabul-Charikar erreicht.

Ebenfalls noch relativ dicht besiedelt (30 bis 50 Einwohner/km²) ist das im Mittel 2000 m hoch gelegene Plateau zwischen Kandahar und Kabul sowie die zur Indusebene hinabführenden subtropischen Tallandschaften an der Südostgrenze zu Pakistan (Khost, Kurram)

Das zentrale Hochland ist hingegen abgesehen von kleineren Beckenlandschaften an Flüssen wie Heri Rud, Khash Rud, Hilmend und Arghandab nur spärlich besiedelt; die Hochgebirgsregion des eigentlichen Hindukusch, das Pamir-Hochland im äußersten Nordostzipfel des Staatsgebietes (Wachan-Korridor) wie auch die Wüstengegenden im Südwesten und entlang der iranischen Grenze sind nahezu menschenleer.

Die Afghanistan-Seite des "City Population"-Websites von Thomas Brinkhoff enthält eine umfangreiche Aufstellung der Bevölkerungszahlen aller afghanischen Städte und Provinzen, teilweise im Vergleich 1979 - 2006; die Einträge lassen sich auch sortiert anzeigen.

Hinsichtlich der regionalen und lokalen Unterteilung und Gliederung vor allem ländlicher Räume gibt es Unterschiede zwischen den traditionellen Vorstellungen der afghanischen Bevölkerung einerseits und moderner staatlichen Planung andererseits; auf den Webseiten des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn findet sich hierzu ein Artikel von Katja Mielke und Conrad Schetter am Beispiel der Provinz Kunduz.

Der Verlauf der Hauptverkehrswege in Afghanistan trägt dieser Bevölkerungsverteilung Rechnung: das Land wird im Wesentlichen durch eine nördliche und südliche Fernverkehrsstraße erschlossen, die üblicherweise als "Große Ringstraße" zusammengefasst werden; der Südtrakt verläuft von Herat aus in einem weiten Bogen über Kandahar um das Zentralmassiv und durch die Hochebene des Südostens nach Kabul; der Nordtrakt überwindet, ebenfalls in Herat beginnend zunächst den bereits erwähnten Sabzak-Pass und windet sich durch das Murghab-Becken und an der Grenze zu Turkmenistan entlang ins nordafghanische Tiefland, dann südwärts durch das Tal des Kunduz-Flusses und über den Salang-Pass nach Kabul, wo er auf die Südstrecke trifft. Anschlussstrecken existieren von Herat nach Iran und Turkmenistan, von Mazar-e Sharif nach Usbekistan, von Kunduz nach Tadschikistan sowie von Kandahar und Kabul nach Pakistan.

Abgesehen von einer kurzen Stichbahn vom usbekischen Termez über den Amu Darya besitzt Afghanistan gegenwärtig kein Schienennetz; im Falle einer weiteren wirtschaftlichen und politischen Konsolidierung ist es aber nicht ausgeschlossen, dass die seinerzeit nicht verwirklichten transafghanischen Eisenbahnprojekte der 1970er Jahre wiederbelebt werden.

Nationale Symbole

Staatswappen von Afghanistan
Das Staatswappen

Die gegenwärtige Flagge Afghanistans ist eine senkrechte Trikolore mit den Farben schwarz, rot und grün; in der Mitte des roten Feldes befindet sich das Staatswappen, eine Moschee mit Gebetsnische, umgeben von einem Kranz aus Weizenähren. Detaillierte Informationen über Bedeutung und Geschichte der verschiedenen afghanischen Flaggen seit 1901 finden sich im Afghanistan-Eintrag des Online-Flaggenlexikons.

Eine gesungene Fassung der heutigen, von Babrak Wassa komponierten afghanischen Nationalhymne ist beim afghanischen Internet-Radiosender eAfghans Radio abrufbar.

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