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Gesellschaft & Kultur
Angola

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Die Bevölkerung
Die Bevölkerung Angolas setzt sich zu 90 Prozent aus Afrikanern zusammen.
Der Rest sind überwiegend Europäer, zumeist portugiesischer Abstammung.
Infolge des Bürgerkrieges kam es zu einer großen Landflucht.
Die Hälfte der Bevölkerung zog in die Städte, wo Sicherheit und
Versorgung eher gewährleistet waren.
Diese großen Migrationsbewegungen (Flüchtlinge, Binnenvertriebene, Rückkehr
der Flüchtlinge und Vertriebenen) haben zu großen Veränderungen
in der Bevölkerungsstruktur des Landes geführt.
Sprachen und Religionen
In Angola leben über fünfzig Völker, die sich in neun große
Sprachgruppen
unterteilen. Die drei wichtigsten sind Ovimbundu (37%),
Kimbumdu (25%) und Bakongo (13%). Amts- und Verkehrssprache ist
Portugiesisch.
Die Hälfte der Bevölkerung gehört traditionellen Religionen an,
die andere Hälfte sind Christen, mehrheitlich Katholiken (38%).
Daten über die katholische Kirche
finden Sie beim Dachverband der in Afrika tätigen katholischen Orden.
Dort wird gerade auch eine Übersicht über Geschichte
und Rolle der katholischen Kirche in Angola erstellt..
NGOs und Zivilgesellschaft
Die angolanische Zivilgesellschaft konzentriert sich auf die
Hauptstadt Luanda. Insgesamt gibt es über 400 registrierte
Nichtregierungsorganisationen (NRO). Erst mit der Entspannung im Zuge
des Namibia-Abkommens von 1988 - Verzicht Südafrikas auf militärische
Einmischung und Abzug der Kubaner - entstand ein politisches Klima,
in dem sich gesellschaftliche Organisationen jenseits von Staat und Kirche
bilden konnten. Basisstrukturen sind in den NRO nur schwach ausgebildet.
Die Strukturen sind vielmehr stark hierarchisch geprägt. In der Regel verfügen die Organisationen
über keine Eigenmittel und sind auf ausländische Finanzierung angewiesen.
Aus der Sicht der Regierung sollen die NRO Lücken
im Sozialsektor schließen und nicht politisch aktiv werden. So
politisierten sich die NRO erst unter dem Druck der letzten Kriegsjahre.
Hervorzuheben ist neben Intellektuellen und der unabhängigen Presse
vor allem die katholische Kirche. Sie ist die einzige Organisation,
die derzeit landesweit über Verbindungen verfügt und arbeitsfähig ist.
Sie hat es vermocht, die verschiedenen Organisationen der
Zivilgesellschaft für eine Kooperation in der zivilgesellschaftlichen
Dachorganisation
OPSA
zu gewinnen, die sich vor allem für Frieden
und Entwicklung stark macht.
Bei den Friedensbemühungen hat sie eine konstruktive Rolle gespielt.
Die Gewerkschaften spielen dagegen politisch kaum eine Rolle. Es kommt
gelegentlich zu gewerkschaftlichen Ausständen, sie haben aber eher
sozio-ökonomische Zielsetzungen.
Über Aktivitäten von NRO in Angola informiert mit zahlreichen Links der
Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen
Venro.
Die Rolle der Frau
Die Frau ist gesetzlich gleichgestellt. Im Alltagsleben, Bildung,
Beruf und Politik spielt sie jedoch weiterhin eine
untergeordnete Rolle. Die Frauenorganisation OMA war von Beginn an ein
verlängerter Arm der Regierungspartei MPLA. Als Alternative hat sich
Rede Mulher
gegründet.
Das UNDP misst in seinen Jahresstatistiken zur menschlichen Entwicklung
auch regelmäßig die
Entwicklung der Gleichberechtigung
in den einzelnen Ländern. Vor allem Krieg und Kriegsfolgen wirken sich dramatisch auf die
Lage der Frauen
in Angola aus. Rede Mulher hatte einen
Alternativreport
auf die Berichte
der Regierung über den Stand der Gleichberechtigung vorgelegt. Einen älteren
Bericht hat 2000 die staatliche
Entwicklungsorganisation der USA
vorgelegt.
Umwelt und Gesundheit
Die Umwelt ist durch den langen Krieg erheblich in Mitleidenschaft gezogen.
Weite Landstriche wurden vermint und sind heute noch weitgehend unzugänglich.
Tropenholz wurde unkontrolliert geschlagen und exportiert.
Nach den Kriteren des UNDP sind
HIV/AIDS
in Angola mit
knapp vier Prozent weit weniger verbreitet als im regionalen
Durchschnitt von etwa zwanzig Prozent. Einen guten Überblick über das
Gesundheitswesen, verbreitete Krankheiten, medizinische Versorgung und Probleme gibt das Büro der
Weltgesundheitsorganisation
WHO in Angola.
Die schönen Künste
Lange Zeit wurden afrikanische Traditionen von den Kolonialherren
unterdrückt,
heute überschatten immer noch die Auswirkungen der
Kriege das kulturelle Leben.
Directories über die Künste, Kunsteinrichtungen, Kunstföderungen
und Veranstaltungen in Angola bietet die britische
VisitingArts.
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war ein erster Versuch,
eine Literatur in der Mundu-Sprache zu etablieren, gescheitert.
Erst nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einer
Wiederbelebung alter Traditionen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand eine neue, politisch engagierte
literarische Bewegung, deren Vertreter auch an der Gründung der
Befreiungsbewegung beteiligt waren. Vor allem Lyrik spielte dabei
eine bedeutende Rolle.
Die meisten Bücher werden in Portugiesisch
geschrieben, es gibt aber auch Werke in den afrikanischen Sprachen.
Welche Titel es aktuell in deutscher Übersetzung gibt, können Sie bei der
Gesellschaft zur Förderung der Literatur in Afrika, Asien und Lateinamerika
erfahren. Zur Zeit sind in deutscher
Sprache Werke von José Eduardo Agualusa, José Manuel da Costa,
Pepetela und José Luandino Vieira
verfügbar.
Wenn Sie die Zeit haben, einen ganz aktuellen,
sarkastischen wie ironischen Roman zu lesen, besorgen Sie sich
"Jaime Bunda, Geheimagent" von Pepetela (ISBN: 3-293-00339-7).
Sie erhalten neben dem Lesevergnügen einen plastischen Einblick
in Politik und Gesellschaft in Luanda.

Mutopa, Pfeife der Chokwe als Symbol der Eigenständigkeit. Foro: issa
In der bildenden Kunst kann Angola auf eine reiche Tradition zurückblicken. Die Figuren der Bakongo
zeigen Bewegung in Ausdruck und Haltung.
Bei den Chokwe in der Zentralregion werden selbst die alltäglichen
Gebrauchsgegenstände kunstvoll verziert.
Am weitesten verbreitet sind Masken, die rituelle Funktion haben.
In der Musik
verfügt Angola über eine reiche Vielfalt an regionalen
Stilen. Die Musik hat über die von dort deportierten Sklaven großen
Einfluss auf die afroamerikanische Musik,
vor allem auf die brasilianische Musik genommen.

Foto: issa
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