Politische Parteien in Botswana
Unter den zahlreichen Parteien, die in Botswana aktiv sind, gibt es nur drei von größerer Bedeutung:
Die Botswana Democratic Party (BDP) wurde 1962 gegründet und hat in allen Wahlen seit der Unabhängigkeit
Botswanas 1966 die Mehrheit in der Nationalversammlung behaupten können. Damit stellt Sie auch den Präsidenten und
die Regierung. Die BDP ist eine "Partei der Mitte".
Die Botswana National Front (BNF) wurde 1967 gegründet. Sie ist die mit Abstand wichtigste Oppositionspartei, konnte
allerdings erst bei den Wahlen 1994 wirklich nennenswerte Stimmenanteile erringen. Sie rekrutiert ihre Anhänger vor allem in
den städtischen Zentren Botswanas. Programmatisch läßt sie sich schwer einordnen, strebt aber wohl eher eine sozialistische
Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung an.
Die Botswana Congress Party (BCP) spaltete sich 1998 von der BNF ab. Obwohl führende BNF-Mitglieder zur BCP
wechselten, konnte die Partei in der Öffentlichkeit bisher kaum Rückhalt gewinnen. Sie errang bei den Parlamentswahlen 1999
nur 1 Sitz.
Die übrigen Parteien, z.B. die Botswana People´s Party oder die Botswana Progressive Union,
besitzen nur eine untergeordnete Bedeutung. Die Spaltung der BNF ermöglichte der BDP auch 1999 wieder einen
klaren Wahlsieg, da es der Opposition nicht gelang, ein gemeinsames Gegengewicht zur Regierungspartei zu bilden.
(F. Krüger)
Zitat des U.S. State Department zur Außenpolitik Botswanas
FOREIGN RELATIONS
Botswana has put a premium on economic and political integration in southern Africa. It has sought to make SADC a
working vehicle for economic development, and it has promoted efforts to make the region self policing in terms of
preventive diplomacy, conflict resolution and good governance. It has welcomed post apartheid South Africa as a partner
in these efforts.
Botswana has formal diplomatic relations with most African countries and many European nations and Arab countries. A
number of Ambassadors accredited to Botswana reside in Harare, Zimbabwe, or Lusaka, Zambia. Botswana receives
development aid from many sources. It is a member of international organizations such as the United Nations (UN) and the
Organization of African Unity (OAU). In 1996 it completed a two year term on the UN's Security Council, where it
established a record of consensual, constructive participation. Botswana joins the African consensus on most major
international matters.
(U.S. Dept. of State)
Der Human Development Index
Der Human Development Index (HDI) wird von den Vereinten Nationen jährlich bekanntgegeben. Dieser Index soll den Entwicklungsstand eines Staates umfassender beschreiben als die häufig verwendeten, rein ökonomischen Indikatoren wie Bruttosozial- oder Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.
Der HDI errechnet sich aus einer Indizierung der drei Kriterien mittlere Lebenserwartung bei Geburt, Schulbildung und Lebensstandard (gemessen an der Pro-Kopf-Kaufkraft).
Wenn ein Staat einen HDI von 1,0 besäße, so hieße dies:
Hätte ein Staat einen HDI von 0,0, so hieße das:
Damit sind die beiden Endpunkte einer Skala von 0,0 bis 1,0 festgelegt. Für jeden Staat wird nun der HDI berechnet und auf die Skala umgesetzt. Zwar liegen für viele Länder keine zuverlässigen Daten vor, immerhin läßt sich mit dem HDI aber wenigstens ansatzweise die Lebenssituation der Gesamtbevölkerung abschätzen. Trotzdem: auch bei hohem HDI sind zahlreiche Menschen oft noch in ihrer Existenzsicherung bedroht, liegt die Lebensqualität unter einem noch tolerierbaren Maß.
Kein Staat dieser Erde erreicht einen HDI von 1,0. Kanada liegt mit 0,951 an der Spitze der Skala und kommt dem "Idealwert" schon recht nahe. Somalia (0,221), Sierra Leone (0,219) und Niger (0,204) bilden weltweit die Schlußlichter (Werte von 1993; Quelle: Human Development Report 1996).
(F. Krüger)
Der HDI Botswanas im internationalen Vergleich
Wie die Abbildung zeigt, bildete Botswana noch 1994 im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten die große Ausnahme: Während der Durchschnitt aller afrikanischen Staaten südlich der Sahara unter 0,4 lag, hatte Botswana einen HDI von ca. 0,68! Es lag damit in Schwarzafrika fast einsam an der Spitze. Die Gründe für den hohen HDI liegen in der guten Gesundheits- und Bildungs-Infrastruktur und in der soliden wirtschaftlichen Entwicklung. Die Ausstattung selbst entlegener ländlicher Regionen etwa mit Krankenstationen und Schulen muß im afrikanischen Vergleich schon fast als mustergültig bezeichnet werden. Aber gerade in Botswana gilt das oben Gesagte: Viele Menschen können an diesem "Durchschnitts-Wohlstand" nicht teilhaben, sind ausgeschlossen von der teilweise rasanten wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre.
Und: Der HDI ist in letzter Zeit wieder rückläufig! Er betrug ein Jahr zuvor noch 0,741. Die jüngsten Daten liegen noch nicht vor, aber Botswanas HDI sackte inzwischen leider noch tiefer ab. Dies liegt auschließlich an der dramatisch gesunkenen Lebenserwartung aufgrund der hohen HIV-Infektionsrate im Land.
Eine kurze Defintion von Verwundbarkeit
Unter dem Begriff "Armut" wird meistens ein Zustand gemeint, der die betroffenen Menschen aufgrund
ökonomischer Zwänge daran hindert, ein erfülltes und gesundes Leben zu führen.
Nun sind aber häufig neben fehlenden finanziellen Mitteln auch andere Ursachen dafür verantwortlich,
daß Betroffene in Existenzunsicherheit leben: z.B. mangelnde Partizipationsmöglichkeiten, also etwa, wenn
Menschen politisch nicht mitbestimmen dürfen oder können. In Regionen mit Naturgefahren leben zu müssen,
vor Ort nicht vorhandene Nahrungsmittel, eingeschränkte Mobilität usw. können weitere Ursachen sein.
Um Armut von diesen nicht-ökonomischen Gründen besser abzugrenzen, ist in den letzten Jahren der
Begriff der Verwundbarkeit (engl. "vulnerability") geprägt worden.
Chambers (1989) schreibt dazu: "Vulnerability ... is not the same as poverty. It means not lack or want, but
defencelessness, insecurity, and exposure to risk, shocks and stress. ... Vulnerability here refers to exposure to
contingencies and stress, and difficulty in coping with them."
(F. Krüger)
Botswana und die SADC
Die Southern African Development Community (SADC; sprich: "Sadeck") ist 1992 aus der Southern African
Development Coordination Conference (SADCC) hervorgegangen. Die SADCC wurde 1980 von Angola, Botswana,
Lesotho, Malawi, Mosambik, Sambia, Simbabwe, Swasiland und Tansania gegründet, um die wirtschaftliche Abhängigkeit
der genannten Staaten von Südafrika zu verringern. Die SADCC verstand sich als politisches und wirtschaftliches Gegengewicht
zum Apartheidsstaat im Süden. Gleichzeitig wollte man versuchen, im Sinne einer "Süd-Süd-Kooperation" nicht nur
die Handelsbeziehungen untereinander auszuweiten, sondern auch gegenüber Drittländern in der internationalen Arena
eine gemeinsame politische wie wirtschaftliche Position zu beziehen.
Jedem Mitgliedsland wurden bestimmte Aufgaben- und Verantwortungsbereiche übertragen. Botswana hatte die Bereiche
"Agricultural Research and Training" sowie "Livestock Production and Animal Disease Control" zu koordinieren. Außerdem wurde
Gaborone Hauptsitz der SADCC/SADC.
Trotz der sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten ist es der SADCC/SADC als einzigem
Wirtschaftszusammenschluß in Afrika gelungen, wenigstens einige politische Akzente zu setzen.
Inzwischen gehören auch Namibia, Südafrika, Mauritius und Kongo (ehem. Zaire) der SADC an. Eines der Hauptziele der SADC,
nämlich eine gemeinsames "Bollwerk" gegen Südafrika zu bilden, ist seit dem Ende der Apartheids-Ära natürlich
hinfällig geworden. Man versucht nun verstärkt, Handelsbarrieren abzubauen, eine gemeinsame Umweltpolitik zu betreiben
und im Bildungssektor zusammenzuarbeiten. Auch der Koordinierung von Hilfsmaßnahmen bei Dürreereignissen fällt
eine gewisse Bedeutung zu.
Die Tatsache, daß die innenplotische Situation und die wirtschaftliche Leistungskraft der Mitgliedsstaaten extrem
unterschiedlich sind, läßt aber eine wirkliche Effizienz und Schlagkraft der SADC für die nahe Zukunft nicht erwarten.
(F. Krüger)
Letzte Änderung: 27. Juni 2000 /Kr