alle Länder Homepage
Landesüberblick Staat & Politik Wirtsch. & EZ Gesellsch. & Kultur Praktisches

Ecuador
Seite 2: Geschichte, Staat & Politik

Geschichte

Der letzte Inkakaiser Atahualpa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bananenpflücker Luis Torres von der Kooperative El Guabo in Ecuador bei der Arbeit, ©TransFrair Deutschland e.V.

 

 

 

 

Jaime Roldós Aguilera - Ecuadors erster Präsident der demokratischen Epoche. Er regierte das Land von 1979 bis zu seinem Tod bei einem Flugzeugabsturz 1981

 

 

Präkolonialzeit

Im heutigen Staatsgebiet von Ecuador lebten in präinkaischer Zeit mehrere kleine voneinander weitgehend unabhängige Stammesgebiete zwischen den Großreichen der Chimu im Süden und der Chibcha im Norden. Im 15. Jahrhundert eroberten die Inka in längerwierigen Kämpfen gegen die Quitu-Cara das Gebiet bis in die Gegend von Pasto (heute Süd- Kolumbien ) und etablierten den Hauptort Quito als nördliche Hauptstadt ihres Reiches. Von hier aus errang der letzte Inkakaiser Atahualpa in einem kurzen Bürgerkrieg gegen seinen Bruder Huáscar die Macht.

Kolonialherrschaft

Die spanische Kolonialherrschaft dauerte in Ecuador etwa 300 Jahre. Sie begann 1532 mit der Ankunft der Spanier und endete 1822 mit der Unabhängigkeit. 1823 schuf Simón Bolivar "Großkolumbien", zu dem Ecuador (damals Audiencia de Quito), Venezuela und Kolumbien gehörten. Die Republik Ecuador schließlich entstand 1830 aus dem Zerfall der Gran Colombia .

In der Geschichte des Landes lassen sich fünf deutlich voneinander getrennte Phasen unterscheiden (Chronik), die hier in sehr groben Zügen wiedergegeben werden können.

Kakaoboom

Die erste Phase erstreckt sich vom Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg und wurde durch eine stetige Zunahme des Kakaoexports bestimmt. Während dieser Epoche beschränkten sich die sozio-politischen Auseinandersetzungen auf Teile der Oberschicht. Dabei ging es im wesentlichen um die widersprüchlichen Interessen der protektionistischen, am Binnenmarkt orientierten Großgrundbesitzer des Hochlandes, die mit dem Klerus verbunden waren, einerseits und der auf den Weltmarkt ausgerichteten liberalen Plantagenbesitzer, Kaufleute und Finanzkreise des Küstengebietes andererseits.

Wirtschaftskrise

Nach dem Niedergang der Kakaoproduktion ab 1916 u.a. infolge nachlassender Weltmarktnachfrage, kam es zu einer tiefen Wirtschaftskrise, die bis in die 1940er Jahre andauerte. In diese Zeit fällt auch die Entstehung der meisten noch existierenden linksorientierten politischen Parteien, Gewerkschaften und populistischen Bewegungen.

Bananenboom

Anfang der 1950er Jahre setzte der ein, der zwei Jahrzehnte anhielt. Während dieser Zeit wurden die bis dahin vorhandenen vorkapitalistischen Produktionsweise im Agrarsektor fast restlos aufgegeben. In Verbindung mit der einsetzenden Industrialisierung entstand das heutige Ecuador mit seiner Infrastruktur und Vermarktung sowie den zwei Großstadtzentren Quito und Guayaquil. Gleichzeitig hat die Ära des Bananenbooms jene ökonomischen und sozio-politischen Probleme hinterlassen (Auslandsverschuldung, ungleiche Vermögensverteilung, Arbeitslosigkeit etc.), mit denen sich das Land bis heute konfrontiert sieht.

Erdölboom

Als 1972 erstmals große Mengen Erdöl exportiert werden konnten, begann die bislang letzte Phase ökonomischen Wohlstands in Ecuador. Das Ende diese Epoche fällt in etwa zusammen mit der Überwindung der Militärherrschaft.

Demokratisierung

Die Verfassung von 1979 leitete den fünften Abschnitt der Geschichte des ecuadorianischen Staates ein und ist durch einen Demokratisierungsprozess, aber auch durch eine Verschärfung politischer, ökonomischer und sozialer Problemfelder andererseits charakterisiert. Zu den wichtigsten Ereignissen der jüngsten Geschichte zählt die 1998 erzielte Lösung des vormals größten außenpolitischen Problems Ecuadors, die Beilegung des seit der Unabhängigkeit schwelenden Grenzkonfliktes mit Peru.

Der Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Situation und politischer Herrschaft ist prägend für die Geschichte Ecuadors. Während des Kakao- und Bananenbooms konnte das Land von Konservativen und Liberalen ohne Intervenierung des Militärs regiert werden. Wenn sich die ökonomischen Voraussetzungen gegen verschlechterten, ergriffen selbsternannte Militärdiktatoren (Caudillos) oder durch vom Volk getragene "echte" Caudillos die Macht. Zumeist durchlebte Ecuador dann politische Krisen. "Der Caudillo bezeichnet einen Typus autoritärer Herrschaft, der nicht institutionell verankert ist und primär auf den persönlichen Führungsqualitäten des Herrschenden beruht. Er erkennt keine staatliche Institution und höhere Autorität an und ordnet sich allenfalls mächtigeren Vertretern seiner Gattung unter" (Karl-Dieter Hoffmann: Militärherrschaft und Entwicklung in der Dritten Welt. Der Fall Ecuador, Saarbrücken und Fort Lauderdale 1985, S.249f.). Eine besondere Bedeutung erlangte der Caudillio José María Velasco Ibarra, dessen politische Ideen als 'Velasquismo' von 1833 bis weit ins 20. Jahrhundert Anhängerschaft besaßen.

Inzwischen blickt das Land auf die längste demokratische Periode in der nunmehr fast 170 Jahren andauernden Geschichte Ecuadors als unabhängige Republik. Gleichzeitig wird das formal-demokratische System besonders seit Mitte der 1990er Jahre durch informale Faktoren, wie wachsende Korruption, die persönlichen Interessen einzelner Politiker und Familienclans und immer neue politische Skandale, massiv unterminiert, so dass heute eher von einer "defekten Demokratie" zu sprechen ist.

In den Ausführungen des Auswärtigen Amtes oder in der Timeline Ecuador der BBC erhalten Sie einen kurzen (tabellarischen) Einblick in der Geschichte des Landes seit der Eroberung durch Spanien. Einen chronologischen und thematischen Überblick über die Entwicklung Ecuadors vermittelt auch die Country Study Ecuador der Library of Congress  (Wählen Sie den gewünschten Zeitraum und das Thema). Eine besondere historische Bedeutung ist den Konflikten zwischen Konservativen und Liberalen beizumessen, die die Entwicklung der Republik Ecuador seit seiner Entstehung geprägt haben.

Staat

Eloy Alfaro (1842-1912)

 

 

 

 

 

 

Ecuadors Präsident: Der 43-jährige Wirtschaftsprofessor Rafael Correa

Milliardär Alvaro Noboa scheiterte zum dritten Mal bei dem Versuch, die Präsidentschaft zu erringen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Staatsform

Eine wichtige Etappe auf dem Weg zur Herausbildung des heutigen Staatswesens bildete die 1885 beginnende liberale Revolution von Eloy Alfaro. Er war zweimal (1895-1901 und 1906-1911) Präsident von Ecuador. Er gilt als der herausragende liberale Politiker in der Geschichte seines Landes und als zentrale Figur des politischen Lebens an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Alfaro sorgte für die Trennung von Kirche und Staat, säkularisierte das Bildungswesen, führte Religionsfreiheit und Zivilehe ein und schaffte die Todesstrafe ab. Alfaro gründete verschiedene Bildungsinstitutionen und widmete sich stärker als seine Vorgänger der Indígenas- und der Frauenfrage, und verbesserte die rechtliche Stellung beider Gruppen.

Die Staatsform des Landes und die Funktionsweise des demokratischen Systems wird in der am 10.8.1998 in Kraft getretenen Verfassung geregelt. Die von der verfassungsgebenden Versammlung am 5. Juni 1998 verabschiedete Verfassung - die 19. in der 175-jährigen Geschichte des Landes und die fünfte im 20. Jahrhundert - hat den Vielvölkerstaat, die Sprache der indianischen Völker und weitere Rechte für bisher vernachlässigte soziale Gruppen anerkannt. Eine gute Bilanz von 25 Jahren Demokratie in Ecuador veröffentlichte die Friedrich Ebert Stiftung im September 2004. Die wohl ausführlichste Darstellung der politischen und ökonomischen Entwicklung des Landes bietet die Länderstudie Ecuador des Bertelsmann Transformationsindex-Projektes.

Das Staatsoberhaupt

In den vergangenen zehn Jahren hatte Ecuador sieben Präsidenten, von denen drei nach tumultartigen Aufständen gehen mussten. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen am 15. Oktober 2006 setzten sich der konservative Milliardär Alvaro Noboa und sein linksgerichteter Rivale Rafael Correa durch. Sie traten in einer Stichwahl am 26. November 2006 gegeneinander an, bei der sich Correra mit 56,8 Prozent det Stimmen durchsetzte. Der Präsident, der zugleich Regierungschef ist, wird einmalig für vier Jahre gewählt. Correa präsentierte sich während des Wahlkampfs als Verfechter eines radikalen Umschwungs mit deutlicher Opposition zur Politik Washingtons.

Der 45-jaehrige Wirtschaftsprofessor hat einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit versprochen und grundlegende demokratische Reformen sowie eine Beendigung des neoliberalen Wirtschafssystems angekündigt. Nach Ansicht Correras, der sich auch in der Indiosprache Quechua verständigen kann, wird nur eine neue Verfassung Ecuador zu Fortschritt, politischer Stabilität und sozialer Gerechtigkeit verhelfen. Eine Analyse der FES erkennt nach dem ersten Amtsjahr Correas "Anzeichen für einen tiefgreifenden institutionellen wie kulturellen Transformationsprozess der politischen Strukturen" in Ecuador.

Verfassungsgebende Versammlung

Im April 2007 sprachen sich in einem Referendum mehr als 80 Prozent der Ecuadorianer für eine Verfassunggebenden Versammlung aus. Am 30.09.2007 wurden die 130 Abgeordneten der Constituyente gewählt, die bis 2008 eine neue Verfassung erarbeiten sollem. Darüber soll dann erneut eine Volksabstimmung stattfinden. Die Anhänger Correas erhielten 72 der 130 Mandate. Der Präsident, der seinen Verbleib im Amt vom Ausgang der Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung abhängig gemacht hatte, kündigte ein Programm mit dem Titel "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" an. Es ist durch die Linie des linkspopulistischen venezuelanischen Präsidenten Hugo Chávez beeinflusst. Correa beabsichtigte, den Kongress - die letzte Bastion der traditionellen Parteien - auflösen. Seine Kritiker werfen ihm jedoch vor, mit der Verfassungsreform nur eine Ausweitung seiner eigenen Macht anzustreben.

Das Parlament

Nach der Verfassung von 1998 besteht der Kongress aus 100 Abgeordneten (deputados) und hat seinen Sitz in der Hauptstadt Quito. Die Abgeordneten werden als Vertreter der Provinzen für eine Vier-Jahres-Periode gewählt. Jede der 22 Provinzen stellt mindestens zwei Abgeordnete, einwohnerreiche Provinzen erhalten weitere Sitze, derzeit einen je 200.000 Einwohner. Die Provinz Guayas stellt mit 18 die meisten Abgeordneten. Die Parlamentswahlen am 15. Oktober 2006 verliefen nach Angaben des internationalen Wahlbeobachterteams weitgehend ruhig und normal. Er habe keine "Unregelmässigkeiten" gegeben. Nach zehn Jahren mit Staatspräsidenten aus der Mitte oder der Rechten des Parteienspektrums war allgemein mit einem deutlichen Schwenk nach Links gerechnet worden. Die stärksten Fraktionen im Kongress sind: Die konservativ-populisitische Partido Renovador Institucional Acción Nacional ( PRIAN, 28 Abgeordnete) die Partido Sociedad Patriótica 21 de Enero des Ex-Präsidenten Lucio Gutiérrez (PSP, 24) und die sozialchristliche Partido Social Cristiano (PSC, 13)

Die Verfassunggebende Versammlung Ecuadors verabschiedete an ihrem ersten Sitzungstag am 30. November 2007 ein Dekret, nach dem der Kongress in eine unbefristete Sitzungspause eintrete, wodurch der Nationalkongress derzeit de facto nicht tagt.

"Die Beziehungen zwischen Correa, einem politischen Quereinsteiger, und der traditionellen Machtelite gestalteten sich von Anfang an alles andere als harmonisch. Der 44-jährige Wirtschaftswissenschafter war mit dem Anspruch angetreten, den Einfluss der im Volk verhassten etablierten Parteien massiv zu verringern und dafür den Bürgern mehr direktes Mitspracherecht einzuräumen. Die alten, durch Korruption und Misswirtschaft in Verruf geratenen Kräfte sind jedoch nicht bereit, ihre Privilegien kampflos aufzugeben" (Tages-Anzeiger, 30 April 2007).

Strukturell verankerte Probleme

Ecuador gilt als eines der korruptesten Länder weltweit. Auf dem Korruptions-Perzeptions Index (2007) von Transparency International nimmt Ecuador gemeinsam mit Kamerun, Niger und Venezuela Position 150 unter 179 aufgeführten Ländern ein. Je weiter unten ein Land auf dem Index steht desto korrupter ist es. Interessant ist in diesem Kontext auch der Demokratie-Index Lateinamerika (2006), der Konrad-Adenauer-Stiftung auf dem - u.a. als Resultat des hohen Korruptionsgrades - Ecuador den 18. Rang und letzten Rang unter den Staaten Lateinamerikas einnimmt.

Regionale Loyalitäten dominieren jede Art der politischen Entscheidungen, resultieren in offen ausgetragenen Verteilungskämpfen zwischen 'Costa' und 'Sierra' und verhindern regelmäßig nationale Reformansätze.

Wie in weiten Teilen Lateinamerikas sind auch in Ecuador personalismo, clientelismo und nepotismo (Vetternwirtschaft), d.h. auf Patronage und Loyalität beruhende Netzwerke ("Seilschaften"), im politischen System wie auch in der Gesellschaft insgesamt stark ausgeprägt.

 

Innenpolitik

 

Medien in Ecuador

Wenn Sie politisch "auf dem Laufenden" bleiben wollen, sollten Sie wissen, dass die wichtigsten Tageszeitungen Ecuadors auch "online" verfügbar sind: die konservative El Comercio, die liberale Hoy die online-Version der Zeitschrift Vistazo und schließlich das online Portal La Hora. Aktuelle Nachrichten zu Ecuador finden sich auch in der online-Zeitung Southamerica Daily. Deutschsprachige Zeitungen gibt es in Ecuador ebenfalls.

 

 

 

Machtgruppen im Land

Die sich ursprünglich aus den Großgrundbesitzern des Hochlands und der Küste rekrutierende ecuadorianische Elite hat über Jahrhunderte als Oligarchie das Land regiert, die Mittelschicht   hat in den letzten Jahren jedoch stark an Bedeutung gewonnen, hier vor allem die libanesischen Einwanderer, die nicht zuletzt mit Mahuad zum wiederholten Mal einen Präsidenten stellten. Das Militär bleibt jedoch nach wie vor ein wichtiger Machtfaktor. Im Internet sind die Streitkräfte Ecuadors mit einer eigenen website vertreten . Über die zunehmende Rolle und Bedeutung der Zivilgesellschaft in Ecuador informiert ein Artikel aus E + Z.

Die Opposition in Ecuador

Das herausragende politische Ereignis der letzten Jahre stellt das selbstbewusste Auftreten der organisierten indigenen Völker Ecuadors in Form der Konföderation der Indigenen Nationen Ecuadors CONAIE dar. Zwar ist ihr institutioneller Einfluss noch begrenzt, sie hat jedoch über ihre Aktionen (Besetzung des Parlaments oder Unterstützung der Opposition) die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Nicht wenige Akteure in Ecuador versuchen regelmässig, die Arbeit von CONAIE zu behindern, die bis zu Morddrohungen und sogar Mordanschlägen reichen. Für eine umfassende und aktuelle Analyse der Indigenen in Ecuador und deren politischen Rolle ist der Aufsatz von Nina Schierstaedt in den KAS-Auslandsinformationen sehr zu empfehlen.

Einige ihre Forderungen, wie beispielsweise die Definition Ecuadors als Vielvölkerstaat oder die Deklaration der Rechte der indianischen Bevölkerung und Afroecuadorianer , haben Eingang in der neuen Verfassung von 1998 gefunden. Die indianischen Organisationen spielten seit dem Generalstreik von Juli 1999 bis zum Militärputsch von Januar 2000 ebenfalls eine zentrale Rolle. Inzwischen ist es jedoch zu einem Bruch zwischen der Regierung und CONAIE gekommen. Insbesondere wird das Verhältnis belastet durch einen versuchten Mordanschlag auf Leonidas Iza, Präsident der CONAIE, und einige seiner Familienangehörigen vom Februar 2004. Eine Aufstellung anderer oppositioneller Gruppen und Akteure der Zivilgesellschaft findet sich in der Political Database of the Americas der Georgetown University.

Lage der Menschenrechte

Der Ecuador-Jahresbericht 2007 von Amnesty International erwähnt die Anwendung unverhältnismäßiger Gewalt gegen Demonstranten seitens der Sicherheitskräfte. Die Kinder- und Müttersterblichkeitsrate ist unverändert hoch und stellt ebenso wie das Ausmaß familiärer Gewalt ein akutes Problem dar. Es liegen auch Berichte über Folterungen und Misshandlungen vor. Im Grenzgebiet zu Kolumbien kamen 2006 offenbar fast 100 Menschen zu Tode. In einer umfangreichen Bestandsaufnahme beschäftigt sich María Elena Moreira mit dem Status der Menschenrechte in der ecuadorianischen Verfassung. Über die aktuelle Lage der Menschenrechte informiert der die Ecuador-Gruppe von Amnesty International.

 

Außenpolitik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Proteste gegen das geplante Freihandelsabkommen mit den USA in Frühjahr 2006, © Deutsche Welle

Die seit 2006 belasteten Beziehungen zu Kolumbien eskalierten im März zur schwerwiegenden diplomatischen Krise. Bereits 2006 drangen Maschinen der kolumbianischen Luftwaffe bei der Verfolgung von Rebellen der Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) mehrfach in den Luftraum des Nachbarlandes ein. Im September 2005 hatten Soldaten der ecuadorianischen Armee auf ihrem Territorium einen Stützpunkt der FARC entdeckt und ausgehoben. Der Rebellen-Unterschlupf befand sich im Norden Ecuadors, 200 Meter von der Grenze zu Kolumbien entfernt.

Am 1. März 2008 drang das kolumbianische Militär erneut auf ecuadorianisches Gebiet vor und tötete den stellvertretende Farc-Anführer Raúl Reyes Reyes und mindestens 23 weitere Rebellen, sowei ein ecadorianischer und vier mexikanische Staatsbürger bei einem kombinierten Luft- und Bodenangriff. Ecuador und Venezuela, das die Militäraktion ebenfalls scharf verurteilt hatte, stationierten daraufhin Soldaten an den Grenzen zum Nachbarland. Kurzfristig brachen beide Staaten ihre diplomatischen Beziehungen mit Kolumbien ab. Nach wenigen Tagen und einer Entschuldigung des kolumbianische Präsidenten Alvaro Uribe, konnte die Krise jedoch beigelegt werden. Die FARC hat bis zu tausend Geiseln in ihrer Gewalt, darunter die franko-kolumbianische Grünen-Politikerin Betancourt.

Unabhänig von den jüngsten Spannungen hat Ecuador Kolumbien wegen langjähriger Sprühaktionen mit Pflanzenvernichtungsmitteln im Grenzgebiet vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag verklagt. Kolumbien setzt seit Jahren bei der Bekämpfung des illegalen Anbaus von Kokasträuchern, aus denen der Rohstoff für Kokain gewonnen wird, auf die Vernichtung durch die Besprühung mit Gift von Flugzeugen aus.

Nach Bolivien ist auch Ecuador gegen ausländische Ölförderfirmen vorgegangen: Die Regierung Land annullierte im Mai 2006 den Vertrag mit der Occidental Petroleum (Oxy) aus den USA und ordnete die Beschlagnahmung der Förderanlagen des Unternehmens an. Hintergrund ist der Vorwurf, die kalifornische Firma habe ohne Zustimmung der Regierung in Quito Förderanteile verkaufen wollen. Ecuador ist Südamerikas fünftgrößter Erdölproduzent. Die Erdölindustrie erwirtschaftet ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts und einen Großteil der Deviseneinnahmen des Landes.

Einen Tiefpunkt erreichten Ecuadors Beziehungen mit der Weltbank. Ende April 2007 wies Präsident Rafael Correa den Vertreter der Weltbank in Ecuador, Eduardo Somensatto, aus. Correra wirft der Weltbank Erpressung vor. Die Weltbank habe 2005, als Correa noch Wirtschaftsminister war, einen Kredit zurückgehalten, nachdem aus einem Ölgeldfonds, der zur Schuldentilgung eingerichtet war, Mittel für soziale Zwecke entnommen worden waren. Ein ähnlich gespaltenes Verhältnis besteht zum IWF. Nach eigenen Angaben hat Ecuador seine Schulden beim Internationalen Währungsfonds bezahlt und wird die Verbindungen zu der Finanzinstitution trennen. Ähnlich wie der linksnationalistische Präsident Venezuelas, Hugo Chávez, kündigte Correa an: "Wir wollen nichts mehr von dieser internationalen Bürokratie hören".

Am 26. Oktober 1998 wurde das Friedensabkommen zwischen Peru und Ecuador unterzeichnet, das einen Schlußstrich unter den 50 Jahre lang anhaltenden Grenzkonflikt zieht, der noch 1995 zu einem Grenzkrieg eskalierte. Am 15.05.1999 wurde die Grenzziehung beendet.

Zu einem wichtigen Eckpunkt der Beziehungen zwischen den USA und Ecuador hat sich der von Washington initiierte Anti-Drogenpaket "Plan Colombia" entwickelt, in dessen Rahmen Ecuador im Jahr 2003 30 Millionen US$ Militärhilfe erhielt (2002 waren es noch 12 Millionen US$ gewesen und 2004 wuchs der Betrag auf ingesamt 45 Millionen US$ an). Correra kündigte jedoch an, den Vertrag für den US-Stützpunkt in Manta an der Grenze zu Kolumbien auslaufen zu lassen und einen Plan Ecuador – als Gegengewicht zum Plan Colombia der USA – als Instrument für mehr Sicherheit der Grenzbevölkerung und der kolumbianische Flüchtlinge zu erarbeiten.

Im April 2007 hat die EU Komission ein neues Country Strategy Paper für Ecuador veröffentlicht, das den Ansatz für die europäisch-ecuadorianischen Beziehungen für den Zeitraum bis 2013 skizziert. Das Strategiepapier (Zusammenfassung) bietet auch eine gute Zusammenfassung der aktuellen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Situation des Landes. Von großer Wichtigkeit für Ecuador sind die Verhandlungen über den künftigen einheitlichen EU-Zoll für Bananen, der die bisherige EU-Bananenmarktordnung ablöst. Ecuador ist als größter lateinamerikanischer Bananenexporteur in die EU und Verhandlungsführer Lateinamerikas.

Regionale Integration

Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela und Perú hatten vor wenigen Jahren einen neuen Anlauf genommen, ihre Länder wirtschaftlich und politisch enger in der Andengemeinschaft zu integrieren. Ihre Beziehungen zu anderen regionalen Zusammenschlüssen -wie dem Mercosur- sollten ebenfalls intensiviert werden. Die Persepektiven wirtschaftlicher Integration verschieben sich jeodoch mehr und mehr von sub-regionalen Optionen hin zu bilateralen Freihandelsabkommen mit den USA, die den Auflösungsprozess der Andengemeinschaft vorangetrieben haben. Entsprechende Freihandelsverhandlungen Ecuadors mit den USA sind jedoch ins Stocken geraten, wie einem Beitrag der Deutschen Welle zu entnehmen ist. Nach Protesten gegen ein Freihandelsabkommen erklärte die Regierung in Quito im März 2006 den Ausnahmezustand.

Freihandel

Im April 2001 einigten sich die nord- und lateinamerikanischen Wirtschaftsminister bei einem Gipfeltreffen in Buenos Aires, bis zum 1. Januar 2005 eine Gesamtamerikanische Freihandelszone (FTAA) einzurichten. Dieser Termin ist aber inzwischen - nicht zuletzt aufgrund des gewachsenen Widerstandes in einigen der potentiellen Mitgliedsländer - auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die FTAA soll von Feuerland bis Alaska alle Staaten Nord- und Südamerikas (mit Ausnahme Kubas) umfassen. Die genauen Modalitäten sind jedoch noch auzuhandeln. Über den aktuellen Stand der Dinge informiert die offizielle website der FTAA. Eine ausführliche Analyse der wirtschaftlichen Integrationsbestrebungen finden Sie in den Länderinformationen der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS).

 

pfeil-l    zurück zur vorherigen Seite    |   weiter zur nächsten Seite     pfeil-r
 

alle Länder Homepage
Landesüberblick Staat & Politik Wirtsch. & EZ Gesellsch. & Kultur Praktisches