| alle Länder | Homepage | |||
| Landesüberblick | Staat & Politik | Wirtsch. & EZ | Gesellsch. & Kultur | Praktisches |
Ecuador
|
|||||||||||||||||||||||||||
Soziale Struktur
|
Ethnische StrukturDie Indígenas wurden stets von den verschiedenen Regierungen als unbedeutende Minderheit betrachtet, obwohl sie je nach statistischer Erhebung 20-50% der Bevölkerung ausmachen. Seit etwa einem Jahrzehnt zeigen sie sich als eine aufstrebende, neue politische Kraft. Ihre Interessen werden im politischen Systems von der Partei Pachakutik ("Zeitenwende") vertreten. Nun sitzen indigene Führer im Parlament und in verschiedenen Kommunen. Bei den Kongresswahlen 2006 erhielt Pachakutik sechs Mandate. Zur relativen Verbesserung der gesellschaftlichen Position der indigenen Bevölkerungsgruppe hat vor allem die 1986 gegründete "Konföderation der indigenen Nationalitäten Ecuadors" (CONAIE) beigetragen. CONAIE ist es in den vergangenen Jahren nicht nur gelungen, die Aufmerksamkeit und das Bewußtsein für die Probleme der indigenen Bevölkerung zu schärfen, sondern auch konkret die sozio-politische Situation der Indígenas zu verbessern. Die schwarze Bevölkerung, etwa 5% der Einwohner Ecuadors, stellt die am meisten benachteiligte und diskriminierte gesellschaftliche Gruppe dar. Jahrhundertelang sind die Schwarzen Ecuadors versklavt, ausgegrenzt und totgeschwiegen worden. Ähnlich wie die indigene Population versuchen sie nun mit Hilfe einer eigenen Organisation - Stiftung für schwarze ecudorianische Kultur (FCUNE), ihre gesellschaftliche, ökonomische und sozio-politische Position zu verbessern. Gleichsam auf der gesellschaftlichen Sonnenseite steht hingegen die Bevölkerungsgruppe der libanesischen und anderer arabischer Einwanderer, die sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in der ecuadorianischen Küstenregion niedergelassen hat, und ihrer Nachfahren. Insgesamt handelt es sich nur um 75 Familien, die jedoch über einen großen Anteil an der wirtschaftlichen und politischen Macht im Land verfügen. Auch die Ex-Präsidenten Abdalá Bucaram und Jamil Mahuad gehören diese Gruppe an. Kulturell bedingte KonflikteDas kulturelle Leben in Ecuador ist seit der spanischen Eroberung durch die Konfrontation zweier Kulturen gekennzeichnet: die europäisch geprägte und die indianische. Spätere Einwanderungen ließen ein neues dynamisches Zentrum an der Küste (Guayaquil) entstehen, das in Konkurrenz zu der traditionellen, geschichtsträchtigen Hauptstadt (Quito) in der Sierra steht. Diese Konflikte werden durch eine weitere ethnische Ausprägung überlagert. Die indigene - eher ländliche- Bevölkerung wird von der weißen "kreolischen" städtische Bevölkerung als 'minderwertig' betrachtet. Erst das selbstbewußte Auftreten der indigenen Bevölkerung in den 1990er Jahren scheint einen Beitrag zur Überwindung dieses Problems zu leisten Situation der FrauenDa Frauen in der ecuadorianischen Gesellschaft stark benachteiligt werden, haben sie sich der Oppositionsbewegung angeschlossen, um so ihre Forderungen artikulieren zu können. Interessant ist ein Artikel zur zur Partizipation indigener Frauen in der Politik. Eine umfangreiche Datenbank zur Arbeit der afro-ecuadorianischen Frauenverbände hat die Weltbank erstellt. Viele Reformen für Frauen wurden in den letzten Jahren initiiert. U.a wurde ein "Comisaría de la mujer" eingerichtet, eine staatliche Behörde, die Frauen Hilfe in persönlichen Problemsituationen jeglicher Art und rechtlichen Beistand gewährt. Im ganzen haben die Reformen jedoch nicht die sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Frauen nachhaltig zu lösen vermocht. Die zunehmende politische und wirtschaftliche Teilhabe der Frauen in Staat und Gesellschaft könnte jedoch ein Schritt sein, um die Regierung unter Druck zu setzen, die Probleme anzugehen. |
||||||||||||||||||||||||||
Bildung
|
Kinder werden mit 5-6 Jahren in die erste Grundschulklasse eingeschult. Die Grundschule is obligatorisch, wenn auch nicht alle Kinder die Schule besuchen. Nur 76% schliessen das fünfte Schuljahr ab. Es gibt staatliche, halbprivate und private Schulen. Die staatliche (fiscal) Schule ist kostenfrei. Grundschulen gibt es oft auch auf dem Lande (Grossklassen mit verschiedenen Altersstufen). Nach sechs Jahren Grundschule folgt das Colegio mit den selben Schultypen. Hierfür muss aber eine Schulgebühr entrichtet werden. Kosten für das Schulmaterial, Uniformen und zumeist auch laufende Kosten für eine Extrabesoldung der Lehrkräfte (um sie in der Schule zu halten), sowie den Schulbus und Verpflegung kommen hinzu. Insofern ist bereits das Colegio für viele unerschwinglich. Nur 52% der Bevölkerung besuchen Sekundarschulen. Ecuador hat etwa 300 Bildungseinrichtungen des tertiären Sektors, die aber nicht alle vom Erziehungsministerium anerkannt sind. Es gibt 22 offizielle staatliche und 30 private Universitäten. Grosse Unterschiede im Bildungsniveau sind sowohl im Stadt-Land-Gefälle als auch zwischen den einzelnen Bevölkerungsschichten zu verzeichnen. Das Bildungsniveau der Privatschulen liegt erheblich über dem der staatlichen Schulen. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 86 %. Weiterführende Links zum Bildungsstyem: voltairenet und Ministrium für Bildung und Kultur |
||||||||||||||||||||||||||
Quelle: Human Development Report |
|||||||||||||||||||||||||||
Gesundheit und Sozialwesen
|
GesundheitssytemEine hinreichende Gesundheitsversorgung existiert nur in den großen Städten Quito, Cuenca und Guayaquil. Das staatliche Gesundheitsystem ist zweigliedrig. Die medizinische Infrastuktur, die vom Ministerio de Salud Pública (MSP) unterhalten wird, ist kostenlos - zumindest auf dem Papier. In der Regel fallen aber doch Kosten für Medikamente, Röntgenaufnahmen und Operationsmaterialien an. In die staatliche Kategorie fallen die Regionalkrankenhäuser in den Städten und Dispensarios Medicos (Arztpraxen mit Notfalleinrichtungen). Dieses öffentliche Gesundheitswesen ist aber unterentwickelt und wird nur von der armen Bevölkerungsgruppe genutzt. Die dem Instituto Ecuatoriano de Seguridad Social (IESS) unterstehenden Einrichtungen werden durch ein Krankenversicherungssytem finanziert, das sich durch Beiträge von Arbeitnehmer und Arbeitgeber speist. Die besser begüterten Ecuadorianer lassen sich von Privatärzten und Privatkliniken behandeln. Die Arzthonorare für eine einfache Konsultation liegen bei 15-20 US$. Nähere Informationen zum Gesundheitssystem von der Pan American Health Organization
Quelle: WHO, Datenstand: 2000-2004. |
||||||||||||||||||||||||||
|
Die traditionelle Weihnachtsprozession El Pase del Niño in Cuenca © A.L. Salinas-Dosch |
|||||||||||||||||||||||||||
Kultur
Der Maler Guayasamín und eines seiner Werke (unten)
Gemälde von Klingman
Kunsthandwerk für Kindern: Handgefertigte Puppen mit chola cuencana und otavalelño © A.L. Salinas-Dosch |
LiteraturDie Ursprünge einer eigenständigen ecuadorianischen Literatur reichen bis in die Kolonialzeit zurück, als Autoren wie Eugenio Espejo (der als erster ecuadorianischer Journalist gilt) im Untergrund Schriften gegen die spanische Herrschaft verfassten und damit dem Unabhängigkeitskampf Vorschub leisteten. Der bekannteste Schriftsteller der frühen Republik ist Juan Montalvo, der einerseits mit seinen Roman "Cumanda" als Vater der ecuadorianischen Romantik gilt. Anderseits übte er in Pamphleten Kritik an den politischen Verhältnissen seiner Epoche. Die Ermordung des Diktators García Moreno führte er auf seinen schriftstellerischen Einfluß zurück: "Mi pluma lo mató" ("Meine Feder hat ihn getötet"). Typisch für das 20. Jahrhundert ist ein breiter Bestand an Literatur, die sich mit der indigenen Bevölkerung beschäftigt (Literatura indigenista). Einer der bekanntesten Vertreter ist Jorge Ycaza, dessen Roman "Huasipungo" zu den wichtigsten epischen Werken zählt (Titel der deutschen Übersetzungen: Huasi-Pungo: Ruf des Indios / Huasipungo: Unser kleines Stückchen Erde). Als wichtigster Autor der Gegenwart, der auch internationales Ansehen genießt, gilt Jorge Enrique Adoum. Eines seiner wichtigsten Werke trägt den Titel "Entre Marx y una mujer desnuda"). KunstZu den wichtigen Künstler der Kolonialepoche zählen Caspicara und Caspar Sangurima, deren Plastiken und Gemälde heute in der Kirche San Francisco in Quito und im Museo de las Conceptas in Cuenca zu sehen sind. Unter den herausragenden Künstlern der Gegenwart seien hier die international renommierten Maler Oswaldo Guayasamín (Foto links) und Kingman genannt. SpracheDie Landessprache Ecuadors ist Spanisch, wobei auffällige Unterschiede in der Aussprache zwischen Costa und Sierra bemerkbar sind. Im Hochland ist ein deutlicher Einfluß des Quechua (interessant auch die Fun facts to know and tell about Quechua) vorhanden, der von allen Hochlandindios gesprochene alten Inkasprache. Darüber hinaus existieren mehrere weitere indigene Sprachen, die im Gegensatz zu Quechua aber zu einem großen Teil allmählich verdrängt werden. Wollen Sie die Zahlen und die Farben kennen oder Quichua hören, dann testen Sie diese Lektion eines Sprachkurses in Quechua. Weiterführende LinksAuf den Seiten von Andesweb können Sie darüber hinaus Gedichte und Geschichten lesen, Musik hören, Bilder und Videos anschauen Hier können Sie die wichtigsten Schriftsteller und Künstler kennenlernen oder ein Textfragment des vielleicht bekanntesten ecuadorianischen Autors Jorge Enrique Adoum lesen, erste Freundschaft mit der Jorge Carrera Andrades Poesie schließen oder Bilder von indianischen KünstlerInnen (Maler von Tigua) ansehen. In den Seiten von Dennis Ogburn erfahren Sie mehr über die Saraguros im Süden des Landes.Die kulturhistorischen und ethnologischen Museen der Zentralbank Ecuadors sind auch einen virtuellen Besuch wert. Die website Ecuador Cultura befindet sich zwar noch im Aufbau, ist aber schon jetzt einen KLick wert. Lassen Sie sich mit Rezepten eines typischen ecuadorianischen Gerichtes Cebiche verwöhnen. |
||||||||||||||||||||||||||
|
Die geschäftstüchtigen Otavaleños sind mit einem eigenen Homepage im Web vertreten, in dem sie ihre handwerklichen Produkte anbieten. © A.L. Salinas-Dosch |
|||||||||||||||||||||||||||
Religion
Die Kapelle 'del Mar Virgen de el Cisne' in Ballenita, Provinz Santa Elena, ist heute ein sehenswertes Maritimmuseum © A.L. Salinas-Dosch |
Mehr als 85% der Bevölkerung gehört der katholischen Kirche an. Nach der Gründung der Republik Ecuador wurde der Katholizismus Staatsreligion, wie generell Staat und Kirche eine Einheit bildeten. Eine Trennung erfolgte erst im Zuge der "liberalen Revolution" (1895-1925) unter Eloy Alfaro, die eine Reihe antiklerikal gefärbter Reformen mit sich brachte. Obwohl sich der politische Einfluß der Kirche somit im 20. Jahrhundert reduziert hat, richtet die Mehrheit der ecuadorianischen Bevölkerung ihr Leben auch heute noch streng nach traditionellen katholischen Moralkonzepten aus. In Teilen des Hochlandes und bei einigen kleineren Ethnien im Oriente wächst in der jüngsten Gegenwart stetig der Einfluß protestantischer Religionsgemeinschaften US-amerikanischer Herkunft. In einem Zeitraum von nur zwanzig Jahren versechsfachte sich die Zahl der Protestanten in Ecuador. |
||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||
zurück zur vorherigen Seite |
weiter zur nächsten Seite

| alle Länder | Homepage | |||
| Landesüberblick | Staat & Politik | Wirtsch. & EZ | Gesellsch. & Kultur | Praktisches |