EL SALVADOR Soziale StrukturZwar ist die offizielle Arbeitslosenquote mit sieben Prozent recht niedrig, doch müssen noch ca. 30 bis 40 Prozent Unterbeschäftigte hinzugerechnet werden. Viele Betriebe sind nicht wettbewerbsfähig, da es nur wenige ausgebildete Arbeitskräfte gibt. Seit jeher bestehenden große soziale Unterschiede in der Gesellschaft. Mehr als 19 Prozent der Bevölkerung müssen mit weniger als einem US-Dollar am Tag auskommen. Im Index der menschlichen Entwicklung (HDI) von 2006 nimmt El Salvador Platz 101 von 177 Ländern ein. Vor allem die Menschen auf dem Land sind sehr arm. Großen Teilen der Bevölkerung mangelt es an medizinischer Versorgung, Zugang zu sauberem Trinkwasser und Wohnungen. Durch das Erdbeben im Jahr 2001 und den Tropensturm Stan im Oktober 2005 wurde die Wohnungsnot noch verschlimmert. Inbesonders Kinder leiden unter den schlechten Lebensbedingungen. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO arbeiten vier von zehn Kindern zwischen 14 und 17 Jahren, vorwiegend in gefährlichen und unqualifizierten Tätigkeitsbereichen. Das Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen schätzt, dass jährlich 12.000 Kinder an den Folgen von verunreinigtem Trinkwasser, schlechten hygienischen Bedingungen und fehlender medizinischer Behandlung sterben. Ein großes Problem von El Salvador ist die hohe Kriminalitätsrate, gemessen an der Einwohnerzahl gehört sie zu den weltweit höchsten. Die große Gewaltbereitschaft lässt darauf schließen, dass viele soziale Konflikte auch nach dem Bürgerkrieg noch nicht gelöst sind. Weil viele Jugendliche arbeits- und perspektivlos sind, schließen sie sich Jugendbanden an. Dadurch hat die Kriminalität in den letzten Jahren stark zugenommen, auch die Drogenkriminalität ist stark angestiegen.
Ein großes Problem von El Salvador ist die hohe Kriminalitätsrate,
gemessen an der Einwohnerzahl gehört sie zu den weltweit höchsten.
Die große Gewaltbereitschaft lässt darauf schließen,
dass viele soziale Konflikte auch nach dem Bürgerkrieg noch nicht
gelöst sind. Weil viele Jugendliche arbeits- und perspektivlos
sind, schließen sie sich Jugendbanden, den „Maras“
[de], an. Junge Auswanderer, die nach der
Verschärfung der Einwanderungsgesetze aus den USA
[ 2004 betrug nach Angaben der Organisation "Social Watch" [en] der Anteil der Bevölkerung, der in Armut lebt 36.4%, davon leben 12.6% in absoluter und 22% in relativer Armut, wobei die größte Konzentration in den ländlichen Gebieten zu finden ist (43.7%). Die s ist mit ein Grund, warum täglich hunderte Menschen allein oder mit Hilfe von Schleusern in die USA oder nach Mexiko emigrieren. Gerade Kinder und Frauen werden dabei oft Opfer von Menschenhandel, Prostitution und sexuellem Missbrauch. Das BMZ veröffentlicht eine Auswahl von Indikatoren zum Stand der Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele in El Salvador:
BildungIm Jahr 2000 veröffentlichte die Unternehmer-Stiftung für
Bildung und Entwicklung (FEPADE) hat eine Studie
[ Im März 2005 veröffentlichte das Erziehungsministerium
[sp] einen neuen "Plan Nacional de Educación
2021", der sich an den "Millenium Development Goals"
orientiert. So ist vorgesehen, dass bis 2015 alle Kinder die Möglichkeit
haben, die Grundschule zu besuchen. Noch im selben Jahr 2005 sollte
die herrschende Ungleichheit zwischen Jungen u. Mädchen in der
Grund- und Hauptschule beseitigt werden, bis 2015 soll dann absolute
Gleichheit im gesamten Bildungsbereich bestehen. Das Bildungswesen ist
aber trotz bereits eingeleiteter Reformen
[ Es gibt ca. 50 "Universitäten" im Land, auch wenn die meisten die Kriterien einer Universität kaum erfüllen. Die größten Universitäten im Lande sind
Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für das das Bildungswesen bei 22%. Die öffentlichen Bildungsausgaben in Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreichen aber lediglich 2,9% (2000-2002) und sind unter den niedrigsten in Zentralamerika. Gesundheit und Sozialwesen
Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für das Gesundheitswesen [sp] bei 5%. Ungefähr ein Viertel der Bevölkerung und 35% der ärmsten SalvadorianerInnen haben keinen Zugang zu Gesundheitsdiensten. Die Anteile der staatlichen Ausgaben für den Gesundheitssektor mit 3,7% des BIP sind unter den niedrigsten in Zentralamerika. Der Versuch der Regierung Ende der Neunziger Jahre das Gesundheitssystem zu privatisieren, hatte 2002 zu den heftigsten öffentlchen Protesten der letzten Jahre geführt. Im September 2002 brach der Ärztestreik im Sozialversicherungsinstitut (ISSS) [sp] aus, der von der Arbeitergewerkschaft des Insituts und dem Ärztekolleg begleitet wurde. Obwohl die Regierung statt der streikenden Ärzte provisorische Ärzte einstellte, ging der Streik weiter. Ebenso die Demonstrationen, die "marchas blancas", die jedes Mal größer wurden. Insgesamt gab es sieben dieser Märsche, mit bis zu 100.000 Teilnehmern allein in San Salvador, der Hauptstadt, und darüberhinaus gab es weitere Demonstrationen in anderen Regionen des Landes. Die Streikbewegung im öffentlichen Gesundheitssektor hat schließlich zur Verabschiedung eines Gesetzes geführt, das eine Privatisierung staatlicher Gesundheitsdienstleistungen strikt verbietet. Neben zahlreichen ausländischen und internationalen Organisationen, die versuchen die Defizite in der staatlichen Gesundheitsversorgung auszugleichen, sind in den letzten Jahren die Gewerkschaften der ArbeiterInnen und Angestellten und der Ärzte SIMETRISSS der Sozialversicherung "Instituto Salvadoreño de Seguro Social" (ISSS) im Kampf gegen die Privatisierung [sp] des Gesundheitswesens zu landesweit anerkannten Verteidiger des Rechtes auf Gesundheit geworden. Der letzte nationale Gesundheitsreport über die Jahre 1999 bis 2004 ist auf den Seiten des Gesundheitsministerium [sp] zu sehen, wo Sie auch aktuelle Informationen über Dengue und Cholera finden. Wesentlich umfangreicher, aber leider von 2001, sind die Basisdaten zur Gesundheitssituation in El Salvador [en] von der "Pan American Health Organisation", die in ihrem Jahrbuch 2002 [en] weitere Daten veröffentlicht hat. In der Region Usulután ist aufgrund der großen Probleme für die arme Bevölkerung eine Gesundheitsversorgung für Kranke zu erlangen, eine Selbsthilfeorganisation entstanden, der Fondo Social de Emergencia de Salud. Es ist eine soziale Nichtregierungsorganisation, die sich auch an der Bewegung gegen die Privatisierung des Gesundheitswesens beteiligte und nun mit seinen mehreren tausend Mitgliedern als eine Art "private regionale Krankenkasse" der Armen fungiert. Kultur
Die Bevölkerung El Salvadors setzt sich hauptsächlich aus einer Mischung indigener und spanischer Gruppen zusammen, die Landeskultur spiegelt dieses Erbe wider. Etwa 90% Mestizen, 5% Indigenas und 5% europäischer Abstammung leben im Land . El Salvador hat eine reichhaltige Geschichte indigener Kulturen, die sich in den Tänzen, Erzählungen und Gebräuchen zeigt. 1993 wurde von der UNESCO Joya de Cerén [sp] zum Weltkulturerbe erklärt. Das salvadorianische "Pompeii" wurde vor 1.400 Jahren von der Asche des Vulkans Caldera begraben und legt Zeugnis ab vom Leben der Mayas in jener Epoche. Die traditionelle Volksmusik El Salvadors ähnelt der aus anderen mittelamerikanischen Staaten und manche Tänze vermischen Elemente verschiedener europäischer Länder. In den 60iger Jahren entstand eine neue Art der Volksmusik, die Nueva Canción (neues Lied), sie spiegelt die turbulenten politischen Entwicklungen in der Region wider. Die Lieder sind durch eine klare politische Botschaft gekennzeichnet, wobei die gesamte Palette von Kritik und Opposition bis zum bewaffneten Widerstand abgedeckt wird. Die politisch engagierte Musikgruppe "Yolocamba I Ta" [sp] wurde im August 1975 in der Jesuitenschule "Externado San José" in San Salvador gegründet und bietet auf ihrer Webseite auch einige Songs zum kostenlosen Download an. Es gibt das Orquesta Digital de Carlos Anaya [sp] und einen Nationalen Chor. Moderne Musik verschiedener Stilrichtungen findet man auf dem Webportal www.musica.com.sv [sp]. Eine sich selbst als "kleines Fenster" mit dem Namen
"Cuscatlan" [sp] bezeichnende
Gruppe gibt einen guten Überblick über die aktuelle Kunst-
und Literaturszene in El Salvador. Einer der bekanntesten zeitgenössischen
Dichter ist Roque
Dalton [sp], der 1975 bei internen Auseinandersetzungen
innerhalb der Guerrilla ermordet wurde. Weit über die Grenzen el
Salvadors heraus ist auch der Schriftsteller Horacio
Castellanos Moya bekannt, von dem auch einige Bücher in deutscher
Sprache erschienen sind. Er bezeichnet sich selbst als Heimatlosen,
in El Salvador wird er von Teilen der Bevölkerung gehasst. Er gilt
als „politischer“
Autor weil er in seinem Romanen den schrecklichen Bürgerkrieg
und dessen Folgen für die Gesellschaft in El Salvador immer wieder
ins Zentrum rückt. Die beiden Museen in San Salvador, das anthropologische Museum Guzmán [sp] und das neue Kunstmuseum Museum de Arte, das eine sehenswerte Kollektion salvadorianischer MalerInnen ausstellt, dürfen hier in der Aufzählung nicht fehlen. In El Salvador gibt es kein Theater mit festem Ensemble, aber verschiedene Spielstätten, in denen einheimische und ausländische Ensembles auftreten, wie z.B. das recht neue Teatro Luis Poma. Um einen Eindruck von diesen Angeboten zu bekommen, können Sie das jeweilige Programm auf den Seiten der Fundación CLIC [sp] sehen. Die Tageszeitung El Diario de Hoy hat ein Magazin, HABLEMOS [sp], das unter den Stichworten Geschichte, Tradition, Erbe interessante Berichte bringt. ReligionNach Angaben des US-Außenministeriums gehören aufgrund einer Untersuchung, die das "Central American University Public Opinion Institute" in El Salvador durchführte, 55,2 % der Bevölkerung der römisch-katholischen Kirche an, 20,6 % sind Mitglieder der Protestantischer Kirchen, 2,1 % sind mit anderen Religionsgemeinschaften verbunden und 22,1 % gehören keiner Religion an. In älteren Berichten wird immer wieder davon geschrieben, dass 85 % der Salvadorianer römisch-katholisch seien. Jedoch hat auch in El Salvador wie in vielen Ländern Mittel- und Südamerikas der Einfluß von Sekten stark zugenommen, die Präzenz evangelischer Freikirchen ist erheblich gestiegen. Aktiv im Land sind neben den Katholiken u. Protestanten vor allem auch Baptisten, Mormonen u. Adventisten. Theologie der BefreiungMehr als andere lateinamerkanische Länder wurde die Kirche El
Salvadors durch die Theologie
der Befreiung beeinflußt. Es haben sich gerade auch während
der Jahre des Bürgerkrieges zahlreiche Basisgemeinden
gebildet, deren Thematik vor allem Gottes Wille zur Durchsetzung von
Gerechtigkeit ist. Die Basisgemeinden streben eine gewaltlose Befreiung
aus den ungerechten Abhängigkeitsverhältnissen an. Abgelehnt
wird dagegen die hierarchische kirchliche Struktur.Wichtige Entscheidungen
werden nicht vom Priester allein, sondern von den Gemeindeleitungen
mit Mehrheit getroffen. Der Vatikan steht der Befreiungstheologie und auch den Basisgemeinden nach wie vor ablehnend gegenüber. Dies wurde wieder im März 2007 deutlich dokumentiert, als die Glaubenskongregation in Rom eine Verurteilung des salvadorianischen Theologen Jon Sobrino beschloß. Jon Sobrino hat als einziger die Ermordung der Jesuiten-Kommunität in San Salvador überlebt, weil er sich gerade im Ausland befand, als das Todeskommando der salvadorianischen Armee am 16. November 1989 die Kommunität überfiel. Er setzte das Werk seiner Gefährten, u.a. des Rektors der Jesuiten-Universität Ignacio Ellacuría fort. Der Vatikan bezichtigt nun einen der hervorragendsten Vertreter der Befreiungstheologie, das göttliche Selbstbewusstein des historischen Jesus nicht uneingeschränkt zu vertreten. Die Maßregelung für den in Lateinamerika und Europa viel gelesenen Theologen beinhaltet jedoch kein ausdrückliches Lehr- und Publikationsverbot. In ganz Lateinamerika und auch in El Salvador wurden in den lertzten Jahren die Bischofssitze fortschrittlicher Diözesen nach und nach durch romtreue Bischöfe ersetzt. Der neue Erzbischof von San Salvador, Fernando Saenz Lacalle, stammt aus Spanien, war früher Militärkaplan in El Salvador und ist Mitglied bei Opus Dei. Erzbischof Oscar Arnulfo Romero y Galdámez
War Romero ursprünglich von einer aufrichtigen, aber unpolitischen Frömmigkeit geprägt, begann sich seine Position zu wandeln, als er in Santiago de Maria wieder mit der bitterarmen und unterdrückten Bevölkerung in Kontakt kam. Seiner konservativen Haltung hatte er wohl auch seine Ernennung zum Erzbischof zu verdanken, als welcher er in traditionalistischer Haltung ein gutes Einvernehmen mit der Regierung halten sollte. Ein entscheidendes Erlebnis war dann jedoch die Ermordung des für Gerechtigkeit engagierten Priesters Rutilio Grande [sp], eines Freundes Romeros, wenige Wochen nach dessen Amtsantritt als Erzbischof. Romero setzte sich jetzt mit Nachdruck für Gerechtigkeit ein, ohne Rücksicht auf die Gefahr, der er sich selbst aussetzte. In einem Brief an den damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter bat er die US-Regierung darum, keine Militärhilfe für das Militär in El Salvador zu gewähren. Wegen seines Kampfes gegen die Unterdrückung der Bevölkerung, für soziale und politische Reformen und gegen die Verbrechen der Militärdiktatur wurde er am 24. März 1980 während einer Eucharistiefeier in der Kapelle des Krebshospitals der Karmelitinnen am Altar durch einen Heckenschützen ermordet. Es existiert eine Tonbandaufnahme seiner letzten Stunde. In seiner letzten Predigt in der Kathedrale von San Salvador [sp] am Tag zuvor sagte er: "Kein Soldat ist verpflichtet, einem Befehl zu gehorchen, der wider das Gesetz Gottes gerichtet ist. (...) Ich bitte euch, ich flehe euch an, ich befehle euch im Namen Gottes - hört auf mit der Unterdrückung!" Der Mord an ihm war der Auftakt eines Bürgerkrieges in El Salvador, der in 12 Jahren mehr als 75.000 Menschenleben forderte; unter ihnen waren 70.000 Zivilisten. Bereits bei der Begräbnisfeier für ihn, bei der etwa eine Million Menschen teilnahmen, wurde ein Massaker mit 40 Toten an den Teilnehmenden veranstaltet. Der vom WDR in seiner Reihe "Politische Morde" produzierte Dokumentarfilm "Romero - Tod eines Erzbischofs" ist für Interessierte sehr zu empfehlen. Der Film erzählt nicht nur viel über die Rolle der Kirche in El Salvador, sondern insbesonders auch über die Zeit während des Bürgerkrieges. |
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am 1. April 2008