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Ghana
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4.1 Makrosoziale Struktur
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4.1.2 Ethnizität, TribalismusGhana ist ein multiethnisches Land. Die wichtigsten Verkehrssprachen sind: Akan, Ewe, Dagbani und Ga-Adangbe. Über die Anzahl der Sprachen gibt es nach wie vor unterschiedliche Einschätzungen. Das Summer Institute of Linguistics geht ähnlich wie die koloniale Linguistik, für die eine Zersplitterung in möglichst viele Ethnien und Sprachgruppen Teil des Herrschaftssystems (Indirect Rule) war, von über 70 Idiomen aus. Bedauerlicherweise haben sich in Ghana in den letzten acht Jahren ethnische Spannungen verstärkt, unter anderem durch die von der NPP geforderte Bevorzugung ihrer Schwerpunktsregion Ashanti. Weiterhin schwelt der Konflikt um die Nachfolge des 2002 ermordeten Herrschers der Dagbon in der Nordregion. 4.1.3 Soziale Lage und soziale KlassenAngesprochen auf die soziale Lage in Ghana beklagen viele Ghanaerinnen und Ghanaer, dass sich die traditionelle Familienstruktur in Auflösung befindet. Insbesondere in den Gebieten mit einer städtischen Bevölkerung haben sich mehr oder weniger Kernfamilien gebildet, die häufig aus Kindern und Müttern bestehen. Die weiter unten angeführte Landflucht ist dafür ebenso verantwortlich zu machen wie die unbefriedigende Lage auf dem Arbeitsmarkt, wozu auch ungünstige Arbeitsbedingungen zählen. Nach vorsichtigen Schätzungen beträgt die Arbeitslosigkeit ca. 20%, bei Jugendlichen oft mehr als 30%. Eine genaue Schätzung ist wegen zahlreicher Fälle von "Selbstbeschäftigung" vor allem im sogenannten informellen Sektor kaum möglich. Informeller SektorWährend der "formale Sektor" seit den Strukturanpassungsmaßnahmen und in Folge der Globalisierung immer mehr abgebaut wird, nimmt der Informelle Sektor eine immer größere Bedeutung ein. Die ehemals starke Position der Gewerkschaften (PDF) wird zunehmend zurückgedrängt, da es ihr aufgrund der internationalen - vor allem asiatischen - Konkurrenz kaum noch möglich ist, die geringer werdende Anzahl der Arbeitskräfte zu binden. Die geringen Einkommensmöglichkeiten im lohnabhängigen Sektor, aber auch die ausgeprägte Kleinhandelstradition haben dazu geführt, dass ein großer Teil des ghanaischen Wirtschaftslebens im so genannten Informellen Sektor statt findet. Weitere Informationen (PDF) liefert ein Weltbank-Bericht. 4.1.4 Stadt-Land-VerhältnisDer Blick auf die Karten unter 1.7.1 und 1.7.2 macht deutlich, dass Ghana außerordentlich große urbane und rurale Zonen aufweist. Bei den städtischen Zonen ist zu berücksichtigen, dass es sich nicht nur um die Agglomerationen Accra, Kumasi, Sekondi-Takoradi und Tamale handelt, sondern auch um die zahlreichen Mittelstädte entlang der Eisenbahnlinien und Nationalstraßen. In den ländlichen Gebieten lassen sich Gegenden ausmachen, die wegen schlechter Böden und einer hohen Krankheitsgefährdung kaum bewohnt sind. Die Abwanderung der Landbevölkerung in die städtischen Regionen hält unvermindert an. Schätzungsweise 50% aller Ghanaer wohnen in Ortschaften über 5000 Einwohnern. Die Politik der Dezentralisierung hat in dieser Hinsicht nur wenig erreicht. 4.1.5 GeschlechterverhältnisNach der Verfassung von 1992 ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau garantiert. Allerdings mangelt es noch beträchtlich an Folgegesetzen, insbesondere wenn man bedenkt, wie stark die ghanaischen Frauen wirtschaftlich, sozial und religiös aktiv sind. Eine detaillierte Übersicht über Frauenfragen bietet das "The Women's Manifesto for Ghana". |
4.3 Bildung |
4.3.2 Schule, BerufsbildungAufgrund der nach wie vor ungelösten Probleme im Bildungsbereich wurde eine, stark an das amerikanische Schulsystem angelehnte, Reform eingeleitet, in der vor allem im Sekundarbereich erhebliche änderungen stattfinden sollen. Der angegebene Kommentar enthält eine vorsichtige Zustimmung. Grundlegende Informationen über das Bildungssystem erhalten Sie über das Bildungsministerium. 4.3.3 HochschulbildungGhana hat sechs staatliche Universitäten und zehn staatliche Fachhochschulen (Polytechnics). Im Umfeld von UNESCO ist vor kurzem eine ausführliche Darstellung des gesamten Bildungswesens Ghanas erschienen. Zum höheren Bildungswesen (Tertiärer Sektor) zählen die Universitäten und seit 1993 die Polytechnics. Polytechnics sind heute den deutschen Fachhochschulen gleichzusetzen, nachdem in sie außerordentlich viele internationale Fördermittel geflossen sind (siehe Beispiel Ho Polytechnis). Zusätzlich zu den erwähnten tertiären Bildungseinrichtungen gibt es zur Zeit mindestens 10 Privatuniversitäten, oft mit starker religiöser Komponente. Allerdings sind sie fast alle außerordentlich stark von ausländischen Mitteln abhängig. Das Rankingportal WEBOMETRICS führt einige private und staatliche Universitäten von Ghana an. |
4.4 Gesundheit und Sozialwesen |
4.4.1 Traditionelle MedizinEs steht außer Frage, dass nach wie vor der größte Teil der vorkommenden Krankheiten traditionell, d.h. über Heiler, Dorfhebammen oder "Medizinmänner" behandelt werden. Der traditionellen Medizin widmen sich sowohl staatliche wie kirchliche Einrichtungen, aber auch Privatpersonen. 4.4.2 GesundheitsversorgungDie Weltgesundheitsbehörde bietet uns einen guten Überblick über die sozial-medizinische Situation Ghanas in den Basic Health Indicators. 4.4.3 HIV/AIDSAn vorderster Stelle ist die Ghana AIDS Commission zu nennen, die in den letzten Jahren in außerordentlich vielfältiger Weise aktiv geworden ist, andere staatliche Stellen, bilaterale und multilaterale Partner und zahlreiche NGOs einbindet. Eine weitere wichtige Quelle ist UNAIDS, wo unter anderem das epidemiological fact sheets on HIV/AIDS and sexually transmitted infections (PDF) bezogen werden kann. Hierzu gibt es eine umfassende Dokumentation der amerikanischen Entwicklungshilfe-Organisation US-AID. Auf die unmittelbare Gefahr der Ausbreitung von HIV zielen die langjährigen Maßnahmen der GTZ in Accra, wie aus einem Artikel der Journalistin Katrin Schneider (PDF) hervorgeht. Die Diskussion um AIDS hat in Ghana einen neuen Stellenwert erhalten, einmal durch die internationalen Bemühungen um eine afrikaweite AIDS-Bekämpfung, zum anderen dadurch, dass Ex-Präsident Rawlings von der UN speziell mit dieser Aufgabe betreut wurde. |
4.5 Kultur |
4.5.1 Kulturelle IdentitätenKein Besucher des Landes bleibt unbeeindruckt von seiner facettenreichen Kultur. Diese wird jedoch überwiegend durch die Präsentation der größten ethnischen Gruppe, den Akan, vermittelt. Die Navrongo-Homepage eröffnet unerwartet viele Aspekte von Leben und Kultur in Nordghana, während Scenes from the Rituals of the Ewe einen lebhaften Überblick über dieses südöstliche Volk gibt. Es versteht sich von selbst, dass die traditionelle Kultur angesichts des gewaltigen sozialen und wirtschaftlichen Wandels und des globalen Einflusses von Medien zurückgedrängt worden ist, dazu zählt auch die zum Teil aggressive Missionstätigkeit christlicher und islamischer Gruppen. Gleichwohl gibt es in Ghana und seitens der ghanaischen Diaspora Bemühungen, traditionelle Werte in allen Lebensbereichen zu fördern. 4.5.4 KunstEine Übersicht über zeitgenössische ghanaische Künstler gibt die Contemporary Africa Database. Eine besondere Pikanterie ist die Sargkunst, die auf Wunsch Särge herstellt, durch die die nachmaligen Toten ihre Lebenserfolge oder beruflichen Werdegänge dokumentieren können. Ohne Musik läuft in Ghana nichts. Eine charakteristische Musikgattung ist der seit den vierziger Jahren populäre High Life, der seit einigen Jahren eine Renaissance erfährt. Aus dem Musikleben nur zwei Hinweise: Ghana Music und C.K. Ladzekpo. Keine Kultur ohne Feste, keine Kultur ohne Musik, in die uns das Musikarchiv in Mainz einführt. Ghana ist damit überreich gesegnet. Seit Jahren wirbt Ghana, besonders unter den afrikanischen Amerikanern erfolgreich mit dem Panafest. Von allen afrikanischen Ländern, die in Deutschland vertreten sind, dürfte wohl Ghana mit am stärksten die Musikszene beherrschen. Eine spezielle Form der Highlife-Musik, der "Burger-Highlife" wurde von ghanaischen Immigranten in Deutschland entwickelt. Im übrigen hat sich das Afrika Festival in Würzburg mit einem beträchtlichen ghanaischen Anteil einen guten Namen gemacht. |
4.6 Religion |
4.6.1 Offizielle ReligionenGhana ist ein multireligiöses Land. Jedoch dominiert das Christentum nahezu alle Regionen und Lebensbereiche. Der Anteil der Christen an der Bevölkerung liegt heute bei ca. 55%, wobei es Grauzonen im Übergang zu Ethnoreligionen (ca. 20%) gibt. Der Islam hat seine größten Einzugsgebiete in Nordghana, über die "moderne" Ahmadiyya-Bewegung hat er auch in den Städten des Südens zahlreiche Anhänger. Ghana - ein christliches Land?Wer immer Ghana aufsucht, wird von der Fülle überwiegend christlicher Gemeinschaften überrascht oder auch beunruhigt sein. Der aus amerikanischer Sicht stammende Religious Freedom Report ist einerseits informativ, andererseits werden Religionsgemeinschaften mit sozialer Verantwortung nicht in der gebührenden Weise berücksichtigt. Aufgrund der vollständigen Privatisierung des Medienwesens sind unzählige christliche Radiosender landesweit aktiv., ein Vorgang der von der WACC (World Association for Christian Communication) durchaus kritisch gesehen wird. Einen frischen Bericht zum ambivalenten Verhältnis zwischen Religiosität und Geschäftssinn liefert Mercy Amba Oduyoye mit "THE AFRICAN EXPERIENCE OF GOD THROUGH THE EYES OF AN AKAN WOMAN". Eine Aufwertung der seit über 120 Jahren in Ghana aktiven römisch-katholischen Kirche wurde mit der Ernennung von Peter Kodwo Appiah Turkson, dem Erzbischof von Cape Coast, zum ersten Kardinal Ghanas vollzogen. In diesem Zusammenhang ist es hilfreich, sich einen Überblick über Personalbestand und Geschichte der römisch-katholischen Kirche zu verschaffen, zumal sie auch ein wichtiger Partner europäischer Kirchen und einiger NRO ist. Die Struktur der protestantischen Kirchen, die im Christian Council of Ghana zusammengeschlossen sind, ist naturgemäß etwas schwieriger, da zahllose unterschiedliche Glaubensvorstellungen harmonisiert werden müssen. Traditionelle Religionen in Ghana Die Vielfalt der ethnisch gebundenen Religionen kommt in einem Artikel des Library of Congress zum Ausdruck. 4.6.2 politische und gesellschaftliche Bedeutung von ReligionenDie Präsenz von Religion in Ghana zeigt sich nicht nur im Alltagsleben über Plakate, Musik oder öffentliche Bußpredigten. Die zentralen Organe der christlichen Kirchen und des Islams nehmen großen Anteil an gesellschaftlichen und mittlerweile auch ökologischen Fragen in Form von Denkschriften. Öffentliche Veranstaltungen werden üblicherweise mit Gebeten, manchmal auch mit traditionellen Trankopfer-Ritualen eröffnet. |
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