Seite 3:
Wirtschaft & Entwicklung
Guatemala

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Wirtschaftliche
Strukturen
Wirtschaftssektoren
Grundmerkmal der guatemaltekischen Wirtschaft ist die
auch im
lateinamerikanischen Vergleich nach wie vor große Bedeutung des Agrarsektors,
der zwar "nur" 22% zum Bruttoinlandsprodukt
 (BIP)
von 35,3 Mrd.
US $ (2006) beiträgt, aber mit 37% aller
Erwerbspersonen (2003) einen Großteil der erwerbsfähigen
Bevölkerung beschäftigt. Der Anteil der Industrie macht
demgegenüber
bei sinkender Tendenz etwa 13% des BIP aus, während der
tertiäre Sektor
inzwischen 64% zum BIP beiträgt (alle Daten, sofern nicht anders
genannt, für das
Jahr
2006).
Wirtschaftssektoren
im Vergleich
1980 - 2006
Anteil der Sektoren am Bruttoinlandsprodukt
|
1980
|
1990
|
2006
|
zum Vergleich
|
%
|
%
|
%
|
CostaRica
2000
|
Nicaragua
2000
|
Landwirtschaft
|
27,1
|
25,9
|
22,2
|
11,2
|
33,3
|
Industrie
|
22,9
|
17,3
|
12,5
|
36,3
|
23,1
|
Dienstleistungen
|
50,0
|
56,8
|
65,3
|
52,5
|
43,6
|
Anteil der Erwerbsttätigen in den Sektoren |
1980
|
1990
|
2003
|
zum
Vergleich
|
%
|
%
|
%
|
CostaRica
2000
|
Nicaragua
2000
|
Landwirtschaft
|
56,9
|
52,6
|
37,2
|
20,4
|
43,5
|
Industrie
|
17,1
|
19,5
|
22,0
|
21,4
|
14,3
|
Dienstleistungen
|
26,0
|
27,9
|
40,8
|
58,2
|
42,2
|
Quellen: CEPAL Statistical Yearbook for
Latin America and the Caribbean, diverse Jahrgänge; ILO Labor
Statistics (http://laborsta.ilo.org)
Allerdings geht die Rolle des informellen Sektors aus den
vorliegenden Statistiken nicht hervor: Angesichts einer Zahl von
etwa 4 Mio. unterbeschäftigten oder arbeitslosen Menschen ist von
einer immensen Bedeutung der entsprechenden Tätigkeiten
(z.B.
im Strassenhandel) auszugehen.
Wirtschaftsindikatoren und
-statistiken
Umfassende Statistiken und Informationen zur allgemeinen
wirtschaftlichen
Situation und zur Verschuldung des Landes liefern
- die UN-Wirtschaftskommission
für Lateinamerika  ( CEPAL),
- die Zentralbank von
Guatemala 
sowie
- zahlreiche private oder
halbstaatliche
sozioökonomische Forschungseinrichtungen wie
ASIES  ,
AVANCSO  ,
CIEN  oder
FLACSO  .
Auch die Bundesagentur
für Außenwirtschaft ( bfai)
(Suchbegriff
Guatemala eingeben) gibt regelmäßig
Berichte und Prognosen zu Guatemala heraus.
Daten und Karten zur Landwirtschaft stellen die Ernährungs-
und Landwirtschaftsorganisation der UN  ( FAO)
und die Regionalvertretung
für Zentralamerika der CEPAL  in Datenbanken und
Publikationen zur Verfügung.
Statistiken und Berichte zur
industriellen Entwicklung des Landes liefert die UN-Sonderorganisation
für industrielle Entwicklung  ( UNIDO).
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Strukturprobleme und
Abhängigkeiten
|
Strukturprobleme
Das durchschnittliche Einkommen
und damit die Kaufkraft breiter Bevölkerungsschichten sind
nach wie vor sehr gering. Die Ursache liegt in einer Reihe von
typischen strukturellen Schwächen und Abhängigkeiten der
guatemaltekischen Wirtschaft, die eng mit den einzelnen Sektoren
verbunden sind.
a)
Probleme
im Bereich Landwirtschaft
- Die Abhängigkeit von
wenigen traditionellen landwirtschaftlichen
Exportprodukten wie Kaffee und Bananen sowie einigen weiteren nichttraditionellen Produkten
wie Kardamom,
Schnittblumen, verschiedenen Gemüsearten oder Gewürzen macht
die Wirtschaft Guatemalas gegenüber Preisschwankungen des
Weltmarktes sehr verwundbar, wie das ansteigende Haushaltsdefizit
und die Kaffeekrise
der vergangenen Jahre deutlich
zeigen.
- Die dualistische
Agrarsozialstruktur verhindert eine nachhaltige
ländliche Entwicklung mit einer agrarökologisch angepassten
Bodennutzung und fördert die Gewalt
im ländlichen Raum:
Während eine kleine Anzahl von
landwirtschaftlichen Großbetrieben auf dem Großteil der
landwirtschaftlichen Nutzfläche (LNF) hauptsächlich für
den Export produziert, bewirtschaftet eine Vielzahl von
Kleinbetrieben nach wie vor nur einen sehr geringen Anteil der LNF vor
allem für den Eigenbedarf oder die regionalen Märkte. Die in
den Friedensabkommen
vorgesehene Lösung dieser Landfrage
durch Landzuweisung oder -umverteilung steht bisher ebenso aus wie der
Aufbau eines flächendeckenden Katasterwesens: Über 50%
der
Landesfläche Guatemalas befinden sich nach Schätzungen
von
Bauernorganisationen wie der Coordinadora
Nacional Indígena y Campesina (CONIC)
noch immer
in einem rechtlich ungeklärten Status.
- Auch die Ausbreitung von
nichttraditionellen Exportprodukten als Anbaualternative für
Kleinbetriebe hat zur Lösung der Landfrage und zur Minderung der
ländlichen Armut bisher wenig
beigetragen. Das exportorientierte Entwicklungsmodell
und die damit verbundene
Weltmarktöffnung haben vielmehr zu einem drastischen
Anstieg der Agrarimporte geführt, die inzwischen eine erhebliche
Konkurrenz
für die Grundnahrungsmittel produzierenden Kleinbauern darstellen
und für die städtische Bevölkerung mit einem
Preisanstieg für Mais und
Bohnen verbunden sind.

Anbau von
nichttraditionellen Exportkulturen als wirtschaftliche Alternative
für Kleinbauern?
Brokkolikultur
auf
terrassierten
Kleinstparzellen bei Todos Santos, Huehuetenango
(©
Ralf Wyrwinski)
b)
Probleme
des industriellen
Sektors
- Zwar ist im Zuge der importsubstituierenden
Industrialisierung und der Gründung des Zentralamerikanischen
Gemeinsamen Marktes (MCCA)
seit den 1960er Jahren eine Ausweitung
der industriellen Produktion gelungen; der sekundäre Sektor hat
aber nur wenige der dringend benötigten Dauerarbeitsplätze im
nichtlandwirtschaftlichen Bereich geschaffen und durch seine
räumliche Konzentration auf die Agglomeration Guatemala-Stadt die
Disparitäten zwischen der Hauptstadt und den ländlichen
Räumen noch weiter verstärkt.
- Die Ausbreitung der sog. "maquiladora"-Industrie
ist seit den
1980er Jahren
zwar mit der Entstehung vieler
Arbeitsplätze verbunden; entwicklungspolitisch erwünschte
und erhoffte Vernetzungen sind bisher jedoch ausgeblieben, da die
nordamerikanischen oder asiatischen Kapitalgeber ihre
Investitionen z.T. sehr schnell wieder abziehen. Zudem gelten die Arbeitsbedingungen
in den
hauptsächlich textilverarbeitenden
Betrieben oft als inakzeptabel; eine gewerkschaftliche Organisation der
Beschäftigten stößt gleichzeitig aber
auf erhebliche
Widerstände.
c)
Schwierigkeiten
des
Dienstleistungssektors
- Die in den letzten Jahren verstärkten Investitionen in
die Wiederbelebung des Tourismus
werden durch die grassierende
Kriminalität konterkariert, von denen gerade auch die
touristischen
Anziehungspunkte wie Antigua Guatemala, Chichicastenango oder
Panajachel besonders betroffen sind.

Wichtiges
Zentrum des Tourismus im westlichen Hochland: Der Lago de Atitlán,
Sololá
(©
Ralf Wyrwinski)
d)
Die
Entwicklung des informellen
Sektors
- Drogenanbau
und
Drogenschmuggel
,
Autoschieberei und Entführungen, in die auch Teile des
Militärs und der
eigentlich aufgelösten Zivilpatrouillen verstrickt sind, haben
sich im vergangenen Jahrzehnt dramatisch ausgeweitet. Folge ist
ein von Gewalt und Unsicherheit geprägtes gesellschaftliches
Klima, das viele Reformschritte verhindert; zudem wächst der Druck
der
USA auf die Regierung, die Drogenbekämpfung
zu forcieren.
- Finanzielle Transferleistungen
von Migranten sind
inzwischen zu einer der wichtigsten Einkommensquellen der
Bevölkerung geworden und haben die Außenabhängigkeit
des Landes weiter
erhöht. Die Schätzungen über das
Ausmaß dieser sog. "remesas"
zeigen deren wachsende ökonomische Bedeutung in den letzten
Jahren: Während Argenpress für
das erste Quartal 2004 noch von
600
Millionen US $ ausging,
gehen Schätzungen
für die ersten vier
Monate des Jahres 2007 bereits
von fast 890 Millionen US $ aus.
Wirtschaftspolitik
Auch unter der
gegenwärtigen Regierung Berger
sind keine
tiefgreifenden Verbesserungen erreicht worden: Die ökonomischen
Schlüsselfragen der nächsten Zeit werden daher
bleiben,
- ob
es der Regierung Colom
einerseits gelingt, die im lateinamerikanischen Vergleich sehr niedrige
Steuerquote von 10,6%
(2002)
anzuheben, um Gelder für dringend notwendige wirtschaftliche
Programme
und soziale Projekte bereitzustellen,
- ob sie andererseits imstande
sein wird, die Folgen der Dollarisierung und der 2005
beschlossenen, aber heftig
umstrittenen
regionalen
Integration der Wirtschaft (CAFTA ) für die
Bevölkerung abzufedern und
- ob sie die Verschuldung des Landes (laut Statistik der
Weltbank in Höhe von 24% des BSP für 2006) bewältigen
kann.
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Entwicklungspolitik
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Schwerpunkte
der Entwicklungspolitik
Schwerpunkte
der internationalen Entwicklungszusammenarbeit mit Guatemala sind die
folgenden Bereiche:
- Umsetzung des
Friedensabkommens und Krisenprävention,
- Interkultureller Dialog und Stärkung der Partizipation der
indigenen Bevölkerung,
- Armutsbekämpfung,
- Ländliche
Regionalentwicklung und
- Ressourcenschutz.
Eine wichtige Funktion bei der Konzeption und Finanzierung vieler
Entwicklungsprogramme kommt der von der Inter-Amerikanischen
Entwicklungsbank ( IADB)
geleiteten "Konsultativgruppe Guatemala"  zu: Im Februar
2002 wurde
mit der guatemaltekischen
Regierung ein
9-Punkte-Programm beschlossen, das die weitere Mittelbewilligung
von konkreten Fortschritten bei der Umsetzung des
Friedensabkommens abhängig macht.
Weitere Informationen zu den
Grundsätzen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit mit
Guatemala finden
sich z.B. in den Länderstrategiepapieren
der IADB

und der Europäischen
Union  . Hintergründe
zur
Entwicklungszusammenarbeit mit Guatemala liefert das Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung ( BMZ  ).
Zum Stand der Umsetzung der
Millennium-Entwicklungsziele der VereintenNationen informiert UNDG
 .
Über die genauen Leistungsdaten
der Kooperation
informiert das Development
Assistance Committee 
der OECD ( DAC).
Landesspezifischen
Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen:
Deutsche Institutionen und
Organisationen
Konrad-Adenauer-Stiftung
Heinrich-Böll-Stiftung
Deutscher
Entwicklungsdienst
Friedrich-Ebert-Stiftung
Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit GTZ
KfW
Entwicklungsbank
Internationale
und
multinationale Institutionen und Organisationen
Canadian
International Development Agency (CIDA) 
International
Fund for Agricultural Development (IFAD) 
Oxfam

USAID

Weltbank

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