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Honduras
Seite 3: Wirtschaft & Entwicklung

Wirtschaftliche Lage

 




Chiquita Bananen
(Copyright: Peter Peetz)














 

Analyse der Chancen deutscher Unternehmer in Honduras (und den anderen Ländern Zentralamerikas)

 

Deutsch-Honduranische Handelskammer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Analyse zu Honduras im Kontext des CAFTA-DR

 

( Sofern nicht anders angegeben, führen alle Links auf dieser Seite zu deutsch- oder englischsprachigen Seiten.)

Die prekäre soziale Lage in Honduras wurzelt einerseits in der extremen Ungleichverteilung der im Land vorhandenen Ressourcen und andererseits in der strukturellen Schwäche der honduranischen Wirtschaft. Trotz (oder gerade wegen) der neoliberalen Wirtschaftspolitik der verschiedenen Regierungen seit Ende der 1980er Jahre und trotz der massiven Hilfe seitens der internationalen Entwicklungszusammenarbeit konnte Honduras in den letzten 20 Jahren nicht die nötigen Fortschritte in seiner wirtschaftlichen Entwicklung erzielen. Insbesondere die Bemühungen um ein armutsorientiertes Wachstum (pro poor growth ) sind nicht aussreichend. Die honduranische Wirtschaft ist zwar grundsätzlich marktwirtschaftlich organisiert, aber v.a. durch eine Reihe von Preisbindungsregularien (etwa für den Benzinpreis) und durch die oligopolartige Strukturen in einigen wichtigen Wirtschaftszweigen ist der Weg in eine freie und und soziale Marktwirtschaft ist laut Bertelsmann-Transformation-Index noch lang. Im Weltbank-Ranking "Ease of Doing Business" steht Honduras auf Platz 121 von 178 Ländern. Internationale Geber, allen voran der Internationale Währungsfond, üben immer wieder starke Kritik an der Größe des öffentliche Sektors und an den hohen Ausgaben des Staates für Löhne und Gehälter.

Die traditionellen, landwirtschaftlichen Exportprodukte (v.a. Bananen und Kaffee ) haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung für die honduranische Wirtschaft verloren. Im Agrarbereich werden derzeit Hoffnungen auf die Cluster-Bildung bzw. auf die Bildung von "Produktionsketten" gesetzt. Die Forstwirtschaft , insbesondere der Export von Nadelhölzern, stellt nach wie vor einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar, wobei der legale und v.a. der illegale Holzeinschlag zu einem der größten ökologischen Probleme des Landes geworden ist. Im Departement Olancho ist mittlerweile eine für honduranische Verhältnisse starke zivilgesellschaftliche Opposition gegen die Abholzung entstanden. Es bleibt abzuwarten, ob das nach jahrelangen Debatten im August 2007 endlich verabschiedete neue Forstgesetz Besserungen bringen wird.

Die größte Hoffnung liegt derzeit auf der maquila-Industrie: In den zoll- und so gut wie steuerbefreiten Sonderwirtschaftszonen, v.a. in und um San Pedro Sula, lassen asiatische und nordamerikanische Unternehmen zu Niedrigstlöhnen Textilien, Elektrogeräte und andere Konsumgüter v.a. für den US-Markt anfertigen. Im Bereich der Exportlandwirtschaft sind Palmöl (zukünftig auch für die Herstellung von Biodiesel ) und andere nicht-traditionelle Produkte wie z.B. Shrimps und Melonen auf dem Vormarsch. Auch der Tourismus wird von vielen Honduranern als Chance gesehen. Die Maya-Ruinen von Copán, die Strände der Karibik oder die ethnisch-kulturelle Vielfalt ziehen von Jahr zu Jahr mehr (Individual-)Touristen an. Der Massentourismus mit seinen wirtschaftlichen (und ökologischen, kulturellen etc.) Vor- und Nachteilen hingegen hat das Land bislang nicht erreicht.

Viel wichtiger für die in den letzten Jahren relativ positiven volkswirtschaftlichen Zahlen und für einen beachtlichen Teil der Bevölkerung ist jedoch ein ganz anderes "Exportprodukt": menschliche Arbeitkraft. Die "remesas"  genannten Überweisungen von in die USA oder nach Europa ausgewanderten Honduranern an ihre in Honduras verbliebenen Familien stellen seit Jahren die größte Devisenquelle des Landes dar. Zwischen 1997 und 2007 stiegen die remesas ca. um das 16-fache auf an und betrugen 2007 über US-Dollar 2,5 Mrd. Die wirtschaftliche oder soziale Entwicklung des Landes befördert dieser Mittelzufluss allerdings nur sehr beschränkt, da er vorwiegend zum Konsum (u.a. von Importwaren aus Industrieländern) und nur selten zu produktiven Zwecken (Bildung, Unternehmensgründung o.Ä.) verwendet wird.

Ein Visum für die USA zu bekommen, ist viel Aufwand und langen Wartenzeiten verbunden...
Wartende vor der Botschaft der USA in Tegucigalpa
(Copyright: Erika Harzer)


Aber nicht nur in Bezug auf die Auswanderung sind die USA der wichtigste wirtschaftliche Bezugspunkt für Honduras. Nach den Daten des World Factbook der CIA werden mehr als zwei Drittel der Exporte und über die Hälfte der Importe mit den USA abgewickelt. Die Anbindung Zentralamerikas, und damit auch Honduras', an den "großen Bruder" im Norden wird derzeit noch enger. Denn in einem gemeinsamen Freihandelsvertrag haben alle fünf zentralamerikanischen Länder gemeinsam mit der Dominikanischen Republik den Freihandelsvertrag CAFTA-DR (Central America-Dominican Republic-United States Free Trade Agreement) mit den USA geschlossen. Nach der Ratifizierung des CAFTA-DR-Vertrags durch das honduranische Parlament trat er für Honduras am 1. April 2006 in Kraft.

 

Armuts-
bekämpfung und
Entwicklungs-
politik

 

 

Ausführliche Analyse und Empfehlungen zur ländlichen Entwicklung und Armutsbekämpfung von IFPRI (International Food Policy Research Institute)

 

Die Strategie zur Armutsbekämpfung (Poverty Reduction Strategy Paper/PRSP, Progress Report und PRSP-Fact Sheet der GTZ) wurde, wie es die internationalen Geber verlangen, in einem partizipativen Prozess entwickelt, in den wichtige zivilgesellschaftlichen Gruppen eingebunden waren. Auf der Seite PRSP-Watch von VENRO heißt es zum Partizipationsprozess zusammenfassend: "Die Beteiligung von nichtstaatlichen Akteuren am PRSP-Prozess weist Mängel in ihrer Tiefe und Qualität auf und ist insgesamt als enttäuschend zu bezeichnen. Den Partizipationsbemühungen kann bislang nur ein bestenfalls begrenzter Einfluss auf das honduranische PRSP bescheinigt werden."

Eine besondere Berücksichtigung von Frauen und ethnischen Minderheiten ist im PRSP vorgesehen; auf beide wird in gesonderten Kapiteln der Armutsbekämpfungsstrategie eingegangen. IWF und Weltbank haben die Strategie akzeptiert und Honduras in die HIPC-Initiative ("Highly Indepted Poor Countries") zum Schuldenerlass aufgenommen. In diesem Rahmen, und außerdem durch bilaterale Schuldenerlasse wie sie etwa die Länder des "Pariser Club" (Link auf Französisch) gewährt haben, konnte die Auslandsschuld von Honduras von über fünf Mrd. auf mittlerweile knapp über zwei Mrd. US-Doller gemindert werden. Das bislang für Zins- und Tilgungszahlungen verwendete Geld soll nun in die Armutsbekämpfung fließen.

Neben dem PRSP-Prozess scheint derzeit - nach einem Gipfeltreffen zwischen Zentralamerika und Mexiko 2007 - auch der Plan Puebla Panamá als Entwicklungsprogramm wieder an Bedeutung zu gewinnen. In der Vergangenheit war er v.a. wegen seiner zu starken Ausrichtung auf (teilweise umweltschädliche und sozial unausgewogene) Großprojekte kritisiert worden.

Im Hinblick auf die für Honduras angestrebten Millennium Development Goals (MDGs) stehen die Regierung und die internationale Gebergemeinschaft in gemeinsamer Verantwortung. Bislang sind die erzielten Fortschritte als nicht ausreichend zu werten. Nach Schätzungen von UNDP wird Honduras fünf der elf Jahrtausendziele bis 2015 höchstwahrscheinlich nicht erreichen, wenn in dem bisherigen Tempo fortgefahren wird. Besonderen Anlass zur Beunruhigung gibt, dass in der Bekämpfung der extremen Armut und des Hungers (bzw. der Unterernährung), MDG 1 und 2, die Aussichten schlecht stehen. Auch in den Bereichen HIV/AIDS, Kindersterblichkeit und Umweltzerstörung ist bislang zu wenig getan worden.

In der AIDS-Bekämpfung ist zu hoffen, dass die Unterstützung des Landes durch den "Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria" mit insgesamt US$ 42 Mio. doch noch ein Erreichen des AIDS-bezogenen Millennium Goals ermöglicht.

Entwicklungs-
zusammenarbeit (EZ)

aktuelle Evaluierungsberichte der deutschen EZ in Honduras:
- Schwerpunktbericht (Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen)
- Länderprogramm-
Evaluierung (Honduras- Länderbericht)
Für Deutschland ist Honduras eins von fünf lateinamerikanischen Schwerpunktpartnerländern in der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit. Die deutsche EZ konzentriert sich auf die Bereiche Bildung, Wirtschaftsförderung und Umwelt- und Ressourcenschutz. Die wichtigsten in Honduras vertretenen deutschen EZ-Institutionen sind GTZ, DED, KfW, FES, FNSt. Auch InWEnt führt in Honduras einige Projekte durch.

Nach Hurrikan "Mitch" haben sich die wichtigsten Geberländer und -institutionen in der sog. G-16 ("Grupo de los 16" oder GSDE, Grupo de Seguimiento a la Declaración de Estocolmo) zusammengeschlossen, um ihre Aktivitäten für Wiederaufbau und Transformation zu koordinieren. Die G-16, die zunächst noch als G-5 gegründet wurde und mit den Jahren um immer mehr Mitglieder erweitert wurde, ist bis heute die zentrale Instanz der Geberkoordination. Mitglieder sind: Deutschland, Großbritannien, Kanada, die USA, Japan, Schweden (das Ende August 2007 ankündigte, seine staatliche Entwicklungszusammenarbeit mit Honduras einzustellen ), die Niederlande , Spanien , Italien (Link auf Italienisch), die Schweiz, Frankreich (Link auf Französisch), die EU (die ein Country Strategy Paper zu Honduras veröffentlicht hat), der IWF, die Weltbank (die u.a. eine Liste ihrer Projekte im Internet anbietet), die BID (Banco Interamericano de Desarrollo), die BCIE (Banco Centroamericano de Integración Económica  ) und UNDP .

Besondere Hoffnung setzt Honduras auf die massive finanzielle Unterstützung, die die USA im Rahmen des Millennium Challenge Accounts (MCA) für Projekte im (Verkehrs-)Infrastrukurbereich und in der Landwirtschaft zugesagt haben. Insgesamt sollen bis 2010 rund US$ 215 Mio. fließen.

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