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KULTUR & GESELLSCHAFT

Indonesische Sprache

Im indonesischen Prozess des Nationbuilding spielt neben der Einheit des Staates und der Nation auch die gemeinsame Sprache als äußeres Zeichen und verbindendes Kommunikationsmittel eine wichtige Rolle.

Umfangreiche Informationen zur Nationalsprache 'Bahasa Indonesia', Zugang zu kostenlosen Wörterbüchern und Sprachbeispielen, Informationen zu Sprachschulen in Indonesien oder indonesischen Sprachlehrgängen weltweit finden sie über eine Linksammlung . Auf der Homepage von InWEnt bekommen sie einen ersten Überblick und können sich ein kurzes Podcast mit Informationen zur indonesischen Sprache hören.


Konsens

 

Musyawarah u. Mufakat


Die 'indonesische Gesellschaft' ist eine Konsens-Gemeinschaft - zumindest in der Selbstdarstellung und bei oberflächlicher Betrachtung. Das Prinzip der 'Einheit in der Vielfalt' greift auch hier. Die Pluralität der Meinungen wird solange gefiltert, bis ein Konzentrat entsteht, in dem sich jeder Einzelne wiederfinden kann oder muss. Der Prozess dieser Konzentrierung basiert auf der Grundlage von musyawarah und mufakat, d.h. der ausgiebigen Diskussion, deren Ergebnis der Beschluss aller im Konsens ist. Diesem Prinzip widerspricht die hierarchisch geordnete Struktur der indonesischen Gesellschaft. Der Jüngere kritisiert den Älteren nicht, der Untergebene folgt den Anweisungen des Vorgesetzten. Damit kann der Konsens zum konzentrierten Willen einiger Weniger werden, dem sich alle anzuschließen haben. Musyawarah und mufakat - Diskussion und Konsens auf gesellschaftlicher Ebene - können damit zur politischen Waffe werden, die nicht hinterfragt werden darf, weil es sich um den Willen und die Meinung aller handelt. Auch auf individueller Ebene bleibt die Einheit in der Vielfalt oft eine Floskel. Kemunafikan - Heuchlerei – ist eine oft vernommene Vokabel. Wenn es um den eigenen Vorteil geht, werden gesellschaftlich relevante Formeln ausgehebelt.

Harmonie

Gesellschaftliche Werte anderer Art, wie z.B. das ausgeprägte Harmoniebedürfnis, sind ähnlich zweideutig interpretierbar. Sie sind durchaus vorhanden, man spürt sie im Alltagsleben ständig, wie z.B. durch stets nur vorsichtig artikulierte Kritik, positiven Verbalisieren von Negativen u.ä. Dennoch gibt es auch hier die andere Seite. Der gesellschaftliche Zwang zur permanenten Harmonie erlaubt so gut wie keine Ventile zum Abreagieren. Amok (übrigens ein malaiisches Wort) als Reaktion ist ein nicht selten auftretendes Regularium. Allerdings führt der zunehmende Wandel der indonesischen Gesellschaft - insbesondere in den urbanen Zentren - zu einer freieren Möglichkeit der Persönlichkeitsentfaltung.

Landeskundetipp

Bereiten Sie sich eingehend auf gesellschaftliche Unterschiede  zu Ihrem eigenen kulturellen Umfeld vor. Wenn Sie nicht wissen, was die indonesische Seite erwartet, kann das zu 'Gesichtsverlust' führen. Das Verhaltenspapier der InWEnt bereitet Sie vor und stellt Ihnen die Werte der indonesischen Gesellschaft dar. Zusätzliche Informationen bieten Werke wie   z.B. 'Culture Shock-'Indonesia, 'Kunci budaya', 'Beruflich in Indonesien u.a.

Wertewandel

Wohlstand und westlicher Einfluss haben in den letzten Jahrzehnten zu einem deutlichen Wertewandel geführt. Eine verbessertes Bildungssystem eine verbesserte Schulbildung und der zunehmende Kontakt zur 'Außenwelt' haben eine Hinterfragung der alten Werte zur Folge. Der Verlust der Großfamilie und die Geburt des Einfamilienhaushaltes haben eine Umorientierung der Wertevorstellungen im Nukleus der indonesischen Gesellschaft, der Familie, mit sich gebracht. Das Wort des Familienoberhauptes ist nicht mehr unbedingt 'Gesetz'. Die 'adat'-Systeme, die die hierarchische Struktur der Gesellschaft als notwendige Grundlage des menschlichen Zusammenlebens sahen, werden damit ihrer Basis beraubt.

Gender

Generalisierende Aussagen zu Gender- Fragen sind aufgrund der großen ethnischen Heterogenität des Landes nahezu unmöglich. So haben sich in einzelnen Landesteilen matrilineare Traditionen erhalten - in den meisten anderen haben Männer eine sehr viel stärkere Rolle, die gleichwohl je nach sozialer Schicht sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Vor den nationalen Gesetz werden Männer und Frauen, zumindest grundsätzlich, gleich behandelt. In einzelnen Regionen (z.B. Aceh) führt die Stärkung islamischer Gerichte und die Schaffung von Distriktsverordnungen zu erheblichen Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Frauen.

. Derzeit wird in Indonesien auf nationaler Ebene intensiv über die Einführung eines sogenannten"Antipornographiegesetzes" diskutiert, das unter anderem die "Zurschaustellung erotisierender Körperteile" verbieten soll. Sollte dieses Gesetz eines Tages verabschiedet werden, hätte dies erhebliche Auswirkungen auf die Kleidungsfreiheit von Frauen.

Gesundheit

Die Rolle der traditionellen Medizin für die Gesundheitsversorgung geht ebenfalls zurück. Sie stellt aber gerade für die Armen eine kostengünstige Alternative zum staatlichen Gesundheitssystem dar, das häufig mit hohen Zuzahlungen verbunden ist. Die Infektionsrate mit HIV/Aids ist derzeit noch relativ niedrig. Allerdings wird befürchtet, dass die Infektionsrate in den nächsten Jahren erheblich ansteigt.

Mitbestimmung

Auch auf politischer Ebene zeigen sich generelle Veränderungen von Werten. Seit Beginn der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde zunehmend Kritik gegenüber der herrschenden Gesellschaftsschicht geäußert. Es war nur eine Frage der Zeit, wann eine Partei, die eine gewisse Parteiprogrammatik vorweisen konnte, als Siegerin einer Wahl hervorgehen würde. Dass der Prozess des Wandels jedoch noch immer 'indonesisch' ist, zeigt sich darin, dass nach den ersten freien Wahlen nach dem Sturz Suhartos zunächst nicht die Partei mit den meisten Stimmen den Präsidenten stellte, sondern dieser durch 'musyawarah' und 'mufakat' bestimmt wurde. So konnte Abdurrahman Wahid, als Vertreter einer relativ kleinen Partei an die Macht gelangen. Er ernannte damals Megawati Sukarnoptri, die Vorsitzende der stärksten Partei, zur Vizepräsidentin. Erst nach dem Amtsenthebungsverfahren gegen Wahid konnte Megawati Soekarnoputri auch zur Präsidentin aufsteigen.

Gesellschaftlicher
Wandel

Alte Strukturen brechen auf. Der Wandel ist in vielerlei Hinsicht feststellbar. Die Popularität von Wayang-Vorstellungen hat seit der Einführung des Fernsehens deutlich abgenommen, Gamelan-Orchester existieren zwar noch in großer Zahl: Aber die Jugend hört vornehmlich moderne Popmusik. Die zusammenwachsende Welt hat damit auch Indonesien spürbar geprägt. Jugendliche in Jakarta oder anderen Großstädten Indonesiens unterscheiden sich zwar, zumindest äußerlich, nicht wesentlich von denen in anderen Metropolen der Welt. Aber eine äußerlich "westliche" Kleidung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass überlieferte Wertvorstellungen (Familie, Ehe, Hierarchie) im Privatleben auch für diese Jugendlichen noch eine wichtige Rolle spielen.

Ein entscheidender Unterschied zu westlichen Staaten, wie z.B. der Bundesrepublik, liegt in der Diskrepanz zwischen Stadt und ländlicher Region. Während in Jakarta der Wandel zum globalen Zentrum vollzogen ist, mag in manchen Provinzen des riesigen Indonesiens das Alte seine Gültigkeit noch bewahrt haben. Und: der rasante Wandel der Gesellschaft führt dazu, dass kleine Gruppen alte Werte orthodoxer vertreten als sie jemals Bestandteile des indonesischen Systems waren (vgl. orthodoxer Islam in Indonesien).

Am besten lernen Sie Indonesien und seine Menschen kennen, wenn Sie bereit sind, sich der modernen Kultur gegenüber bewusst zu öffnen. Lernen Sie Indonesisch und suchen Sie den Kontakt zu den Indonesiern. Sie werden wie in jedem anderen Land Vor- und Nachteile feststellen. Die schönen Seiten Indonesiens sollte man genießen, die negativen aber nicht verschweigen. Und denken Sie immer an das Staatsmotto 'Bhinneka Tunggal Ika' – Einheit in der Vielfalt. Indonesien hat viele Gesichter. Unterschiedliche Ethnien, Sprachen, Religionen, Landschaften, Klimata und Kulturdenkmäler demonstrieren die einmalige Vielfalt, die z.T. auf engstem Raum zu finden sind.

Beispielhaft hierfür sind die buddhistischen (Borobodur) und hinduistischen (Prambanan) Tempelanlagen in der Nähe von Yogya in Zentraljava, die nur wenige Kilometer auseinanderliegen und fast zeitgleich erbaut wurden.

Religion

Alle großen Religionen sind auch in Indonesien vertreten. 88% der Indonesier sind Muslime. Der Islam in Indonesien zeigt verschiedene Strömungen. Große Teile der islamischen Bevölkerung (insbesondere im ländlichen Java) orientieren sich an einer traditionalistischen, vom Mystizismus beeinflussten Form des Islam, der eine große Anpassungsfähigkeit an lokale Bräuche und Traditionen zeigt, von dem u.a. auch die Reaktionen auf Naturkatastrophen mit beeinflusst werden. Der Islam modernistisch- wahabbitischer Prägung gewinnt derzeit an Popularität.

Der islamistische Terrorismus hat in Indonesien, gemessen an der Zahl der Muslime, nur sehr wenige Unterstützer.

Der Anteil der christlichen Bevölkerung beträgt rund 8%. Dennoch sind die Christen in einigen Landesteilen, wie z.B. Ost-Nusa Tenggara, sogar in der Mehrheit.

Hindus gibt es fast ausschließlich auf Bali. In entlegenen Regionen des Archipels werden z.T. noch traditionelle Religionsformen gelebt, deren wesentliche Merkmale der Ahnenkult und die Verehrung von Geistwesen sind.

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