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Seite 4:Gesellschaft & KulturJemen
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Der Jemen ist ein altes Kulturland,
das seine Wurzeln in den antiken südarabischen Reichen der Sabäer,
Minäer und des Hadramaut hat. Noch heute bilden Kultur und Religion
eine feste Einheit. Viele Traditionen, Sitten und Gebräuche,
Verhaltens- und Denkweisen der Bevölkerung - bis hin in die Politik
und Wirtschaft - sind davon beeinflusst worden. Jeder Besucher des
Landes ist begeistert von der Vielseitigkeit der Natur, der einmaligen Architektur,
insbesondere in Sanaa
und Schibam - beide
Städte sind Weltkulturerbe - und natürlich den Menschen.
In Zusammenarbeit mit der "General Organisation for the Preservation of Historic Cities in Yemen" trägt der DED (wie auch die GTZ) seit einigen Jahren sowohl in Sanaa als auch in Schibam zur Erhaltung der einzigartigen Bausubstanzen bei. Seit vielen Jahren erforscht das DAI erfolgreich die vorislamische Geschichte des Landes. Grabungen fanden/finden vor allem in Sirwah und Marib statt. Aufgrund der unterschiedlichen sozialen und zum Teil auch religiösen Verhältnisse, der materiellen Kultur sowie der verschiedenen Wirtschafts- und Siedlungsweisen lässt sich der Jemen in vier Kulturregionen unterteilen:
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Die Traditionsfrage |
Die moderne Entwicklung
hinterlässt auch am Jemen ihre Spuren, so dass die jemenitische Gesellschaft in ihrer
Gesamtheit einen tiefgreifenden Wandel durchläuft, der vor allem die materielle
Komponente erfasst hat. Das Fernsehen hat längst seinen Einzug gehalten, doch auch Internet
und Handy gehören inzwischen zum Alltag und beeinflussen damit ebenso die ideelle Seite
der Menschen.
Alte Traditionen sind dennoch lebendig, wie z.B. die des Märchenerzählers. Aber er hat es schwer gegenüber dem fast ununterbrochen laufenden Fernseher …! Trotz einer vielfältigen Literatur (Lyrik und Prosa) ist bisher wenig in andere Sprachen übertragen und damit bekannt gemacht worden. Inzwischen gibt es von Günther Orth eine erste Anthologie jemenitischer Erzählliteratur in deutscher Übersetzung. Es existieren keine Theater im Sinne eines festen Hauses, jedoch Theatergruppen, u.a. in Sanaa, Taiz und Aden, die hin und wieder Aufführungen vornehmen. Zur Tradition gehören die täglichen Qat-Sitzungen, die, will man ihnen einen positiven Aspekt abgewinnen, auch bekannt sind für Rezitationen, Gesang und Tanz. Ausländische Orchester u.a. treten in Jemen auf, wie auch jemenitische Musikgruppen im Ausland.
Qat-Händler, Sanaa (Foto: © Heiner Walther) Rolle der Frau Insbesondere die Traditionen haben über Jahrhunderte dazu geführt, dass die Familie, insbesondere die Großfamilie, einen hohen Stellenwert in der jemenitischen Gesellschaft besitzt. Dennoch leben auch heute noch Männer und Frauen in ihren eigenen Welten. Von einer Unterdrückung der Frau durch die Religion, den Islam, zu sprechen, wäre falsch, zumal dies theologisch nicht verankert ist. Wer den Jemen über viele Jahre kennt, wird auch in dieser Hinsicht Veränderungen feststellen, dass Frauen immer mehr am öffentlichen Leben teilnehmen. Gerade die Website des Women National Committee ist ein informatives Beispiel dafür.
verschleierte Frauen im Jemen (Foto: © Heiner Walther) Religion Der Jemen definiert sich in seiner Verfassung als islamischer Staat. Rechtsgrundlage ist demzufolge die Scharia. Etwa 35% der Bevölkerung sind Schiiten (Zaiditen), die vor allem im nördlichen Jemen leben. Die Mehrheit sind Sunniten (schafiitischer Richtung). Eine schiitische Minderheit bilden die Ismailiten. Sie leben seit Generationen vorwiegend in der Bergregion um den Ort Manakha, westlich von Sanaa. Bis zur Gründung des Staates Israel lebten etwa 60 000 Juden im Jemen. Zwischen 1949 und 1950 verließ der größte Teil das Land in Richtung Israel. Heute existiert noch eine kleine jüdische Minderheit in den Provinzen Amran und Saada. Sie arbeiten überwiegend als Bauern oder Silberschmiede. Konflikte mit der muslimischen Bevölkerung und dem jemenitischen Staat bestehen nicht. Dennoch dürfte die Zeit kommen, dass dieser Bevölkerungsanteil nicht mehr existent ist. Grund sind permanente Auswanderungen, vor allem in die USA. Kirchen existieren nur in Aden und betreuen die im Jemen lebenden Ausländer (siehe "Landesüberblick"). Christliche Jemeniten gibt es nicht. Bildungswesen Auch wenn in den Jahren vor und seit der jemenitischen Einheit viel im Bildungsbereich unternommen wurde, sind noch zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden, insbesondere in der Mädchenbildung. Noch im Jahre 2003 lag die Einschulungsrate der Mädchen in der Grundstufe (6-15 Jahre) bei lediglich 62% (Jungen fast 100%)! Gerade die deutsche Entwicklungshilfe (GTZ, DED) engagiert sich auch verstärkt auf diesem Gebiet (Schwerpunkt!). Einen guten Überblick gibt beispielsweise die Seite des Auswärtigen Amtes. Wer etwas über Hochschulen im Jemen erfahren will, dem sei die Website der Universität Aden empfohlen, da die der Universität Sanaa und auch des Bildungsministeriums zurzeit nur in Arabisch einsehbar sind. |