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KENIA

Seite 3:

Wirtschaft
und EZ

 



 


Gebrauchtkleidermarkt in Eldoret / Rift Valley Province

 

Wirtschaft



Wirtschaftsindikatoren, Analysen und Statistiken

Auch die Wirtschaft Kenias hat mit den typischen Problemen eines afrikanischen Landes zu kämpfen: Bevölkerungsdruck, Korruption und klimatische Widrigkeiten verbinden sich mit einer strukturellen Benachteiligung im Welthandel.

In den folgenden Keniaseiten internationaler Institutionen finden Sie ökonomische Daten und Einschätzungen :

Ökonomische Daten aus kenianischen Quellen erhalten Sie von der Central-Bank of Kenya, die einen monatlichen Wirtschaftsreport veröffentlicht. Der letzte Jahresbericht zur Wirtschaftslage ist als PDF-Datei mit fast hundert Seiten erhältlich.

Auf der gewerkschaftsnahen Seite 'Labournet' finden Sie Informationen zu Arbeitsbedingungen für Kenianer.

 

Wirtschaftssystem und Wirtschaftssektoren

Schneller noch als die politische Liberalisierung setzte auf Druck der Geberländer noch in den 1990er Jahren die Regierung Moi eine weitgehende wirtschaftliche Liberalisierung um. Die Mehrzahl der noch aus der britischen Kolonialwirtschaft stammenden staatlichen Vermarktungsgesellschaften für landwirtschaftliche Produkte wurden aufgelöst, der kenianische Binnenmarkt für ausländische Waren geöffnet.

Nach anfänglichem Enthusiasmus in der Bevölkerung über neue Konsumangebote und die Auflösung korrupter Staatsfirmen zeigte sich, dass viele Menschen zu den 'Marktverliereren' gehörten. Trotz beachtlicher wirtschaftlicher Wachstumsraten geht auch in Kenia die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander.

 

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist Kenias wichtigster Wirtschaftszweig. Das Land ist Exporteur von 'Kolonialwaren' wie Tee, Kaffee, Blumen oder Ananas. Für Millionen von Subsistenzbauern ist ein kleiner Acker mit Mais die wichtigste Überlebensgrundlage.
 

Teeplantage in Kericho / Westkenia

 

Die Kenia-Landwirtschaftsseiten der FAO geben einen guten Überblick über die klimatischen und strukturellen Bedingungen.

Die Mehrzahl der Einwohner Nairobis sind nicht dort geboren, sondern stammen aus einem ländlichen Umfeld. Angesichts der hohen Lebensmittelpreise greifen auch viele Stadtbewohner zur Hacke und verwandeln z.B. den Grünstreifen in der Mitte der Stadtautobahn zum Maisfeld. Inzwischen ist 'Nairobi Urban Agriculture' ein Thema internationaler agrarwissenschaftlicher Studien und Projekte.

Das Klischee entspricht in vieler Hinsicht der Wirklichkeit: Die Maasai-Hirten, die mit ihren Herden die Savanne durchstreifen, die kenianischen Kleinbauern, deren 'Maschinenpark' aus einer einzigen Hacke besteht, sind kenianische Normalbürger. Gleichzeitig hat sich jedoch in den klimatisch besonders begünstigten Zonen die internationale Agroindustrie etabliert. Besonders die Blumenzucht ist einer der wichtigsten Devisenbringer in Kenia. Lesen sie eine Reportage über Blumen vom Naivasha-See.

Auch für Kenia versprechen die Lobbyisten der Genindustrie die Abschaffung des Hungers und ein enormes landwirtschaftliches Entwicklungspotential. Beispielhaft je ein Artikel der 'Syngenta Foundation' und des Biotechkonzerns 'Monsanto'. Die beschriebenen Projekte wurden beide in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Kenya Agricultural Research Institute (KARI) durchgeführt. Inzwischen hat sich aber auch der Verband der kenianischen Kleinbauern KESSFF (Kenia Small Scale Farmers' Forum) international vernetzt und fordert Schutz vor genmanipulierten Saaten.

Einen besonders lebensnahen Eindruck von den Sorgen und Nöten kenianischer Kleinbauern vermittelt ein Interview mit dem Mitglied einer Bauerndelegation bei der Johannesburg-Konferenz.

Kenianischer Kaffee wird wegen seiner Qualität weltweit geschätzt. Trotzdem sinken die Preise und tausende kenianischer Kaffee-Bauern sehen sich zur Aufgabe gezwungen. Eine NDR Reportage spricht vom Fluch der Kaffeebohne. Hoffnung setzen einige Bauern auf die Produktion und Vermarktung von ökologisch angebauten Kaffee.

 

Weitere Sektoren

Der Tourismus ist ein bedeutender Devisenbringer Kenias - das Land steht nicht erst seit der Verfilmung von Karen Blixens 'Jenseits von Afrika' als Synonym für den Traum von Afrika. Gleichzeitig locken dutzende Hotelanlagen an der Küste mit weißen Stränden und All-Inclusive Angeboten. Die Seiten des 'Kenya Board of Tourism' zeigen die Vielfalt des Landes.

Der Tourismus ist jedoch auch einer der verwundbarsten Wirtschaftszweige. Der Bombenanschlag von 1998 auf die US-Botschaft mitten im Zentrum von Nairobi schockierte Kenia und die ganze Welt. In der Folge galt Kenia als unsicheres Land und die Buchungszahlen gingen rapide zurück. Als sich der Tourismus gerade wieder erholt hatte, führten 2002 die Anschläge auf Hotels an der Küste zu einem erneuten Einbruch.

Der industrielle Sektor Kenias ist im Vergleich der afrikanischen Länder südlich der Sahara groß, spielt jedoch international kaum eine Rolle. Die Vorkommen an Bodenschätzen sind recht gering. Allein für natürliches Soda ist Kenia mit der Magadi Soda Company (heute Teil des indischen Tata Konzerns) einer der weltweit führenden Lieferanten.

Für die Global Players ökonomisch interessant wird Kenia inzwischen auch bei den schon gesicherten und noch vermuteten Erdölvorkommen. Wie im Sudan will China auch in Kenia langfristig bei der Ölförderung seine Position sichern.

In der verarbeitenden Industrie spielt vor allem die Lebensmittelindustrie eine Rolle, die auch innerhalb Afrikas und in den nahen Osten exportiert. Als Beispiel hier die Internetseiten der 'East African Breweries', die sich bislang der Konkurenz aus den Niederlanden und Südafrika erwehren konnte.

Kenias füher unabhängige Textilindustrie hofft auf eine Erholung als Zulieferer für internationale Marken. In Freihandelszonen (EPZ) produzieren inzwischen multinationale Firmen für die großen Bekleidungsmarken in Europa und USA. Die Arbeitsbedingungen der Näherinnen sind in Kenia genauso miserabel wie in ähnlichen Produktionszonen in Asien oder Mittelamerika. Der lokale Textilmarkt hingegen wird überschwemmt von 'Mitumba', Gebrauchttextilien aus Kleidersammlungen - zum großen Teil aus Deutschland.

Ein überwiegend kenianisches Autorenteam knüpft im Human Development Report 2005 des UNDP eine Verbindung zwischen Industrialisierung und erfolgreicher Entwicklung.

Für den Transport spielen die einzige Eisenbahnlinie und Speditionen nur eine Nebenrolle. Die meisten Personen und Waren werden in 'Matatus' befördert: In Nairobi sind das oft abenteuerlich ausgebaute Kleinbusse. Dabei wird auf die Installation der großen Basslautsprecher zumeist mehr Sorgfalt verwendet als auf die Bremsen. Auf dem Lande sind die Matatus bescheidener, meist Pick-Ups mit Holzbänken auf der Ladefläche und einem großen Dachgepäckträger.
 

Stolzer 'Pilot' eines Matatus an einer Tankstelle in Eldoret

 

Der Dienstleistungssektor im engeren Sinne konzentriert sich auf das Geschäftszentrum in Nairobi und die Touristenhochburgen an der Küste. Ansonsten gibt es hunderttausende von Frauen, die im Bereich "haushaltsnahe Dienstleistungen" arbeiten, nämlich als Hausmädchen. Selbst bei Kleinbauern auf dem Lande findet sich oft eine mittellose Verwandte, die von früh bis spät im Einsatz ist. Für Männer ist es bei der steigenden Kriminalität eine Option, bei einer der vielen Sicherheitsfirmen als Wachmann anzuheuern.

Im Handwerk leisten die vielen Kleinstbetriebe mit oft minimalen Mitteln erstaunliches. In jeder größeren Siedlung gibt es eine ganze Reihe von sogenannten 'Jua Kali Workshops' (Jua Kali = "heiße Sonne", weil die meisten Handwerker unter freiem Himmel arbeiten). .

 

Coca Cola 'Baridi' (eiskalt)
gibt es an jedem Kiosk

 

Der Handel in Kenia wird von den sogenannten 'Asians' dominiert, den Nachfahren der Arbeitskräfte und Händler vom indischen Subkontinent, die vor über hundert Jahren zum Bau der Eisenbahn nach Kenia gebracht wurden. Ihr Status als erfolgreiche Händlerminorität, gepaart mit teilweise rassistischer Arroganz als Arbeitgeber, macht die Asians häufig zum Ziel polemischer Angriffe und "Ausländer raus"-Parolen. Ihre wirtschaftliche Bedeutung ist jedoch so groß, dass ohne sie Kenia binnen Wochen in ernste Schwierigkeiten kommen würde. Lesen Sie einen etwas älteren, aber immer noch aktuellen Kommentar zur Rolle der 'Asians' in der Zeitung Daily Nation.

Natürlich gibt es auch etliche erfolgreiche afrikanisch-kenianische Geschäftsleute. Die Mehrheit der 'Kenyan business people" betreibt jedoch Kleinhandel, oft als zusätzliche Einkommensquelle zur Risikominimierung. Ein typisches Beispiel: Ein Angestellter der Distriktverwaltung betreibt gleichzeitig einen kleinen Kiosk, der von einer unverheirateten Schwester betreut wird. So erfüllt er seine Verwandtschaftspflichten und hat noch eine zweite Einkommensquelle, falls sich der staatliche Lohn wieder verzögert.

 

Wirtschaftspolitik Kenias

Nach der gewonnen Wahl von 2002 war die Regierung unter Präsident Kibaki ambitiös angetreten. Neben der Bekämpfung der Korruption stand vor allem eine Wirtschaftspolitik auf der Agenda, die weiten Bevölkerungskreisen eine größere Teilhabe am wirtschaftlichen Wachstum ermöglichen sollte. Die Ziele der 'Economic Recovery Strategy for Wealth and Employment Creation' konnten aber bislang nicht erreicht werden.

Eine kohärente Wirtschaftspolitik umzusetzen ist in Kenia schon aus Gründen der politischen Struktur schwierig. In Kenias Präsidialdemokratie ist die Wirtschaftspolitik einerseits 'Chefsache' des Präsidenten Kibaki, andererseits existieren - wie bei seinem Vorgänger Moi - eine ganze Reihe von Ministerien, die mit wirtschaftlichen Entscheidungen zu tun haben, deren Kompetenzen jedoch nicht klar abgegrenzt sind, im engeren sind dies: Ministry of Agriculture, Ministry of Co-operative Development and Marketing, Ministry of East African and Regional Cooperation, Ministry of Finance, Ministry of Planning and National Development, Ministry of Trade and Industry.

 

Internationaler Handel und Handelsbilanz

Im Handel innerhalb Afrikas exportiert Kenia vor allem im Land produzierte einfache Gebrauchsgüter, besonders in die Nachbarstaaten Uganda und Tansania. Im Handel mit Südafrika überwiegen hingegen Importe.

Im Handel mit Europa exportiert Kenia neben Tee und Kaffee vor allem Frischblumen und Gemüse (z.B. 'Keniabohnen'). Importe aus Europa und Asien sind vor allem Maschinen, Autos, Elektrogeräte und andere hochwertige Gebrauchsgüter.

Zur Handelsbilanz Kenias gibt es eine Statistik der WTO und eine Grafik der Europäischen Union zum Handel mit den EU-Mitgliedsstaaten.

Zunehmend kritisch sind vor allem die kenianischen Bauern gegenüber den von der EU propagierten wirtschaftlichen Partnerschaftsabkommen (EPA), in denen viele eine Festschreibung ungleicher Handelsbedingungen sehen.

Entwicklungs-
zusammenarbeit

Wenn auch Kenia in den letzten Jahren beachtliche wirtschaftliche Wachstumsraten aufweisen konnte, so sind doch die Daten zu den Lebensverhältnissen der Bevölkerung Besorgnis erregend.

Nach den 'Health Nutrition Statistics' der Weltbank sterben von 1000 Kindern 120 vor Erreichung des fünften Lebensjahres. Die Bevölkerung hat sich seit 1980 von 16,6 Millionen auf über 30 Millionen fast verdoppelt. In den letzten Jahren verlangsamt sich das Bevölkerungswachstum, wohl aber weniger aufgrund besserer Familienplanung, denn als Folge der hohen AIDS-Rate von 15 % der erwachsenen Bevölkerung. Geschätzt 890 000 Kinder sind bereits AIDS-Waisen. Vor diesem Hintergrund muss sich Entwicklungszusammenarbeit vor allem auf Armutsbekämpfung konzentrieren

Seit 1999 stellen IWF und Weltbank für die Vergabe von Krediten an die antragstellenden Regierungen die Bedingung, dass unter Einbeziehung gesellschaftlicher Gruppen (Kirchen, Unternehmerverbände, NRO, Gewerkschaften) ein länderspezifisches 'Poverty Reduction Strategy Paper' (PSRP) erarbeitet wird. Das PSRP soll dann als verbindliche Vorgabe für Programme zur Armutsbekämpfung dienen. Lesen Sie den von VENRO publizierten PSRP-Länderbericht zu Kenia.

Die neue Regierung Kenias verschreibt sich auch den Milleniumsentwicklungszielen. Lesen Sie einen gemeinsam mit UNDP erstellten Zwischenbericht von 2005 zur Umsetzung der Millenium Development Goals in Kenia.

 

Inländische Entwicklungsanstrengungen

Wie in der Wirtschaftspolitik insgesamt, sind in Kenia auch bei den Entwicklungsanstrengungen auf Regierungsseite zahlreiche Akteure beteiligt. Von den derzeit 24 Ministerien stehen die Hälfte in Konkurrenz darum, wer sich welche Entwicklungsprojekte auf die Fahne schreiben kann.

Ausländische Entwicklungsanstrengungen

Die Weltbank hat in Kenyas Wirtschaftspolitik gewichtigen Einfluss. Der Bericht zur Länderstrategie für den Zeitraum 2004 - 2007 verzeichnet respektable Wachstumsraten, aber nur geringe Erfolge in der Bekämpfung der Armut

Die amerikanische USAID betont in ihrer Länderstrategie die Förderung der demokratischen Institutionen, den nachhaltigen Umgang mit den natürliche Ressourcen und die Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Ähnliche Ziele nennen die Entwicklungsinstitutionen Japans und Großbritanniens, dem als ehemalige Kolonialmacht größtem Geberland.

Unter den zahlreichen internationalen Organisationen der EZ, die in Kenia tätig sind, hat das 'Aga Khan Development Network' (AKDN) im Lande eine außergewöhnliche Stellung. Der Aga Khan ist mit hervorragenden Schulen und Gesundheitseinrichtungen in Kenia präsent. Oft ist allerdings nicht recht erkennbar, ob es sich um ein Entwicklungsprojekt handelt oder um ein reines Wirtschaftsunternehmen. Auf der Liste der Landesaktivitäten des 'Aga Khan Fund for Economic Development' finden sich in Kenia einflussreiche Unternehmen wie die Nation Media Group und der Quasi-Monopolist für Wurstwaren 'Farmers Choice'. In einer 'Export Processing Zone' in Athi River nahe Nairobi eröffneten Präsident Kibaki und der Aga Khan kürzlich eine Textilfabrik.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) hat Kenia inzwischen wieder zu einem der besonders berücksichtigten Schwerpunktpartnerländer erklärt. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche private Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und reproduktive Gesundheit.

 

Deutsche Entwicklungshilfeorganisationen in Kenia

Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen:

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