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Kambodscha
Seite 3: Wirtschaft & Entwicklung

Wirtschaft

BIP in US$ 7,17 Mrd
BIP/Kopf in US$ 492
Wachstum BIP real 10,4%
Inflation 4,7%
Anteil des Staatshaus- halts am BIP 13,1%
Saldo des Staatshaus- halts in % des BIP -1,5
Export in US$ 3,3 Mrd.
Import in US$ 4,47 Mrd.
Exporte nach Deutschland in € 299,6 Mio.

Importe aus Deutschland in €

11,7 Mio.
Saldo Leistungs- bilanz in % des BIP -7,7
Internatio- nale Ver- schuldung in US$ 3,302 Mrd.
Schulden- dienstquote in % des BIP 1,7

Datenstand 2006, Quelle: Auswärtiges Amt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Christoph Haase

Strassenkinder in Phnom Penh

 

© WTO

Unterzeichnung des WTO-Beitrittprotokolls Kambodschas



Wirtschaftsordnung

Die Entwicklung der Wirtschaftsordnung Kambodschas ist im Kontext der Geschichte des Landes zu sehen. Die agrarische Struktur Kambodschas in Kombination mit dem Ausbleiben fast jeglicher Ansätze einer Industrialisierungspolitik und die fast vollständige Abhängigkeit von internationaler Entwicklungshilfe unter der Herrschaft von Prinz Sihanouk (bis 1970) behinderte die Entwicklung eines tragfähigen Wirtschaftssektors. Ansätze einer Liberalisierungspolitik unter der pro-amerikanischen Regierung von Lon Nol (1970-1975) fielen der Involvierung des Landes im Vietnam-Krieg zum Opfer. Die von den Roten Khmer unter Pol Pot fanatisch umgesetzte Doktrin wirtschaftlicher Autarkie und die damit einhergehende Kollektivierungspolitik resultierten in einen massiven Rückgang der Wirtschaftsleistung. Auch unter der pro-vietnamesischen Regierung ab 1979 verbesserte sich die ökonomische Grundsituation kaum; der Außenhandel beschränkte sich fast ausschließlich auf die Sowjetunion und die Comecon-Staaten. Das Pariser Friedensabkommen von 1991 bildete nicht nur die Grundlage für einen umfassenden politischen Neuanfang, sondern leitete auch einen völligen Umbruch in der Außenwirtschaft ein, von der staatlichen Planwirtschaft zur marktwirtschaftlichen Ordnung, vom staatlichen zum privaten Außenhandel und von der Ostausrichtung zur Westausrichtung. Von Bedeutung waren dabei vor allem 1991 die Umstellung auf den Handel in harter Währung, die zunächst eine Reorientierung des kambodschanischen Handels auf die asiatischen Märkte (besonders Thailand, China/Hongkong, Singapur und Vietnam) nach sich zog. Eine anschauliche, gut lesbare Zusammenfassung der Wirtschaftspolitiken unter den diversen Regimes bis 1993 findet sich in einem Dokument der Asian Development Bank (ADB). Für Zusammenstellungen aktueller Wirtschaftsdaten siehe: für eine Kurzanalyse der ökonomischen Entwicklung: Heritage Index of Economic Freedom 2008. Zu den Perspektiven: Development Outlook Cambodia der ADB

Makroökonomische Situation

Seit 1993 entwickeln sich die makroökonomischen Kennziffern in Kambodscha langsam aber positiv. Hierzu auch die Kurzdarstellung des Auswärtigen Amtes und der Factsheet Cambodia des Australischen Außenministeriums und die detaillierten Analysen des Cambodian Development Resource Institute. Das Wirtschaftswachstum des BIP lag bei 9,1% 2007 gegenüber 10,4% im Vorjahr. Die Nationalbank ist soweit unabhängig, dass sie Preisstabilität gewährleisten kann. Der Wechselkurs der Landeswährung Riel ist stabil. Davon abgesehen weist das Bankenwesen große Funktionsmängel auf. Der Bankensektor besteht im Wesentlichen aus der Zentralbank und 30 Geschäftsbanken, die zumeist aber nur in der Hauptstadt vertreten sind und auch nicht immer als zuverlässig gelten. Diese Finanzinstitute vergeben Kredite nur in US-Dollar und praktisch ausschließlich zur kurzfristigen Finanzierung von Handelsgesellschaften im Raum Phnom Penh. Die ländlichen Regionen werden von den Geschäftsbanken nicht die Geschäftstätigkeit einbezogen.

Die Frankfurter Rundschau schreibt zur wirtschaftlichen Situation: "Noch heute lebt rund ein Drittel der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze. Die Kindersterblichkeit liegt bei fast 15 Prozent. Die Hälfte der Kinder, die am Leben bleibt, ist unterernährt. ...Doch inzwischen boomt die Wirtschaft . 2005 wuchs sie um mehr als 13 Prozent. Agrar, Dienstleistung, Bau - überall lief es so flott wie noch nie. Dann legte das Jahr 2006 mit fast zweistelligen Wachstumsraten nahe, dass dies ein Trend sein könnte. Preise und Wert der Landeswährung Riel sind stabil. Zwei Drittel aller kambodschanischen Arbeiter sind in der Landwirtschaft beschäftigt, und Bauern strahlen, weil ihre Produkte im Nachbarland Vietnam gefragt sind. Bekleidungsfabriken, die 80 Prozent aller Exportgüter herstellen, sind fast ausgelastet. Und das, obwohl man die Branche wegen chinesischer Konkurrenz schon am Abgrund gesehen hatte. Immer mehr Touristen besuchen Tempel wie Angkor Wat, die Khmer-Herrscher vor fast tausend Jahren errichten ließen. Im vergangenen Jahr wuchs die Besucherzahl um 20 Prozent auf 1,7 Millionen. Sie brachten 1,4 Milliarden Dollar in ein Land, dessen gesamtes Steueraufkommen nur 700 Millionen Dollar beträgt."

Zur gesamtwirtschaftlichen Situation siehe eine umfassende Studie der Weltbank; zu den Herausforderungen im Textilsektor, einem wirtschaftlichen Kernbereich, einen Beitrag der Deutschen Welle.

Tourismus ist ein wesentlicher Devisenbringer, beschränkt sich aber im Wesentlichen auf Angkor Wat (oben) und Phnom Penh (unten)

© Jörn Dosch

Korruption

Kambodschas Wirtschaft ist heute formal marktwirtschaftlich ausgerichtet und unterliegt kaum staatlichen Restriktionen. Jedoch ist der Wirtschaftsprozess de facto weiterhin durch einen hohen Korruptionsgrad und die maßgebliche Involvierung des Militärs und hoher politischer Funktionsträger geprägt, die nicht selten im halblegalen oder illegalen Bereich operieren. Es existieren keine Anti-Kartell Gesetze. Nach Schätzungen übertreffen die nicht registrierten Exporte (vor allem Re-Exporte) die registrierten um das dreifache. Trotz des im Januar 2002 angeordneten Verbots jeglichen kommerziellen Holzeinschlags, ist es der Regierung nicht gelungen, illegale Abholzungen und Holzexporte zu unterbinden. Der Schmuggel von Tropenhölzern erfolgt weiterhin in bedeutendem Umfang vor allem über die Grenze zu Thailand. Eine der ausführlichsten Studien zur Korruption in Kambodscha ist jene des Center for Social Development in Phnom Penh. Interessant auch der umfassende Report von USAID von 2004. Ein Beitrag von Clay Wescott zur Korruptionsbekämpfung in Südostasien geht ebenfalls auf Kambodscha ein.

WTO-Mitgliedschaft

Erfolgreich gestalteten sich die Verhandlungen zur Mitgliedschaft Kambodschas in die WTO. Im September 2003 wurde Kambodscha beim WTO Ministertreffen in Cancun gemeinsam mit Nepal - als ersten Least Developed Countries (LDC) - in die Welthandelsorganisation aufgenommen, wobei das Abkommen jedoch erst Ende August 2004 von der kambodschanischen Nationalversammlung ratifiziert und damit wirksam wurde. Der kambodschanische Handelsminister Cham Prasidh kritisierte im Anschluss die Bedingungen, die sein Land für die Aufnahme erfüllen muss. Kambodscha zahle einen hohen Preis für die WTO-Mitgliedschaft, sagte er. Die Zugeständnisse, die das Land habe machen müssen, gingen weit über das übliche Maß hinaus. Wegen der erhofften Vorteile einer Mitgliedschaft nehme Kambodscha die Herausforderung aber an. Hierzu auch eine kritische Studie von Oxfam.

Einen Überblick über die Wirtschaft Kambodschas finden Sie auf den Seiten der Asian Development Bank und der Weltbank.

Fast dreißig Jahre nach dem Ende der Khmer Rouge Schreckensherrschaft "macht das Land Fortschritte auf dem Weg zu Frieden und Stabilität: Rund zehn Prozent Wirtschaftswachstum für das Jahr 2005 trotz höherer Ölpreise und gute Nachrichten auch bei anderen Indikatoren wie niedrigere Kindersterblichkeit und sauberes Wasser. Darüber hinaus stellt die Weltbank in einem Bericht von 2006 ein Sinken der Armutsrate von 47 Prozent im Jahre 1993/94 auf 35 Prozent im Jahre 2004 fest" ( DED Kambodscha)

Entwicklung

©GTZ Kambodscha

Nach Jahrzehnten des Krieges und Bürgerkrieges geht der Aufbau der Infrastruktur im ländlichen Raum nur langsam voran, so dass weite Teile der Bevölkerung ihre Grundbedürfnisse nicht ausreichend befriedigen können

 

 

 

 

 

 

 

© DED Kambodscha

Die Stärkung der öffentlichen Verwaltung gehört zu den Schwerpunkten der EZ



Armut

Die Armut ist in den letzten Jahren leicht zurückgegangen. Dennoch gehört Kambodscha weiterhin zur Gruppe der Least Developed Countries (LDC). Trotz beträchtlicher Reformanstrengungen und massiver Geberunterstützung bleibt die Wirtschaftsbasis des überwiegend ländlich geprägten Entwicklungslandes schwach. Im Human Development Index 2007-2008 der Vereinten Nationen belegt Kambodscha Rang 131 (von 177). 5 Mio. Kambodschaner (36 % der Bevölkerung) leben unter der Armutsgrenze; davon 90 % auf dem Lande.

Abhängigkeit von Entwicklungshilfe

Wie kaum ein zweites Land ist Kambodscha von Entwicklungshilfe abhängig. Rund die Hälfte des Staatsbudgets wird von der internationalen Gebergemeinschaft getragen.

1992 wurde die EZ mit Kambodscha wieder aufgenommen, nachdem die Zusammenarbeit seit 1969 aufgrund des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland suspendiert worden war. Kambodscha ist ein Schwerpunktpartnerland deutscher Entwicklungskooperation, wobei Deutschland zu den größten bilateralen Gebern gehört. Als Schwerpunkte der EZ wurden 2001 die Bereiche Demokratieförderung (einschließlich Menschenrechte und Förderung der Frauenrechte), Gesundheit und Förderung der privatwirtschaftlichen Entwicklung vereinbart. Darüber hinaus besteht mit dem Programm Ländliche Entwicklung ein regionaler Schwerpunkt in den Provinzen Kampot und Kampong Thom. Im Bereich der Förderung von Demokratie und Good Governance existieren Projekte sowohl der staatlichen wie auch der nicht-staatlichen Zusammenarbeit.

EZ-Organisationen in Kambodscha

U.a. sind die folgenden Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Kambodscha mit Länderbüros vertreten:

GTZ Projekte u.a. Landmanagement; Unterstutzung der Verwaltungsreform/Dezentralisierung; Förderung der Rechte der Frauen, Projektliste und nähere Informationen

Deutscher Entwicklungsdienst (DED) Projekte u.a. in den Bereichen Demokratie, Zivilgesellschaft, öffentliche Verwaltung; Gesundheit; Ländliche Entwicklung in der Region Kampot/Kampong Thom

KFW Entwicklungsbank Die Finanzielle Zusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche Ländliche Entwicklung (Straßenbau, Gesundheit) und Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen; Projektliste und nähere Informationen

Konrad-Adenauer-Stiftung Projekte u.a. zur Verwaltungsreform/Dezentralisierung und Stärkung des Parlamentes

Handwerkskammer Koblenz: Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen

Europäische Union Projekte u.a. in den Bereichen ländliche Entwicklung, Bildung und Ernährung; Projektliste und nähere Informationen

Department for International Development (DFID), Grossbritannien, Projekte u.a. in den Bereichen ländliche Entwicklung, Armutsbekämpfung, Bildung; Country Profile Cambodia (mit Links zu Strategien und Programmen)

USAID, USA, mit Projekten zur politischen Partizipation und im Gesundheits- und Erziehungswesen

Agence Française De Développement Projekte u.a. in den Bereichen Bildung, Justizreform, Landwirtschaft

Die NGO Oxfam ist mit verschiedenen Projekten in den Bereichen ländliche Entwicklung, Umwelt, Gender, Menschenrechte und Bildung vertreten.

Daneben gibt es verschiedene kleinere internationale NGOs, die sich vor allem in den Bereichen Umwelt und Bildung engagieren, wie z.B. Books With No Borders.

Darüber hinaus ist die website der Asian Development Bank eine wertvolle Quelle zu Infos und Analysen zur Entwicklungszusammenarbeit mit Kambodscha.

 

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