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Malawi
Seite 3: Wirtschaft & Entwicklung

3.1 Wirtschaft

Malawi ist ein ausgeprägtes Agrarland. Es gibt kaum nennenswerte Vorkommen an mineralischen Rohstoffen. Die verarbeitende Industrie in den vier Städten (Blantyre, Lilongwe, Zomba und Mzuzu) ist klein und international unbedeutend. Das BIP beträgt nur 2,1 Mrd. US-Dollar (2005), was einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von lediglich 161 US-Dollar entspricht. Damit ist Malawi eines der ärmsten Länder der Welt. Nach dem aktuellem Human Development Report nimmt es Rang 164 ein. Über 83% der Bevölkerung lebt auf dem Lande. Ein beträchtlicher Teil der ländlichen Bevölkerung (über 90%) lebt von der Landwirtschaft; im Wesentlichen als Klein- und Subsistenzbauern. Diese sind arm und leben in potentiell prekären Lebensverhältnissen. Trotz des starken Bevölkerungsdrucks und der damit verbundenen Landknappheit können genügend Nahrungsmittel produziert werden, um den Bedarf aus eigener Kraft zu decken. Diese Balance ist jedoch sehr instabil. Schon kleinere klimatische Probleme (Trockenheit oder Überschwemmungen) können zu einer Verknappung der Nahrungsmittel führen und eine Krise auslösen, wie zuletzt im Jahr 2002 und wieder in 2005/2006. Das World Food Programme berichtet darüber ausführlich und aktuell auf seiner Homepage . Auf Grund einer guten Ernte im April 2006 hat sich die Lage deutlich entspannt.

Im April 2007 wurde auf Grund güstiger klimatischer Bedingungen eine Rekordernte beim Hauptnahrungsmittel Mais eingefahren. Insgesamt wurden ca. 1 Million Tonnen Überschuß erwirtschaftet, von dem ein Teil in den Export, unter anderem nach Zimbabwe, ging.

Der Anteil der Landwirtschaft am BIP ist mit 35,5% (2005) traditionell hoch, während der Industriesektor mit 17,5% relativ unbedeutend bleibt. Die verbleibenden 47% entfallen auf den Dienstleistungssektor.


Blick auf Zomba (Heiko Meinhardt)

Das Realwachstum ist stark dominiert von der landwirtschaftlichen Produktion. Nach Wachstumsraten von über 6% in den Jahren 2003 und 2004 wurde im Jahr 2005 nur eine Steigerung von 2% erreicht. In Folge der deutlich besseren Ernte wuchs die Wirtschaft in Jahr 2006 um ca. 8%. Der Wert für 2007 dürfte auf Grund der Allzeitrekordernte noch besser ausfallen.

Basisdaten zur Wirtschaft und aktuelle Informationen zur Wirtschaftslage hält das Auswärtige Amt bereit.

Auf der Seite der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) lassen sich die Wirtschaftstrends 2006/07 (PDF-Format) herunterladen. Die Reserve Bank of Malawi bietet Monats- und Quartalsberichte zum Herunterladen, die qualitativ hochwertig und relativ detailliert sind. Sehr gute Wirtschaftsdaten auf Quartalsbasis bietet auch die renommierte Economist Intelligence Unit aus London an, jedoch leider nicht kostenlos.

Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftspolitik Malawis ist im Wesentlichen bestimmt durch die Reformvorgaben der Geber. Die Regierung hat bisher allen Reformvorgaben der Geber verbal entsprochen, wobei es bei der Umsetzung an fehlenden Kapazitäten und seit 2004 an der politischen Handlungsfähigkeit mangelt. Der Completion Point in der HICP-Initiative wurde im November 2006 erreicht, was in Anbetracht des ungünstigen Umfeldes als Erfolg zu werten ist. Die Geld-, Fiskal- und Währungspolitik ist vom Anspruch her stabilitätsorientiert. Die Inflationsrate liegt bei 14% (2006). Der Kwacha hat hingegen seit 2002 um fast 80% gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Der Wechselkurs der bereits seit 1994 nicht mehr regulierten Währung wird vor allem durch verringerte Erträge beim Hauptexportprodukt Tabak belastet. Die inländischen Steuereinnahmen konnten in den letzten Jahren auf Grund von Effizienzsteigerungen bei der Steuererhebung wesentlich gesteigert werden.

Produkte und Produktionsweisen

Malawi verfügt fast ausschließlich über landwirtschaftliche Produkte. Die wichtigsten Anbauprodukte sind Mais, Tabak, Tee und Zucker. Die Tabakplantagen sind fast ausschließlich in einheimischem Privatbesitz, während im Teesektor die Briten noch verankert sind. Die wichtigsten Teeplantagen befinden sich in den Distrikten Thyolo und Mulanje im Südosten des Landes. Die beiden Zuckerplantagen in Nkhotakota (Zentralmalawi) und Chikwawa (Süden) gehören dem südafrikanischen Unternehmen Illovo. Außerdem werden u.a. noch Kaffee, Erdnüsse und Macadamia angebaut.

Im Norden (Karonga-District) wird seit einiger Zeit eine Uran-Mine betrieben.

Das verarbeitende Gewerbe ist sehr klein. Es gibt bisher keine industrielle Tabakverarbeitung zur Herstellung von Exportzigaretten und auch noch keine Düngemittelfabrik. Einen Überblick über die Landwirtschaft, Ernährungslage und Wasserresourcen bieten die FAO und das World Food Programme.

Insgesamt kommen im Subsistenz- und Kleinbauernsektor kaum Ochsengespanne, Pferde oder Traktoren zum Einsatz. Es wird fast ausschließlich menschliche Arbeitskraft eingesetzt. Das gilt auch für die Plantagenwirtschaft (Tabak, Tee, Zucker).

Die Malawi Confederation of Chambers of Commerce and Industry informiert über Investitionsmöglichkeiten, Handelsmessen und hält eine Liste mit Kontaktadressen der malawischen Unternehmer bereit. Zudem ist die SAFRI (Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft) auch für Malawi zuständig, wenngleich das bisherige Engagement dort noch wenig ausgeprägt ist. Ein Business Directory inklusive Links zu den staatlichen Institutionen (Fachministerien etc.) hält umfangreiche Informationen bereit.


Teeplantagen am Mount Mulanje (Heiko Meinhardt)

Außenwirtschaft

Malawi weist traditionell eine negative Handelsbilanz auf. Das Defizit betrug 2005 208 Millionen US-Dollar. Die Exporterlöse sind zwischen 2002 und 2006 um jährlich durchschnittlich 8% gestiegen. Es besteht eine besorgniserregend hohe Abhängigkeit vom Hauptexportgut Tabak, das 76% der Exporterlöse erwirtschaftet. Die Anteile von Tee (8%) und Zucker (6%) bleiben dahinter deutlich zurück.

Die nur gering differenzierte Wirtschaft ist auch vom Volumen her übersichtlich: Der Gesamtwert der Exporte betrug 2005 nur 524 Millionen US-Dollar. Hauptexportländer sind Südafrika, Deutschland, Ägypten und die USA. Die wichtigsten Importländer sind Südafrika, Zambia, Zimbabwe und Mosambik. Damit geht ein Großteil der Exporte nach außerhalb der SADC, wobei die Importe überwiegend von Mitgliedsstaaten der SADC gedeckt werden.

3.2 Entwicklung

Armutsbekämpfung und Milleniumsziele

Malawis bisherige Bilanz im Hinblick auf die Millenium Development Goals (MDGs) ist durchwachsen. Voraussichtlich erreicht werden die Ziele beim Zugang zu sauberem Trinkwasser und der Gender Equality beim Zugang zu Primär- und Sekundärbildung. Offiziell besuchen geringfügig mehr Mädchen die Grundschule als Jungen. Im Sekundarbereich liegt ihr Anteil bei 43%. In beiden Bereichen sind gegenüber dem Basisjahr 1990 wesentliche Fortschritte zu verzeichnen. Der Anteil der Erwachsenen, die ihre Primarschulausbildung beendet haben, verharrt auf niedrigem Niveau (55% im Jahr 2000). Die Durchfallraten in den Abschlussexamina sind, vor allem auf Grund der ungünstigen Lehrer-Schüler-Ratio und der defizitären Lehrqualität, hoch. Bei der Alphabetisierung gibt es noch immer ein signifikantes Ungleichgewicht: Während 75% der Männer über 15 Jahren lesen und schreiben können, gilt das nur für 54% der Frauen (2004). Eine Verbesserung der Bildungssituation wird von der Regierung ernsthaft betrieben. Die Bildungsausgaben sind mit ca. 6% des BIP und einem Anteil von 24,6% am Staatshaushalt erheblich.


Das Landleben ist nicht immer so fröhlich (Heiko Meinhardt)

Problematischer gestaltet sich die Situation im Gesundheitssektor. Eine signifikante Reduzierung der Kindersterblichkeit ist bisher nicht gelungen. Die Sterblichkeit von Frauen im Kindsbett hat sich nach UNDP-Angaben zwischen 2000 und 2004 sogar auf 1.800 pro 100.000 Lebendgeburten nahezu verdoppelt. Die Rate der HIV/AIDS-Infektionen ist mit 14% (der 15-49 Jährigen; 2005) seit 1995 auf hohem Niveau relativ konstant. Die öffentlichen Gesundheitsausgaben liegen bei 9,6% des BIP (2004). Der aktuelle HDI-Wert von 0,437 (2005) hat sich gegenüber 1995 leicht verschlechtert. Das Land rangiert auf Platz 164 am unteren Ende der Bewertungsskala und gehört damit zu den weltweit ärmsten Staaten. Besorgniserregend sind die 42% der Bevölkerung, die von weniger als einem US-Dollar pro Tag leben müssen. Hier hat es seit 1990 (45%) nur eine geringe Verbesserung gegeben. Die Wahrscheinlichkeit, bei Geburt nicht das Alter von 40 Jahren zu erreichen, liegt bei über 56% (2000-05). Die Nahrungsmittelsicherheit ist — ungeachtet der 2007 eingefahrenen Rekordernte beim Mais — prekär, da die Produktion in hohem Maße von den volatilen klimatischen Bedingungen abhängig ist. Die staatlich subventionierte Zuteilung von Dünger an bedürftige Haushalte kann (häufig auftretende) klimatische Verwerfungen (Dürre, Überschwemmungen) nicht korrigieren.

Zum Stand der MDGs in Malawi informieren mit ausführlichem Datenmaterial die UN und die Weltbank, sowie die malawische Regierung, die einen Bericht zu den MDGs 2000-2005 (PDF-Format) bereithält. Das Southern African Regional Poverty Network liefert eine Reihe von interessanten Online-Publikationen zu Armut in Malawi an. Die Armutsbekämpfungsstrategie wird auch vom International Monetary Fund dokumentiert.

Von den öffentlichen Auslandsschulden in Höhe von 3,2 Milliarden US-Dollar (2005) wurden Anfang September 2006 von den Gebern in Folge des G8-Beschlusses 90% erlassen. Die Auslandsschulden liegen aktuell bei ca. 600 Millionen US-Dollar. Die freiwerdenden Mittel durch Einsparungen beim Schuldendienst sind für Entwicklungsaufgaben (z.B. Bildung, Gesundheit, Armutsbekämpfung) zu verwenden. Obwohl dieser Erlaß ein großer Erfolg ist, wird Malawi auch zukünftig von Kreditaufnahmen im Ausland hochgradig abhängig bleiben.


Landleben in Mangochi (Heiko Meinhardt)

Große Abhängigkeit von ausländischer Hilfe

Malawi ist bis heute hochgradig von ausländischer Hilfe abhängig. Der Anteil der Entwicklungshilfe am BIP schwankt zwischen 20% und 30%. Die Einnahmen aus öffentlicher Entwicklungshilfe liegen knapp unter einer halben Milliarde US-Dollar. Die wichtigsten bilateralen Geber sind Großbritannien, gefolgt von Japan, den USA und Deutschland. Engagiert sind auch Schweden, Norwegen und Kanada, sowie Taiwan.

Multilaterale Geber sind die EU, die Weltbank sowie die African Development Bank. Über die aktuelle Zusammenarbeit mit den wichtigsten Gebern berichten die Weltbank , die auch aussagekräftiges Datenmaterial zum Stand der Entwicklung bereithält, und der Internationale Währungsfonds (IMF), auf dessen Homepage Sie die neuesten Informationen, Vereinbarungen und Dokumente, die für die Beziehungen zu Malawi relevant sind, abrufen können. Wichtig ist auch die Arbeit des United Nations Sustainable Development Networking Programme . Ein Schlüsselprogramm formuliert im Poverty Reduction Strategy Paper ist der Armutsbekämpfung gewidmet. Entwicklungspolitisch relevante Regierungspublikationen sind kostenlos auf der offiziellen Homepage der Regierung herunterzuladen.


Fischfang (Heiko Meinhardt)

Deutsche EZ

Malawi ist Schwerpunktland deutscher Entwicklungszusammenarbeit. Sowohl die GTZ als auch der DED sind mit Büros in Lilongwe vertreten. Darüber hinaus entsendet CIM Ärzte nach Malawi. Die Sektoren der deutschen EZ sind: Grundbildung, Gesundheit und demokratische Dezentralisierung. Der DED ist zusätzlich auf den Gebieten der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung und dem Ressourcenschutz tätig. Das deutsche Engagement liegt bei ca. 20 Millionen Euro jährlich.

Informationen über die Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland mit Malawi finden Sie auf der Homepage der Deutschen Botschaft in Lilongwe, auf den Seiten der GTZ, des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED), sowie beim Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM).

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