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Nationalflagge

Mali


Seite 4: Gesellschaft, Kultur & Religion

Makrosoziale Struktur

 

 

Chi Wara-Kopfschmuck

Chi wara Kopfschmuck: ursprüngliches und bedeutendes Symbol der vorherrschenden Bambara-Kultur. Chi wara steht für  das Erreichen von Lebenszielen und menschliches Engagement sowie für das Bemühen um Harmonie und Gleichgewicht.

Regionalismus, Ethnizität und Tribalismus

Aufgrund seiner Lage im Übergangsbereich zwischen Nord- und Westafrika sowie einer langen Abfolge von Migrationsbewegungen ist Mali ein Vielvölkerstaat , der von einer großen kulturellen und sprachlichen Vielfalt geprägt wird. Ausgeprägte Unterschiede bestehen in dieser Hinsicht insbesondere zwischen den v.a. im Norden lebenden hellhäutigen Volksgruppen der Tuareg und der Mauren, und der im Zentrum und Süden des Landes dominierenden dunkelhäutigen Bevölkerungsmehrheit. Zahlenmäßig mit weitem Abstand größte Ethnie sind die Bambara, welche zusammen mit den kleineren verwandten Ethnien der Malinké und Dioula ca. 51 % der Bevölkerung ausmachen. Weitere größere Ethnien sind Fulbe (11 %), Sarakollé (9 %), Senoufo (9 %) und Songhay (7 %). Die restliche Bevölkerung verteilt sich auf verschiedene kleinere Ethnien wie Dogon, Bozo, Bobo, Tuareg, und Mauren.  

Die originären Siedlungsgebiete der einzelnen Ethnien weisen u.a. als Folge von Migrationsbewegungen eine Reihe von Überlagerungen auf und sind vielfach nicht eindeutig abgrenzbar. So ist z.B. das Hauptsiedlungsgebiet der Dogon in Zentralmali seit einigen Jahrzehnten immer stärker von Abwanderung geprägt, mit der Folge, daß heute bereits mehr Dogon außerhalb des Dogonlandes als im Dogonland selbst leben.

 

Tuareg     Fulbe-Hirten

Fotos: Kai-Uwe Seebörger

              Songhay-Bauer

Vielvölkerstaat Mali: Die Bilder zeigen Tuareg (links oben), Fulbe-Hirten (rechts oben) sowie einen Songhay-Bauer (unten)

 

Bei den traditionell (halb-) nomadischen Tuareg und Mauren lassen sich in zunehmendem Maße Tendenzen der Sesshaftwerdung erkennen, welche in vielen Fällen in Zusammenhang stehen mit sich wandelnden ökologischen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen. Der Anteil der nomadischen Bevölkerung ist seit Jahrzehnten rückläufig und wurde Ende der neunziger Jahre auf unter 4 % der Gesamtbevölkerung geschätzt.

Wichtigste Nationalsprache ist die Bambara-Sprache, die zunehmend zur Lingua Franca Malis geworden ist und von ca. 80 % der malischen Bevölkerung gesprochen wird. Amtssprache ist französisch.

 

Soziale Lage und soziale Klassen

Die Masse der malischen Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze und bestreitet ihren Lebensunterhalt weitestgehend durch Tätigkeiten in der Agrarwirtschaft und zunehmend auch im informellen Sektor.

Die Möglichkeiten, einen Arbeitsplatz im modernen Wirtschaftssektor (Industrie und Dienstleistungen) zu finden, beschränken sich weitgehend auf die Städte. Aufgrund der Schwäche des modernen Wirtschaftssektors und der anhaltend hohen Zuwanderung aus dem ländlichen Raum stellt die Arbeitslosigkeit in den Städten ein ernstes Problem dar.

 

Stadt-Land-Verhältnis und Migration

In den letzten Jahrzehnten hat der Anteil der städtischen Bevölkerung stark zugenommen, wobei die Hauptursache hierfür in einer massiven Land-Stadt-Wanderung zu sehen ist. Die Gründe für die Abwanderung aus dem ländlichen Raum sind komplex und umfassen sowohl ökonomische, soziale und ökologische Ursachen.

Von großer Bedeutung ist die Auswanderung. Schätzungsweise zwei bis drei Mio. Malier leben dauerhaft außerhalb der malischen Staatsgrenzen, insbesondere in Nachbarstaaten Westafrikas. Ca. 200.000 Malier leben in Frankreich.

 

Geschlechterverhältnis

In Mali - wie auch in vielen anderen Staaten Afrikas - sind Frauen gegenüber der männlichen Bevölkerung weitgehend benachteiligt. Dies gilt sowohl hinsichtlich des Zugangs zu Bildung und Beschäftigung, wie auch des sozialen und ökonomischen Status von Frauen. Jedoch bestehen Unterschiede zwischen den verschiedenen Ethnien. Bei den Bambara beschränkt sich der Einflußbereich der Frauen weitgehend auf das Familiengehöft, während die Vertretung der Familieninteressen auf dem Niveau der Dorfebene von den Männern wahrgenommen wird. Im Vergleich zu anderen Ethnien herrscht bei den Tuareg eine weitgehende Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern.  

Die weitverbreitete Migration sowie die zunehmenden Probleme, traditionelle soziale Sicherungssysteme aufrechtzuerhalten bzw. durch neue Systeme zu ersetzen, haben häufig negative Auswirkungen auf die Lebenssituation von Frauen sowie auf Aktivitäten zur Förderung ihres Status und ihrer Lebens- und Wirtschaftsbedingungen.

Frauen beim Stampfen von Hirse

 

Frauen in einem Dorf in Zentralmali beim Stampfen von Hirse. Das gewonnene Mehl dient der Zubereitung von Hirsebrei

 

Foto: Kai-Uwe Seebörger

 

In der malischen Verfassung ist der Grundsatz der Gleichheit der Geschlechter festgeschrieben. Zudem hat Mali internationale Konventionen zur Beseitigung jeglicher Benachteiligung aufgrund von Geschlecht und Rasse ratifiziert. Dennoch existiert eine gesetzlich verankerte Benachteiligung der Frauen in dem Sinne, dass nach dem malischen Heiratsrecht eine Ehefrau nach der Scheidung kein Anrecht auf ihre Kinder hat, welche i.d.R. im Scheidungsfall beim Vater verbleiben. Der traditionellen Praxis folgend können Väter ihre Töchter gegen ihren Willen verheiraten. Die Polygamie ist noch weit verbreitet.  

In Mali gibt es eine Vielzahl von NGO, die sich für eine bessere Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben einsetzen. Sie sind zudem bemüht, Frauen für konkrete gesellschaftliche Themen, die keine reinen Frauenfragen sind, zu interessieren. Seit 1997 orientiert sich das Ministerium für die Förderung von Frauen, Kindern und Familien, das in 2006 einen umfassenden Bericht zur Lage von Frauen und Kindern publiziert hat, an einem genderorientierten Gleichstellungsansatz. In der Realität besetzen Frauen in weitaus geringerem Maße öffentliche Ämter und insbesondere Entscheidungspositionen.

 

Mikrosoziale Struktur

Die traditionelle Gesellschaftsordnung wird durch Hierarchien geprägt. Man wird in ethnische Gruppen hineingeboren, die in Kasten unterteilt sind, wobei es zwischen den Ethnien Unterschiede geben kann. Neben der Kaste der Noblen gibt es Handwerkerkasten sowie die Kaste der Griots. Jede Kaste hat spezifische Aufgaben, Rechte und Pflichten, welche für die Bedeutung und Stellung der Kaste im sozialen Gefüge ausschlaggebend sind. In zahlreichen Ethnien gibt es zudem die Kaste der ehemaligen Sklaven. So teilt sich die Fulbe-Gesellschaft in drei Kasten: Noble, Handwerker und Künstler (Weber, Schmiede, Griots) und Nachkommen ehemaliger Sklaven, die vielfach noch heute einer starken Stigmatisierung ausgesetzt sind. Auch bei den Tuareg gibt es traditionell eine Unterteilung in Noble und Abhängige (Bellah). Viele Bellah konnten sich jedoch aus den Abhängigkeitsbeziehungen lösen und haben weitgehende Eigenständigkeit erreicht.

Bellah    Tuareg-Frau

Die Tuareg-Frau (rechts) und der Bellah (links) stehen stellvertretend für die ethnische Vielfalt das Landes

 

Fotos: Kai-Uwe Seebörger

 

Insbesondere in den ländlichen Regionen spielen Traditionen noch immer eine große Rolle.
In den Städten hingegen lassen sich auf mikrosozialer Ebene erhebliche Wandlungsprozesse beobachten, welche sich an veränderten Lebensstilen und einer sich wandelnden Einstellung zu Traditionen erkennen lassen. Als Ursachen für die angesprochenen Wandlungsprozesse sind u.a. Migration und Schulbesuch zu nennen.

Angesichts unzureichender staatlicher Grundsicherungssysteme spielen jedoch soziale Netzwerke (v.a. die Großfamilien) weiterhin eine sehr große Rolle für die Absicherung und das Überleben vieler unter ärmlichen Bedingungen lebender Menschen.

 

Bildung

Schule und Berufsbildung

Die malische Bevölkerung wird geprägt von einem hohen Anteil junger Menschen. In 2003 waren 48,3 % der Einwohner jünger als 15 Jahre, was eine große Herausforderung gerade für das Schulwesen bedeutet.

Im Bildungs- wie auch im Gesundheitswesen konnte Mali seit Beginn der neunziger Jahre beachtliche Fortschritte erzielen. Bei der Bewertung der erzielten Fortschritte sind die selbst im afrikanischen Vergleich äußerst niedrigen Ausgangswerte sowie die insgesamt schwierigen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Zudem bestehen ernste Probleme fort.  

Das Schulsystem gliedert sich in eine sechsjährige Grundschule und eine zweistufige Sekundarschule. Mali verfügt über ein nur unzureichend ausgebautes Grundbildungssystem. Das vielfach niedrige Unterrichtsniveau, die großen Klassenstärken (durchschnittliche Schülerzahl pro Lehrer in der Grundschule: ca. 60 Schüler) und die hohe Wiederholer- und Abbrecherquote verursachen erhebliche Akzeptanzprobleme des aktuellen Grundschulwesens bei Teilen der Bevölkerung. Problematisch wirkt sich auch die weit verbreitete Mitarbeit von Kindern z.B. in der Agrarwirtschaft aus.

Der Unterricht wird zumeist in Französisch gehalten, obwohl gerade auf dem Lande viele Schüler die Sprache kaum beherrschen. Trotz allgemeiner Schulpflicht und Gebührenfreiheit in den staatlichen Schulen (im Gegensatz zu den immer zahlreicheren sog. kommunalen Schulen, an deren Errichtung und Betrieb die Bevölkerung stark beteiligt ist), betrug die Netto-Einschulungsrate in 2005 lediglich 56,7 % (2003: 51,1 %), wobei der entsprechende Wert für Mädchen nur 48,9 % (2003: 43,2 %) betrug. Bis 2015 soll allen Kindern im schulpflichtigen Alter der Schulbesuch ermöglicht werden.
Im Rahmen des nationalen Zehnjahresprogrammes zur Entwicklung des Bildungswesens (PRODEC) wird in der Region Mopti mit Unterstützung der GTZ ein neues Grundbildungskonzept ausgearbeitet und umgesetzt. Das GTZ-Grundbildungsprojekt fördert dabei u.a. den Unterricht in Nationalsprachen. Bei erfolgreicher Umsetzung sollen die Ergebnisse des Projekts auch auf andere Regionen Malis übertragen werden.

 

Hochschulbildung

In Mali gibt es sechs Hochschulen und eine Universität in Bamako, deren Studenten Stipendien von der Regierung beantragen können.

 

Non-formale Bildung

Von großer Bedeutung sind insbesondere in Nord- und Zentralmali die zahlreichen Koranschulen, in denen das Erlernen und Rezitieren von Koransuren im Vordergrund steht. Allerdings wird immer öfter von Fällen berichtet, in denen die Ausbildung der Koranschüler gegenüber dem Betteln und anderen Formen des Gelderwerbs zurücktritt.

Schüler einer Grundschule, Sikasso    Koranschule in Ségou

im Bau befindliche Grundschule    CSCOM in der Region Timbuktu

Fotos: Kai-Uwe Seebörger

Obere Bilder: Das linke Bild zeigt Schüler einer Grundschule in Sikasso, die Kinder auf dem rechten Bild besuchen eine Koranschule in Ségou. Die unteren Bilder zeigen eine im Bau befindliche Grundschule (links) und ein CSCOM (rechts) in der Region Timbuktu

 

Gesundheit und Sozialwesen

Gesundheitsversorgung

Im Bereich der Gesundheitsversorgung weist Mali eine Reihe besorgniserregender Indikatoren auf. Unzureichender Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, Armut, weitverbreitete Unter- und Fehlernährung sowie mangelndes sauberes Trinkwasser stellen vielfach eng miteinander verknüpfte Probleme dar, welche in einer erhöhten Anfälligkeit weiter Kreise der Bevölkerung gegenüber schwerwiegenden Erkrankungen (z.B. Malaria oder ernste Durchfallerkrankungen) resultieren.  

In verstärktem Maße engagiert sich die malische Regierung in der Malariabekämpfung. So steht Kindern bis zum fünften Lebensjahr und schwangeren Frauen die Möglichkeit einer kostenlosen Malariaprävention zu. Verstärkte Aufmerksamkeit wird auch der Förderung der Familienplanung gewidmet.

Ein wichtiges Kernelement der nationalen Gesundheitspolitik ist das PRODESS, ein auf die Verbesserung des Gesundheitswesens und der sozialen Verhältnisse abzielendes Zehnjahresprogramm. Im Rahmen der Dezentralisierung des Gesundheitswesens wurde als eine neue Institution der Basisgesundheitsversorgung die CSCOM gegründet. Insbesondere auf dem Lande sind in den letzten zehn Jahren zahlreiche neue CSCOM gebaut worden. Bei den CSCOM handelt es sich um Gesundheitszentren, die von Nutzergruppen betrieben werden und v.a. in den folgenden Bereichen tätig sind: Impfungen gegen die wichtigsten ansteckenden Krankheiten, Erste-Hilfe-Versorgung, Bekämpfung der Kindersterblichkeit, sowie Entbindungen. Angestrebt wird eine engere Zusammenarbeit zwischen Kommunen und den CSCOM.

Wesentliche Probleme bei der Verbesserung der Basisgesundheitsversorgung sind in einem Evaluierungsbericht auf der Internetseite der KfW zusammengefasst.  

Ein Großteil des staatlichen Gesundheitsbudgets wird für Löhne, Verwaltung, Transportkosten, Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen und spezialisierte Weiterbehandlung ausgegeben. Programme der Basisgesundheitsversorgung und der Gesundheitserziehung werden hingegen weitgehend von Gebern finanziert. Krankenhäuser gibt es bislang nur in den größeren Städten.

 

HIV / Aids

Aids stellt ein zunehmend ernstes Problem dar. In Mali waren in 2006 offiziell 1,3 % der Bevölkerung im Alter von 15 bis 49 Jahren HIV-positiv, wobei der Anteil in Bamako und bei Risikogruppen
( Prostituierte, LKW-Fahrer) höher lag. Der staatliche Gesundheitsdienst und zahlreiche NRO haben begonnen, auf die Aidsproblematik mit vielfältigen Informationskampagnen und Präventionsmaßnahmen zu reagieren. Der Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten ist bislang extrem eingeschränkt.

 

Weibliche Genitalverstümmelung

Die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung ist in Mali in fast allen Ethnien weit verbreitet. Lediglich bei den Songhay und Tuareg ist nur ein geringer Prozentsatz der Mädchen und Frauen beschnitten. Das Eintreten gegen die Genitalverstümmelung ist mittlerweile ein wichtiger Teil der malischen Gesundheits- und Bevölkerungspolitik geworden. Forderungen nach einem gesetzlichen Verbot der verschiedenen Formen der Beschneidung werden schon seit längerer Zeit erhoben, lassen sich allerdings noch nicht durchsetzen. Mehr Hintergrundinformationen zu Verbreitung und Praktiken der Beschneidung sowie zu Ansätzen ihrer Prävention kann man auf den Internetseiten der GTZ sowie der NGO Worldvision finden.

 

Kultur

Kulturelle Identitäten

Im Hinblick auf die kulturelle Vielfalt gehört das Vielvölkerland Mali zu den interessantesten Staaten des subsaharischen Afrika. Im Lande findet man ein reiches Mosaik an Traditionen und kulturellen Ausdrucksformen.

In der malischen Gesellschaft wird viel Wert auf Konsens und Zusammenhalt gelegt, sei es in der Großfamilie oder im Dorf. Kritik und Meinungsverschiedenheiten werden, zumindest in traditionellen Milieus, nur selten offen geäußert, wobei es jedoch - gewissermaßen als Ventile für das Reduzieren von Spannungen - bestimmte Kommunikations- und Konfliktlösungsmechanismen gibt. In diesem Zusammenhang spielen die Griots eine Rolle, die z.B. bei Familienstreitigkeiten vermitteln. In erster Linie fungieren die Griots als Bewahrer des oralen Wissens (z.B. der Geschichte bestimmter Familien) sowie des musikalischen Erbes (zur Griot-Musik der Fulbe: oneworld). Sie singen Balladen, musizieren und erzählen, wobei sie als gesellschaftliche Außenseiter auch Kritik und Spott äußern können. Bei vielen traditionellen Zeremonien und Feierlichkeiten ist die Anwesenheit eines Griots erforderlich. Viele der berühmtesten malischen Musiker, so z.B. Cheick Hamala Diabaté, stammen aus Griot-Familien. Wandlungen in der Griot-Kultur sowie die Stellung der Griots in der heutigen Gesellschaft Malis wurden von einem Forschungsprojekt der FU Berlin untersucht.  

Viele Malier führen die innergesellschaftliche und zwischenethnische Harmonie auf die Existenz der sogenannten Scherzbeziehungen (auch cousinage genannt) zurück, welche erlauben, wildfremde Personen „auf den Arm zu nehmen“ und dadurch Konflikten schon im Ansatz zu begegnen. Zudem helfen Scherzbeziehungen, Allianzen zwischen Ethnien, z.B. zwischen Dogon und Bozo, beziehungsweise zwischen Familienclans, beispielsweise zwischen Keita und Coulibaly, zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Die Scherzbeziehungen, die bis heute von vielen Maliern aktiv und gerne gepflegt werden, leisten einen wesentlichen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben sehr unterschiedlicher Individuen und Gruppen. Ausführliche Hintergrundinformationen zu den Scherzbeziehungen sowie zu traditionellen Konfliktvermeidungs- und Regelungsmechanismen findet man bei Doulaye Konaté.

 

Kunst

In der Architektur des in Mali weitverbreiteten Sudanstils lassen sich zahlreiche nordafrikanische Einflüsse finden, welche auf die engen historischen Verbindungen zwischen Nordafrika und dem Sahel-Sudan-Raum zurückzuführen sind. Eine der beeindruckendsten Städte Westafrikas ist die tausendjährige Stadt Djenné, eines der Zentren der traditionellen sudanesischen Lehmarchitektur. Die Altstadt von Djenné mit ihrer beeindruckenden Großen Moschee wurde 1988 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Wenige Kilometer von Djenné entfernt liegt die kulturhistorisch bedeutende Ausgrabungsstätte Djenné Djéno. Dorfmoscheen prägen das Gesicht vieler Dörfer und sind sowohl Ausdruck einer tiefen Religiosität wie auch der sudanesischen Lehmarchitektur.

Das Handwerk ist in Mali weit verbreitet. Hergestellt werden sowohl Werkzeuge, Geräte und Güter des täglichen Lebens (z.B. Töpferwaren), wie auch eine Vielzahl von kunsthandwerklichen Produkten, wie z.B. im traditionellen Puppentheater verwendete Marionetten. Einen detaillierten Überblick über das traditionelle Handwerk sowie über das Kunsthandwerk, insbesondere das Anfertigen von Bogolan-Stoffen, bietet die Internetseite von Geocities.

Töpferin in der Region Ségou

Foto: Kai-Uwe Seebörger

Töpferin in der Region Ségou

 

Die malische Musikkultur vereinigt eine Vielzahl traditioneller und moderner Einflüsse und Stilrichtungen. Zahlreiche malische Musiker sind auch in Europa bekannt, beispielsweise Ali Farka Touré, Oumou Sangaré, Salif Keita Toumani Diabaté und die Tuaregband Tinariwen. Europäische und amerikanische Musiker, wie Jasper van't Hof und Ry Cooder haben sich von der traditionellen Musik Malis inspirieren lassen.
In Essakane in Nordmali findet seit einigen Jahren ein Musikfestival statt, das auch auf internationaler Ebene zunehmend Beachtung findet. Persönliche Eindrücke von einer Reise zum Musikfestival in Essakane findet man im Reisetagebuch des Musikers Hubert von Goisern. Ebenfalls seit einigen Jahren findet in Ségou das Nigerfestival statt.
In Djenné wird anlässlich des alljährlichen feierlichen Verputzens der Außenwände der Großen Moschee das Festival Djennery organisiert.

International bekannte malische Filmemacher sind Souleymane Cissé, Assane Kouyaté und Cheick Oumar Sissoko. Hintergrundinformationen zum Film Kabala des Regisseurs Assane Kouyaté findet man auf der Internetseite von Frif. Viel Beachtung fand der in 2006 produzierte globalisierungskritische Film Bamako des mauretanischen Filmemachers Abderrahmane Sissoko.
Als berühmtester malischer Schriftsteller gilt Hampaté Bâ.

Aktuelle Informationen zum kulturellen Angebot in Bamako und zum Kulturgeschehen lassen sich auf der Internetseite von Bamako culture finden.

Religion

Offizielle Religionen

Schätzungsweise 90 % der Malier bekennen sich zum Islam (fast ausschliesslich Sunniten). Die zweitgrößte Religionsgruppe stellen die Anhänger von Naturreligionen, die zahlenmäßig schwer erfassbar sind. Christen machen lediglich ca. 1 % der Bevölkerung aus, wobei Katholiken in der Mehrzahl sind und Christen v.a. unter den Angehörigen kleinerer Ethnien anzutreffen sind.

Moschee in Djenné

Foto: Kai-Uwe Seebörger

Die größte aus Lehm errichtete Moschee der Welt befindet sich in Djenné, ca. 500 km nordöstlich von Bamako. Die in den Jahren 1907 bis 1909 errichtete Moschee ist ein exzellentes Beispiel für den sudanesischen Moschee-Baustil. Einmal die Woche findet auf dem weitläufigen Vorplatz der Moschee ein großer Markt statt (im Bildvordergrund)

 

Politische und gesellschaftliche Bedeutung von Religion

Die Übergänge zwischen Islam und Christentum auf der einen Seite, und traditionellen Glaubensvorstellungen der Naturreligionen auf der anderen Seite sind bisweilen fliessend.

Obwohl sich ca. 90 % der Malier zum Islam bekennen, haben traditionelle Glaubensvorstellungen einen hohen Stellenwert beibehalten und fließen weiterhin in viele Bereiche des Lebens ein. Eine Besonderheit bei den Bambara ist das Fortbestehen von Geheimbünden. Auch in der traditionell geprägten Dogon-Kultur spielen traditionelle Glaubensvorstellungen immer noch eine große Rolle. Bei allen Volksgruppen weit verbreitet sind sogenannte Gris-Gris, worunter man eine Vielzahl von Schutz- und Glücksamuletten versteht. Sie sollen vor Unglück bewahren und Glück bringen.

Der in Mali praktizierte Islam kann als gemäßigt bezeichnet werden. Fundamentalistische Strömungen sind von peripherer Bedeutung, und verschleierte Frauen im Straßenbild stellen eher die Ausnahme dar.

Dennoch hat der Islam einen prägenden Einfluß auf die Gesellschaft und das Alltagsleben, was sich v.a. während des Fastenmonats Ramadan beobachten lässt. Insbesondere im ländlichen Raum prägen die fünf Gebete den Tagesablauf. Koranlehrer und Schriftgelehrte genießen hohes Ansehen und spielen eine große Rolle sowohl als Ratgeber wie auch als Schlichter von Streitigkeiten.

Wichtigste Feste sind das islamische Opferfest, in Mali Tabaski genannt, sowie das Fest am Ende des Ramadan.

Hintergrundinformationen zum Verhältnis von Islam und Politik in Westafrika bietet die FES. Hinsichtlich der Berücksichtigung islamischer Werte bei der Planung von Entwicklungsprojekten hat u.a. das Kleinkreditprogramm des GTZ-Programms Mali Nord grundlegende Erfahrungen gesammelt.

 

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