alle Länder
Homepage
Landesüberblick
Staat & Politik
Wirtsch. & EZ
Gesellsch. & Kultur
Ergänzendes

Seite 2:

Staat & Politik
 

República de Nicaragua




Flagge












































































































Die Wahlen 2006




wahlen 2006



































tr


  alle Links auf dieser Seite, falls sie nicht anders gekennzeichnet sind, führen auf spanischsprachige Internetseiten


Der Präsident

Daniel Ortega Saavedra (geb. 1945) ist der Präsident Nicaraguas. Die Wahlen am 4. November 2006 waren sein vierter Versuch, nach der Präsidentschaft der revolutionären Regierung 1979 – 1990 wieder in das Amt gewählt zu werden. In einer breiten Allianz "Nicaragua Unida Triunfa" gewann Ortega die Wahlen als Vorsitzender der FSLN. Die Amtseinführung war im Januar 2007, das Mandat endet im Jahr 2012.

ortegaOrtega beschwört für seine Präsidentschaft ein "Neues Nicaragua", dem Volk zu Diensten, im Kampf gegen die Armut im Land, befreit vom ungezähmten Kapitalismus und der Gängelung durch den IWF. Starke Worte, die ihm jedoch selbst die Linke im Land nicht abnimmt - im Gegenteil. Die renommierte Menschenrechts- organisation CENIDH urteilt nach 100 Tagen Regierung Ortega kompromisslos: nepotistisch, autoritär, undemokratisch.

Zwar hat Ortega die "sozialen" Ministerien und Institutionen (Bildung, Gesundheit, Wasser, ...) mit engagierten Personen aus der Zivilgesellschaft besetzt, die eigentliche Macht und Führung verbleibt bei Daniel und seiner Frau Rosario Murillo (lesen Sie hier einen Kommentar von Gioconda Belli über Rosario aus 2006). 

Die Regierung "Ortega-Alemán-Obando", wie sie die Zeitschrift Envio treffend analysiert, konsolidiert durch Stellenbesetzungen und die Schaffung neuer Institutionen (diese "Consejos" werden vom CENIDH als parallel-staatliche Institutionen kritisiert) vor allem ihre eigene Machtbasis. Die Regierungsbeteiligung des Ex-Kardinals Obando y Bravo durch seinen Vorsitz der "Versöhnungskommission" (sehen Sie dieses Video der Amtseinführung) ist dabei nur einer der spektakulären Coups Ortegas.


Kein neues Nicaragua. Jedoch...

Die Präsidentschaft Ortegas wird, soviel kann man sagen, sicher kein "Neues Nicaragua" schaffen. Einerseits wird es sich in den großen politischen Fragen und im autoritären Führungsstil kaum von seinen neoliberalen Vorgängern unterscheiden. Andererseits hat  Ortega mit Amtsbeginn im sozialen Bereich einige ambitionierte Projekte ins Leben gerufen (z.B. das Programm Hambre Cero, das cubanische Alfabetisierungsprogramm "Yo si puedo" oder die Aufhebung der Teilprivatisierung des des Schulwesens und Wiederherstellung der Kostenfreiheit von Bildung und Erziehung. Ortega bedient damit seine Klientel, vor allem arme städtische Bevölkerungsgruppen. Gleichzeitig bleiben die Posten seines Staatshaushalts 2007 dem neoliberalen IWF (nicaraguanische Kampagne gegen die Geiselung Nicaraguas durch den IWF) und dem Plan Nacional de Desarrollo PND vom Vorgänger Bolanos (schwer kritisiert von der nicaraguanischen Zivilgesellschaft) verhaftet.

GobiernoDanielAußenpolitisch hat sich Ortega stark an die linksautoritäre Chávez-Regierung Venezuelas angenähert, ist dem ALBA beigetreten (ohne freilich dem CAFTA den Rücken zu kehren - lesen Sie die Erläuterung des Aussenministers) und wird von Venezuela Auslandshilfe im Wert von jährlich 300 Mio US Dollar bekommen (zum Vergleich: die von Bolanos mit der internationalen Gebergemeinschaft  vereinbarte Gesamtsumme (!) lag bei etwa 450 Mio US Dollar jährlich). Auch Iran hat ein generöses Hilfsprogramm versprochen, freilich gegen die Zusicherung Ortegas, in der UNO nicht gegen die Urananreicherung des Iran zu stimmen. Auf die Regierung Ortega kommen rosige Zeiten zu.

Die Regierungsfraktion der FSLN allerdings verfügt im Parlament über keine Mehrheit, Ortega ist also gezwungen, Koalitionen und Allianzen einzugehen: Die naheliegende und bereits jahrelang erprobte ist die mit der liberalen PLC. Folge: Ortega wird dafür sorgen, dass PLC-Führer Arnoldo Alemán Lacayo, wegen Veruntreuung und Korruption zu 20 Jahren Haft verurteilter Ex-Präsident, bald amnestiert wird.


...besser als bislang allemal


Enrique Bolaños war 2001 - 2006 Präsident bolanosNicaraguas. Im Parlament praktisch ohne Mehrheit, blieb seine Präsidentschaft in der Rücksicht nahezu folgenlos. Lesen Sie dieses hervorragende wie niederschmetternde  Resümee der nicaraguanischen Zeitschrift envío. Im neuen Parlament steht Enrique Bolaños qua Status als Ex-Präsident ein Sitz zu. Ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger Alemán war Bolaños in der internationalen Gebergemeinschaft gehätschelt und - zunächst  - hoch angesehen. Außer großen Worten jedoch setzte Bolanos keine Akzente; die letzten beiden Amtsjahre hatte er sich dann selbst als machtlos praktisch deklariert.


Aussichten für die Regierung Ortega

Kurz nach dem Wahlsieg Daniel Ortegas am 4. November 2006 tauschte US-Präsident Bush seinen Verteidigungsminister Rumsfeld durch Robert Gates aus. Dass dieser als einer der Drahtzieher in der Iran-Contra-Affäre (Die Regierung Reagan finanzierte in den 80ern illegal die Contra durch illegale Waffenverkäufe an den Iran) nun wieder Ortega gegenüberstehen wird, mag eines der kleinen Bonmots der Geschichte sein, wird aber der gegenseitigen Beziehung kaum im Wege stehen. Die FAZ schrieb am 9.11.06: „Da Ortega das Paktieren selbst mit einstigen politischen Widersachern oder gar mit desavouierten Politikern wie Arnoldo Alemán leichtfällt, dürfte er es nun auch mit den USA versuchen.“

Ortega hatte sich bereits im Wahlkampf 2001 als allseits gewendeter Politiker inszeniert. In rosa gefärbter Wahlpropaganda bediente er seine Klientel und präsentierte sich ansonsten als Prediger, der durch Versöhnung und Liebe seinem Volk ein individuelles Auskommen versprach – vorbei die Zeiten, in denen Politiker in Nicaragua um Landreformen, gesunde Arbeitsbedingungen oder gegen Ausbeutung durch die korrupten Eliten kämpften.

Allerdings ist Ortega ein intelligenter Machtmensch, der - entgegen manch unverhältnismäßig böser Analysen, auch in der deutschen politischen Presse - meines Erachtens sehr wohl das Wohl auch der armen Bevölkerung im Blick hat - solange diese sich nicht gegen ihn richtet.

Ortegas Populismus – der sich in nichts dem der anderen Parteien in Nicaragua unterscheidet – ging sogar so weit, dass die FSLN kurz vor den Wahlen ein Gesetz verabschiedete, das Abtreibung ausnahmslos verbietet, und sie, und sei es zur Rettung des Lebens der Mutter oder bei Vergwaltigung, ausnahmslos unter Strafe stellt. Lesen Sie in diesem Zusammenhang diesen treffenden Artikel über Ortega und den Inzest der nicaraguanischen Männer-Oligarchie.

Lesen Sie hier Einsichten über die Wahlen und ihre Folgen von:
Sergio Ramirez vor der Wahl
- und danach

Frauenorganisationen
Ernesto Cardenal
Maria Lopez Vigil
Der Standard
Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit
Movimiento Renovador Sandinista MRS



------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Die Wahlen 2006 -
Parteien und Wahlbündnisse zum Amtsantritt Ortegas

Nach einer Wahlgesetzänderung im Jahre 1996 finden die Wahlen zu Präsidentschaft und Nationalparlament alle 5 Jahre, die Kommunalwahlen alle 4 Jahre statt.

Mit einer historisch hohe Wahlbeteiligung von über 75% wählte die Bevölkerung Nicaraguas den Präsidenten, die Zusammensetzung des Parlaments (90+2 Sitze) und des regionalen - leider absolut unbedeutenden - Zentralamerikanischen Parlaments Parlacen (20 Sitze).

Die Ergebnisse:
Daniel Ortega (FSLN bzw. Allianz "Nicaragua Unida Triunfa") 38%, Eduardo Montealegre (Allianz: ALN) 29%, José Rizo (PLC) 26%, Edmundo Jarquin (MRS bzw. Alianza Herty) 6%, Edén Pastora AC) 0,3%.
Die Ergebnisse der Parlamentswahl (die Prozentzahlen unterscheiden sich nicht allzu sehr): Das Parlament hat 90 Sitze, hinzu kommen 2 Sitze, die automatisch vergeben sind: für den Ex-Präsidenten und für den Kandidaten mit der zweithöchsten Stimme. Die Sitze verteilen sich wie folgt: Alianza Nicaragua Unida Triunfa: 37 Sitze, Alianza Liberal Nacional: 31 Sitze (plus Bolanos und Montealegre), PLC: 18 Sitze
MRS: 6 Sitze (zur Zeit hat MRS nur noch 3 Sitze, 2 Abgeordnete sind zur FSLN übergelaufen).

Wichtigste Erkenntnisse:
1. Ortega hat die Wahlen nicht gewonnen - seine Gegner haben sie verloren: die FSLN hat im Vergleich zu 2001 keine Stimmen hinzugewonnen. Die Unfähigkeit des rechten Lagers, sich zum Wahltermin auf eine gemeinsame Partei zu einigen, teilte die liberal-konservativen Stimmen auf PLC und ALN.
2. Ortega verlor relativ viele Stimmen in Managua und hat seine Basis zwar noch immer auch in städtischen Milieus, mehr und mehr aber auf dem Lande.
3. Erstmals (!) sitzen im Parlament mehr als zwei nennenswerte Parteien, es macht also wieder Sinn, in Nicaragua von Opposition zu sprechen. Diese kommt allerdings im politischen Alltag kaum zu Wort.

Die zur Wahl angetretenen Parteien und Kandidaten:
1. Die Allianz "Nicaragua, Unida Triunfa": Frente Sandinista de Liberación Nacional FSLN und viele Abtrünnige anderer Parteien, Präsidentschaftskandidat Daniel Ortega, Vize Jaime Morales Carazo, ehemaliger Somozist, Verhandlungsführer der Contra, Wahlkampfchef von Alemán 1996.
2. Alianza Liberal Nicaragüense, Kandidat Eduardo Montealegre, Bankier, ehemaliger Wirtschaftsminister, unterstützt durch die nicaraguanische Unternehmerschaft, die Konservative Patei PC und - wieder unverblümt und mit allen Mitteln: die USA (die OEA kritisierte die USA wegen interner Einmischung)
3. Partido Liberal Constitucional, heimlicher Führer der Ex-Präsident Arnoldo Alemán, Kandidat José Rizo, hier finden Sie die alliierten Parteien
4. Movimiento Renovador Sandinsta MRS, ursprünglich "Alianza Herty", Kandidat war der weithin unbekannte Edmundo Jarquin, Vize der populäre Liedermacher Carlos Mejia Godoy
5. Alternativa por el Cambio, Kandidat Edén Pastora, bekannt durch seine Rolle in der Revolution als Comandante Cero.


Wahlkampf und Wahlstrategien
Im Wahlkampf zerbrach der Zweiparteienstaat, in dem PLC und FSLN das Land seit vielen Jahren quasi monopolistisch regierten. Der Pakt zwischen Ortega und Alemán von 98 sollte diesen Zustand auf Jahre hinaus zementieren. Jedoch kam es in beiden Parteien zu inneren Konflikten und Gegenkandidaturen. Diese konnten die autoritären Parteiführer nicht akzeptieren, es kam zum Auschluss von Herty Lewites (erfolgreicher und populärer Ex-Bürgermeister Managuas) und Eduardo Montealegre.
Lewites lag in den Umfragen vorn, als er im Juni an einem Herzinfakt verstarb.
Hier eine Analyse der KAS zur Situation der Wahlalternative nach dem Tod von Lewites. Die MRS führte den Wahlkampf fort, sie wird unterstützt von der linken aufgeklärten Beourgeoisie des Landes, jedoch ohne nennenswerte Unterstützung der Bevölkerung. Unterstützt wird die MRS von Sergio Ramirez, Gioconda Belli, Ernesto Cardenal, Mónica Baltodano, Dora Maria Tellez, Victor Hugo Tinoco sowie die „Comandantes de la Revolución“ Henry Ruiz, Victor Tirado und Luis Carrion.

sandinoDie FSLN (Frente Sandinista de Liberación Nacional), 1961 als Guerilla bzw. Befreiungsarmee gegen das Somoza-Regime gegründet, errang 1979 den Sieg über die Diktatur und stellte die Regierung in Nicaragua bis zum Jahr 1990 - seit 1984 durch einen überwältigenden Wahlsieg auch formal demokratisch legitimiert.  Seit der ersten Revolutionsregierung 1979 wird die Partei von dem umstrittenen Daniel Ortega Saavedra, einem der ehemaligen Guerillakommandanten, autoritär geführt. Ortega war von 1979 bis 1990 Staatspräsident Nicaraguas.

Die PLC vereinigte über viele Jahre traditionell die Rechte in Nicaragua, abgesehen von der Konservativen Partei PC, die nur in einzelnen Städten Bedeutung hatte. Eigentlich war niemals eine dauerhafte Spaltung beabsichtigt, als viele PLC Politiker ab 2004 der Partei den Rücken kehrten und versuchten, die Nicaraguanische Rechte ohne Einfluß durch Alemán zu reorganisieren. Mit Unterstützung der Unternehmerschaft und der US-Regierung wollte man Alemán schassen und in der PLC den nächsten Präsidenten stellen. Der wegen Korruption verurteilte Alemán jedoch, mit noch immer besten Beziehungen zum Klerus und starker Unterstützung in den ländlichen Gebieten Nicaraguas, setzte sich aus dem Hausarrest  gegen diese Übernahme erfolgreich zur Wehr - nicht zuletzt durch geschickte Unterstützung Ortegas. Folge: Eine rechtskonservative, populistische  PLC trat zu den Wahlen gegen die neu gegründete seelenlose ALN an. alnEigentlich hätte auch damit für den Präsidentschaftskandidaten Eduardo Montealegre, iluminiert vom medialen Leuchtfeuer aus den USA und gehätschelt von der gesamten technokratischen Elite Nicaraguas mitsamt der größten nicaraguanischen Firmengruppe von Carlos Pellas und Präsident Bolanos, zudem gestärkt durch die Allianz mit der Konservativen Partei PC, nichts schief gehen dürfen. Vielleicht war es der kaltschnäuzige technokratische Autoritarismus der in der ALN versammelten neuen Elite Nicaraguas, der auch Stimmen kostete. Letztlich jedenfalls nahm die PLC der ALN zu viele Stimmen ab und Ortega, der eigentlich kaum Stimmenzuwächse zu verzeichnen hatte, gewann die Wahl eindeutig und im ersten Wahlgang.
Ein kurzer Nachrichtenbeitrag über den Wahlkampf bei YouTube



Parteizusammenschlüsse und Allianzen...

campana...sind in Nicaragua meist nicht von langer Dauer. Sie kommen und gehen, gerade so wie es den konjunkturellen  machtstrategischen Kungeleien der Parteien und Politiker zupass kommt, und halten selten eine ganze Wahlperiode.
Parteien in Nicaragua sind keine gesellschaftlichen Organe, die vielleicht einem verfassungsmäßigen Auftrag nach politischer Meinungsbildung nachkämen. Parteien in Nicaragua haben auch keine inhaltliches, ideologisches oder programmatisches Fundament; sie haben vielmehr und vor allem die Funktion und den Charakter von miteinander recht gut auskommenden Interessensvertretungen der nationalen Elite, die jeweils für ihre Mitglieder Macht, Einfluss, Posten, Ressourcen und Einkommen absichern.
Dass Parteien in Nicaragua auch Wahlen zu gewinnen versuchen, liegt nun sehr viel eher an der internationalen Definition dessen, was man unter Demokratie versteht, als am tatsächlichen Interesse der Parteien der verantwortlichen politischen Gestaltung eines Gemeinwesens. Die Teilnahme an Wahlen ist schlicht höchst förderlich zur Stärkung des eigenen Machtbereiches und der Zugänge zu Ressourcen und Geld.

Der verfassungsmäßige Staat




casa presidencial






















Wahlen


Die Verfassung der Republik Nicaraguas sieht eine repräsentative parlamentarische Präsidialdemokratie vor. Der Staatspräsident wird direkt vom Volk gewählt und hat eine verfassungsmäßig sehr starke Position, ähnlich der des US-Präsidenten. Er bestimmt sein Kabinett und steht damit der Exekutive vor.

Präsident und Vizepräsident verfügen über eine eigene Homepage. In diesem Link stellt sich das Regierungskabinett vor.

Der Staat, seine Regierung und Institutionen

Auch viele der staatlichen Ministerien und Institutionen verfügen über einen eigenen Webauftritt, nicht alle sind alledings gut gepflegt. So finden Sie beispielsweise die Internetseiten des Außenministeriums, des Wirtschaftsministeriums, des Landwirtschaftsministeriums, des Instituts für Agrartechnologie, der Tourismusbehörde, der nicaraguanischen Zentralbank, des Institutes für Bodenkunde, des Institutes zur Förderung von Klein- und Mittelbetrieben oder der Obersten Steuerbehörde.
Insbesondere die Websites des Finanzministerums und es Nationalen Instituts für Statistik und Datenerhebung INEC halten eine Menge wichtiger Daten bereit.
Dies ist die Internetseite der Justizbehörden "Poder Judicial".

Parlament

Die Legislative, das Parlament, hat insgesamt 92 Sitze: 90 "normale" Mandate und zusätzlich jeweils einen für den scheidenden Präsidenten, sowie einen für den jeweils gescheiterten Präsidentschaftskandidaten.

Die Junta Directiva des Parlaments hat sehr viel mehr Macht als bei uns der Bundestagspräsident.

Über den folgenden link kommen Sie auf die Homepage der Asamblea Nacional, auf der Sie auch überraschend gute Informationen über das nicaraguanische Gesetzgebungsverfahren erhalten. Weitere Informationen zur Tätigkeit und Zusammensetzung des Parlaments finden Sie auf der Seite der Interparlamentarischen Union .


Wahlen


Genaue Zahlen über die Wahlergebnisse der letzten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im November 2001 bietet die Georgetown-University an, oder besuchen Sie auch die entsprechende Internetseite von Electionworld . Eine gute politische Analyse der Wahlergebnisse von 2001 finden Sie auf der Seite Observatorio Electoral. Natürlich lohnt es sich in jedem Fall, die Obersten Wahlbehörde zu konsultieren.

Daten und Informationen zu den letzten Gemeindewahlen Ende 2000 finden Sie auf Manfut, einer wahren Fundgrube zu Nicaragua. Sowohl innenpolitisch als auch aus der EZ-Perspektive haben die lokalen Regierungen Nicaraguas in den letzten Jahren viel an Bedeutung gewonnen. Dies ist die Zeitschrift Municipalidades der Kommunen Nicaraguas.

Die letzten Gemeindewahlen fanden im November 2004 statt. Die aktuellen Bürgermeister durften dazu nicht wieder antreten. Die FSLN bzw. deren  Parteien-Allianz Convergencia Nacional konnte einen erdrutschartigen Sieg verbuchen: sie gewannen 14 von 17 Departaments-Hauptstädten (selbst Granada, Masaya, Jinotega  oder Boaco gingen an Kandidaten der Convergencia) und 88 von 152 Gemeinden (vorher 55). Das hart umkämpfte Bürgermeisteramt Managuas konnte, nach einer sehr erfolgreichen Amtsperiode von Herty Lewites (bis Okt. 2005 FSLN), nun Dionysio Marenco (FSLN) erringen. Die PLC ist die große Verliererin der Wahlen. Von den cabeceras regiert sie nur noch Rivas und Bluefields, und nur noch etwa ein Drittel der municipios. APRE konnte die gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen. Sie gewann nur wenige Gemeinden, obwohl die konservative Partei mit im Boot saß. Bilwi (Puerto Cabezas) ging als letzte Departamentshauptstadt an YATAMA. Die PRN (Partei der ehemaligen Contra) gewann 4 Gemeinden. Dies sind die Ergebnisse der Kommunalwahlen. Katastrophal hingegen war die Wahlbeteiligung: sie betrug lediglich 54% (2000: 65%, Präsidentschaftswahlen 2001: 90%). Politisch waren die Ergebnisse Folge der tiefen Kluft innerhalb des konservativen-liberalen  Lagers. Tatsächlich geschwächt ging aber vor allem Präsident Enrique Bolaños (APRE) aus den Wahlen hervor, da FSLN und PLC durch ihre absolute Mehrheit im Parlament weiterhin im politischen Ränkespiel die Fäden in der Hand hielten.

Die Regionalwahlen in den beiden autonomen Gebieten RAAN und RAAS Anfang März 2006 setzten die neue Parteienkonstellation mit Alianza Herty und ALN zum ersten Mal unter Probe – und waren deshalb entsprechend umkämpft. In den autonomen Regionen traten mit YATAMA und PAMUC (Movimiento Unidad Costena) auch zwei indigene Parteien an. Gewählt werden je 45 Abgeordnete zu den Regionalräten. Envio präsentiert eine gute Analyse der politischen Situation zum Zeitpunkt der Wahlen. Das Ergebnis jedoch war recht unspektakulär und entsprach in etwa den Verhältnissen vier Jahre vorher, als die indigene Partei YATAMA 4 Bürgermeisterämter gewinnen konnte. Die neuen Parteien konnten bei den Regionalwahlen noch kaum Stimmen einholen. Hier das Gesamtergebnis: PLC 34,4%; FSLN 23,2%; YATAMA 13,8; ALN 7,9%; MRS 2,5% (hier gemeinsam mit der Alianza Herty); APRE 1,3%; CCN 1,3%; PAMUC 1,2% (trat nur in der RAAN an). Die Wahlbeteiligung jedoch zeigte ein weiteres Mal das Ansehen formaler Politik in den autonomen Karibikgebieten: von den etwa 225.000 eingetragenen Wähler/innen (man schätzt, dass bis zu 100.000 weitere Wahlberechtigte nicht registriert sind) gaben nur knapp über 40% ihre Stimme ab!
El Nuevo Diario analysiert das Wahlergebnis und präsentiert eine anschauliche Bildergalerie. Diese Analyse des Ökumenischen Büro für Frieden und Gerechtigkeit ist informiert und zugespitzt.

Sollten Sie Genaueres über die Wahlgesetzgebung in Nicaragua wissen möchten, so finden Sie diese hier im Wortlaut . Dies sind die Informationen des Carter-Centers zu den Wahlbeobachtungen 1989 bis 2001.

Die nächsten Wahlen zu Nationalparlament und Präsidentschaft werden im Jahr 2011 abgehalten.


Verwaltungstruktur und Regionalregierungen

Die Republik Nicaragua ist verwaltungsmäßig unterteilt in 15 Departamentos (hier eine kleine Karte dazu) und die beiden Regionen RAAS (Region Áutónoma Atlantico Sur) und RAAN (Región Autónoma Atlantico Norte), denen aufgrund ihrer mehrheitlich indigenen Bevölkerung qua Verfassung eine bestimmte Autonomie zuerkannt ist.

Die Unterteilung in die Regionen I-IX gibt es zwar offiziell nicht mehr, in der Bevölkerung ist sie aber durchaus noch relevant:

Region I: "Las Segovias": Nueva Segovia, Madiz, Estelí
Region II: "Occidental": Chinandega, León
Region III: "Managua": Managua
Region IV: "Sur": Masaya, Carazo, Granada, Rivas
Region V: Boaco, Chontales
Region VI: Jinotega, Matagalpa
Region VII: RAAN
Region VIII: RAAS
Region IX: Rio San Juan

Auf kommunaler Ebene finden sich in 152 municipios mit alcalde (Bürgermeister), vicealcalde und consejo municipal die gewählten Gremien der Lokalregierungen. Hinter dem folgenden Link verbergen sich die Namen und Anschriften der einzelnen  Bürgermeister/innen der Gemeinden Nicaraguas.

Auf den Seiten von Manfut und Pinoleros - zwei wirklich charmante nicaraguanische Internetportale - finden Sie ausgiebige und stellenweise liebevoll pittoresk aufgearbeitete Informationen zu den departamentos und municipios Nicaraguas.

Rechtssystem

Auf dem Navegador Jurídico Internacional finden Sie Gesetzestexte und links zu den legislativen Institutionen Nicaraguas.
Der Oberste Gerichtshof, el Corte Supremo de Justicia, besteht aus insgesamt 16 Richterinnen und Richtern, die von der Nationalversammlung für jeweils fünf Jahre ins Amt berufen werden.
Für Profis: eine detailgenaue Aufstellung aller UN-Menschenrechtsabkommen, die Nicaragua unterzeichnet hat.


Presse und Medien


zeitungsverkäufer


(Alle nachfolgenden Links sind aus Nicaragua, daher )

Außer in den größeren Städten Nicaraguas ist es vor Ort reichlich schwer, an Zeitungen oder Zeitschriften zu kommen. Das wichtigste Informationsmittel für die Landbevölkerung ist noch immer das Radio. Fernsehen ist sehr beliebt, allerdings inhaltlich zumeist auf beschränktem Niveau. Der Fernsehkanal Deutsche Welle sendet auf Kabel regelmäßig auf Spanisch und auf Deutsch.

Dies ist eine Übersicht über Zeitungen und Zeitschriften Nicaragua

In Nicaragua erscheinen täglich zwei Zeitungen: die geschichtsträchtige bürgerliche La Prensa und der linksliberale El Nuevo Diario. Beide haben sich in den letzten Jahren zu modernen Tageszeitungen gemausert, auch ihre tägliche Internetausgabe ist durchaus empfehlenswert.
Die online-Zeitungen El Observador Económico und besonders der Confidencial lohnen sich für die Recherche, die Nicaragua-Ausgabe des Tiempos del Mundo bringt ebenfalls ab und zu interessante Berichte. Bemerkenswert ist die Berichterstattung der Internetzeitung Nicaragua Hoy aus Costa Rica. Lesenswert ist darüber hinaus die Bolsa de Noticias.

Die einzige und qualitativ hervorragende sozialwissenschaftliche Monatszeitschrift Nicaraguas, die Revista envío, die in der Print- und Internetausgabe auch auf englisch erscheint, hat bislang leider immer wieder Probleme im Internetauftritt. Die aktuellste Nummer ist nicht online zu bekommen, dafür lohnt sich das Stöbern in vorhergehenden Ausgaben. Aktuelle Berichterstattung, präzise Dokumentation, klare Analyse, interessante Themen.

Wer über die nötige Software verfügt und sich per Internet einen Einblick in Radio und Fernsehen verschaffen möchte, dem seien hier die folgenden links anempfohlen: Radio Primerísima, Radio Ya, Radio Corporación Nicaragua, Radio Pirata und das wöchentliche politische Magazin Esta Semana TV.

Nicaragua aktuell:

Die politischen Hauptthemen










































































cenidh


Die aktuell wichtigsten politischen Fragen des Landes sind:

  1. Wie verhält sich die US Regierung angesichts der zwar eindeutigen, wenn auch ambivalenten Hinwendung Ortegas zu Venezuela? Ortega sucht zwar die Nähe und Unterstützung durch Venezuela oder Iran, ist gleichzeitig aber kein schlechter Diplomat und hat sich zumindest im ersten halben Jahr seiner Regierung keine Feinde gemacht.
  2. Was passiert mit dem Wahlbündnis "Nicaragua, unida triunfa", das Ortega an die Macht gebracht hat. Wird das Bündnis auch im Kabinett und im Parlament halten? Ministerpoten jedenfalls haben nur FSLN Mitglieder oder durch Ortega ausgewählte Führungspersönlichkeiten der Zivilgesellschaft erhalten.
  3. Kann eine Regierung Ortega den Spagat aushalten, international anerkannt zu bleiben und dennoch ökonomisch auf die chavistische ALBA zu setzen?
  4. Wie wird sich die internationale Gebergemeinschaft verhalten, angesichts der Existenz von mindestens 3 der unterschiedlichsten Geberkonzepte: Venezuela, China, Europa - auch die Kooperation der USA und die von Taiwan können fast als eigenständige politische Instrumente gelten. Wie wird der IWF damit umgehen, dass Nicaragua in Zukunft über große freie Geldmittel verfügen wird?
  5. Für die latente Krise im Energiebereich scheint eine Lösung gefunden: die Raffinerie, die Präsident Chavez (Venezuela) in Nicaragua bauen wird, wird das Land unabhängig machen von allen anderen - abhängig allerdings in hohem Maße von Venezuela. Wie wird sich diese neue Abhängigkeit auswirken?
  6. Welche Rolle wird zukünftig die Zivilgesellschaft spielen? Funktioniert Ortegas Versuch, sie in seine Regierung zu kooptieren und dort in gewisser Sicht auch mundtot zu machen? Wird sie neue Kräfte finden, oder sich an der linkspopulistischen Regierungsführung Ortegas die Zähne ausbeissen?
  7. Wird es erstmals seit den 80er Jahren gelingen, die Regierung zu nennenswerten Aktivitäten in den folgenden Bereichen zu bringen: Armutsbekämpfung, Schutz der nationalen Märkte und Ressourcen, Stärkung der Landwirtschaft, Kampf der Korruption, Kampf der Naturzerstörung und Einhaltung sozialer, politischer und ökonomischer Menschenrechte?
  8. Schließlich die im Rahmen von Dezentralisierung und Gemeindeförderung nicht unwesentliche Frage, ob die Präsidialdemokratie in Zukunft durch Verfassungsänderungen zu einer Form gebracht wird, in der dem Parlament sehr viel mehr Entscheidungsgewalt übertragen wird. Ortega hat immer wieder davon gesprochen, bei einem Wahlsieg strukturelle Verfassungsänderungen durchsetzen zu wollen.
  9. Über das politische Tagesgeschäft hinaus: Wer in Nicaragua ist willens und in der Lage, eine wirkliche Entwicklungsperspektive für das Land und seine Menschen vorzuschlagen, ohne am Tropf der gebergemeinschaft oder Venezuelas zu hängen?
  10. Welche ökonomische und politische Rolle wird in Zukunft die nicaraguanische Diaspora spielen: jede/r fünfte Nicaraguaner/in befindet sich in Costa Rica oder USA, die Deviseneinnahmen durch deren private Überweisungen übersteigen deutlich die Einnahmen durch Export oder Tourismus. Hauptsächlich gut ausgebildete Nicaraguaner/innen verlassen das Land ("Brain Drain").

    ---------------------------------------------------------------------------------

Menschenrechte, "good governance" und Korruption

Die Menschenrechte sowie wirtschaftliche, soziale und kulturelle Grundrechte bleiben in Nicaragua für die Bevölkerung in weiten Bereichen ohne jede Garantie und Schutz. Daran etwas zu ändern, hat die neue Ortega Regierung zwar versprochen, aber noch nichts unternommen.

Die Unabhängigkeit der staatlichen Institutionen, inklusive des Rechtssystems, hat sich in den letzten Jahren wohl etwas verbessert, generell jedoch leidet die nicaraguanische Gesellschaft auf allen staatlichen und gesellschaftlichen Ebenen unter einem eklatanten Mangel an Einhaltung von Menschenrechten, an Transparenz und "good governance", sie leidet unter massiver Einflussnahme, Bestechlichkeit, Willkür, Vetternwirtschaft und Korruption seitens der staatlichen Autoritäten und der Geldelite des Landes.

mujeresDie nicaraguanische NRO Etica y Transparencia veröffentlichte im Oktober 2005 eine Studie, in der Nicaragua 2,3 von 10 möglichen Transparenz-Punkten erhält: Damit fiel das Land in zwei Jahren von Platz 107 auf Platz 159 weltweit.

Hinter dem folgenden Link verbirgt sich eine Aufstellung und regionale Vergleich von Gehältern und Pensionen hoher Regierungsfunktionäre in Nicaragua. Die Gehälter der Minister gehörten zu den höchsten Lateinamerikas, der Präsident erzielte das zweithöchste Einkommen in Amerika - nach dem des US-Präsidenten. Ortega hat die Ministergehälter nun um rund ein Drittel gekürzt.

Die renommierte und international bekannte nicaraguanische Menschenrechtsorganisation Centro Nicaragüense de Derechos Humanos informiert jährlich über unzählige Verstöße gegen die Menschenrechte durch staatliche Institutionen.

Schauen Sie in den letzten Jahresbericht von amnesty international zu Nicaragua und in die aktuellen Veröffentlichungen von ai zum Land. Die internationale NRO Transparency International hatte den Ex-Präsidenten Nicaraguas, Arnoldo Alemán, in 2004 auf die Liste der 10 korruptesten Regierungschefs der Welt gesetzt. Hier finden Sie den Nicaragua-Teil des letzten Jahresberichtes von Transparency International (pdf, 380 KB; schauen Sie dort auf S. 221 ff). Das Center of International Development and Conflict Management berichtet über Nicaragua in seinem Jahresbericht.

pfeil-l zurück zur vorigen Seite    |   weiter zur nächsten Seite pfeil-r

alle Länder
Homepage
Landesüberblick
Staat & Politik
Wirtsch. & EZ
Gesellsch. & Kultur
Ergänzendes