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Gesellschaft und Kultur

República de Nicaragua



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purísima





















































gigantna
















 



















































Gallo Pinto























Catedral Nueva 

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alle Links auf dieser Seite, falls sie nicht anders gekennzeichnet sind, führen auf spanischsprachige
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Indigene Bevölkerung und Atlantik-Region


In der Atlantikregion Nicaraguas leben verschiedene Ethnien (Miskito, Sumo, Rama) , über die und deren Sprachen die Nicaraguaner/innen der Pazifikregion in der Regel wenig Kenntnis haben. Die beiden autonomen Regionen RAAN und RAAS umfassen mit 60.000 km² etwa 46% des Landes, jedoch wohnen hier lediglich etwa 660.000 Menschen.
In beiden Gebieten leben sechs verschiedene Ethnien, drei indigene: Rama (0,3%), Mayagna (2,4%) und Miskito (18%) und drei nicht-indigene: Creolen (6,2%), Mestizen (72,5%) und Garífuna (0,43%).

raasÜber Jahrhunderte hinweg gehörte das Gebiet der Atlantikküste Nicaraguas und Honduras zum Einflussbereich des englischen Kolonialreiches. Spanien hatte Nicaragua von der Pazifikküste aus erobert, und der dichte Regenwald und die Bergregion bildeten lange Zeit eine natürliche Grenze für die "zivilisatorischen" Entwicklungen auf der Pazifikseite. 
Die Engländer an der Atlantikküste, mit ihrem nahe gelegenen logistischen Zentrum Jamaica, waren dort der Hegemonie des spanischen Kolonialgebietes stets ein Dorn im Auge. England unterstützte die Piraterie in der Karibik und unternahm eibluefieldsnzelne Feldzüge, den Rio San Juan entlang Richtung Granada, der damaligen Hauptstadt Nicaraguas. Zwar konnte Spanien seine Kolonie "Königtum Guatemala" stets erfolgreich verteidigen, dafür konnten die Engländer aber unbehelligt die aus Afrika geraubten Sklaven in der massiven Waldabholzung "einsetzen". Dies ist der Hintergrund, warum an der Atlantikküste noch heute das Englische vorherrscht und eine mehrheitlich schwarze Bevölkerung lebt.

Der Ferne der luziden Hauptstadt Granada geschuldet, blieb auch die indigene Bevölkerung jenseits der Bergregion über die Jahrhunderte hinweg außerhalb des Einflussbereiches der Spanier. Anders herum bedeutet dies für die Bevölkerung der Atlantikregion (etwa 10% der gut 5 Mio Nicaraguaner/innen leben auf diesem Gebiet, das  immerhin etwa die Hälfte der gesamten Fläche Nicaraguas ausmacht), von der Zentralregierung permanent ignoriert und missachtet zu werden. Neben einem deutlichen Rassismus der mestizischen Mehrheitsgesellschaft gegen Schwarze und Indigene, leidet die Region also auch unter der sträflichen Vernachlässigung durch öffentliche Versorgung und soziale Infrastruktur. Immer wieder gibt es politische und soziale Spannungen zwischen der Zentralregierung und den lokalen Regierungen.

Das 1987 von der sandinistischen Regierung in der Verfassung verankerte Autonomiestatut der beiden regionen RAAN und RAAS gilt weltweit als eines der weitreichendsten für indigene Gemeinschaften! Jedoch blieb die "Autonomie" bislang bloßer Buchstabe auf dem Papier: keine Ausführungsgesetze regelten die vermeintliche, partielle Selbstverwaltung der Bewohner/innen. Erst im Januar 2003 wurde das Gesetz "Ley del Regimen de Propiedad Comunal de los Pueblos Indígenas y Comunidades Étnicas de las  Regiones Autónomas de la Costa Atlantica de Nicaragua y de los Rios Bocay, Coo, Indio y Maíz" rechtsgültig, das zumindest die Legalisierung des Eigentums von Grund und Boden für die Bewohner/innen regelt.

rio_prinzapolkaZur Einstimmung auf die Region schauen Sie sich bitte diesen Artikel aus der Zeitschrift mare mit seinen eindrucksvollen Fotos an. Lesen Sie diesen interessanten einführenden Artikel .

Dies nun ist die offizielle Seite der sich als autonom verstehenden indigenen Bevölkerung "Moskitias". Der Disput um Forderungen an die Zentralregierung einerseits und Autonomiebestrebungen andererseits, dazu die oft fatale Ausstattung der Atlantikgebiete mit öffentlichen Gütern und Dienstleistungen, führt zu permanenten, teilweise gewalttätigen Auseinandersetzungen sowohl in der Region, als auch mit Managua. Die unabhängige Universidad de las Regiones Autónomas de la Costa Caribe Nicaragüense URRACAN ist der einsame Lichtblick in den Autonomen Gebieten.

In diesem engagierten zweiteiligen Bericht (Teil1, Teil2) zeichnet der Autor Bill Weinberg ein anschauliches Bild der sozialen, politischen und kulturellen Situation in den beiden Gebieten RAAN und RAAS und beschreibt enerseits die Ignoranz seitens der Regierung in Managua gegenüber den sozialen Belangen der Menschen, andererseits ihre Begehrlichkeiten wegen der reichen Biodiversität in der Region. Insbesondere geht es auch immer wieder um Auseinandersetzungen über das als Naturreservat deklarierte Bosawas-Gebiet .costa

Dies ist eine hübsch und liebevoll eingerichtete Seite über die Atlantikregion aus Deutschland; sie berichtet neben vielen anderen Themen auch über die Aktivitäten der aus Deutschland stammenden Herrenhuter Brudergemeinde an der Atlantikküste. Die us-amerikanische NGO miskitoindians.org bietet ebenfalls interessante Informationen und Links.

Der beste Artikel zur politischen Situation in der Region ist bei Envio erschienen. Hier finden Sie den umfangreichen Bericht des UN-Entwicklungsprogramms PNUD (2005) zur politischen und sozialen Situation in der Atlantikregion. Minorities at risk (Sie müssen unter "Data" die Daten für Nicaragua aufrufen) gibt einen guten Überblick über die Lage der Indigenen. Hier finden Sie einen kurzen Einblick in kulturelle Besonderheiten der  kreolischen und indigenen Gesellschaften. Einen sehr guten geschichtlichen Überblick zur Atlantikregion finden Sie beim Center for World Indigenous Studies . Auch die Countrystudies der US-Regierung sind qualitativ sehr gut.

Erstmals seit Zeiten der sandinistischen Regierung gibt es nun wieder ein Pilotprojekt für bilinguale Erziehung.

In den nicht zu RAAN und RAAS gehörenden Landesteilen gibt es kaum noch indigene Bevölkerung.


Bildung

Mehr als ein Drittel der nicaraguanischen Bevölkerung über 15 Jahre kann nicht lesen und schreiben - ein stolzes Vermächtnis der vergangenen Regierungen, der Strukturanpassungsmaßnahmen und Armutsbekämpfungsprogramme der letzten 15 Jahre.

Die Ortega Regierung hat rasch nach Regierungsübernahme den Prozess der schleichenden Privatisierung des öffentlichen Schulsystems gestoppt. Das Bildungssystem in Nicaragua unterliegt seit Jahren einer großangelegten, auch mit deutschen EZ-Mitteln finanzierten, Modernisierung. Diesem begrüßenswerten Prozess lag aber eine grundlegende Umstrukturierung des Bildungssystems in Nicaragua zugrunde: der Staat zog sich bislang Schritt für Schritt aus der Finanzierung und Aufsicht zurück. Öffentliche Schulen sahen sich gezwungen, Schulgeld von den Eltern zu verlangen. Dies war zwar verfassungswidrig, aber gewollter Effekt einer Politik, die den Staat kaum noch als Garant für öffentliche Grundversorgung sieht. Dies ist ein Bericht aus Regierungssicht (pdf; 38KB) zur sog. Dezentralisierung des Erziehungswesens unter Alemán und Bolanos.

Die sogenannte deserción escolar erreicht in den 5. oder 6. Klassen bis zu 50%. Auf dem Land beenden 90% der Kinder nicht die 6. Schuklasse. Obschon offiziell Schulpflicht besteht, so gibt es doch niemanden, der dies nachhalten würde. Die Analphabetismus- Rate ist in den letzten 15 Jahren wieder auf fast 40% gestiegen.

6%Dies ist ein aktueller Überblick über die universitäre Bildung in Nicaragua.

Die Verfassung Nicaraguas sieht vor, dass 6% des Haushaltes für den universitären Bildungsbereich vorbehalten sind. Darüber gibt es alljährliche Auseinandersetzungen, bei Studentenprotesten gab es in vergangenen Jahren sogar Tote.

Private Universitäten sprießen nur so aus dem nicaraguanischen Boden, deren Qualität ist allerdings meistens mehr als schlecht, sie beschränken sich auf Studienfächer, die kaum Investitionen verlangen und hohe Nachfrage sichern (Jura, BWL). Der unabhängige Nationale Rat der Universitäten CNU, der über die Zulassungen von Universitäten,  Studienordnungen oder Abschlüssen befindet, klagt über die eklatante Verteuerung der universitären Ausbildung.
Hier finden Sie eine Reihe von links zu nicaraguanischen Universitäten: Die Universität der Autonomen Atlantikgebiete URACCAN, die Universidad Centroamericana , Universidad Americana UAM, Universidad Nacional de Ingeniería UNI, Universidad Nacional Agraria UNA, UNICIT und UNAN-León

Zu den renommiertesten - und elitären - privaten Colegios gehören das Instituto Pedagógico La Salle, die Deutsche Schule , das Colegio Calasanz de Nicaragua und The Notre Dame.

In den größeren Städten gibt es auch Kindergärten, die die Nachfrage der Cooperantes nach Betreuung mit "westlichen" Standards erfüllen, ein Beispiel ist der Montessori Kindergarten in Managua.


Gesundheit

Das öffentliche Gesundheitssystem in Nicaragua ist nicht in der Lage, Kranke adäquat zu versorgen oder notwendige Operationen durchzuführen. Wer über die nötigen Mittel vefügt, vetraut sich aber dem privaten Sektor auf dem freien Markt an: dieser verspricht Ärzten am ehesten ein hinlängliches Einkommen, und bietet Scharlatanerei, aber auch exzellente Versorgung.

Die Regierung Daniel Ortega hat angekündigt, das Gesundheitssystem grundlegend zu reformieren und wieder für alle kostenfrei und qualitativ hochwertig anzubieten. Wer mag, schaue sich die entsprechende Power Point Präsentation des "Plan de Salud (April 07) an.

basureroAngestellte und Beamte gehören zu den wenigen, die dem staatlich regulierten Versicherungs- system angehören: Dieses kommt noch am ehesten dem uns bekannten deutschen System nahe; alle seine Einrichtungen haben private Träger.

Der Großteil der Bevölkerung aber ist auf das öffentliche System angewiesen, und hier herrschen Mangel, schlechte Arbeitsbedingungen, mangelhafte Ausstattung. Die Regierungen Alemán und Bolanos investierten nicht mehr in das öffentliche System. Wer behandelt werden möchte, muss selbst Zwirn zum Nähen einer Wunde, Blutplasma, Mull oder Medikamente mitbringen. Die Ärzte sind überlastet: Allgemeinmediziner kommen mit ihrem Verdienst kaum auf 150 US$, die meisten haben nebenher einen Zweitjob. Der für Länder des Südens so wichtige Bereich der Prävention, Aufklärung und Beratung wird unter neoliberalen Politiken vollständig vernachlässigt. In Nicaragua stirbt es sich leicht  selbst an Krankheiten, die an sich nicht tödlich sein müssten.

Das öffentliche Gesundheitssystem ist offiziell, ebenso wie die Bildung, gratis. Dies nützt allerdings wenig, wenn Behandlungen nicht durchgeführt werden, weil die dazu notwendigen Medikamente oder Materialien nicht vorhanden sind - die Krankenhausapotheken sind leergefegt. Zwar gibt es in den zahlreichen Apotheken in den Städten nahezu alles zu kaufen, die Preise jedoch sind horrend. Dies sind offizielle Daten zu dne Medikamentenpreisen in Nicaragua

Erste interessante Zahlen und Informationen finden Sie im Factsheet der Amerikanischen Gesundheitsorganisation PAHO.
Hier finden Sie Daten und Informationen zur Gesundheitssituation der Bevölkerung und zum staatlichen Gesundheitssystem. Dann gibt es noch das staatliche Gesundheitsinformationssystem CISAS, dessen Internetseite jedoch leider nur zeitweise funktioniert, und die interessante Seite der PAHO (Pan American Health Organisation) , und dies eine entlarvende Studie der PAHO zu Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung in Nicaragua.
Hier die Seite des Nationalen Forschungszentrums zu Gesundheit CIES.

Die angesehene nicaraguanische NRO Etica y Transparencia hat ihren Korruptions-Report 2006 zum Thema "Korruption im Gesundheitssektor" verfasst - lesenswert!

Etwa 0,2% der Bevölkerung ist HIV positiv. Zur Situation im Land und sonstigen Daten zu AIDS informiert diese Seite des UNAIDS , hier mit einem aktuellen Fact Sheet.


Feste und Traditionen

Nicaragua ist reich an traditionellen Festen, sei es auf kommunaler oder nationaler Ebene. Es gibt eine erfreulich hohe Zahl von Feiertagen, und gerne werden die jeweils angrenzenden Werktage vor und nach einem Feiertag ebenfalls frei gemacht.
Praktisch alle Feste haben einen religiösen Hintergrund - einige rühren von der katholischen Religion her, die die spanischen Eroberer der Bevölkerung aufzwangen, andere beruhen auf Riten und Zeremonien, die die indigene Bevölkerung vor der Ankunft der Spanier pflegten (der Palo de Mayo, ein Tanz, ein Fest und eine Musikrichtung der Bevölkerung in der Atlantikregion, ist aus einem englischen Brauch und afrikanischen Traditionen hervorgegangen). In den meisten Fällen lassen sich die unterschiedlichencarnaval Ursprünge der Feste und die damit verbundenen traditionellen Aktivitäten nur schwer auseinander halten.
Das wohl größte Fest in Managua ist das des Santo Domingo, des Stadtheiligen.
Für Nicaragua sind die größten Festtage die der Gritería und der Purísima am 8. Dezember (hier eine Analyse in der Zeitschrift envío) -  und natürlich die Semana Santa, die Osterwoche, in der die Carretas aus den Pueblos Blancos nach Popoyuapa pilgern, die Gläubigen die Leiden des Gekreuzigten nachzuempfinden suchen, und die jungen Leute die Nächte durchtanzen. Dann hat das Land Ferien, und wer nur kann, schafft Kind und Kegel an den Strand.

Eine Auswahl der wichtigsten Feierage:
1. Januar: Neujahr; Gründonnerstag und Karfreitag; 1. Mai: Tag der Arbeit; 19. Juli: Jahrestag der Revolution; 1. August: Santo Domingo (Managua); 14. September: Schlacht von San Jacinto; 15. September: Unabhängigkeitstag; Allerheiligen; Mariä Empfängnis; 8. Dezember: La Purísima; 25. Dezember: Weihnachten. (s. bitte auch S. 5)

 

Alkohol, Männergewalt und Machismo

Lästig an all diesen festlichen Gegebenheiten, ob in privater Runde oder öffentlich, ist der oft exzessive Konsum von Alkohol durch die nicaraguanischen Männer. Schnell werden Sie unkontrolliert und aggressiv, und was in beduselter Runde noch als trunkener Hahnenkampf zu allgemeiner Belustigung führen mag, bekommt auf privater Ebene schnell dramatische Züge: die Fälle von innerfamiliärer Gewalt, von Missbrauch der delitos_sexualeseigenen Kinder, von Vergewaltigung sind zuhauf, werden meist gedeckt von Nachbarn und Familienmitgliedern, und lassen die zahmen Männlein am lieben nüchternen Tage eher als maskierte Monster erscheinen. 

Die Frauenbewegung in Nicaragua - hier eine Website der  Autonomen Frauenbewegung - größte soziale Bewegung des Landes, versucht auf verschiedensten Ebenen - mit Beratung, vielfältigen Bildungsmaßnahmen und politischer Arbeit, die Situation der Frau in der nicaraguanischen Gesellschaft anzugehen. Eine der bekanntesten Organisationen ist die Puntos de Encuentro mit ihrer Zeitschrift La Boletina.

Auch die beiden großen Tageszeitungen La Prensa (Nosotras) und El Nuevo Diario (Ellas) bieten ein Supplement für Frauen, eine Mischung aus Bravo, Brigitte und Emma.

Aber so ärgerlich und übermächtig eine machistische Gesellschaft auch erscheinen mag, Frauen sind hier nicht nur Opfer, sondern vor allem ja auch Akteurinnen des sozialen Wandels. Sie sind es, die sich um das soziale Netz der Familie und der Nachbarschaft bemühen, sie ziehen die Kinder auf, arbeiten und managen den Haushalt.

Empfehlen kann ich Ihnen diese Seite der Weltbank zu Gender-Daten über bzw aus Nicaragua - bitte geben Sie einfach Nicaragua im Länderfeld ein.


Musik

Die traditionelle Musik Nicaraguas ist im ganzen Land populär, wenn auch in den städtischen Millieus der Jugendlichen natürlich andere Musik gehört wird (das geht dann von Punk und Hard Rock über die bekannten tropikalen Rhythmen oder eigenwilligen Liedermachern bis hin zum wohlbekannten Pop-Gedudel aus den Kulturindustrien der westlichen Welt.) Die originär nicaraguanische Musik wird gespielt von der marimba, dem Akkordeon, oder den Chicheros, einer Band mit Blechblasinstrumenten.
Auf der Musik-Seite von Pinoleros finden Sie eine kleine Einführung, dann aber eine lange Liste zum Downloaden verschiedener traditioneller Musikstücke Nicaraguas. Probieren Sie sich durch!
Die Brüder Mejia Godoy sind sicher die bekanntesten Musiker des Landes. Luis Enrique, der gerade 60 Jahre alt geworden ist, und sein Bruder Carlos (hier - inklusive der Möglchkeit, seine berühmte Misa Campesina anzuhören!).
Nicht ganz so berühmt, aber qualitativ bemerkens- und also empfehlenswert ist das Duo Guardabarranco mit seiner Sängerin Katia Cardenal. Zum Tanz aufspielen tun regelmäßig Gruppen wie Macolla oder Dimension Costeña (probieren Sie auch hier ein paar Musikstücke aus - es lohnt sich!).  Ihre erste Platte haben gerade PerroZompopo rausgebracht - sehr nette und flotte Band! Zuletzt: eine Seite zum nicaraguanischen Rock - der meist laut, laut und laut ist.

Literatur

Das für mich beeindruckendste Gedicht über Nicaragua ist das des argentinischen Schriftstellers Julio Cortazar, Noticias para viajeros.

So wie Cortazar, so hat die Revolution eine Menge an Intellektuellen und Literaten aus der ganzen Welt nach Nicaragua gelockt - und viele haben sich dann journalistisch oder  belletristisch betätigt. Antonio Skármeta, Günther Wallraf, Franz Xaver Kroetz, Erich Fried ("Wo liegt Nicaragua?") oder Salman Rushdie seien als Beispiel genannt.

Die revolutionären 80er Jahre gaben durch eine engagierte sandinistische Kulturförderung vielen Nicaraguaner/innen die Möglichkeit, eigene Werke zu veröffentlichen. Nahezu alle comandantes de la revolución, die Guerillaführer also, publizierten nach 1979 ihre Revolutionsgeschichte: Thomas Borge, Humberto Ortega, Daniel Ortega, Jaime Wheelock, Omar Cabezas. Doch hat Nicaragua neben diesen Zeitzeugnissen durchaus literarisch Besseres noch zu bieten. Man sagt, jeder Nicaraguaner sei Poet, und so fühlen sich tatsächlich viele Nicaraguaner/innen befleißigt, sich in der schönen Literatur zu üben.

daríoJedoch hat Nicaragua sehr wohl auch große Literaten hervorgebracht. Allen voran natürlich der große Ruben Darío, der im 19. Jh. die Welt bereiste und diese poetisch auch ins eigene Land brachte - und umgekehrt. Das etwas umständliche, aber von den Nicaraguanern geliebte Bonmots "Si la patria es pequeña, uno grande la sueña" stammt von ihm.

Heute kennt man Gioconda Belli, Sergio Ramírez oder Ernesto Cardenal, nicht zuletzt Dank der vorausschauenden und kenntnisreichen Arbeit von Hermann Schultz und dem Peter Hammer Verlag. Weitere wichtige nicaraguanische Autor/innen finden Sie auf dieser Seite, dem Panorama de la literatura nicaragüense. Und hier finden Sie eine Art Reisebericht über das aktuelle literarische Nicaragua.

Das nicaraguanische, etwas elitäre Centro Nicaragüense de Escritores hat hier seine Homepage, nicht weniger wichtig nehmen sic die Macher der Seite www.dariana. Der Schriftstellerinnenverband hat ebenfalls eine eigene Seite, hier ein link ebenfalls zur Womens Writer Initiative Nicaragua . In Granada wird neuerdings ein - recht elitäres - Poesiefestival veranstaltet. Und dies sind, als kleines Schmankerl vielleicht, die Internet-Seiten der beiden wohl etwas eigenwilligen, aber durchaus innovativen Literaturzeitschriften Literatosos und 400 Elefantes.

Diálogo ist eine Kulturzeitschrift aus Managua, in der Sie sicherlich auch interessante Artikel finden werden.
 
Die beiden großen Tageszeitungen haben Kulturbeilagen: Nuevo Amanecer und La Prensa Literaria.


Film und Kunst in Nicaragua

Sie erwarten es schon, Nicaragua stellt nur wenig Ressourcen für eine erwähnenswerte  Film- oder Kunstproduktion zur Verfügung.
Informationen zum nicaraguanischen Film finden Sie bei Cinenica und bei der Asociación Nicaragüense de Cinematografía. Hier die Seite des Kunstprojekts Murales de Octubre.


Nicaraguanische Küche

Den Nicaraguaner/innen geht, so viel Verallgemeinerung mag erlaubt sein, nichts über ihre eigene Küche. Ob in Los Angeles, in Berlin, Miami oder in San José: überall gibt es die Fritanga und das Nacatamal, den Indio Viejo, Tarjadas, Quesillo, Vigorón, Chicharrón, die wunderbare Guirilla, den Baho. Allen voran aber steht des Nicas Leibgericht, zum Frühstück, Mittagessen, Abendessen - das Gallo Pinto: Bohnen mit Reis.
Dies klingt nun kulinarisch nicht sonderlich einfallsreich - und tatsächlich ist die nicaraguanische Küche eher simpel, schlecht gewürzt, fettig und ungesund - und dennoch kann, wer einmal sich an das Gallo Pinto hat gewöhnen müssen, es nicht mehr missen im Leben.

Mais bestimmt die nationale Diät, und der Einfallsreichtum in der unterschiedlichen Zubereitung für verschiedenste Gerichte - Süßspeisen, Getränke, Alkoholika, Eintöpfe, Gemüse, etc - ist beeindruckend.fritanga

Darüber hinaus lässt sich auf den Märkten freilich fröhnen, denn hier finden sich alle tropischen Leckereien, Früchte und Gemüse zu billigen Preisen. An den sog. Fritangas, das sind Strassenküchen mit mobilen Tischen und Stühlen zum dinnieren, läßt sich oft gut essen - freilich lohnt ein kritischer Blick hinter die Kulissen.

Die nicaraguanische Unart, eigentlich alles - und also nicht nur das eigene Leben, was wahrlich eine der besonders achtenswerten Eigenschaften der Nicaraguaner ist! - über die Maßen zu versüßen, allen voran die Fruchtsäfte mit Wasser und Zucker zum allbekannten Fresco zu vermixen, bleibt für unseren Geschmack gewöhnungsbedürftig. Bei aller Liebe des Nicaraguaners für Cola, Pepsi, Rojita oder Fanta Roja: der nicaraguanische Rum, der Flor de Caña, genießt Weltruhm, und dies zu Recht.


Religion und Kirche, Sport und Fernsehen

beisDie wahre Freude des Nicaraguaners aber ist, dem Herrn zu dienen bei allen Festen, wie sie auch fallen mögen, außerdem dem "Beisbol", und dem Fernsehen. Fußball mag es auch geben, aber der Volkssport ist und bleibt nun mal Baseball. Der Fernseher, so er denn zum Inventar des Hauses gehört, bleibt gerne den lieben langen Tag angeschaltet - man muss ja gar nicht unbedingt hinsehen.

belenUnd all den lieben Heiligen wird geheiligt, wo sich die Gelegenheit nur bietet. (Beim Fest der Purísima. Schreiend: "Quién causa tanta alegría? Antwort der Menge: La concepción de María!") Während die katholische Kirche zumindest nicht nur Trost schenkt, sondern auch noch ein kleines bisschen Hoffnung für ein besseres Leben im Hier und Jetzt gewährt, so rufen die allerorts wachsenden Pfingstkirchen nur noch zu Bescheidenheit, Demut und Hinnahme des persönlichen Schicksals auf. Verwundern tut uns nicht, dass beide in ihren Benimm-Anweisungen nicht ganz die Realität Nicaraguas treffen: in dem Land, in dem schwangere 15-jährige zum normalen Straßenbild gehören, verhinderte kürzlich der allmächtige Kardinal Obando y Bravo und seine Amtskirche, dass Sexualkunde wieder Einzug halten dürfe in den Curricula der staatlichen Schulen. Der Fall Rosa ging durch die Weltpresse - eine 9 - jährige Nicaraguanerin, vergewaltigt in Costa Rica von einem Verwandten, wurde aufgrund ihres Schwangerschaftsabbruches samt Familie aus der Kirche ausgeschlossen. Bei aller Hochmoral ist dennoch auch der Klerus vor Korruption nicht gefeit.

Die lutherische Kirche macht eine bedeutende Arbeit im sozialen Bereich. Zu ihr gehören Baptisten, Methodsten, oder die moravische Kirche. Die lutherische Kirche unterhält im Rahmen der CEPAD Kontakt zu einzelnen der zahlreichen evangelikalen Pfingstkirchen - die manche aufgrund ihrer rigorosen Anwerbestrategien und autoritären Anweisungen für ein "richtiges Leben" als Sekten bezeichnen. Zur evangelischen Kirche Deutschlands besteht ein bisweilen intensiver Austausch.

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