| alle Länder | Homepage | |||
| Landesüberblick | Staat & Politik | Wirtsch. & EZ | Gesellsch. & Kultur | Praktisches |
Niger
|
|||
Besonderheiten der Landes- geschichte |
Entgegen der immer noch verbreiteten Annahme Afrika sei ein "geschichtsloser Kontinent", existieren im Niger viele Spuren einer reichen Geschichte und Entwicklung. In diesem Zusammenhang lohnt es sich, auf den am 6.12.2006 verstorbenen und vermutlich bekanntesten afrikanischen Historiker aus Burkina Faso Joseph Ki-Zerbo hinzuweisen, der in seinem Werk "Du Niger à la Volta" von 1998 auch die Geschichtsschreibung Nigers festhält. Weite Teile der heutigen Republik Niger waren im Neolithikum von Jägern und Sammlern besiedelt. Von dieser frühen menschlichen Besiedlung legen sowohl die Felsritzzeichnungen in den saharischen Gebirgsmassiven des Air und des Djado, als auch die Funde von Steinwerkzeugen und Töpferei entlang von (inzwischen ausgetrockneten) Seen oder Flüssen, Zeugnis ab.
Bilder © Bettina Haasen Anders als die Bezeichnung vermuten
läßt, herrschte der Sultan jedoch nicht
über die verschiedenen Tuareggruppen, sondern trat eher als
Schiedsrichter bei internen Streitigkeiten auf. Bis ins 19. Jahrhundert
konnte der Transsaharahandel (Gold, Sklaven, Elfenbein, Salz) seine
wirtschaftliche Bedeutung für die Sahelreiche behaupten.
Die historischen EpochenZu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde von dem islamischen Gelehrten Usman Dan Fodio der 'Heilige Krieg' der Fulbe angeführt. Hinter der kolonialen Eroberung durch Frankreich stand das Interesse, sowohl eine Verbindung zu den anderen Kolonien (Algerien, Senegal) herzustellen, als auch die Position der britischen Kolonialmacht zu schwächen. Bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges war es das Bestreben der Kolonialverwaltung, ihre Herrschaft abzusichern. Massnahmen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes wurden kaum unternommen, sieht man von der Einführung von Cash-crops (Erdnuss) ab, deren Verkauf das Eintreiben von Steuern erleichtern sollte. 1890 dringen die Franzosen über den Westen (Bornu-Reich) ins Landesinnere vor. Sie haben große Schwierigkeiten, den Widerstand der Tuareggruppen in den Griff zu bekommen. 1900 Die französische Kolonialmacht ernennt Zinder zum Hauptsitz. 1922 wird Niger offiziell als französische Kolonie ernannt. 1927 der Hauptsitz wird von Zinder nach Niamey verlegt, da man hofft dort sich dem Einfluss von Nigeria und den Haussagruppen entziehen zu können, und auf die politische Macht und Ökonomie der Djerma besser aufbauen zu können. 1946 Niger gehört zum Territorium "outre mer" (in Übersee) 1958 wurden die heutigen Grenzen des Nigers gezogen und das Gebiet zu einer autonomen Republik der französischen Gemeinschaft erklärt. Am 3. August 1960 erlangte der Niger nach 70 Jahren Kolonialherrschaft seine Unabhängigkeit.
Historische PersönlichkeitenZu den im Niger bekannten und sagenumworbenen Persönlichkeiten zählen sicherlich die früheren Herrscher wie Idris Alaoma (1571-1603), der seine Sklaven nach Bilma schickte, um dort das Salzmonopol zu kontrollieren. Auch der Herrscher des Haussastadtstaates Gobir, Bawa Jan Gwazo (1771-1798), und der Fulbe Anführer des "Heiligen Krieges" Ousman Dan Fodio im 19.Jhdt. sind auch heute noch bekannt. Im Norden des Landes zählt vor allem der Tuareg-Widerstandskämpfer Kaocen zu den Helden der Geschichte. Er drang 1916 von Algerien aus ins Air-Gebirge und nach Agadez ein und es gelang ihm, bis zu seiner Ermordung im Jahr 1919, die französische Kolonialarmee in Schach zu halten. Jüngere Beispiele historischer Persönlichkeiten sind zum einen der "Vater der Nation", Seyni Kountché (1931-1987), der seine Renommierung sicherlich dem wirtschaftlichen Aufschwung durch den Uran-Boom in den 70er Jahren zu verdanken hat. Und auch der 1995 bei einem im Flugzeug ums Leben gekommene "Wüstenprinz" und Tuareg-Rebellenanführer Mano Dayak, der duch seine Veröffentlichungen und Mediennähe für viele Nigrer "unsterblich" geblieben ist. Entwicklung des heutigen StaatesDer Weg zur Demokratie ist noch immer ein langer Prozess. In den letzten zehn Jahren hat die Republik Niger mehrere politische Krisen durchlebt. Seit der Unabhängigkeit 1960 existierten in Niger eine souveräne Nationalkonferenz, zwei Militärregime, zwei Staatsstreiche, fünf Republiken und zwei bewaffnete Aufstände im Norden und Osten des Landes. Eine detaillierte Zusammenfassung finden Sie auf der Internetseite des Auswärtigen Amts oder aber zur politischen Transformation beim Bertelsmannbericht . Seit Februar 2007 schwelen im Norden der Republik Niger erneut Unruhen. Zahlreiche Tuareg rund um Vertreter der Tuareg-Rebellion der 90er Jahre haben sich zu einer neuen Front mit dem Namen "Mouvement des Nigériens pour la Justice", kurz MNJ - welche Webseiten in französisch und deutsch unterhält - zusammengeschlossen. Seither ist es zu mehreren bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Armee des Niger und der MNJ gekommen. Das Land befindet sich derzeitig in einem Notstand der "mise en garde". Seit Februar 2008 können Bürger aus Niger in Frankreich offiziell Asyl beantragen, da die Entscheidung der fanzösischen Flüchtlingsinstitution Ofpra revidiert wurde. Niger ist seitdem in die Liste der nicht sicheren Länder aufgenommen. |
||
Staat
|
Staatsform, Verfassung und GewaltenteilungNiger ist eine semi-präsidentielle Demokratie nach dem Vorbild Frankreichs mit Mehrparteiensystem. Der Staatspräsident ist auf fünf Jahre gewählt und ist weitgehend mit Vollmachten ausgestattet. So hat er das Recht, mit Zustimmung des Verfassungsgerichts, das Parlament aufzulösen und für eine begrenzte Zeit mit Verordnungen zu regieren. Der Präsident ist zugleich Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Obwohl Niger eine Vielzahl ethnischer Gruppen aufweist, ist die Definition und Zugehörigkeit zum Staatsvolk keine politisch relevante Frage. Alle Bürger besitzen das gleiche Staatsbürgerrecht. Staat und religöse Intstitutionen sind getrennt.Im Niger ist laut Verfassung von 1991 das universelle, aktive und passive Wahlrecht weitgehend gegeben. Der direkt gewählte Präsident ernennt den Premier Ministre und das Regierungskabinett. Präsident und Regierungskabinett bilden die exekutive Gewalt. Die demokratischen Institutionen arbeiten, was Exekutive und Legislative betrifft, ihrer Funktionsbestimmung gemäß. Die Einführung des Mehrparteiensystems hat deutlich gemacht, dass Verwandtschaft und ethnische Zugehörigkeit die politische Organisation in Niger kennzeichnet. Zwar sind Parteien auf ethnischer oder regionaler Grundlage verboten, aber de facto haben alle Parteien eine eindeutig ethnisch-regionale Basis. Im Parlament (Nationalversammlung, seit 2004 mit 113 Sitzen) sind folgende Parteien vertreten:
Formaler Staatsaufbau und DezentralisierungAuf Druck der ausländischen Geber strebt die Regierung seit mehreren Jahren an, die Verwaltung zu dezentralisieren. Im Niger existieren seit den Lokalwahlen 2004 insgesamt 8 Regionen, 36 Départements und 265 Kommunen. Jede Region ist in 3 maximal in 6 Départements aufgeteilt. Im Rahmen dieser Reform werden eigenständige Gemeinden eingerichtet, die über bestimmte Maßnahmen auf kommunaler Ebene entscheiden können (Infrastruktur, Bildung, Gesundheitswesen etc.). Von der eingeleiteten Dezentralisierung verspricht man sich ebenfalls, dass es zu einer stärkeren Beteiligung der lokalen Bevölkerung an Entscheidungen kommt. Die ersten Kommunalwahlen fanden im Juli 2004 statt, jedoch zeigt die äußerst geringe Wahlbeteiligung, dass die Bevölkerung misstrauisch bleibt. Nach wie vor ist die Frage unbeantwortet, wie die Gemeinden ihre Budgets finanzieren und ob sie erfolgreicher als der Zentralstaat bei der Eintreibung von Abgaben sein werden. Durch die Einrichtung von Gemeinden sind vor allem die Nomaden des Landes betroffen, die von mobiler Viehwirtschaft leben, und sich je nach Regenfall in die Weidegebiete verschiedener Gemeinden begeben. Es ist wahrscheinlich, dass die bereits existierenden Konflikte zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern weiter an Schärfe gewinnen. Laut Informationen des Auswärtigen Amts verlaufen die gegenwärtigen Bemühungen, den Dezentralisierungsprozeß voran zu treiben, eher schleppend. Recht, Ordnung und staatliche SicherheitIm Niger werden Mindeststandards einer Demokratie erreicht. Das Land ist mit erheblichen Staatlichkeitsproblemen konfrontiert, und das staatliche Gewaltmonopol ist nicht vollständig gesichert. Besonders in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, Staatlichkeit (Unabhängigkeit der Justiz, Meinungsfreiheit) und bei der gesellschaftlichen Integration herrschen noch Transformations-defizite. Amtsmissbrauch und Korruption sind mutmasslich auf allen Ebenen der Verwaltung und Regierung verbreitet. Korruption stellt in im nigrischen Transformationsprozess ein wichtiges Entwicklungshemmnis dar. Nach dem tabellarischen Ranking von Transparency International ist Niger etwas aufgestiegen und befindet sich aktuell auf Platz 123 von 179 untersuchten Staaten. Der nigrische Verband, ANLC (Association de la lutte contre la corruption), setzt sich für die Bekämpfung der Korruption ein. Vor allem die Oppositionspartei PNDS Tarraya macht die Regierung für die Veruntreuung von Hilfsgütern und schlechte Verwaltung des Landes verantwortlich. Gegenwärtig wird der nigrische Präsident Tadja gelobt, dass er sich den Korruptionsgewohnheiten angeblich widersetzt. Obwohl die Definition und Zugehörigkeit zum Staatsvolk keine politisch relevante Frage darstellt, ist ein nationales Zusammen- gehörigkeitsgefühl nur bedingt gegeben. Auch die staatliche Sicherheit ist nur bedingt gewährleistet. Im August 2006 wurden im Südosten des Landes 20 italienische Touristen entführt und kurz darauf wieder befreit. Die dahinterstehende Organisation sind ehemalige Rebellen der Befreiungsbewegung FARS. Bislang ist immer noch unklar, was die Motive der Entführung waren. Die Sicherheitslage im Niger ist zur Zeit wieder sehr angespannt. Seit dem 26. August 2007 wurde in der Nordregion um Agadez herum Notstand "Mise en garde" ausgerufen. Es geht in erster Linie um die Teilhabe der Tuareg bei den Ressourcenerlösen (Uran, Erdöl) im Norden des Landes, die ungelöste Konflikte der Rebellion in den Neunziger Jahren wieder aufflammen lassen. Die nigrische Regierung hat nach wie vor keine Kontrolle über die Rebellenbewegung. Der Präsident Tandja verharmlost die Rebellion und weigert sich mit den sogenannten "Banditen" und "Drogenschmugglern" in einen Dialog zu treten. Leider ist die Nordregion von Landminen betroffen und der Ort Iferouane vom Rest des Landes abgeschnitten. Deutsche und internationale Entwicklungsorganisationen haben sich aus dem Norden zurückgezogen. Es gibt vielseitige Möglichkeiten, um sich über die Situation im Niger ein Bild zu machen. Die alternative Berichterstattung des deutschen Verbands newsgroup nordniger versucht einen Zusammenhang der Aktivitäten der MNJ und den Hintergründen herzustellen. Ein Bericht der EIRENE-Koordinatorin verdeutlicht, wie gravierend die derzeitige Versorgungslage im Norden des Landes ist. |
||
Innenpolitische Themen |
Machthaber und MachtgruppenSeit seiner Unabhängigkeit von Frankreich 1960 gehört Niger nicht nur zu den ärmsten Ländern der Erde, sondern wurde auch über weite Strecken autoritär regiert, wobei das Militär eine dominante Rolle spielt. Im Gegensatz zu anderen französischen Territorien hat Niger während der ersten Zeit der Unabhängigkeit keine demokratische Erfahrung gemacht. Die autoritäre Herrschaft wurde durch das repressive Ein-Parteiensystem des Präsidenten Hamani Diori weitergeführt. Diori wurde 1974 im Zuge einer destabilisierenden Wirtschaftskrise vom Militär durch den General Seyni Kountché gestürzt, der bis zu seinem Tod 1987 an der Macht blieb. Kountchés Nachfolger, General Ali Saibou, war deutlich weniger autokratisch als Kountché. Er leitete den demokratischen Wechsel ein, der 1991 mit einer Nationalkonferenz seinen Anfang nahm. Im selben Jahr allerdings begann die Rebellion der Tuareg mit dem Massaker in Tchin Tabaraden und der demokratische Wechsel gestaltete sich im Niger äußerst schwierig. 1995 wurde zwar offiziell ein Friendensvertrag abgeschlossen, die Kämpfe flackerten allerdings immer wieder auf. Der erste demokratisch gewählte Präsident des Landes, Mahamane Ousmane (1993) verlor schon ein Jahr nach seiner Wahl die parlamentarische Mehrheit und musste mit seinem politischen Gegner "ko-habitieren". 1996 putschte der Offizier Mainassara Barré an die Macht und liess sich in vermutlich manipulierten Wahlen zum "demokratischen" Präsidenten wählen. 1999 wurde Barré von einem Mitglied seiner Leibgarde ermordet. Nach einer kurzen Machtübernahme wurden aber erneut Präsidentschaftswahlen organisiert, aus denen der enge Vertraute Kountchés, Mamadou Tandja, als Sieger hervorging. Inzwischen befindet sich Niger in der IV. Republik. Am 1.3.2007 wurden einige der Minsterämter der nigrischen Regierung neu besetzt. Gegenwärtig hat Präsident Tandja einen harten Gegenspieler. Der derzeigtige Anführer der Tuareg-Rebellengruppe MNJ heisst Aghali Ag Alambo. WahlenSeit 1965 werden die Wahlen im Niger mehr oder weniger demokratisch durchgeführt. Die letzten Wahlen fanden im Jahr 2004 statt. Am 16. 11.2004 gingen fünf Millionen Nigrer zuletzt zu den Wahlurnen. Insgesamt ist zu bemerken, dass die Wahlbeiteiligung um fast 5% höher lag als die bei den Lokalwahlen im Juli 2004. BBC und Afrique Echos verfassten hierzu interessante Berichte. Der 66 jährige Mamadou Tandja der MNSD Partei geht mit 40,6% als Sieger hervor und gewinnt 47 von 113 Sitzen im Parlament. Insgesamt sitzen nun 113 Abgeordnete (vorher 83) im Parlament, darunter 13 Frauen (vorher nur eine Frau!). Präsident Tandja hat sich vor allem dadurch beliebt gemacht, dass er kurz nach seinem ersten Amtsantritt im Jahr 2001 ein neues Programm ins Leben rief ("le programme spécial"). In diesem Programm ging es um den Bau von 1000 Schulklassen, 1000 Gesundheits-stationen und 1000 Wasserstauwerken. Die Frage nach der Nachhaltigkeit dieser Infrastrukturen ist bislang nicht beantwortet. Präsident Tandja kündigte in einem Interview am 6. Oktober 2007 an, dass er bei den nächsten Wahlen im Jahr 2009 nicht mehr kandidieren werde. |
||
|
Bilder © Bettina Haasen |
|||
Politische Auseinandersetzungen und MachtkämpfeEiner der Ergebnisse des Friedensabkommens nach der Beendigung des Tuaregkonflikts im Jahr 1996 war die Dezentralisierung des Landes. Der Tuaregkonflikt hat im Niger wie auch im Nachbarland Mali von 1996-2001 zu schweren Unruhen geführt und der Norden des Landes war gänzlich abgeschnitten. Gegenwärtig ist der Niger von den Auswirkungen ungelöster Konflikte der Tuaregrebellion der Neunziger Jahre betroffen. Die Rebellen der Gruppe MNJ werfen der Regierung vor, dass bestimmte Zugeständnisse beim Friendensabkommen von 1995 nur punktuell umgesetzt wurden. Es werden bereits zahlreiche Tote und Vermisste - auch unter den Zivilsten - gemeldet. Willkürlich werden Zivilisten aus dem Département Agadez verhaftet. Von den Rebellen werden seit Juli 2007 auch kommerzielle, ausländische Einrichtungen angegriffen, wie bspw. das Uran-Bergwerk der französischen Firma AREVA. Areva ist der größte Uranförderer der Welt und Hauptlieferant der französischen Atomindustrie. 40% des Urans bezieht er aus Niger. Die nigrische Regierung wiederum beschuldigt AREVA, die Tuaregrebellen zu unterstützen, woraufhin der Vertreter des französischen Unternehmens Dominique Pin am 26. Juli 2007 des Landes verwiesen wurde. Im Januar 2008 wurde der Konflikt behoben und ein neues Abkommen abgeschlossen. AREVA versicherte daraufhin, dass der Urankilopreis um 50% gesteigert werden würde und dass 14.000 neue Arbeitsplätze anvisiert sind. Niger wird wohl den 2. Platz als Uranlieferant auf dem Weltmarkt einnehmen, da hier jährlich 5.000 Tonnen Uran gewonnen werden. Der nigrische Philosoph Hassane Souley versucht in seinem Bericht über den Zusammenhang des Uran und der Tuaregrebellion eine objektive Bestandsaufnahme der komplexen Situation im Niger zu ermöglichen. Die aktuelle Tuaregkrise stellt für die nigrische Regierung eine große Herausforderung dar. ZivilgesellschaftWie fast überall in Afrika ist die Herausbildung einer "Zivilgesellschaft" auch im Niger in einer frühen Phase. In der Zeit nach der Unabhängigkeit bis zum Ende der Militärregierung von General Kountché trugen die wenigen nichtstaatlichen Organisationen im Niger fast ausschließlich religiösen oder sozialen Charakter. Viele internationale Organisationen hatten im Rahmen von
Nothilfeprogrammen zur Zeit der großen
Dürrekatastrophe in den 70er Jahren ihre Arbeit aufgenommen,
wie Care International, Caritas International und SOS Sahel
International. Die Bildung einheimischer, nichtstaatlicher
Entwicklungsorganisationen erfolgte erst zu Beginn der 1990er Jahre im
Laufe der sogenannten Entspannungsphase ("décrispation").
Die politische Liberalisierung, die Ende der 1980er / Anfang der 1990er
Jahre die afrikanische politische Entwicklung prägte, hat aber
auch hier zu gesellschaftlichen Aufbrüchen geführt.
Die wichtigsten nigrischen Nichtregierungsorganisationen sind: Karkara (Förderung von Dorfstrukturen), ANDDH (Menschenrechte), Afrique Vert (Versorgung), REGECA (Gender/Frauen). Presse und andere öffentliche MedienDer Staat kontrolliert das nationale Fernsehen und übt auch einen starken Einfluss auf private Radiostationen aus. Rundfunknachrichten sind in Niger das wichtigste Kommunikations- und Informationsmedium, da der Anteil der alphabetisierten Bevölkerung sehr gering ist. Die wichtigsten Rundfunkstationen sind BBC (Hausa World Service), Deutsche Welle, Voice of America und RFI. In Niger existieren Tages- und Wochenzeitungen. Offiziell heißt es, die nigrische Presse sei weitestgehend frei und unterliege kaum Beschränkungen. Organisationen wie Reporters sans frontières sehen dies aber anders. Seit der wieder aufflammenden Tuaregrebellion im Norden des Landes sind wegen ihrer Berichterstattung mehrere Zeitungen suspendiert wurden und der französische Radiosender RFI wurde ein Sendeverbot von einem Monat erteilt. Der nigrische Korrespondent von RFI, Moussa Kaka, wurde am 25. September ohne eine konkrete Beschuldigung verhaftet. Ihm wird "Landesverrat" vorgeworfen, weil er Interviews mit Tuareg-Rebellen geführt habe. Seitdem haben sich viele Journalisten, internationale Künstler und Politiker mobilisiert, um seine Freilassung zu beschleunigen. Nach einem Tag der internationalen Solidarität bei RFI am 12. 03.2008, wurde dem französischen Rundfunksender vom nigrischen Kommunikationsrat CSC ein dreimonatiges Sendeverbot erteilt. Auch in der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass Journalisten aufgrund ihrer kritischen Berichterstattung verhaftet oder Radiostationen (Radio Nomad FM) vorübergehend geschlossen werden. Der nigrische Chefredakteur der Zeitung Air Info Ibrahim Diallo Manzo wurde am 6.Februar in Zinder "vorläufig" freigelassen. Er gilt als einer der wichtigsten Berichterstatter des Nordens. Seit dem 28.November 2006 sind drei renommierte Journalisten im Gefängnis wieder in provisorischer Freiheit. Darunter ist der Chefredakteur der Wochenzeitschrift "Le Republicain" Maman Abou. Ihnen wird vorgehalten, in einem am 27. Juli 2006 veröffentlichten Artikel "falsche Informationen" geliefert zu haben und den Premierminister zu "diffamieren". Es ist fragwürdig, ob das Urteil bis zum Ende des Jahres revidiert wird. Auch die Berichterstattung zweier französischer ARTE-Journalisten wurde unterbunden. Sie standen zeitweilig unter Todesstrafe, sind aber seit Dezember 2007 und für eine Kaution von jeweils 15.000 Euro wieder auf freiem Fuß. Über die Hintergründe und Herausforderungen für die Arbeit von Journalisten im Niger äußert sich Raliou Hamed Saleh. Es besteht die Möglichkeit, auch im Internet die aktuellen Ausgaben der Wochenzeitschriften als pdf Dokument herunterzuladen. Zeitungen:
Um sich einen eigenen Eindruck vom Medienverständnis in Niger zu machen, empfiehlt es sich - neben der regelmäßigen Lektüre der Tageszeitungen auch die von RFI mitgeschnittene Sendung zu hören, bei der drei Journalisten zu ihrem Berufsverständnis, ihrer Rolle und ihrer Arbeitsmethode befragt werden. Seit fünf Jahren gibt es auch die sogenannten radio rurales (Gemeinschaftsradios), assoziative Gemeinderadios in lokalen Sprachen. Sie sind relativ unpolitisch und berichten über lokale und regionale Ereignisse (Marktpreise, Feste) und werden auch zunehmend als Sprachrohr und Sensibilisierungsmedium von Entwicklungshilfeorganisationen genutzt. MenschenrechteDie Menschenrechte sind im Niger eine delikate Angelegenheit. Die Entwicklung der letzten Monate zeigen, dass Meinungsfreiheit heute kaum noch garantiert werden kann. Es kommt jedoch immer wieder zur Verhaftung von Politikern bzw. Gewerkschaftern, die der Opposition nahestehen – dies steht oft jedoch im Zusammenhang mit zivilrechtlichen Streitigkeiten. Die letzten Vorfälle sind: Verhaftung von Moussa Kaka und den beiden Journalisten Maman Abou und Oumaour Keita. Sie sind wegen "Verunglimpfung des Staates" verurteilt worden, da sie die engen Beziehungen des Landes mit dem Iran thematisiert hatten. Andere Beispiele sind: Verhaftung der Journalisten Ibrahim Manzo aufgrund von "Diffamierung" (Februar 2006), Salifou Abdoukarim (November 2005), Verhaftung von 230 Soldaten nach einer Meuterei (2002). Ausführliche Informationen finden Sie hierzu im aktuellen Bericht von Amnesty International (2007). Inzwischen ist die Justizreform ist angelaufen, die strafrechtlichen und strafprozessrechtlichen Vorschriften wurden 2003 überarbeitet. Weitere Reformschritte sind geplant, aber noch wenig konkret. Im Oktober 2006 kam es zwischen verschiedenen Nomadengruppen zu Ausschreitungen im Osten des Landes. Die Regierung hatte daraufhin veranlasst, dass die aus dem Tschad originären Mahamadier Arabergruppen aus Niger ausgewiesen werden müssen. Eine beeindruckende Arbeit hat die nigrische Richterin und Frauenrechtlerin Mariama Cissé geleistet, die im Januar 2004 den Menschenrechtspreis des Deutschen Richterbundes erhalten hat. Cissé setzt sich unter anderem für die Gleichberechtigung der Geschlechter, für die Position der "matan kuli" (eingeschlossene Frauen) und gegen die Zwangsverheiratung von minderjährigen Mädchen und Genitalverstümmelung etc ein. Ein ausführliches Interview mit Cissé hat die Politikwissenschaftlerin Alexandra Scheele für die feministische Zeitschrift femina politica im Jahr 2004 geführt. Weitere Akteure der nigrischen Menschenrechtsarbeit sind:
|
|||
Außen- politische Themen |
Das Land im regionalen und internationalen Kontext.Als Binnenland im Sahel ist der Niger von sieben zum
Teil schwergewichtigen Nachbarn umgeben und um gute Beziehungen zu
diesen bemüht. Seit Februar 2002 bilden Niger,
Mali und Burkina Faso eine aus Mitgliedern der drei Staaten bestehende
gemeinsame Sicherheitsbrigade zum Schutz der gemeinsamen Grenzen, die
gelegentlich auch von Algerien unterstützt wird. Die
Beziehungen zu Libyen sind eng,
gegenseitige Besuche auf hoher Ebene erfolgen
regelmäßig. Der libysche Staatschef Gadaffi besuchte
zuletzt im Juni den Norden des Landes. Es ist nicht ausgeschlossen,
dass er eine entscheidende Rolle im gegenwärtigen
Tuaregkonflikt
spielt. Auch die Kontakte mit Nigeria und
Algerien werden aktiv gepflegt. Mit den Nachbarländern Mali,
Burkina Faso und dem Tschad verbindet Niger gemeinsame Probleme und
Interessen. Niger ist Gründungs- |
||
andere Themen... |
Die "Jeux de la francophonie" haben am 5. bis 17. Dezember 2005 in Niamey statt gefunden. Das vorgesehene Budget der Mitgliedsländer (Frankreich, Belgien, Luxemburg, Kanada, Schweiz etc.) betrug 6 Milliarden FCFA. Dennoch stellt sich heute die Frage, was mit den extra für die Spiele gebauten Sportanlagen passieren wird. |
||
zurück
zur vorherigen Seite
| weiter zur nächsten Seite

| alle Länder | Homepage | |||
| Landesüberblick | Staat & Politik | Wirtsch. & EZ | Gesellsch. & Kultur | Praktisches |