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Pakistan
Seite 2: Geschichte, Staat & Politik

Flagge

Geschichte

Obwohl der Staat Pakistan erst seit Mitternacht des 14. zum 15. August 1947 existiert, sind die Pakistani stolz auf die 5000- jährige Geschichte des Landes. Unsere Zeittafel bietet Ihnen einen detaillierten historischen Abriss (PDF-Datei, 150 KB). Eilige Leser finden beim Auswärtigen Amt eine kurze geschichtliche Übersicht. Die Geschichte seit der Unabhängigkeit wird dagegen ausführlich im Südasien-Info dargestellt.
Auf Jawed Sandhus Seiten finden Sie eine knappe Darstellung der islamischen Geschichte Nordwestindiens und Pakistans im Sinne der pakistanischen Staatsdoktrin.

Siehe auch "5000 Jahre Hochkulturen" auf Seite 4 (Gesellsch. & Kultur) dieser Landesinformationsseiten.


Der Staats- gründer

Mohammed Ali Jinnah(1876 - 1948):

Staatsgründer Der als "Quaid-i-Azam" (großer Führer) verehrte Jinnah ist Symbol der nationalen Identität. Sein Bildnis findet sich in allen öffentlichen Gebäuden, sein Geburtstag (25. 12.) ist nationaler Feiertag. Dass die indischen Muslime 1947 nach den Ende des britisch-indischen Kolonialreichs einen eigenen Staat erhielten, wird als sein Verdienst gewertet. Jinnah wollte jedoch keinen islamischen Staat, sondern einen Staat der Muslime mit parlamentarisch- demokratischer Struktur nach europäischem Vorbild. Da er schon ein Jahr nach der Unabhängigkeit starb, konnte er seine politischen Ziele nur unvollkommen umsetzen.

Machthaber und Regierung

Musharraf Seit Oktober 1999 ist General Pervez Musharraf Regierungschef und starker Mann Pakistans. Am 20. Juni 2001 ernannter er sich zum Staatspräsidenten und im April 2002 ließ er sich in einer umstrittenen Volksabstimmung in diesem Amt bestätigen. Am 6. Oktober 2007 wurde sein Mandat von den Abgeordneten der National- und Provinzparlamente um weitere 5 Jahre verlängert. Der Spiegel spricht von einer Wahlfarce.

Aus einem Kurzprofil der BBC geht der politische Weg des Machthabers hervor. Musharraf gilt heute als pro-westlich und als entschiedener Gegner von religiösem Extremismus und Terrorismus. In einem vielbeachteten Aufsatz in der Washington Post vom 1. Juni 2004 "A Plea for Enlightened Moderation" tritt er für einen aufgeklärten und moderaten Islam ein. In seiner "Sieben-Punkte-Agenda" fasst er sein politisches Programm zusammen.
Einen guten Einblick in Musharrafs politische Argumentationsweise gibt Musharrafs Gespräch im Council on Foreign Relations in New York am 25. 9. 2006. Eine kritische Abrechnung über 8 Jahre Musharraf lesen Sie in den Online International News Pakistan.

Im September 2004 widerrief Musharraf das Versprechen, noch in jenem Jahr seine militärischen Funktionen niederzulegen. Jetzt (im Herbst 2007) kündigte er an, den Armeeoberbefehl abzulegen. Designierter neuer Armeechef ist General Ashfaq Kiyani (s. darüber einen Bericht in der Welt. Auch wenn die Militärs sich wieder aus der Tagespolitik zurückziehen, erwartet niemand, dass sie ihren Einfluss auf die Politik des Landes aufgeben werden.

Die nächsten allgemeinen Wahlen sind für Januar 2008 angesetzt. Hier die Ergebnisse der letzten Wahlen von 2002 (Unterhaus) und 2003 (Senat) und die Liste aller Abgeordneten der National Assembly und der Provinzparlamente.

prime minister Am 27. August 2004 wurde der bisherige Finanzminister Shaukat Aziz (nebenstehendes Bild) zum Premier ernannt. Er gehört der Partei PML-Q (Pak. Muslim League - Quaid-i-Azam) an. Die South Asia Analysis Group hat ein Profil des Premierministers erstellt.

Es folgt die aktuelle Kabinettsliste.

Der verfassungs- mäßige Staat

Die Verfassung Pakistans sieht eine repräsentative parlamentarische Demokratie vor. Der Staatspräsident hat im Prinzip eine dem deutschen Bundespräsidenten vergleichbare Funktion, auch wenn die Präsidenten immer wieder versuchen, ihre Macht durch Verfassungsänderungen (amendments) zu erweitern. Das Parlament hat zwei Kammern: Senat (Oberhaus) und Nationalversammlung, die "National Assembly" (Unterhaus). Die National Assembly hat eine eigene Website. Der Staat ist föderativ konstituiert: Er besteht aus den vier Bundesländern Punjab, Sindh, North West Frontier Province (NWFP) und Balutschistan, die je einen Gouverneur haben und von einer Landesregierung unter dem Chief Minister und einem Landesparlament (Provincial Assembly) regiert werden. Daneben gibt es eine Reihe von Sonderterritorien, die der Zentralverwaltung unterstehen, wie die Northern Areas, Azad Jammu and Kashmir, das Capital Territory und die Federally Administered Tribal Areas (FATA) entlang der afghanischen Grenze.

Die Rechtssprechung hat sich trotz massiver Eingriffe der Exekutive ein gewisses Maß an Selbständigkeit und Ansehen bewahren können. Das höchste Bundesgericht (Supreme Court) in Islamabad informiert auf einer eigenen Webseite.

Die Presse

Pakistan hat ein gut entwickeltes liberales Pressewesen, das für Besucher des Landes die beste Quelle ist, um sich über die politischen Ereignisse, Strömungen und Diskussionen zu informieren.
Besonders die folgenden englischsprachigen Zeitungen haben journalistisch und in ihrer Aufmachung internationales Niveau, sie stehen mit ihren Vollausgaben täglich im Internet: Die international angesehenste Zeitung ist der konservativ-liberale Dawn aus Karachi, er wurde noch vom Staatsgründer Jinnah ins Leben gerufen und erhielt vor Jahren eine internationale Auszeichnung für die weltweit beste Web-Version einer Tageszeitung. Ebenfalls gut aufgemacht und immer hervorragend informiert ist The News International aus Lahore und Islamabad. Lesenswert ist auch The Nation aus Lahore, die besonders in ihren Leitartikeln und Kommentaren gerne die Obrigkeit kritisiert.
Auch die Frontier Post (alternative Adresse) aus Peshawar vertritt eine unabhängige und oft sperrige Meinung, mit der sie sich weder bei der Staatsgewalt, noch bei Vertretern der Geistlichkeit Freunde macht und daher mit häufigen Zwangsschließungen und Verhaftungen der Redakteure bezahlt. Blättern Sie in den Zeitungen, um sich selbst ein Bild zu machen. Eine tägliche Zusammenstellung einer Vielzahl von Pakistan-Nachrichten finden Sie in der Pak-Tribune des Pakistan News Service und im Online International News Network , der pakistanischen Nachrichtenagentur INN (vormals NNI).
Außerdem stellt World News Network eine laufend aktualisierte und illustrierte Zeitung zu Pakistan zusammen, genannt Pakistan Daily.

Die politischen Haupt- themen

Z.Zt. (20.10.07) überschattet der schwere Terroranschlag auf den Triumphzug der heimkehrenden Benazir Bhutto alle anderen politischen Themen. Im Spiegel finden Sie den Hergang der Terrornacht des 18. Oktober 2007. Der Selbstmordanschlag, dem über 130 Menschen zum Opfer fielen, ereignete sich wenige Stunden, nachdem Frau Bhutto aus achtjährigem Exil nach Pakistan zurückgekehrt war, um den Wahlkampf ihrer Pakistan People's Party für die kommenden Parlamentswahlen im Januar 2008 anzuführen. In den Jahren zwischen 1988 und 1996 war Benazir Bhutto zwei mal Premierministerin. Dazu ein Kommentar von U. Ladurner.

Da mit weiteren dramatischen Ereignissen in kurzer Folge gerechnet werden muss, haben Jorge Scholz, Tutor Pakistan der V-EZ, und B. Glatzer, der Ersteller dieser Seiten, eine externe Informationsseite eingerichtet. Klicken Sie auf folgendes Kästchen: Hier werden Sie mit ausgewählten Links über die kommenden Ereignisse informiert

Die übrigen wichtigen innenpolitischen Themen des Landes sind:
  1. Die Frage, ob Musharraf die innenpolitische Krise überstehen kann, die er selbst ausgelöst hat, als er im März 2007 den Obersten Richter absetzte, was im ganzen Land zu eindrucksvollen pro-demokratischen Demonstrationen geführt hat. Dazu ein Kommentar von Ahmed Rashid: "Musharraf at the Exit". Es wird sich zeigen, ob die allgemeinen Wahlen, die im Januar 2008 stattfinden sollen, eine demokratische Wende bringen werden. Zum Hintergrund: Frederik Grare (Carnegie Endowment) "Islam, Militarism, and the 2007-2008 Elections in Pakistan" (PDF) und eine neuere Analyse: "Elections, Democracy and Stability in Pakistan" von der International Crisis Group.
  2. die Kaschmirfrage (s.u.).
  3. die Frage, ob Musharraf seinen pro-amerikanischen Kurs weiterhin durchsetzen kann, obwohl der größte Teil der pakistanischen Bevölkerung die amerikanische und britische Besetzung des Iraks heftig ablehnt.
  4. die Frage, ob islamische radikale Kräfte immer stärker die Politik des Landes bestimmen werden, immerhin haben sie schon eine Provinz (NWFP) unter ihre Kontrolle gebracht. Ein guter Hintergrundartikel von Ilyas Khan in der BBC erklärt die Kämpfe in Südwaziristan zwischen den lokalen Stämmen untereinander und mit ausländischen Jihadisten. Auf der gleichen Seite finden Sie weitere Links zu Informationen über das Treiben islamistischer Extremisten in Pakistan, z.B. vom gleichen Autor über den wachsenden Einfluß der Taliban in Pakistan.
  5. Die Frage, ob es Musharraf gelingt, die blutigen Aufstände in Balutschistan unter Kontrolle zu bekommen, die die Integrität des Landes und die Energieversorgung gefährden. Dazu ein ausführlicher Bericht von Ray Fulcher: "Baluchistan: Pakistan's Internal War".
  6. die Frage, ob Musharraf seine Versprechen wahr machen kann, die Korruption im Lande einzudämmen, die mörderischen Kämpfe zwischen radikalen religiösen Gruppen abzustellen, und die Wirtschaft wieder anzukurbeln.
Außenpolitisch steht nach wie vor das schwierige und zuweilen feindselige Verhältnis mit Indien wegen der Kaschmirfrage im Vordergrund, allerdings scheinen z.Zt. sowohl Pakistan als auch Indien um Deeskalation bemüht zu sein. Mushandsingh Der Kaschmir-Konflikt, hat im Frühjahr 2002 Indien und Pakistan an den Rand eines Krieges gebracht, erlebt aber z.Zt. wieder ein Tauwetter. Nach dem Besuch des indischen Premierministers Vajpayee im Februar 2004 in Islamabad und nach dem Treffen seines Nachfolgers Manmohan Singh mit Musharraf im September 2006 auf Kuba redet man wieder miteinander und tauscht gelegentlich sogar Freundlichkeiten aus. Dazu ein ausführlicher Bericht im BBC.

Bild links: Musharraf und Singh auf Kuba. © BBC, 18. 09. 2006.

Am 12. Oktober 2007 freute sich Singh, dass z.Zt. die intensivsten Gespräche zwischen Indien und Pakistan seit Jahren stattfänden (s. Bericht im Dawn vom 13.10.07).


indopak_Tauwetter
Bild rechts:
Ein freundlicher indischer Offizier überreicht Süßigkeiten an pakistanische Grenzsoldaten.
© Pakistan Tribune, Juni 2006

In Kashmir Today , der angeblich offiziellen Website der (pakistanischen) Regierung von Azad Jammu and Kashmir wird der Konflikt aus pakistanischer Sicht dargestellt, das (indische) Kashmir Information Network vertritt die Gegenseite.
In diesem Propagandanebel ist es nicht leicht, eine klare Sicht zu behalten. Darum bemüht sich dennoch die ausgewogene WWW-Virtual Library-Kashmir mit einer kommentierten Linkliste zum Thema.

Mit dem trotz Tauwetter köchelnden Kaschmirkonflikt erhält das Atomwaffenprogramm beider Nachbarländer und die Frage, ob Pakistan nukleare Waffentechnik an Drittstaaten weitergibt, besondere Brisanz. Mehr dazu im Artikel von Knut Mellenthin: "Dr. Khan und der Atom-Schwarzmarkt".
Das Thema wird neuerdings wieder aktuell mit der Entdeckung, dass Pakistan vermutlich einen neuen Reaktor baut, der auch waffenfähiges Plutonium herstellen kann.

Der immer blutiger werdende Konflikt in Südafghanistan ist der z. Zt. gefährlichste Krisenherd der Region. Die afghanische Führung und auch viele internationale Beobachter machen Pakistan dafür mitverantwortlich, weil es - teils aus Schwäche teils aus taktischem Kalkül - zulasse, dass islamistische Widerstandskämpfer von Pakistan aus in Afghanistan operieren. Im September 2006 hat ein Abkommen zwischen der pakistanischen Regierung und paschtunischen Stammesangehörigen in Nord-Waziristan an der afghanischen Grenze für Wirbel gesorgt, weil manche Beobachter argwöhnen, die pakistanische Regierung habe auf Kosten Afghanistans mit den radikalen Islamisten gemeinsame Sache gemacht. Dazu eine kritische Analyse von Conrad Schetter.

Zu den deutsch-pakistanischen Beziehungen in Politik und Wirtschaft informiert das Berliner Auswärtige Amt
Eine Zusammenstellung fundierter Analysen zum politischen Geschehen in Pakistan finden Sie bei der International Crisis Group

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