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Südafrika
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3.1
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Wirtschaftssystem und SektorenSüdafrika ist der bedeutendste Industriestaat des Kontinents und mit seinen vielfältigen Bodenschätzen eines der wichtigsten Bergbauländer der Welt. Dass Südafrika den Sprung über ein Schwellenland nicht geschafft hat, ist der Apartheidpolitik geschuldet. Den Reichtum der Wirtschaft des Landes für die gesamte Bevölkerung zu nutzen, ist heute die größte Herausforderung in einem Land, wo Reichtum extremer Armut gegenübersteht. Bergbau: In Südafrika lagern weltweit die größten Vorräte an Gold und Platin, außerdem gibt es große Vorkommen von Diamanten und Kohle. Im Grunde sind mit Erdöl und Bauxit nur zwei wichtige Rohstoffe nicht verfügbar. Jährlich fördert Südafrika Bodenschätze im Wert von etwa 75 Milliarden Euro und bestreitet damit ein Großteil seiner Exporte. Der Bergbau trägt zu 7 Prozent am BIP bei. Während die Goldproduktion trotz fortgeschrittener Technik aber an Bedeutung abnimmt, gewinnen Platin, Kohle und Eisenerz zunehmend an Gewicht. So kommen fast 80 Prozent des Platins auf dem Weltmarkt aus Südafrika. ![]() © issa Landwirtschaft: Für den Außenhandel spielt neben dem Bergbau die exportorientierte Landwirtschaft eine bedeutende Rolle. Insbesondere Wein, Obst und Gemüse gehören zu den Exportschlagern. Wegen der klimatisch günstigen Bedingungen am Westkap kann Südafrika die Off-Season des Nordens nutzen, wenn dort nicht geerntet werden kann. Die meisten anderen Regionen sind allerdings wegen schlechter Bodenqualität und Wasserknappheit für die landwirtschaftliche Produktion nicht sonderlich geeignet. Eine Karte zeigt Ihnen, in welcher Region welche Produkte angebaut werden. Verarbeitende Industrie: Wie die Sektoren Bergbau und Landwirtschaft muss sich auch die verarbeitende Industrie seit 1994 der internationalen Konkurrenz und dem Preisdruck auf dem Weltmarkt stellen. Doch ihre Bedeutung hat insbesondere in den Bereichen der Grundstoff-, Investitionsgüter- und Schwerindustrie in den vergangenen Jahren zugenommen. 2005 verhalf die starke inländische Nachfrage der verarbeitenden Industrie zu einem Aufschwung. Hohe Wachstumsraten von etwa 8 Prozent pro Jahr erlebt die Baubranche. Auch die südafrikanische Energiewirtschaft ist in einem starken Wandel begriffen. Der Wirtschaftszweig trägt schon heute etwa 15 Prozent zum BIP bei und wird wegen des steigenden Bedarfs weiter wachsen. Um die Energieerzeugungskapazitäten an die Erfordernisse der Zukunft anzugleichen, hat Südafrika einen erhöhten Bedarf an neuen Kraftwerken. Zweitgrößter Industriebereich ist die Automobilindustrie, die über eine lange Erfahrung in Südafrika verfügt- Für 2007 allerdings erlebte sie eine Unterbrechung ihres Booms. Weitere Kernbereiche der Industrie sind der Maschinenbau, Chemie, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Textilien und Bekleidung. Südafrikas Infrastruktur zeichnet sich durch einen modernen Transportsektor, eine verfügbare Energieversorgung sowie ein hoch entwickeltes Telekommunikationswesen aus. |
Wirtschaftsindikatoren und AnalysenDie gesamtwirtschaftliche Lage stellen in Kurzform das Auswärtige Amt sowie das southafrica.info dar, eine aktuelle Datenzusammenstellung liefert das Länderprofil des Statistischen Bundesamtes. Eine Bewertung unter markwirtschaftlichen Gesichtspunkten leistet der Bertelsmann Transformations-Index (ab Kapitel 2). Die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) aktualisiert regelmäßig die "Wirtschaftsdaten kompakt". Zudem liefert die bfai auch einen gesamtwirtschaftlichen Ausblick auf das laufende Jahr. Mit Ausblick auf die Fußball-WM 2010 gibt das bfai gemeinsam mit der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das Südliche Afrika einen monatlichen Newsletter mit Berichten über jüngste wirtschaftliche Entwicklungen heraus.
Das Department of Trade and Industry veröffentlicht regelmäßig verschiedene Wirtschaftsstatistiken, darunter auch die jährlichen Wirtschaftsindikatoren. Auf der Südafrika-Seite des Economist finden Sie Links und Hinweise zu Grunddaten und Beiträgen über einzelne Wirtschaftsthemen, die z.T. allerdings kostenpflichtig sind. |
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© International Monetary Fund Südafrika pflegt eine transparente Haushaltspolitk. Im Open Budget Index 2006 belegte das Land Platz vier von 59 bewerteten Staaten.
Die Koordination Südliches Afrika (Kosa) beteiligt sich an der Kampagne zum Schutz gegen die Privatisierung der Wasserversorgung. To BEE or not to BEE: |
WirtschaftspolitikSüdafrikas neue Regierung stand 1994 vor der gewaltigen Aufgabe, das soziale und ökonomische Erbe der Apartheid anzugehen. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebte nach offiziellen Statistiken unter der Armutsgrenze, die allermeisten davon gehörten zur schwarzen Bevölkerungsmehrheit. Im RDP (Reconstruction and Development Programme), dem Aufbau- und Entwicklungsprogramm der Regierung von 1994, stand deshalb die Befriedigung der Grundbedürfnisse im Vordergrund, vor allem die Versorgung der bisher Benachteiligten mit Wohnraum, Zugang zu Wasser und Elektrizität. In den makroökonomischen Rahmendaten zeigt sich allerdings eine eher gespaltene Entwicklung. Mit der Veröffentlichung des neo-liberalen Wachstums-, Beschäftigungs- und Umverteilungsprogramms (Growth, Employment and Redistribution) GEAR hatte die Regierung Mitte 1996 einen deutlichen Richtungswechsel vollzogen. Statt weiterhin auf eine politisch gelenkte Umverteilung zu setzen, führte sie mit GEAR ein selbsternanntes Strukturanpassungsprogramm ein, das darauf abzielt, mittels einer Stabilisierung der makroökonomischen Rahmendaten die inländische und ausländische Investitionstätigkeit in Südafrika zu steigern. Die Wirtschaft soll damit auf einen neuen Wachstumspfad gebracht und so die prekäre Situation auf dem Arbeitsmarkt entschärft werden. Bis heute gibt es heftige Debatten darüber, welche Folgen diese wirtschaftspolitische Wende für das Land hatte. GEAR konnte die selbstgesteckten Ziele nicht einhalten. Die negativen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt bei einer bereits hohen Arbeitslosigkeit zeigten, dass in manchen Bereichen Verschlechterungen eingetreten sind. Allein durch die Integration Südafrikas in die globalisierte Ökonomie gingen fast eine halbe Million Arbeitsplätze verloren. Bei einem durchschnittlichen Wachstum von 2-4 Prozent in den ersten zehn Jahren kann – wie es ein Bericht der Union Bank of Switzerland ausdrückte – Südafrikas Wirtschaftspolitik als ein "Sich Durchwursteln" bezeichnet werden. Zu eng sind die Gestaltungsräume und Budgetvorgaben einer neoliberalen Wirtschaftspolitk, welche die Schere zwischen privatem und öffentlichem Sektor nur vergrößert hat. Die Regierungsbilanz über die Verwirklichung der Versorgungsziele nach zehn Jahren konnte sich von den Zahlen her zwar sehen lassen. Problematisch waren aber die Versuche, die Wasser- und Elektrizitätsversorgung durch teilweise Privatisierung sicherzustellen, was vor allem bei der Wasserversorgung zu zahlreichen Protesten führte. Zu viele mittellose Menschen können die Dienste einfach nicht bezahlen, auch wenn die Regierung versucht, den Zahlungsboykott mit der Einführung von Pre-Paid-Wasserzählern zu brechen und die Menschen über die sog. "Masakhane-Kampagne" von der neoliberalen Wirtschaftspolitik zu überzeugen. Mit einer neuen wirtschaftspolitischen Initiative, der Accelerated and Shared Growth Initiative for South Africa (ASGISA), versucht die Regierung seit 2006, wieder mehr Gewicht auf Arbeitsbeschaffung zu legen, doch Kritiker meinen, auch bei ASGISA stehe wie bei GEAR, das als Grundlagenprogramm weiterhin gilt, Wachstum im Vordergrund. Gleichwohl gibt es Anzeichen dafür, dass die Regierung sich den Forderungen der linken Kräfte im regierenden ANC und der Bündnispartner Cosatu und SACP annähert und ein staatlich finanziertes Grundeinkommen für alle Erwachsenen (Basic Income Grant, BIG) erwägt. Bisher lehnte sie das strikt ab. Um die Veränderung der extrem ungleichen Besitzverhältnisse in der noch weitgehend von Weißen dominierten Wirtschaft zu beschleunigen, fördert die Regierung seit 2003 Black Economic Empowerment. Per Gesetz werden Quoten zur Kapitalbeteiligung und zur Beschäftigung von Schwarzen festgeschrieben. Einer kleinen schwarzen Elite hat diese Politik der Affirmative Action einen rasanten Aufstieg ermöglicht. Die wachsende Kluft zwischen armen Schwarzen und reichen Weißen hat sie aber nicht aufhalten können, die Wirtschaftsmacht liegt weiterhin in den Händen weniger Weißer. Nach einer Studie der Regierung existieren in Südafrika zwei Wirtschaften nebeneinander, eine hochentwickelte, wettbewerbsfähige und eine marginalisierte informelle Wirtschaft. Seit die Regierung erkannt hat, dass sich die materiellen Lebensbedingungen für die Menschen nur verbessern, wenn sie diese Parallelwirtschaften verbindet, richtet sich die Aufmerksamkeit der Politik verstärkt auf die so genannte Second Economy. Das Ministerium für Umwelt und Tourismus versucht eine Verbindung von Wirtschaftsförderung und Nachhaltigkeit. |
Foto: Fanie Jason |
LandreformIn keinem Land südlich der Sahara ist das Land ungerechter verteilt als in Südafrika: 60.000 weiße Farmer verfügten über 72 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. Innerhalb von 15 Jahren sollten 30 Prozent der Agrarfläche an die unter Apartheid Enteigneten zurückgegeben werden. Nicht annähernd erreicht hat die Regierung die Ziele einer Landreform; nur ein Bruchteil des ehemals Weißen vorbehaltenen Landes wurde bisher umverteilt. Doch in der Landfrage geht es auch um ein Leben in Würde für die vielen Landlosen. Organisationen wie FIAN und die Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika (Kasa) fordern deshalb eine schnellere Umsetzung der Landreform. Tatsächlich will die Regierung 2007 die Landrefrom beschleunigen. Bislang hat sie das Prinzip "williger Käufer, williger Verkäufer" streng beachtet. Nun fürchten weiße Farmer schon Enteignungen nach simbabwischen Vorbild. Bei genauerem Hinsehen erweisen sich die Rufe nach Enteignung aber eher als Rhetorik denn als reale Politik. Zur Landreform wird viel veröffentlicht. Einige Hintergrundtexte finden Sie auf der Seite der von Kasa organisierten Wanderausstellung "Our Land". Interessant ist ein Vergleich mit der Landreform in Brasilien, das ebenso wie Südafrika zu den Ländern gehört, in denen Land am ungleichsten verteilt ist. |
HandelIndustrie und Handel haben in Südafrika einen wesentlich größeren Umfang als in anderen afrikanischen Staaten. Für viele afrikanische Länder ist Südafrika im vergangenen Jahrzehnt zu einem der zehn wichtigsten Investoren und Handelspartner geworden. Südafrika bietet sich sozusagen als Tor für Afrika an. Größter Handelspartner ist die Europäische Union, 32 Prozent der Exporte gehen dorthin, während die EU 41 Prozent der Importe Südafrikas ausmacht. Innerhalb der Europäischen Union sind Großbritannien und Deutschland die wichtigsten Handelspartner. Die südafrikanischen Exporte nach Deutschland bestehen überwiegend aus Eisen- und Stahlerzeugnissen, Maschinen, Kohle, KFZ-Teilen und landwirtschaftlichen Produkten, während 35 Prozent der Importe aus Deutschland zum Automobilsektor gehören. Die deutschen Rüstungsexporte nach Südafrika sind zwischen 2001 und 2004 erheblich gestiegen, nachdem die Regierung 1999 ein heftig umstrittenes Rüstungsgeschäft über ca. 7 Mrd. Euro mit Firmen der Europäischen Union abgeschlossen hatte. Das Internationale Konversionszentrum Bonn fordert ein Moratorium auf die Rüstungsexporte. Bei zunehmendem Einfluss der Globalsierung streiten sich Befürworter einer Handelsliberalisierung und Protektionisten über die richtige Handelspolitik. Das South African Institute of International Affairs hat zur Debatte über die Liberalisierung der Handelspolitik mehrere Module erstellt. |
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Die Internationale Kampagne zur Entschuldung und Entschädigung fordert die Streichung der Apartheidschulden und die Einrichtung eines Entschädigungsfonds. |
InvestitionenSüdafrika bietet wegen seiner gut entwickelten wirtschaftlichen Infrastruktur und eines wachsenden Marktes ein großes Potenzial für Investitionen. Doch trotz guter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und gesetzlicher Investitionsanreize der Regierung halten sich die Auslandsinvestoren zurück. Die ausländischen Direktinvestitionen beliefen sich 2005 auf 6,4 Mrd. US-Dollar. Ein Großteil davon machte aber die Übernahme der südafrikanischen ABSA-Bank durch die britische Barclays aus. Die Direktinvestitionen deutscher Firmen beliefen sich (ohne ihre Tochterfirmen gerechnet) 2004 auf 3,2 Mrd. Euro. Wichtige deutsche Investoren, darunter DaimlerChrysler, BMW, Volkswagen und viele andere Firmen der Automobilindustrie, haben bereits zu Zeiten der Apartheid in Südafrika Produktionsstätten errichtet. Es besteht ein Abkommen zum Schutz von Investitionen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Südafrika, ebenso wie ein Abkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung. Nach Apartheid hat Südafrika über 40 bilaterale Investitionsabkommen (BTI) geschlossen. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung bewertet die BTI im Auftrag des SAIIA kritisch. In der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das Südliche Afrika AHK sind über 500 Mitgliedsfirmen organisiert. Jährlich werden sie über ihre Haltung zum Investitionsklima befragt. ApartheidschuldenDie Auslandsverschuldung Südafrikas belief sich 2005 auf 30 Mrd. US-Dollar. Das klingt nach viel, aber Südafrika zählt nicht – wie mehrere Staaten des südlichen Afrika – zur Kategorie der hochverschuldeten Länder. Angesichts der sozialpolitischen Herausforderungen stellen die Schulden allerdings ein großes Hindernis für die Entwicklung des demokratischen Südafrika dar. Deswegen fordert die Internationale Kampagne zur Entschuldung und Entschädigung im südlichen Afrika, dass die durch Apartheid verursachten Schulden zurückgezahlt werden. Die Gewinne deutscher Unternehmen und Banken – insbesondere der Dresdner Bank, der Commerzbank, der Deutschen Bank – aus ihren Apartheidgeschäften beliefen sich in der Zeit von 1971 bis 1993 sich auf ca. 4 Mrd. Euro. In die Schweiz sind in den letzten Apartheid-Jahren nach Schätzungen etwa 300 Millionen US-Dollar jährlich an Zinsen und Dividenden zurückgeflossen. Der US-Anwalt Michael Hausfeld hielt im Oktober 2003 eine Rede über die europäischen Gewinner der Apartheid. Seine im Auftrag der Khulumani Support Group in den USA eingereichte Klage war zunächst abgelehnt worden; im Oktober 2007 wurde die Klage angenommen. |
3.2.
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Armut und ArmutsbekämpfungDie Bekämpfung der Armut und Arbeitslosigkeit ist erklärtermaßen ein vorrangiges Ziel der Regierung Mbeki. Sie konzentriert sich auf die Verbesserung der Versorgung mit Wasser, Elektrizität und Wohnungen. Millionen von Menschen wurden mit Häusern, Wasser- und Stromanschlüssen versorgt. Aber über 50 Prozent der Gesellschaft leben noch immer in tiefer Armut. Das UNDP präsentiert alljährlich den Human Development Index, mit dem die Entwicklungsprozesse für die Menschen in den jeweiligen Staaten eingeschätzt werden. Hier nimmt Südafrika im letzten UNDP-Bericht Rang 121 von 177 Ländern ein. Die vorherrschenden Asymmetrien zwischen den Geschlechtern verdeutlichen zwei spezielle Indexe: der Gender-Related Development Index (GDI) und das Gender Empowerment Measure (GEM). Beim GDI belegt Südafrika Platz 86. Die Daten werden im Country Fact Sheet South Africa zusammengefasst. Der letzte National HDR zu Südafrika wurde 2003 veröffentlicht. Südafrikas Stand bei der Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele (MDG) wurde von den Vereinten Nationen im im MDG-Bericht im September 2005 erfasst, aktualisiert sind die Fortschritte im Bericht von September 2007. Zu diesen Zielen gehört die Halbierung der Armut bis 2015. Der Bericht zeigt sich optimistisch, dass Südafrika alle seine MDG erreichen wird und einige Ziele sogar schon umgesetzt hat. Das Southern African Regional Poverty Network SARPN bietet regelmäßig Beiträge an, die im weiteren Sinne mit der Armutsbekämpfung im Zusammenhang stehen, darunter eine jüngere Studie zur Auswirkung von Wachstum und Umverteilung auf Armut und Ungleichheit in Südafrika. Im Rahmen der Armutsdebatte fordern Zivilgruppen wie die Basic Income Grant Coalition seit Jahren ein staatlich finanziertes Grundeinkommen. Der Südafrikanische Kirchenrat SACC, der Gewerkschaftsbubnd Cosatu und das NRO-Netzwerk Sangoco haben zudem eine Kampagne zum People's Budget ins Leben gerufen, mit der eine offene Debatte zur Wirtschaft- und Sozialpolitik und ein Beitrag zur Armutsbekämpfung angeregt werden soll. Das Nationale Institut für Arbeit und Wirtschaftsentwicklung Naledi hat dazu im Februar 2005 den 59-seitigen Report People's Budget 2006 -2007 veröffentlicht. Auch mit der Erstellung und Veröffentlichung verschiedener Module eines Civil Society Reader versucht Naledi, die Zivilgesellschaft stärker in die Debatte zur Armutsbekämpfung einzubinden. |
Seit 2004 versucht die internationale Kampagne Stop EPAs, die EU-AKP-Freihandelsabbkommen zu stoppen. Die Kampagne sagt: "Epas sind vorrangig von den Interessen der großen Konzerne in der EU und einer kleinen Wirtschaftselite in den AKP-Ländern bestimmt. Die EU hat bei diesen Freihandelsabkommen nur zu gewinnen und nichts zu verlieren; die große Mehrheit kleiner Produzenten in den AKP-Ländern aber hat alles zu verlieren und wenig zu gewinnen." Links zur internationalen Kampagne finden Sie unter StopEpa.de. Die Sicht von Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, zur regionalen Integration und zu den EPA-Verhandlungen unter deutschem G8-Vorsitz können Sie in E+Z 01/2007 nachlesen. |
Regionale Kooperation und internationale EntwicklungsanstrengungenDie Beziehungen innerhalb der 14 Mitgliedsstaaten der regionalen Entwicklungsgemeinschaft Southern African Development Community SADC konzentrieren sich bislang auf die Integration einzelner Sektoren wie Transport und Kommunikation. Es ist geplant, auch den interregionalen Handel noch weiter zu fördern. Aus der Region soll eine Freihandelszone werden. Zwar beteuert Präsident Mbeki, dass die regionale Integration nachhaltig sein soll, bislang aber fällt die Handelsbilanz in der Region deutlich zu Gunsten Südafrikas aus. Kritische Analysen zur Nepad-Initiative und Südafrikas Rolle dabei zeigen, dass die ökonomische Zusammenarbeit Südafrikas mit afrikanischen Staaten sich in erster Linie am "neoliberalen Mainstream der Globalisierung" orientiert. Besondere Beziehungen bestehen zur Europäischen Union, die seit der Wende in Südafrika verschiedene Programme zur Unterstützung der Entwicklung aufgelegt hat. Nach dem Scheitern der Welthandelskonferenz in Mexiko 2003 bemüht sich die EU allerdings um ökonomische Partnerschaftsabkommen (EPAs), die die SADC-Länder in verschiedene Gruppen aufspalten. Mit Südafrika hat die EU ein eigenes Freihandelsabkommen abgeschlossen, das den schrittweisen Abbau der Zölle um 90 Prozent bis zum Jahr 2012 vorsieht. Dieser Vertrag zu Handel, Entwicklung und Zusammenarbeit (TDCA) hat Implikationen für die Länder der Southern African Customs Union SACU, zu der neben Südafrika Namibia, Botswana, Lesotho und Swasiland gehören, aber auch für die Nicht-SACU-Länder. Sie werden der starken Konkurrenz der hochsubventionierten Agrarprodukte aus der EU ausgesetzt. Der Agrarmarkt war schon bei den TDCA-Verhandlungen ein zentraler Streitpunkt. Trotz des eigenen Freihandelsabkommens will die EU Südafrika auch in die EPA-Verhandlungen einbinden, die sie 2007 unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft abzuschließen gehoff hatte. Sie hat dabei ohne Rücksicht auf die Interessen der Afrikaner aufs Tempo gedrückt, denn am 1. Januar 2008 läuft das Cotonou-Abkommen aus, das die Erhebung von Zöllen für Importe aus Afrika für die EU regelt. Bei der vorgesehenen Liberalisierung des Handels soll Südafrika weniger Marktzugang als den anderen Ländern eingeräumt werden, weil es vor allem in der Landwirtschaft wettbewerbsfähiger ist. Beim Afrika-Gipfel in Lissabon im Dezember 2007, auf dem sich einige afrikanische Staatschefs gegen die von Bundekanzlerin Merkel gegen das Mugabe-Regime in Simbabwe gerichtete Kritik verwahrten, sind die Handelsabkommen zunächst einmal geplatzt. Senegals Staatspräsident Abdoulaye Wade sagte stellvertretend für seine afrikanischen Kollegen: "Wir sprechen nicht mehr über die EPAs, wir haben sie abgelehnt, das ist vorbei." Südafrikas Staatspräsident kündigte an, er wolle EPA nicht unterzeichnen. Die Verhandlungen werden 2008 mit offensichtlich selbstbewusster gewordenen Afrikanern fortgesetzt werden. Ein Handelsförderungsabkommen (African Growth and Opportunity Act, AGOA) ist ebenfalls mit den USA geschlossen worden, mit denen Südafrika traditionell gute Wirtschaftsbeziehungen unterhält. Unter dem globalen Marktdruck scheinen die regionalen Strategien kaum Aussicht auf Erfolg zu haben. Zumindest sind die Handelspolitiker der EU und der USA dabei wenig hilfreich. Auch in Südafrika spielen die asiatischen und arabischen Länder eine zunehmende Bedeutung. Vor allem China erobert den afrikanischen Markt und lockt mit Milliardenkrediten. Südafrika ist Chinas wichtigster Handelspartner auf dem Kontinent. Die chinesische Invasion in Südafrika schürt aber auch die "Angst vor der asisatischen Konkurrenz". Am Rande des China-Afrika-Gipfels im Dezember 2006 in Peking haben chinesische Firmen erste Investitionsabkommen mit Südafrika geschlossen. Nach eigenem Selbstverständnis hat Südafrika in der Kooperation mit China stellvertretend für den Kontinent die Rolle übernommen, die Zusammenarbeit mit China stärker in die Afrikanische Union (AU) und Nepad einzubinden. Die Kritik Europas und der USA am chinesischen Engagement in Afrika wird in Südafrika als Doppelmoral empfunden. Gleichwohl warnte Präsident Mbeki vor "kolonialen Beziehungen" mit China. Wenn Afrika nur Rohstoffe nach China liefere und Fertigwahren einführe, könnte der afrikanische Kontinent "zur Unterentwicklung verdammt" sein. Ein wichtiger multilateraler Partner bei der Förderung der entwicklungspolitischen Ziele Südafrikas ist das United Nations Development Programme UNDP. Südafrika ist zudem Mitglied der African Union (AU), der UNO, des British Commonwealth, des IWF und der Weltbank. |
Deutsche EntwicklungszusammenarbeitDie Bundesrepublik Deutschland hat den Reformprozess in Südafrika seit 1992 durch offizielle Entwicklungszusammenarbeit begleitet. Nach den ersten freien Wahlen von 1994 haben fast jährlich Regierungsverhandlungen über die Zusammenarbeit stattgefunden. Dabei dient vor allem die Deutsch-Südafrikanische Binationale Kommission als Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit. Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit sind Kommunalentwicklung, berufliche Bildung, gute Regierungsführung und Bekämpfung von HIV/Aids als Querschnittsthema. Das BMZ zählt Südafrika zu den "Ankerländern" der Entwicklungszusammenarbeit. Es handelt sich dabei um eine heterogene Gruppe von Ländern wie China, Indien, Indonesien, Ägypten, Nigeria, Mexiko, Brasilien etc., die aber aufgrund ihres wirtschaftlichen Gewichtes und des politischen Einflusses in ihren Regionen eine besondere Beachtung als "Partner für globale Entwicklung" in der deutschen EZ finden. Mehrere Bundesländer haben Partnerschaften mit südafrikanischen Provinzen aufgenommen und führen dort eigene Projekte der entwicklungspolitischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit durch. Es sind dies Bayern mit Gauteng und Westkap, Baden-Württemberg mit KwaZulu-Natal, Nordrhein-Westfalen mit Mpumalanga und Niedersachen mit Ostkap. Die InWent-Servicestelle Kommunen in der Einen Welt leistet mit ihrem Qualifizierungs- und entwicklungspolitischen Bildungsprojekt für die Fußball-WM in Südafrika, in dem die kommunalen Kompetenzen und Fähigkeiten zur Vorbereitung und Durchführung der WM gestärkt werden sollen, einen wichtigen Beitrag kommunaler Zusammenarbeit. Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen:
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