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Südafrika
Seite 4: Gesellschaft, Kultur & Religion

4.1.
Makrosoziale Struktur



Kind

© Birgit Morgenrath


Geerbte Ethnizität: Probleme mit der Gruppenbezeichnung

Am Beispiel der "Farbigen" zeigt sich das Problem mit den Gruppenbezeichnungen: Die englische Bezeichnung ist coloureds, die offizielle afrikaanische Kleurlinge. Übersetzt ins Deutsche hieße das "Farbige", wobei dieses im Deutschen jedoch die generelle Bezeichnung für Angehörige anderer Ethnien ist. "Mischlinge" hingegen erweckt durch die Betonung der Mischung verschiedener Ethnien den Anschein einer negativen Bedeutung und hatte in der Vergangenheit einen eher abschätzigen Beigeschmack.
(aus kapstadt.net)



Township Life

Das Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung hat eine Fotodokumentation und Texte zusammengestellt, die am Beispiel des Walmer Township in Port Elizabeth das Leben in einem Armenviertel schildern.

Von der Rassen- zur Klassengesellschaft

Südafrika ist ein entlang Rasse, Ethnie, Sprache, Religion, Zentrum-Peripherie und Klasse mehrfach geteiltes Land. Die historische Entwicklung hat die südafrikanische Gesellschaft zu einem rassischen Kastensystem gemacht; Rasse und Hautfarbe erhielten darin mehr Bedeutung als Klasse, Sprache und andere soziale Unterscheidungsmerkmale. Die Apartheidgesetze hatten Südafrikas Bevölkerung in vier ethnische Gruppen aufgeteilt: Schwarze, Weiße, Coloureds (Farbige) und Asiaten/Inder. Wer nicht weiß war, gehörte von Geburt an zu den Unterprivilegierten. Im neuen Südafrika ist eine solche Unterscheidung politisch wie moralisch verwerflich, doch sie prägt noch immer in hohem Maße die Gesellschaft und die Interessensbeziehungen der durch Apartheid streng getrennten Gruppen von Afrikanern, Weißen, Farbigen und Indern.

Staatliche Lösungsansätze, wie die Proklamation Südafrikas als Regenbogennation oder Mandelas Versöhnungspolitik, haben wenig zur Abschwächung dieser Konflikte beigetragen. Aufgrund ihrer tiefen gesellschaftlichen Verankerung sind die Kräfte der Zivilgesellschaft prinzipiell in einer besseren Position, die Beziehungen zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Ethnien und über Rassengrenzen hinweg verbessern zu können.

Soziale Lage und soziale Klassen

Das gesellschaftliche Leben ist aufgrund der jahrzehntelangen Apartheid von der Trennung der Lebensbereiche bestimmt. Die Ungleichheit der Einkommen zählt (gleich hinter Brasilien) zu den größten der Welt und ist noch weitgehend schwarz-weiß geprägt. So gingen zwischen 1995 und 2000 die Einkommen schwarzer Haushalte um 19 Prozent zurück, während die der Weißen im selben Zeitraum um 15 Prozent stiegen. Allein 85 Prozent des Steueraufkommens wird von Weißen erbracht. Der Gini-Koeffizient, der die Ungleichheit der Einkommensverteilung erfasst, ist in Südafrika einer der höchsten der Welt. Er beträgt für die Schwarzen 0,72 - bereits 0,4 gelten als alarmierend -, für die Weißen und Asiaten liegt er bei 0,6 und für die Mischlinge bei 0,64. Den Zusammenhang von Rasse, Klasse und wachsender Ungleichheit zeigen auch eingehende Studien.

Wo sich jedoch die Einkommen angleichen, vor allem in der neuen, mit etwa 2,6 Mio. Mitgliedern noch relativ kleinen schwarzen Mittelklasse, den sog. buppies, findet statt, was mit dem Schlagwort von der "Regenbogennation" gemeint ist: Mischung und Vielfalt. Für die meisten bleibt das Hoffen auf den Regenbogen jedoch ein unerfüllter Traum, man bleibt weitgehend unter sich.

Marktfrau

Straßenhändlerin in Durban
© Dorothee Mennicken/issa

Die Arbeitslosenrate liegt derzeit bei offiziell 25 Prozent, bei Einbezug der nicht aktiv Arbeitssuchenden sind es aber weit mehr. Bei Jugendlichen unter 20 Jahren beträgt die Arbeitslosenquote mehr als 70 Prozent. Auch hier wird die Ungleichheit deutlich: Die Arbeitslosenquote bei Weißen liegt bei 9,9 Prozent, bei der schwarzen Bevölkerung im Durchschnitt bei 47,8 Prozent.

Wegen der hohen Arbeitslosenrate versuchen Millionen Menschen, darunter viele Frauen, mit einer informellen Beschäftigung das Überleben zu sichern. Aus der Zivilgesellschaft heraus wird für ein an den Bedürfnissen orientiertes "People's Budget" als Gegenmodell zum offiziellen Haushalt mobilisiert.

Frauen und Kinder

Von der Armut in Südafrika sind vor allem Frauen betroffen. Sie benötigen staatliche Unterstützung, denn aufgrund der traditionellen Rollenverteilung sind es in erster Linie Frauen, die der unbezahlten Beschäftigung nachgehen. Die Verfassung definiert Südafrika als einen demokratischen Staat mit nicht-rassischen und nicht-sexistischen Grundwerten. Diese zumindest rechtliche Gleichstellung haben sich die Frauen auch durch ihren Beitrag zur Befreiung von Apartheid erkämpft. Eine große Zahl von Frauenorganisationen hat in den letzten Jahren an gesellschaftspolitischen Entscheidungen partizipiert und berät betroffene Frauen. Doch die Rechte der Frauen sind noch stark von gewohnheitsrechtlichen Praktiken vor allem in ländlichen Gebieten, die patriarchale Strukturen zu bewahren versuchen, geprägt.

Das in der ehemaligen Transkei angesiedelte ländliche Bildungsprojekt ISINAMVA ist eines von den vielen Beispielen, in denen sich Frauengruppen selbst organisieren. Und die Ausbreitung von Aids ist gerade für Frauen zum wichtigen Thema geworden. Nach einer Studie sind sie dreimal mehr als Männer vom Infektionsrisiko betroffen.

Einige Nichtregierungsorganisationen setzen bei den Kindern selbst an, denn viele Kinder und Jugendliche sind bei der politisch motivierten Gewalt während der Apartheidzeit Zeugen extremer Gewalttaten gewesen. Children for Tomorrow etwa fördert in Kapstadt das Projekt "Children in Crisis". Ebenso organisiert das Children's Resource Centre sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche am westlichen Kap und anderswo. Molo Songololo organisiert und integriert Straßenkinder in Kapstadt.

Transport

Wanderarbeiter.
© Ina Zukrigl/issa

Migration und Fremdenfeindlichkeit

Südafrika zieht wegen seiner Wirtschaftskraft immer mehr Arbeitssuchende und Flüchtlinge aus Afrika und der Region an. Waren Wanderarbeiter zu Apartheidzeiten gefragte Arbeitskräfte in den Goldminen und Privilegierte im Vergleich zu ihren daheim gebliebenen Familienangehörigen, werden Migranten aus den Nachbarländern heute nicht nur als Konkurrenz für die knappen Arbeitsplätze gesehen, Südafrika wurde auch von einer "Welle der Xenophobie" überschwemmt, die sich immer häufiger gewaltsam Bahn bricht. Bis zu sechs Millionen Einwanderer sollen sich illegal in Südafrika aufhalten. Besonders prekär ist die Lage der Flüchtlinge aus Simbabwe, die wegen der desaströsen Lage in ihrem Heimatland nach Südafrika strömen und von den dortigen Behörden wieder abgeschoben werden.

4.2
Mikrosoziale Struktur

Familienleben

Das Familienleben unterscheidet sich zwischen Stadt und Land und den einzelnen Bevölkerungsgruppen. Naturgemäß gelten die traditionellen Regeln noch mehr auf dem Lande. Den Lebenszyklus eines Kindes in einem abgelegenen Dorf auf den Hügeln Zululands schildert ein unicef-Bericht.

Südafrika ist zugleich das erste afrikanische Land, in dem gleichgeschlechtige Ehe möglich ist. Ein entsprechendes Gesetz wurde im November 2006 gegen den Widerstand von religiösen Gruppen und traditionellen Führern unterzeichnet. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, das Homosexualität von manch einem Staatsführer im Südlichen Afrika als "unafrikanisch" verunglimpft wird. Für die Rechte von Schwulen und Lesben setzt sich das Lesbian & Gay Equality Project ein.

4.3
Bildung

Schule und Berufsbildung

Schulen und Universitäten waren unter der Apartheid strikt nach vier "Rassen" getrennt. Neben Streiks und "stayaways" gehörten deshalb Schulboykotte zu den Mitteln der Studenten- und Jugendbewegungen im Befreiungskampf. Nach 1994 mussten zunächst die vier voneinander getrennten Verwaltungssysteme im Bildungssektor sowie die Einrichtungen der ehemaligen "Homelands" zusammengeführt werden. Die Bildungspolitik soll nun die historische Benachteiligung von Schwarzen und Coloureds aufheben und zur Demokratisierung und Chancengleichheit beitragen. Dazu wurde ein ehrgeiziges Curriculum 2005 erarbeitet. Doch in vielen Regionen mangelt es an der notwendigen Infrastruktur. Schulen und Universitäten fehlen die Gelder, und Lehrkräfte sind oft selbst schlecht ausgebildet. An den staatlichen Schulen beträgt das Lehrer-Schüler-Verhältnis im Landesdurchschnitt 1:33, an den privaten Schulen kommt ein Lehrer auf 17,5 Schüler.

Bildung

Grundschule Nr. 37 in Mitchell's Plain.
© Birgit Morgenrath/issa

Für das dreigliedrige Erziehungswesen Südafrikas ist das Department of Education zuständig. Auskunft über den noch unzureichenden Stand im Bildungsystem gibt der Direktor der Bildungsreinrichtung Praesa (Project for the study of alternative education in South Africa), Neville Alexander, in einem Interview.

Obwohl Südafrika 5,4 Prozent seines Bruttoinlandprodukts für Erziehung ausgibt und damit über dem Weltdurchschnitt von 4,7 Prozent liegt, fällt sein Bildungssttandard selbst hinter ärmere afrikanische Ländern wie Ghana, Botswana oder Marokko ab. Deswegen müsse Südafrika seinen Bildungsstandard dramatisch verbessern, um genügend Arbeitsplätze zu schaffen, wie Bildungsexperten warnen.

Hochschulbildung

Südafrika hat mit 21 Universitäten und 15 Technikons die umfangreichsten akademischen Bildungsstätten in Afrika mit mehr als 490.000 registrierten Studenten. Dennoch haben erst 3 Prozent der erwachsenen Bevölkerung einen Universitätsabschluss. Zu den Universitäten gehören etwa die 1829 gegründete University of Cape Town, die wegen ihres hohen Forschungsstands zu den renommiertesten Universitäten des Kontinents gehört, die 1916 gegründete University of Fort Hare im Eastern Cape, akademische Heimat vieler Befreiungskämpfer wie Nelson Mandela, Oliver Tambo oder Govan Mbeki, die University of Witwatersrand in Johannesburg, eine der führenden Forschungsstätten des Landes, die Universiteit-Stellenbosch-University, eine der wenigen höheren Bildungseinrichtungen, an denen noch vornehmlich in Afrikaans gelehrt wird, die Rhodes University im Eastern Cape, deren Abteilung für Journalismus und Medienkunde die größte und älteste Journalismusschule in Afriika ist, die University of KwaZulu-Natal in Durban, die Nelson Mandela Metropolitan University in Port Elizabeth und George oder die University of South Africa bei Pretoria, die Fernstudienprogramme anbietet.

4.4
Gesundheit und Sozialwesen

Traditionelle Medizin

Südafrika verfügt über eine reiche Biodiversität mit ca. 24.000 einheimischen Pflanzen. Die traditionelle Medizin hat eine lange Tradition. Nach Schätzungen des National Reference Centre for African Traditional Medicine konsultieren mindestens 70 Prozent aller Südafrikaner einen der 200.000 Heiler im Lande. Die Regierung versucht die traditionelle Medizin ins Gesundheitssystem zu integrieren, etwa bei der Behandlung von Tuberkulose. Für die Behandlung von HIV und Aids oder Krebs sollen "Sangomas" nach einem Gesetz von 2005 allerdings keine Lizenzen bekommen.

Gesundheitsversorgung

Nach Jahrzehnten rassisch getrennter Gesundheitspolitik hat heute jeder Mensch das Recht auf medizinische Versorgung. In der Praxis sind die Krankenhäuser oft unterausgestattet und -besetzt, so dass auf ausländische Fachkräfte zurückgegriffen werden muss. Jüngere Umfragen zeigen, dass sich die Qualität der Krankenhäuser wegen Personalmangels, schlechten Managements und fehlender Absprache mit den Gesundheitsämtern der Provinzen noch verschlechtert hat, was auch eine Studie, die in sechs regionalen Krankenhäusern durchgeführt wurde, bestätigt.

HIV/Aids

Wie in allen Ländern der Region ist auch in Südafrika HIV/Aids ein enormes Gesundheitsproblem, das die gesellschaftliche Entwicklung stark beeinträchtigt. Einen Überblick über HIV/Aids mit den entsprechenden Zahlen gibt UNAIDS heraus.

Über den Umgang mit der HIV- und Aidskrise gab es Jahre lang öffentliche Auseinandersetzungen, weil Südafrikas Präsident den Zusammenhang zwischen HI-Virus und Aids in Frage gestellt hatte. Mittlerweile bemüht sich die Regierung um eine landesweite Versorgung mit Medikamenten. Ende 2003 legte sie einen umfassenden Plan zur Vorbeugung und Behandlung von Aids vor, der auch von der Treatment Action Campaign (TAC) begrüßt wurde. Zusammen mit anderen Bürgerinitiativen begleitet sie die Umsetzung kritisch und monierte knapp zwei Jahre nach Beginn des Programms, dass noch immer nur 30 Prozent der Bedürftigen Zugang zu den Medikamenten haben. Diese Beschränkung wird auch im Jahresbericht Südafrika 2005 von amnesty international über Menschenrechtsverletzungen aufgeführt.

Aidsgruppe

HIV/Aids-Selbsthilfegruppe
© Edelgard Nkobi/issa

Auf der Weltaidskonferenz in Toronto im August 2006 ist es dann tatsächlich zum Umschwung in der Aidspolitik Südafrikas gekommen. Verantwortlich dafür war die Vize-Gesundheitsministerin Nozizwe Madlala-Routledge, die ihre erkrankte Chefin Tshabalala-Msimang vertreten hatte. Im August 2007 hat Thabo Mbeki Madlala-Routledge gefeuert, was als "Rache von Dr. Rote Bete" gewertet wird. Diese ironische Bezeichnung hatte sich die Gesundheitsministerin wegen ihres Vorschlags, Aids mit Knoblauch und Roter Bete zu bekämpfen, zuschreiben lassen müssen. Über den Zusammenhang von HIV-Infektion und Aids informiert auch Südafrikas Medical Research Council.

Das Leben ist durch Aids für viele kurz geworden. Während sich die Familien früher auf Hochzeiten trafen, treffen sie sich heute auf Beerdigungen.

Altersversorgung und Sozialhilfe

Südafrika ist der einzige Wohlfahrtsstaat in Afrika. Das in der Verfassung verankerte Recht auf soziale Sicherheit spiegelt sich in einem komplexen Sozialsystem wider. Dazu gehören u.a. eine Altersrente (700 Rand monatlich für Frauen ab 60 und Männern ab 65 Jahren), eine staatliche Arbeitslosenversicherung, ein staatlicher Gesundheitsdienst, ein Programm zur Unterstützung von Behinderten sowie ein einkommensabhängiges Kindergeld. Die Sozialhilfe erreicht nach Regierungsangaben mittlerweile 11 Millionen Bedürftige. Von der Altersrente profitiert indirekt auch die zunehmende Zahl von Aidswaisen, die bei ihren Großeltern aufwachsen und damit von ihnen versorgt werden können.

Auf dem Lande kommen Sozialhilfeprogramme oft nicht an. Der in Durban ansässige Media in Education Trust hat ein Programm (Schools as Centres of Care and Support) aufgelegt, das Kindern von Landschulen und ihren Familien hilft, über die notwendigen Registrierungen Zugang zu den Sozialhilfeleistungen zu bekommen.

4.5
Kultur

Kulturelle Identitäten

Multi-Kulturalität gehört nach Jahrzehnten der Unterdrückung aller, die nicht weiß waren, zu den Leitbildern. Dabei spielen ethnische Identitäten bei der überwiegend in Städten lebenden Bevölkerung keine entscheidende Rolle mehr. Die Regierung bemüht sich um Rückbesinnung auf afrikanische Werte wie das gemeinschaftsorientierte Menschenbild des Ubuntu-Konzeptes. Thabo Mbeki's Idee von der African Renaissance soll einer neuen nationalen Identität auf den Weg helfen.

Kulturell ist Südafrika sehr lebendig und vielschichtig. Apartheid hat die Zugänge zu Musik, Theater, Museen etc. getrennt; dadurch entstanden "weiße" und "schwarze" Traditionen, die nicht viel gemein hatten. Der politisch fortschrittliche Teil der Kulturszene war bis 1993 damit befasst, die Apartheid zu kritisieren. Zugleich haben Künstlerinnen und Künstler längst vor der politischen Gleichberechtigung Bilder einer neuen Gesellschaft entworfen; sie tragen heute wesentlich zur Entstehung einer gemeinsamen südafrikanischen Identität bei.

Mit der Oscar-Verleihung für "Tsotsi" als bestem fremdsprachigen Film 2006, der die Geschichte eines jugendlichen Gangsters in Soweto erzählt, erhofft sich das südafrikanische Kino einen internationalen Durchbruch und eine Belebung des Tourismus. Wie vielfältig sich kulturelles Schaffen von der Literatur bis zum Jazz und Theater ausnimmt, stellt sich dar auf der Programmseite Fine Art der Mail & Guardian oder beim Artslink.

Literatur

Südafrika hat eine der reichhaltigsten Literaturen Afrikas und einige Autoren von Weltrang wie John Maxwell Coetzee, der mit seinem 1999 erschienenen Roman "Schande" den renommierten Booker Prize und den Literaturnobelpreis von 2003 erhielt, wie der Romancier und Theaterschriftsteller Athol Fugard, dessen Roman "Cry, the Beloved Country" weltweit zum Bestseller wurde, oder wie Nadine Gordimer, die als erst siebte Frau 1991 den Literaturnobelpreis erhielt; wie die in Afrikaans schreibenden Dennis Brutus, Breyten Breytenbach und André Brink, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Apartheidregime angelegt hatten, oder die schwarzen Schriftsteller Mongane Wally Serote, dessen Werk "No Baby Must Weep" einen Einblick in den Alltag eines schwarzen Südafrikaners während der Apartheid gibt, und Zakes Mda, Gewinner des Commonwealth Writers Prize 2001, oder wie Bassie Head.

J M Coetzee

John M.Coetzee

Jüngere Autoren wie Andrew Brown oder Wiliam Gumede gehen mittlerweile auf Distanz zu den Leitfiguren der südafrikanischen Literatur. In einer Chronik zur Sozial- und Literaturgeschichte lässt sich die Entwicklung der Literaturszene Südafrikas auch historisch verfolgen.

Wie groß das Interesse auch an ausländischer Literatur in Südafrika ist, zeigte der große Andrang auf der gemeinsam vom Verband südafrikanischer Verleger und der Frankfurter Buchmesse veranstalteten internationalen Buchmesse in Kapstadt im Juni 2006. Die mangelhafte Bildung eines großen Teils der Bevölkerung behindert allerdings die Ausbreitung der Lesekultur in Südafrika. Ein Bindeglied können dabei die Bibliotheken sein.

Musik

Reichhaltig ist auch die Musikszene. Namen wie Miriam Makeba oder Ladysmith Black Mambazo sind auch hier zu Lande wohl bekannt. Viele schwarze Künstlerinnen und Künstler, die während der Apartheid in Afrikaans oder Englisch sangen, singen heute in ihren traditionellen afrikanischen Sprachen.

Die südafrikanische Musik hat im Verlaufe ihrer Geschichte etliche Stilrichtungen wie marabi und kwela hervorgebracht, und sie hat ihren eigenen Einfluss auf den Jazz sowie auf Pop, Rock und Crossover ausgeübt. Heute ist es vor allem der Kwaito-Stil, eine Mischung aus House, Rhythm & Blues, HipHop und afrikanischen Klängen, der in den Townships erklingt – ein Symbol für Aufbruch, Befreiung und Lebensfreude. Eine bekannte Vertreterin dieser Musikrichtung ist die 2004 verstorbene Brenda Fassie, eine Ikone der südafrikanischen Popmusik, die es bis in die britischen Charts geschafft hat. Das Soweto String Quartett verbindet klassische europäische Musik mit afrikanischen Stilrichtungen. Auf dem Lande gibt es einen wachsenden Markt für Musik im Country-Stil auf Afrikaans.

Abdullah Ibrahim

Abdullah Ibrahim
© Ssirius W. Pakzad

Der Mann, der dem Jazz seine afrikanischen Wurzeln wiedergab, ist Abdullah Ibrahim, der bis zu seiner Konversion zum Islam als Dollar Brand in den Jazzclubs Nordamerikas und Europas tourte. Heute ist der weit über 70-jährige, der in Kapsatdt lebt, längst eine Legende des südafrikanischen Jazz.

"Women with a voice" ist eine Sammlung von dreizehn südafrikanischen Sängerinnen, die das enorme Potenzial an musikalischen Talenten und Frauen-Power in Südafrika aufzeigt.

Seit Frühjahr 2007 vertreibt Rough Trade einen großen Teil des Repertoires des unabhängigen Jazz- und Weltmusiklabels Sheer Sound in Deutschland.

Bildende Kunst

Zahlreiche junge Künstler zeugen von der lebendigen Kunstszene. Künstler wie Frances Goodman, Moshekwa Langa, Nigel Mullins, Liza du Plessis und Sandile Zulu etwa wurden auf Ausstellungen in Deutschland vorgestellt. Der Maler Mbongeni R. Buthelezi ist 2007 in der Kölner Galerie Seippel zu sehen.

Ein bekannter Fotograf ist der 1931 in Berlin geborene und 1950 nach Südafrika ausgewanderte Jürgen Schadeberg. Er lebt in Johannesburg und hat seine Fotos in Südafrika und Europa ausgestellt.

In dem Projekt Public Privat Partnership sollen südafrikanische Künstler und Kultur gefördert werden.

Logo Fußball-WM

Für die Fußball-WM 2010 fördert ein InWEnt-Projekt die kommunale Zusammenarbeit und Entwicklung mit Südafrika.

Bilder zu den einzelnen WM-Stadien finden Sie bei southafrica.info.

Fußball-WM 2010

Südafrika ist eine sportbegeisterte Nation. Der Sport spielt dort eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben. Traditionell ist Rugby die beliebteste Sportart, der allerdings noch der burische Charakter anhaftet. Das Rugby-Team hat sich von seinem Afrikaans-Namen "Springboks" ("Bokkies") trotz des Versuchs der Namensänderung nicht wirklich lösen können. Die mittlerweile gemischte Rugbymannschaft gehört aber zur absoluten Weltspitze. Das kann man von der südafrikanischen Fußballnationalmannschaft trotz zwischenzeitlichen Höhenflugs noch nicht sagen.

Dabei ist Fußball in den Townships, deren Bewohner mit der rauen Rugby-Sportart der Buren nichts anfangen können, die unumstrittene Nummer eins – eine Liebe, die quer durch alle Gesellschaftsschichten geht, seit Südafrika zur großen Freude seiner Bewohner mit seiner Bewerbung für die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2010 Erfolg hatte.

Drei Jahre vor Ausrichtung der WM häufen sich allerdings die Probleme in Südafrika, Hiobsbotschaften über Mängel in Infrastruktur und Transportwesen, über ein überlastetes Stromnetz und vor allem zur Kriminalität bereiten der Fifa-Zentrale in Zürich tägliches Kopfzerbrechen, so dass Fifa-Präsident Joseph Blatter sogar schon Deutschland als Ersatzkandidaten ins Spiel gebracht hat – wohl eher das übliche Geplänkel, um Druck auf den WM-Ausrichter Südafrika auszuüben, die erforderlichen Baumaßnahmen rechtzeitig abzuschließen. Trotz berechtigter Bedenken wegen der Sicherheitslage wäre eine Verlegung in ein anderes Land ein Desaster für Südafrika gewesen, sie hätte den Stolz eines ganzen Kontinents verletzt.

Nachdem im Dezember 2007 in Durban die Paarungen für die WM-Qualifikation ausgelost wurden, steht einer Austragung nichts mehr im Wege, auch wenn die zeitgleiche Ermordung eines ehemaligen Fußballprofis in manchen Gazetten einmal mehr die Frage aufwirft, ob man sich angesichts der prekären Sicherheitslage überhaupt nach Südafrika wagen dürfe. Diskussionen um die WM in Südafrika können auf Südafrika 2010 Blog verfolgt werden.

4.6
Religion

Offizielle Religionen

In Südafrikas gilt Religionsfreiheit. Bei einer starken konfessionellen Zersplitterung gehören 80 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Religion an. Neben zahlreichen Kirchengemeinden und Sekten haben die Afrikaans-sprachigen reformierten Kirchen (z.B. Nedeerduitse Gereformeerde Kerk) mit 3,2 Millionen die meisten Mitglieder, denen mit 2,3 Millionen die röm.-kath. Kirche als größte "etablierte" Kirche der Schwarzen folgt, dann kommen die Methodisten mit 1,8, die Anglikaner mit 1,2 und die Lutheraner mit 0,8 Millionen Mitgliedern.

Darüber hinaus gibt es rund 4.000 "Schwarze Unabhängige Kirchen", denen 7 Millionen Schwarze angehören, wie etwa die Zion Christian Church (ZCC), die zu Ostern in Moria, im Nordosten Südafrikas, mit 3 Millionen Gläubigen das größte jährliche Kirchentreffen der Welt veranstaltet.

Auch die Kirchen müssen die Spaltung durch Apartheid erst überwinden. Während der Südafrikanische Kirchenrat sich seit den siebziger Jahren gegen die Rassentrennung einsetzte, standen wichtige Repräsentanten besonders der Reformierten Kirche auf Seiten des Apartheidregimes. Vor der Wahrheitskommission mussten sie öffentlich eingestehen, dass sie nicht nach der von ihnen verkündeten Lehre gehandelt haben. Die Kirche gibt nun Ländereien zurück, die ihr in der Apartheid-Ära zugesprochen worden waren.

Die Geschichte des Islam geht noch vor die Kolonialzeit zurück, als arabische Händler mit ostafrikanischen Händlern in Kontakt kamen. Nur etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung gehören dem Islam an, überwiegend im Westkap, dennoch ist sein Einfluss auf die südafrikanische Gesellschaft nicht unerheblich.

In den meisten islamischen Ländern wird Homosexualität als unmuslimisch und teuflisch verurteilt, in Nigeria etwa wird bei gleichgeschlechtlichem Sex die Sharia angewandt, was das Verhängen der Todesstrafe bedeuten kann. Auf einer Internationalen Konsultation zu Islam und HIV/Aids Ende November 2007 in Johannesburg, organisiert von Islamic Relief Worldwide, gab es Hinweise, dass sich in der muslimischen Gemeinschaft die Tür zur Toleranz gegenüber homosexuellen Moslems zu öffnen beginnt, nachdem sich dort ein schwuler Muslim geoutet hatte.

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