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Wirtschaft
& Entwicklung
Sambia

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Die
Verschuldungsproblematik
Sambias Abhängigkeit von ausländischer Hilfe begann
in der Mitte der 70er Jahre mit dem Verfall der Kupfer-Rohstoffpreise
und ist seither stetig angestiegen. Der Staatshaushalt
2004 beträgt ca. 1,73
Mrd. US-$, von denen ca. 0,653 Mrd. US-$ (37 %) aus bi- und
multilateralen Quellen kommt. Aktueller Daten liegen noch nicht vor.
Einen ersten Einblick in den
Haushaltsplan 2006/07
gibt ein
Bericht der Nachrichtenagentur IRIN.
Sambia gehört heute zu den am
höchsten verschuldeten Ländern Afrikas. Laut Informationen
des deutschen Auswärtigen Amtes
lag
die Gesamtverschuldung im Dezember 2003 bei 6,2 Mrd US-$.
Alleine die für
Zinszahlungen an ausländische Kreditgeber sind für
2004 112 Mio US-$ fällig. Der Löwenanteil davon geht
an multilaterale Institutionen wie Internationaler
Währungsfonds (IWF),
die Internationale Entwicklungsorganisation der Weltbank (IDA)
und die Weltbank
selbst.
Die G-7 Staaten haben im Juni 1999 in Köln eine Initiative zur
Entlastung von bis zu 36 hochverschuldeten armen Ländern
(HIPC) beschlossen. Zu diesen Ländern zählt auch
Sambia. Das Südwind-Institut erklärt diese vom IWF
und Weltbank entwickelte Schuldenerlassinitiative
und
listet die Kritikpunkte. Die in Berlin und Bonn ansässige Lobby-NRO Weed
bietet
ausführliche Informationen zu den Themen der
internationalen Finanz-, Handels- und Umweltpolitik.
Nachdem Sambia im Dezember 2003 die Messlatte für die
nächste Stufe der HIPC-Initiative gerissen hatte, "schaffte"
das Land nun mit der Vorlage eines Armutsverringerungsstrategiepapiers (PRSP)
und
weiteren Fortschrittsindikatoren den Status "HIPC completion point" und
damit den Sprung zur Erlangung weiterer Schuldenstreichung und weiterer
finanzieller Unterstützung. Die G-8 Staaten und ihre
multilateralen Finanzorganisatio-nen einigten sich darauf, Sambias
Schulden in einem Zeitraum bis 20 Jahren um fast zwei Drittel zu
erlassen. Im Juni 2004 genehmigte der IWF eine sofortige Finanzspritze
für die Armutsbekämpfung
von 120 Mio. US-$ und weitere 200 Mio. US-$ bis 2007. Diese Gelder
wohlgemerkt sind Kredite, mit 0.5% Zinsen belegt und mit einer
Gnadenfrist von 5 1/2 Jahren. Im Frühjahr 2005
schließlich wurde ein weiterer Schuldenerlass
von 3.8 Milliarden US$ durch die
Weltbank erklärt. Die frei werdenden Gelder sollen in
eine kostenlose Grundversorgung im
Gesundheitswesen
investiert werden.
Obwohl der Erlass grundsätzlich
von allen Seiten positiv kommentiert worden ist, bleibt abzuwarten, in
wie weit andere Geldzuflüße dadurch gestrichen
werden. Regelmäßige Daten über Schuldenstand und Auswirkungen
des Schuldenerlasses bringt die
Erlassjahr-Kampagne
.
Ein Bericht der BBC
beschreibt den Niedergang
der sambischen Industrie als
Folge der von aussen erzwungenen Wirtschaftsliberalisierung. Ein
weiteres bitteres
Fazit der IWF-Politik
für Sambia zieht die britische NRO "id21".
Wirtschaftsreformen
Von Beginn an setzte die Regierung Chiluba auf weitreichende
Wirtschaftsreformen. Mit IWF und Weltbank wurde ein
Strukturanpassungsprogramm (SAP) vereinbart, das u.a. vorsieht den
staatlichen Sektor einschließlich des Kupferbergbaus und des
Bankwesens zu privatisieren.
In einer Absichtserklärung Sambias vom November 2002 an den
damaligen Weltbankpräsidenten Horst Köhler
können Sie lesen, wo die Schwerpunkte
für Reformen gesehen
werden.
Während unter Anhängern neo-liberaler
Wirtschaftstheorien die Privatisierung als die Arznei für eine
Belebung der sambischen Wirtschaft gilt und nach Meinung vieler nicht
energisch genug umgesetzt wird, leiden immer mehr Menschen im Land an
chronischer Unterernährung und vermeidbaren Krankheiten.
Von den natürlichen Voraussetzungen der Böden aus
könnte Sambia seine Bevölkerung
selbst ernähren
. Landflucht
und mangelnde Infrastruktur in den ländlichen Gebieten
führen jedoch zu regelmäßigen Engpässen in der Nahrungsvesorgung.
Ohne
den landwirtschaftlichen
Anbau in den Hinterhöfen
der städtischen Gebiete sähe die
Ernährungslage wohl noch schlimmer aus.
Der schon erwähnte Bertelsmann-Transformationsindex 2006
bringt eine Analyse der
wirtschaftlichen Transformation
Sambias.
Angesichts sich ständig verschlechternder
sozio-ökonomischer Bedingungen wird im ländlichen
Raum immer mehr auf Kinderarbeit
gesetzt. Eine
zusätzliche Geißel bedeuteten die
Wechselkursschwankungen der sambischen Währung Kwacha, dessen
Wert zum US Dollar allein
im Jahr 2000 über 50 % gefallen ist.
Immerhin verlangsamte sich der Niedergang der sambischen
Währung in den letzten Jahren etwas. Die sambische Regierung
versuchte durch verschärfte Strafen die Nutzung
des Dollars als Ersatzwährung
zu unterbinden. Laut dem Auswärtigem Amt lag die Inflationsrate
2003
bei "nur" 17.2%, die Inflationsrate
2004 bei 16.8%. Ende 2005
schließlich, bedingt durch die große Nachfrage nach
Kupfer, steigt der Kwacha sogar gegenüber dem US$, was
wiederum die landwirtschaftlichen Exporte verteuert und viele
Bauern in Existenznot bringt
bringt.
Nach Angaben des UNDP-Berichts 2005 zur menschlichen Entwicklung
rangiert Sambia unter den 173 Staaten des Human
Development Index an 167. Stelle (2002: Rang 153, 1997: Rang 143). Selbst die internationale Donorgemeinschaft
hat Zweifel an dem von ihr
verschriebenen harschen Strukturanpassungsprogramm. Das neue
"Zauberwort" heißt nun Diverzifizierung
der Wirtschaft. Immerhin gibt es im Handel mit China laut einem Bericht
der "Times of Zambia" einen satten
Exportüberschuss.
Sambias Präsident Mwanawasa hat einen der wunden Punkte der
alten Reformen in seinem Armutsverringerungsprogramm adressiert, Schulgebühren
werden wieder aufgehoben. Die EU
unterstützt die zweite
Phase des Straßenbauprogramms
mit ca. 90Mio US$. Im Sommer 2005 fällt die Entscheidung
über Vergabe zum Bau der neuen
Brücke über den Sambesi bei Kazungula,
die erstmals Sambia mit Nachbarland Botswana direkt verbinden soll.
Im Herbst 2005 ereilte
Sambia eine ernsthafte Benzinknappheit durch wiederholte
Produktionsausfälle in Sambias einziger Raffinerie.
Präsident Mwanawasa feuerte
deswegen den Energieminister.
Nun denkt Sambia über den Bau
einer zweiten Anlage mit Hilfe
ausländischer Investoren nach.
Aufwind spürt Sambias Tourismusbranche, die bisher ein
Schattendasein fristete. Die Entwicklung
von Livingstone, die offizielle
sambische Tourismushauptstadt in der Nähe der
weltberühmten Victoria Falls, ist von der Weltbank als
Pilotprojekt für das Land vorgesehen. 1,7 Million US Dollars
werden für Möglichkeitstudien zur Verfügung
gestellt. Das deutsche Internet-Reisemagazin "Afrika aktuell" berichtet
über die neuen
Luxushotels direkt neben den Victoria Falls und
bringt ein Interview
über Sambiareisen
mit dem Leiter der sambischen
Tourismuszentrale in Europa.
Einen Überblick über den
Wirtschaftstrend 2006
bringt die Bundesagentur für Außenhandelsinformation
(dort finden sie die Daten für alle Staaten des Südlichen Afrika.
Sambia beginnt ab Seite63).
Privatisierung
der Kupferminen und anderer staatseigenen Firmen
Gut 30 Jahre nach ihrer Verstaatlichung wurden die Minen der
Consolidated Copper Mines (ZCCM) - das Herzstück der fragilen
Ökonomie Sambias - nach langen, schmerzhaften Verhandlungen
verkauft. Im Oktober 1999 wurde das Unternehmen von dem britisch/
US/südafrikanischen Konsortium Anglo-American
übernommen. Im
August 2002 jedoch erklärte Anglo-American wieder seinen definitiven
Rückzug aus Sambias
Kupferbergbau. Allerdings bringt der jüngste
Nachfrageboom nach Kupfer wieder
etwas Optimismus für Sambias Schlüsselwirtschaft. Im
Mai 2005 begann ein indisches Bergbauunternehmen ein 45
Mio€ Projekt für den Aufbau einer neuen Kupfermine,
das innerhalb von drei Jahren 6000 neue Jobs bringen soll.
Die
Zukunft des Bergbaus
bleibt
gleichwohl ungewiss.
Viel ist nicht mehr übrig zum Privatisieren. Laut der Zambian Privatisation
Agency sind 257 von 280
Unternehmen mittlerweile privatisiert. Seit Juni 2002 steht ein
weiteres ökonomisches Flagschiff zum Verkauf:
51% der Zambian National Commercial Bank,
Sambias bei weitem größte Privatkundenbank.
Die Millennium-Entwicklungsziele
Im Jahr 2000 wurde die Millenniums-Erklärung von
den Vereinten Nationen veabschiedet. Sie verpflichtet die reichen
wie die armen Länder, alles daran zu setzen, um die Armut zu beseitigen,
die menschliche Würde und die Gleichberechtigung zu fördern
und Demokratie, Frieden und ökologische Nachhaltigkeit zu
verwirklichen.
Die aus der Erklärung hervorgegangenen Millenniums-Entwicklungsziele
verpflichten die Länder dazu, verstärkt gegen unzureichende Einkommen,
weitverbreiteten Hunger, Ungleichheit zwischen Mann und Frau,
Umweltschäden und Mängel bei der Bildung,
der Gesundheitsversorgung und dem Zugang zu sauberem Wasser
vorzugehen. Sie enthalten auch Maßnahmen für den
Schuldenabbau, die Erhöhung der Entwicklungshilfe sowie
die Ausweitung des Handels und des Technologietransfers in die
armen Länder. Die Zielvorgaben sollen bis 2015 erreicht werden.
Sambia steht vor großen Problemen, diese Ziele zu
verwirklichen. Eine
sambische Untersuchung kommt
zu dem Schluss, dass Wirtschaftswachstum und Geberzuschüsse in
bisheriger Höhe nicht ausreichen, die Ziele zu verwirklichen.
Ein
Zwischenbericht
der Millenniums-Kampagne
der Vereinten Nationen kommt denn auch zu dem Schluss,
dass aufgrund der sich abzeichnenden Trend Sambia die Ziele
verfehlen wird, mit einer möglichen Ausnahme, der Umweltziele.
Trotzdem gibt es abseits der "großen Politik"
optimistische Entwicklungen
,
wie ein kleiner Bericht aus dem Nordosten des Landes zeigt.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit
Die Bundesrepublik Deutschland gehört zu den fünf größten
bilateralen Gebern in Sambia.
Sie hat im Rahmen der bilateralen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit
bisher 719 Mio. Euro zur Verfügung gestellt, davon
99 Prozent als nicht rückzahlbare Zuschüsse.
Sambia gehört zu den Pilotländern der OECD-Initiative von 2003 zur
Geberharmonisierung, die das BMZ aktiv unterstützt.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit fördert haptsächlich
die Nordwest- und die Ostprovinz. Die vereinbarten
sektoralen Schwerpunkte sind:
Wasserversorgung und Sektorberatung;
dezentrale ländliche Entwicklung, Unterstützung von
Kreis- und Kommunalverwaltungen,
nachhaltige Landwirtschaftssysteme,
Finanzmanagement und Infrastruktur;
Demokratisierung und Förderung der
Kooperationsbeziehung zwischen Staat und Zivilgesellschaft;
Querschnittsthemen wie HIV/AIDS-Prävention und Genderfragen.
Mitgliedschaft
in multinationalen Gemeinschaften
Die Beziehungen innerhalb der 14 Mitgliedsstaaten der regionalen
Entwicklungsgemeinschaft
SADC
beschränken sich bislang auf die Integration einzelner
Sektoren wie Transport und Kommunikation. Nun ist geplant, auch den
interregionalen Handel anzukurbeln. Aus der Region soll eine
Freihandelszone werden. Ebenso ist Sambia Mitglied in der OAU,
der Organisation für Afrikanische Einheit. Die OAU rief die NEPAD
(New Partnership for African Development) ins Leben, die sich
ambitionierte Ziele zur Entwicklung Afrikas auf ihre Fahnen geschrieben
hat.
Weiterhin ist die COMESA
(Common Market for eastern and Southern Africa) zu nennen, die den
innerafrikanischen Handel fördern will und einen gemeinsamen
Markt nach EU-Vorbild anstrebt.
Neben der Mitgliedschaft in der UNO
ist Sambia aktives Mitglied in der Commenwealth
of Nations. Im Sommer 2005 will
Sambia ca. ca.
200 Blauhelme
im Rahmen der UN-Mission in den Südsudan entsenden.
Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen
Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen:
AGEH
Arbeitsgemeinschaft
Entwicklungshilfe
BMZ
Bundesministerium
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung
DED
Deutscher
Entwicklungsdienst
InWEnt
Internationale
Weiterbildung und Entwicklung
EED
Evangelischer
Entwicklungsdienst
FES
Friedrich-Ebert-Stiftung
Gossner
Mission, ein unabhängiges evangelisches
Missionswerk
GTZ
Gesellschaft
für technische Zusammenarbeit
Horizont
3000
, ehemals Österreichischer
Entwicklungsdienst
MS
Zambia, eine dänische
Organisation der Entwicklungszusammenarbeit
IMF,
der internationale Währungsfond
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