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Sri Lanka
Seite 4: Gesellschaft, Kultur & Religion

Makrosoziale Struktur

Ethnizität

Das wichtigste gesellschaftspolitische Thema ist weiterhin der Volksgruppenkonflikt zwischen Singhalesen und Tamilen.

Einen Grundstein für das Konfliktpotential zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen legte die britische Kolonialmacht, die für die Verwaltung vorzugsweise Ceylon-Tamilen aus dem Norden der Insel einstellte. Mit der Unabhängigkeit des Landes am 4. Februar 1948 ging die politische Macht an von Singhalesen dominierte Regierungen über. Um den Einfluß der Ceylon-Tamilen zurückzudrängen, wurden nach 1956 zahlreiche Gesetze erlassen, die Tamilen benachteiligten.

Weil friedliche Proteste gegen ihre Diskriminierung erfolglos blieben, führt die LTTE mit ihrem Führer Prabakaran seit Mitte der 70er Jahre einen militanten Kampf mit dem Ziel, einen eigenständigen Tamilenstaat im Norden und Osten der Insel zu schaffen. Dieser Kampf wird nun nach dem Scheitern der Friedensverhandlungen in aller Härte weiter geführt.

Die vom Department of Census and Statistics durchgeführte Volkszählung konnte aufgrund des andauernden Konfliktes in den Nord- und Ostprovinzen nur teilweise durchgeführt werden. Auch sind die prozentualen Angaben bezüglich der ethnischen Zugehörigkeit (PDF) und der Religionszugehörigkeit (PDF) durch den Krieg beeinflusst und verändern sich gerade jetzt durch das Wiederaufflammen des Konfliktes sehr stark.

Migration

Der Bürgerkrieg in Sri Lanka veranlasste seit 1983 etwa 4% der tamilischen Bevölkerung ihr Land zu verlassen. Insgesamt leben über 800.000 TamilInnen im Exil - vgl. UNHCR - Statistics. In Kanada leben mit ungefähr 400.000 die meisten TamilInnen ausserhalb von Sri Lanka. Auch intern verieben leben mehrere hunderttausend Menschen in Sri Lanka.

Frauen

Die Situation der Frauen (PDF) in Sri Lanka wurde durch das patriachalische Wertesystem, eingebettet in die traditionelle, koloniale und postkoloniale Gesellschaft, beeinflusst. Diese geschlechtsbezogene Ungleichbehandlung (PDF) wird heute noch in den relativ liberalen traditionelle Gesetzen, im Rechtesystem und den während der britischen Verwaltung eingefuhrten Normen deutlich.

Auch der jahrelange Krieg hat die Situtaion der Frauen durch Gewalt, Unterdrückung und Ungleichbehandlung erheblich verschlechtert.

Mikrosoziale Struktur

Unter allen ethnischen Gruppen ist die Kernfamilie - Ehepaar und unverheiratete Kinder - die wichtigste soziale Einheit im Leben, selbst dann wenn mikroökonomische Notwendigkeiten das Zusammenleben verschiedener Familien oder Generationen bewirken.

In allen Bereichen der Gesellschaft formt die Verwandschaft von Mann oder Frau ein wichtiges soziales Netzwerk, welches die Kernfamilie unterstützt und einen Großteil seiner wichtigen sozialen Beziehungen umfasst. Die Verwandschaft eines Einzelnen bestimmt oft die Menschen mit welchen gegessen wird, welche geheiratet werden.

Kinder während einer gespielten Hochzeitszeremonie
Kinder während einer gespielten Hochzeitszeremonie
© Markus Wydera

In traditionellen Familienverhältnissen wahren alle ethnischen Gruppen Sri Lankas eine klare Trennung der den Geschlechtern zugeordneten Aufgaben. Frauen in armen Verhältnissen lebend gehen oft Ganztagsbeschäftigungen nach, um ein besseres Auskommen der Familie zu erreichen.

Im Zentrum dieses Systems stehen die Kinder, welche bis zur Pubertät frei zusammen leben. Im Jugendalter beginnen die Kinder, früh die Rolle von Erwachsenen anzunehmen: Mädchen helfen bei der Hausarbeit und Jungs arbeiten teilweise außerhalb vom Zuhause. In den besser verdienenden Gruppen haben die Jugendlichen auch öfters Zugang zu Bildung bis ins Alter von über zwanzig und Frauen vermischen sich bei den Aufgaben mit den Männern bzw. nehmen Jobs an, welche in der Vergangenheit Männern vorbehalten waren. Die Bildung der Frauen hat oft auch Auswirkung auf die Auswahl des passenden Heiratspartners und viele berufstätige Frauen ziehen sich nach der Hochzeit von ihrem Arbeitsplatz zurück.

Alle die oben genannten Angaben unterliegen natürlich einem starken Wandel - verursacht durch gesellschaftliche Entwicklungen, Globalisierung und Krieg. So finden heute viele Eheschliessungen bei den globalen Verwandtschaftsnetzen länderübergreifend statt.

Bildung

Schülerinnen im Empowerment Campus in Vavuniya
Schülerinnen im Empowerment Campus in Vavuniya
© Andreas Fritzsche

Das Bildungssystem orientiert sich am englischen Vorbild und ist im Grundschulbereich flächendeckend entwickelt. Die Analphabetenrate (ca. 10%) ist im regionalen Vergleich einzigartig niedrig. Englisch wird neben Singhalesisch und Tamilisch (Amtsprachen) verstärkt gefördert, um die Verständigung zwischen den ethnischen Gruppen zu erleichtern und der Jugend Zugang zur internationalen Wirtschafts- und Wissenschaftsentwicklung zu geben. Andere Fremdsprachen werden nur vereinzelt in den Schulen angeboten.

Die 13 Universitäten werden aufgrund von Streiks und inneruniversitären Unruhen bisweilen geschlossen. Trotz ihrer guten Ausbildung haben es Universitätsabgänger schwer, eine angemessene Beschäftigung zu finden. Dies verstärkt das Problem der Abwanderung ins Ausland.
(© Auswärtiges Amt)

Gesundheit & Sozialwesen

In staatlichen Gesundheitseinrichtungen ist die medizinische Versorgung in Sri Lanka kostenlos. Es gibt eine recht große Anzahl von Krankenhäusern, Ambulanzen (dispensaries), Ärzten und Pflegepersonal. Die traditionelle Heilkunde (Ayurveda) ist wieder im Aufschwung begriffen.

Nach WHO-Angaben (2005) ist die Lebenserwartung der Frauen mit 75 Jahren wesentlich höher als die der Männer mit 68 Jahren. Die Kindersterblichkeit liegt bei 14 je 1.000.

Nach Angaben vom United Nations Development Programme sind 22% der Bevölkerung unterernährt (2000-2002) und 29% der Kinder untergewichtig (1995-2003). Dafür haben 91% der Einwohner Zugang zu verbesserten sanitären Anlagen (2002) und 77% zu aufbereitetem Trinkwasser (2002). Auch diese Angaben unterliegen den durch den Krieg verursachten Veränderungen.

Kinderarbeit - oft ein Ausdruck von Armut - ist in Sri Lanka nicht in einem ähnlichen Ausmaß vertreten wie in anderen Ländern Südasiens. Trotzdem existiert Kinderarbeit in der Form der Kinderprostitution und der Haushaltshilfen.

Kultur

Die Kultur Sri Lankas wurde zu einem großen Teil durch Religion und Kolonisierung geprägt. Srilankaner sind sehr religiös und leben die durch ihre Religionszugehörigkeit geprägten Gebräuche und Rituale. In Sri Lanka existieren zahlreiche Feste und Feiertage für die verschiedenen Religionen.

Sri Lanka ist berühmt für seine kulturhistorischen Stätten. Sieben davon stehen als Unesco-Weltkulturerbe unter speziellem Schutz.

Kandy - ein Elephant vor dem Zahntempel
Kandy - ein Elephant vor dem Zahntempel
© Markus Wydera

Die ältesten geschriebenen Werke wurden nicht auf Singhalesisch, sondern in der indischen Literatursprache Pali geschrieben, in der auch die heiligen Texte des Buddhismus verfasst sind. Im 15. und 17. Jahrhundert entstanden daneben buddhistische Versdichtungen, die bis heute die Literatur Sri Lankas beeinflussen.

Außer dieser traditionell geprägten Richtung existiert auch eine moderne Literatur, die sich zum einen mit dem Konflikt zwischen Traditionen und westlicher Zivilisation auseinandersetzt und zum anderen die sozialen Probleme des Landes thematisiert.

Aufgrund des sehr hohen Bildungsstandes der Frauen in Sri Lanka existieren zahlreiche Bücher, welche frauenspezifische Belange in der Öffentlichkeit thematisieren. Diese werden unter anderen von CENWOR (Centre for Women's Research) publiziert.

Kandy - Vorführung traditioneller Tänze
Kandy - Vorführung traditioneller Tänze
© Markus Wydera

Tanzen hat in Sri Lanka eine große Tradition und so besitzt Sri Lanka eine reiche Tanzkultur, die hauptsächlich zwei Formen kennt: die Tieflandtänze, die wegen ihres exorzistischen Charakters auch gerne Teufelstanz genannt werden, und die Hochlandtänze, meist „Kandy dance“ genannt, die früher eine ausschließlich religiöse Bedeutung als Tempeltänze hatten.

Religion

Colombo - St. Andrews Scott Church
Colombo - St. Andrews Scott Church

Colombo - Ganeshan-Temple (Hindu)
Colombo - Ganeshan-Temple (Hinduismus)

Dikwella - Tempel von Wewurukannala
Dikwella - Tempel von Wewurukannala (Buddhismus)

Beruwala - Kachchimalai-Moschee
Beruwala - Kachchimalai- Moschee

Alle © Markus Wydera

Es besteht Religionsfreiheit in Sri Lanka (vergl. Chapter II - Buddhism mit Chapter III - Fundamental Rights der Verfassung Sri Lankas). Schätzungsweise 70% der Bevölkerung sind Buddhisten, 15% Hindu, 8% Christen und 7% Muslime. Ein Großteil der Christen lebt im Westen und der Muslime im Osten. Im Norden leben fast ausschließlich Hindu.

Die vom Department of Census and Statistics 2001 veröffentlichten Volkszählungen bezüglich der ethnischen Gruppen (PDF) und der Religionszugehörigkeit (PDF), sind sehr vorsichtig zu verwenden. Darin dargestellte Ergebnisse erscheinen sehr politisch "eingefärbt". Zum Vergleich sollten hierzu die vom UNHCR zur Verfügung gestellten Daten herangezogen werden.

Einen guten Einblick in die Religionen Sri Lankas erhalten Sie auf den Seiten von South Asian Media Net.

Die staatliche Kulturpolitik hat ihren Schwerpunkt in der Förderung und Erhaltung der buddhistischen Tradition und der Volkskunst. Der Theravada Buddhismus geht auf die frühesten Schriften des Budhismus zurück.

Unabhängig von der Religion ist die sri lankische Gesellschaft unterschwellig vom Kastenwesen geprägt. Dies trifft sowohl auf die singhalesische wie auf die tamilische Bevölkerung zu. Doch wird das Kastensystem nicht so offenkundig in der singhalesischen Gesellschaft präsentiert wie bei den Tamilen. Schaut man jedoch in die Kontaktanzeigen der Wochenendzeitungen fallen sofort zwei Dinge ins Auge: Horoskop und Kaste.

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