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Sudanesische Flagge

Sudan

2. Geschichte, Staat & Politik

2.1

Geschichte

Altertum
Die Anwesenheit der Menschen im Sudan seit etwa 100.000 Jahren ist nachweisbar. Zum Beispiel sind im Gebiet von Kerma, zwischen dem 3. und 4. Nilkatarakt, Wohnhäuser und Metropolen bereits für das 8. Jahrtausend v.Chr.und neolitische Siedlungen um 4500 v. Chr. belegbar, siehe das Nubia Salvage Projekt der Uni Chicago. Jebel Barkal, der Heilige Berg der Kuschiten, und die Ruinen Napatas sind heute auf der UNESCO-Liste des Welterbes. Vom Meroitischen Nubien sind Pyramiden, Ruinen von Tempeln und Stadtmauern erhalten. Während der Regierungszeit des byzantinischen Kaisers Justian begann um 540 die Christianisierung im Sudan. Im frühen Christentum lebten Christen in und um Kerma, Alt-Dongola, Soba. Ausgrabungen von Kirchen und Gebäuden aus jener Zeit zeigen prächtige Wandgemälde, die auf eine hohe Kultur hinweisen.

Die Sudanarchäologische Gesellschaft zu Berlin e.V. bietet nicht nur Informationen über das Altertum im Sudan an, sondern führt auch Reisen zu den archäologischen Stätten durch.

Meroitische Pyramiden in der Nähe von Shendi (Nordsudan)
Meroitische Pyramiden in der Nähe von Shendi (Nordsudan)

Islamisierung
Die Islamisierung im Sudan begann um etwa 1260. Muslime aus Ägypten kommend besiegten die christlichen Städte, zunächst Alt-Dongola und später - mit Unterstützung der Funj (Schwarze Sultane) - wurde Soba, südlich von Khartum, zerstört. Intensive Arabisierung und Islamisierung vereinigte im 16. und 17. Jahrhundert die kulturelle und sprachliche Vielfalt der Bevölkerungsgruppen im Nord- und Zentralsudan.

Türkisch-ägyptische Herrschaft
Bis das Land unter türkisch-ägyptische Herrschaft (1820-1885) gelangte, bezeichnete der Terminus "Sudan" weder ein besonderes Volk noch ein klares geografisches Areal und schon gar nicht eine Nation. Das arabische Wort "as-sudan" bedeutet "die Schwarzen". Muslime des Mittelalters nannten diesen Teil Afrikas, der sich vom Roten Meer südlich der Sahara bis zum Atlantik erstreckt "bilad as-sudan" - das Land der Schwarzen.

Mahdiya
Die generelle Unzufriedenheit der sudanesischen Bevölkerung, hervorgerufen durch die Ausbeutung und Korruption durch das Osmanische Reich, entlud sich in der "Mahdiya" (1885-1898). Mohammed Ahmed aus Dongola (1843-1885), der sich "Mahdi" (Messias) nannte, verfügte über die Eigenschaften eines charismatischen Führers. Seine Ausstrahlungskraft verschaffte ihm den Ruf eines Heiligen und durch kluge militärische Strategie gelang es ihm die Osmanische Armee zu schlagen. Er selbst beruft sich auf göttliche Inspiration. Der Mahdi starb jedoch kurz nach der Eroberung von Khartum. Sein Nachfolger Khalifa Adullahi verlor jedoch 1898 die berüchtigte Schlacht von Kereri vor Omdurman gegen den britischen General Kitchener. Die Mahdiya entstand aus einer Krisensituation und ist der Vorläufer der nordsudanesischen Nationalbewegung. Der Mahdi hatte eine religiös und politisch begründete Rebellion geführt, die im Südsudan keine Wurzeln schlagen konnte.

Der britische Kolonialismus
Der folgende britische Kolonialismus (1898-1955) war hauptsächlich strategischer Natur und betraf die Nilquellen, die für die britische Vorherrschaft in Ägypten und Ostafrika von großer Bedeutung waren. Wirtschaftliche Interessen oder eine geordnete Verwaltung im Südsudan waren von Anfang an nur von untergeordneter Bedeutung und führten unter anderem zu den bis heute andauenden Problemen zwischen dem Süd- und Nordsudan.

Nach dem Erlangen der Unabhängigkeit am 1. Januar 1956 wurde der Sudan mit zwei grundlegenden Problemen konfrontiert: mit dem Aufbau staatlicher Institutionen und "nation building". Der Mangel an Flexibilität des Verfassungssystems, das keine Kompromisse zwischen den Interessen der Zentralregierung und der regionalen Eliten zuließ, führte dazu, dass sich der Südsudan der Zentralgewalt weitgehend entzog. Bei den Wahlen 1958 gewann der Südsudan 46 von 183 Sitzen im Parlament und bildete eine neue "Southern Block-Partei". Der Südsudan beanspruchte einen getrennten Beamtenapparat, Englisch als Amtssprache und eine eigene Universität. Andere Gruppen im Westen und Osten des Landes forderten ebenfalls die Dezentralisierung. Der zunehmende Zerfall der Zentralregierung war bedingt durch die Fragmentierung der Parteien. Ihre fehlende Entschossenheit gemeinsam mit einer tief greifenden Wirtschaftskrise schufen die Bedingungen für die Machtübernahme durch die Armee. Mehrere versuchte und erfolgreiche Staatstreiche lösten sich ab. Der längste nachkoloniale Krieg Afrikas, der schon 1955 begann, durch das Addis Abeba Abkommen 1972 zunächst bis 1983 unterbrochen, endete letztlich mit dem Friedensabkommen 2005.

2.2

2.2.1

Der Staat

Staatsform - Präsidialrepublik

Staatsoberhaupt ist seit 1989 Feldmarschall Omar Hassan Ahmed Al-Bashir. Al-Bashir kam an die Macht durch einen Coup, der von der National Islamic Front unterstützt wurde. Die letzte Wahl fand im Dezember 2000 statt. Al-Bashir wurde mit überwiegender Mehrheit wieder gewählt.

Staatspräsident - Omar Hassan Al-Bashir
Staatspräsident (seit 1989)
Omar Hassan Al-Bashir
(Foto aus BBC NEWS)

Erster Vertreter war bis Juli 2005 Ali Osman Mohammed Taha. Am 9. Juli 2005 wurde Dr. John Garang als erster Vertreter nominiert (1. Vice President of Sudan) und gleichzeitig President of Southern Sudan. Ali Osman Mohammed Taha wurde zweiter Vertreter. Am 31.07.2005 verunglückte Dr. John Garang bei einem Hubschrauberabsturz im Grenzgebiet Sudan / Uganda / Kenia. Als Nachfolger wurde General Salva Kiir Mayardit umgehend zum President of Southern Sudan nominiert.

2.2.2

Verfassung und Gewaltenteilung

Nach dem Coup d'Etat im Juni 1989 wurde der Revolutionäre Kommandorat von National Islamic Front (NIF)-Anhängern gebildet. Alle Parteien, Verbände und Gewerkschaften wurden aufgelöst. Ausgenommen ist der staatliche kontrollierte Gewerkschaftsverband für Arbeit (Umma as.Sudan).

Der längste nachkoloniale Krieg Afrikas hat bis Anfang 2005 im Sudan stattgefunden. Seit der Unabhängigkeit (1. Januar 1956) sucht der Sudan nach einer gleichberechtigten Verfassungsordnung und einer nationalen Identität. Drei Zivilregierungen, zwei Übergangsregierungen und drei Militärregierungen haben es erst 2005 teilweise geschafft, eine gemeinsame Nord/Süd-Verfassung aufzustellen. Das Comprehensive Peace Agreement (CPA) ratifizierte am 5. Juli 2005 eine "Power-Sharing Government Interim National Constitution". Eine Satzung für den Südsudan wurde im Dezember 2005 unterzeichnet.

Die Verfassung der Republik Sudan vom 16. März 2005 besteht bisher nur als Entwurf.

2.2.3

Formaler Staatsaufbau

Die Nationalversammlung (al-majlis al-watani) ist ein Ein-Kammer-Parlament mit 360 vom Präsident bestimmten Sitzen. Frauen sind nur mit 21 Sitzen vertreten. Legislaturperiode der Versammlung ist 4 Jahre.

Regierungspartei ist National Congress Party (al-mutammar al-watani).

Exekutive Abteilung - Ministerrat - Gesetzgebende Abteilung

Die Opposition - Democratic Unionist Partei, Umma-Partei, Popular National Congress Partei, Kommunistische Partei und im Süden die SPLA/SPDF hatten sich, ausgenommen Umma-Partei, in der National Democtric Alliance (NDA) zusammen geschlossen.

2.2.4

Verwaltung

Die Verwaltungsstruktur setzt sich aus 26 Bundesstaaten (wilayat) zusammen. Sie teilen sich in 66 Provinzen und 218 Bezirke.

2.2.5

Recht, Ordnung und staatliche Sicherheit

Erläuterungen zum sudanesischen Rechtssystem. Vorschläge der Opposition zu Reformen des sudanesischen Rechtssystems.

2.3

2.3.1

Innenpolitische Themen

Macht und Machthaber

Dr. John Garang, geboren 1945 im Südsudan, führte die letzten 16 Jahre den über 20jährigen Bürgerkrieg zwischen den nach Autonomie strebenden Südsudanesen gegen die islamisch-fundamentalistische Regierung des Nordsudan. Die überwiegend christliche Elite aus dem Süden fühlte sich politisch, kulturell und religiös diskriminiert. Die muslimische Regierung im Norden war dagegen bestrebt, die Erdölvorkommen des Südens auf Kosten der dortigen Bevölkerung auszubeuten.
Empfehlenswert sind die Informationen über John Garang und die SPLA/M.

Die Ölinstallationen von Chevron in Bentui (Upper Nile Province) wurden von der SPLA angegriffen. 1984 zog sich Chevron zurück. Die Erdölförderung kam daraufhin bis 1999 zum Erliegen. Die SPLA fordert(e) einen Neuen Süden, der allen seinen Bürgerinnen und Bürgern gleich welcher religiösen und ethnischen Herkunft, gleiche Chancen bietet. Die immer weiter um sich greifende Islamisierung der Regierung aus Khartum wurde als Provokation angesehen. Im Laufe des Bürgerkrieges gelang es der SPLA große Gebiete des Südsudan und Teile der Nuba Berge unter Kontrolle zu bringen. Im Norden fand die SPLA keine Anhänger. Im Süden entstanden Führungskonflikte der SPLA/M und Splittergruppen, die sich gegenseitig bekämpften und es daher den Regierungstruppen erleichterten, die meisten Städte im Süden zu kontrollieren.

Eine sehr gute BBC Informationen über John Garang und seine Politik. Buchtipp: A Call for Democracy by John Garang.

1989 gelang es Leutnant Omar Hassan Ahmed Al-Bashir - geboren 1944 in einem Dorf in Nordsudan - durch einen Militärputsch mit anderen Offizieren die gewählte Regierung von Sadiq Al-Mahdi zu stürzen. Al-Bashir schaffte durch ausgeprägten Ehrgeiz seinen Oberschulabschluss und besuchte anschließend die Militärakademie. Seine Ausbildung dort zum Piloten und anschließend in Malaysia, Pakistan und den USA verhalfen ihm zu einer aufsteigenden Karriere.

Hinter der Militärclique um Al-Bashir stand lange Zeit der sudanesische Chefideologe Hassan Al-Turabi, der den Sudan islamisch-fundamentalistisch ausrichten wollte. Al-Bashir folgte den Ideen von Al-Turabi. Das Regime weitete die Rechtssprechung des Islamischen Rechts (Scharia - Islamische Gesetze) aus. Dies führte u.a. zur Verschärfung des Konflikts mit der SPLA. Vor sieben Jahren endete die Zusammenarbeit von Al-Bashir und Al-Turabi im Kampf um die Vormacht. Der hochintelligente und ehrgeizige Al-Turabi trat stärker als Al-Bashir für eine radikale Islamisierung ein. Al-Bashir versuchte den Ideologen Al-Turabi durch Hausausrest auszuschalten. Doch es heißt, dass Al-Turabi die Rebellengruppe (JEM) in Darfur unterstützt, um den Präsidenten zu schwächen. Al-Turabi, der nach 15 Monaten Haft, sich im September 2005 öffentlich über die neue Regierung äußerte, warnte, dass die SPLM sich zwar unparteiisch innerhalb der Unity Government verhält aber zukünftig einen separaten Südsudan anstrebt.

Moschee in Khartum
Moschee in Khartum

Publikationen:

  • Dialogue With Hassan Al-Turabi Reveals Enigmatic, Complex Islamist Intellectual by Mahmood Ibrahim
    (englische Website)
  • The Making Of An Islamic Political Leader: Conversations With Hassan Al-Turabi by Mohamed E. Hamdi.
    Das Buch enthält Interviews des Autors mit Al-Turabi und einen Vortrag Turabi's bei einer Konferenz im Mai 1990 in Algerien über die Vision des zukünftigen Islam.

2.3.3

Wichtige politische Entscheidungen

Am 24.01.2005 ratifizierte das Gesetzgebende Organ der Sudan People's Liberation Movement ein Friedensabkommen zwischen der sudanesischen Regierung und der Rebellengruppe SPLM/A zur Beendigung des seit 21 Jahren andauernden Bürgerkrieges. Am 02.02.2005 - IRIN: Ratifizierte das Nationale Parlament das Friedensabkommen zwischen Regierung und SPLM/A. Die Ratifizierung ebnet den Weg für die Ausarbeitung einer neuen Verfassung und Bildung einer neuen nationalen Regierung.


John Garang und Omar el Bashir
(Foto aus Qantara.de)

Im Juli 2005 setzte der ehemalige Führer der Südsudanesischen Volksbefreiungsbewegung, John Garang, zum ersten Mal nach 22 Jahren seinen Fuß in die sudanesische Hauptstadt Khartum, um als Stellvertreter des Präsidenten Omar el Bashir vereidigt zu werden.

Am 30/31.07.2005 verunglückte Dr. John Garang tödlich. General Salva Kiir Mayardit, der umgehend im August 2005 nominierte Nachfolger von Dr. John Garang - ein Dinka wie Garang - wurde schon in den 60iger Jahren ein Mitglied der Rebellen im Südsudan. Er graduierte später im Khartum Military College, folgte danach aber Garang 1983 im Widerstand gegen die Regierung in Khartum und wurde Stellvertreter der SPLA. Bisher hatte der charismatische SPLA-Befehlshaber John Garang die internen Machtkämpfe der SPLA/M kontrollieren können. Ob es Salva Kiir gelingt, die kriegerischen Völker im Südsudan zu einigen, um gemeinsam die Bedingungen des Friedensabkommen gegen den Norden durchzusetzen, bleibt abzuwarten. Salva Kiir gilt als abwägend und ruhig. Er ist sehr beliebt im Südsudan, da er im Gegensatz zu Garang die Abtrennung des Südens vom Norden favorisiert, eine Frage, die in einem Referendum 2011 geklärt werden muss. Salva Kiir will aber auf jeden Fall das so schwierig ausgehandelte Friedensabkommen durchführen. Bei der Beerdigung von John Garang in Juba sagte er: "Die Waffen müssen schweigen!"

Aktuelle Informationen über den neuen Regierungschef im Südsudan, seine Handlungen und Pläne finden Sie unter:
Profil Salva Kiir bei BBC news

General Salva Kiir Mayardit
General Salva Kiir Mayardit
(Foto aus BBC NEWS)

Ausführliche Informationen zur Anti-Korruption Kampagne von Salva Kiir, Präsident des Südsudan, während der Geber-Konferenz in Juba am 22. März 2007 finden Sie unter: Sudan Tribune online (englische Website).

Die erste Nachkriegsregierung im Sudan wurde am 22. September 2005 bestimmt. Das neue Unity Cabinet , das sich aus früheren Feinden zusammensetzt, besteht aus 30 Ministern. Fünfzehn Plätze nehmen Mitglieder der regierenden National Congress Party (NCP) ein, neun werden von früheren Rebellen der SPLM besetzt und sechs gehen an die Gruppen der Opposition vom Norden und Süden. Das Kabinett, bestehend aus den oben genannten 30 Ministern und zusätzlichen 34 Ministers of State, ist die umfangreichste Regierung seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1956.

  • Feldmarschall Omar Hassan Al-Bashir, President (NCP)
  • General Salva Kiir Mayardit, First Vice-President (SPLM)
  • Ali Osman Mohammed Taha, Second Vice-President (NCP)
  • Nafie Ali Nafie, Presidential Assistant (NCP)

Über die Namen und Positionen der Minister informiert Sie www.afrika-auf-einen-blick.de

2.3.4

(Innen)Politische Auseinandersetzungen und Machtkämpfe

Südsudan

Konflikt im Südsudan

Konflikt im Südsudan
Quelle: WIKIPEDIA - Die freie Ezyklopädie

Der Südsudan besitzt zehn Bundesstaaten mit etwa 8 bis 9 Millionen Einwohnern (geschätzt 2006).
Namen der Bundesstaaten und Hauptstädte siehe WIKIPEDIA - Südsudan

Der Anfang 2005 beendete Bürgerkrieg, zwischen dem rohstoffreichen doch wenig entwickelten Süden und der Regierung im Norden, begann nicht mit der Unabhängigkeit des Sudan 1956. Schon 1955 kämpften südsudanesische Anynanya-Rebellen für die Unabhängigkeit des Südens vom Norden. Unter Präsident Gaafar El-Nimeri endete dieser Konflikt 1972 mit dem Abkommen von Addis Abeba.

Das Abkommen garantierte dem Süden eine Teilautonomie und Gleichberechtigung innerhalb der föderalen Struktur des Sudan. Es entstand eine regionale Regierung mit einer regionalen Versammlung, die befugt war das High Execute Council (HEC) zu wählen und zu annullieren. Die Einbeziehung der Anyanya - Einheiten in die Regierung im Süden waren Bedingungen im Abkommen von Addis Abeba unter Präsident Gaafar El-Nimeri. 1977 wurde im Süden Erdöl von besonders hoher Qualität gefunden.

Die Regierung in Khartum wollte die Kontrolle über das Öl nicht der Autonomie-Regierung im Süden überlassen. 1980 scheiterte ein Versuch, die ölreichen Gebiete dem Norden anzuschließen. Die Entscheidung Nimeris, die Regierung im Süden in drei regionale Regierungsabteilungen zu teilen, um die Autonomie auszuhöhlen, wurde von den Südsudanesen nicht akzeptiert. Eine Meuterei in Bor brachte 1983 das Abkommen zu Fall. Die Sudanese People's Liberation Army (SPLA) formierte sich unter dem Dinka Offizier Dr. John Garang. Der Bürgerkrieg begann ein zweites Mal.

Die sudanesische Regierung stimmte im Friedensabkommen von 2005 zu (siehe oben), dem Südsudan Autonomie zu gestatten. In einem Referendum 2011 soll über die Unabhängigkeit entschieden werden.

Letzte Informationen (Oktober 2007): Ehemalige südsudanesische Rebellen der Sudan People's Liberation Movement (SPLM) haben die Teilnahme an der Nationalen Regierung eingestellt, da die Khartumer Regierung es bisher unterlassen hat, die Satzungen des Friedensvertrags zu erfüllen.

Trotz des Friedensabkommens von 2005 können angesichts der schwierigen Situation, die der Sudan durchlebt, noch keine substantiellen Entwicklungsprogramme durchgeführt werden. Im Südsudan und den Nuba-Bergen sind Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Grundversorgung erforderlich und möglich. In Dafur wiederholt sich eine humanitäre Katastrophe.

Ausführliche Meldungen:
Sudan Tribune
Latest News From Sudan At Sudan Net

Darfur

Konflikt in Dafur

Konflikt in Dafur
Quelle: WIKIPEDIA - Die freie Ezyklopädie

Seit 2003 herrscht der Darfur-Konflikt. Er kostete bisher mehr als 200.000 Menschen das Leben und hat mehr als 2 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Zwei Rebellengruppen (SLA und JEM), hervorgegangen aus schwarzafrikanischen Volksgruppen in Darfur, werfen der sudanesischen Regierung vor, die Region zu marginalisieren und die Bevölkerung zu unterdrücken. Die sudanesische Regierung reagiert unterstützt von arabischen Milizen auf diesen Angriff mit einem bewaffneten Feldzug.

Straße in Dafur
Straße in Darfur

Darfur (Land der Fur) ist eine Region im westlichen Sudan, größenmäßig etwa das Anderthalbfache von Deutschland. Politisch wurde Darfur 1994 in drei Provinzen geteilt: West-Dafur (Gharb Darfur), Nord-Darfur (Schamal Dafur), Süd-Darfur (Dschanub Darfur). Der Bereich der drei Provinzen grenzt an Libyen, Tschad und die Zentralafrikanische Republik. Die Hochebene des Marra-Gebirges ist eine Bergkette vulkanischen Ursprungs. Der höchste Berg ist 3088 m.

Die Ureinwohner von Darfur, die Dadschu, wurden von den Fur zurückgedrängt. Christliche Königreiche entstanden um etwa 900 bis 1100. Im 13. Jahrhundert islamisierten muslimische Eroberer die Fur. Etwa im 17. Jahrhundert gründete die regionale Volksgruppe der Kheira in Darfur ein unabhängiges Sultanat. 1821 versuchte Ägypten mehrfach Darfur zu besetzen, doch erst 1874 gelang es der ägyptischen Armee unter Ismail Pascha. Sultan Brahim fiel im Kampf gegen die Ägypter. 1883 wurde Darfur von der sudanesischen Armee unter Mohammed Ahmed (der sich selbst Mahdi nannte) erobert. Nach der Niederschlagung des Mahdi-Aufstands wurde das Sultanat Darfur unter anglo-ägypticher Herrschaft halbautonom. 1916 führte der letzte Sultan von Darfur (Ali Dinar) einen Aufstand gegen die britische Herrschaft. Der Sultan wurde getötet und Darfur in den von Großbritannien regierten Sudan eingegliedert. Die Einwohnerzahl im 19. Jahrhundert war schätzungsweise 1.5 Millionen, davon waren etwa 1 Millionen Fur, 500.000 Araber und einige Tausend Tukuri und Fulbe. Nach heutigen Informationen leben in Darfur etwa 500.000 Fur. Tausende leben außerdem als Vertriebene im Tschad. In den Grenzgebieten mit Kordofan etwa 250.000 Berti und jeweils etwa 400.000 arabisch sprechende Messeriya und Rezeigat (Baggara). Sowie in den Grenzgebieten mit Tschad jeweils etwa 200.000 Zaghawa und Masalit. Die Ureinwohner von Darfur, die Dadschu sind nur noch in Enklaven (etwa 100.000) in Darfur, den Nubabergen, Südsudan und Tschad zu finden.

Die Vielvölkerprovinz Darfur mit ihren bizarren politischen Grenzen erklärt bestenfalls teilweise den heutigen Konflikt. Schon in vorkolonialen Zeiten hatten die Fur-Sultanate kriegerische Auseinandersetzungen mit den Baggara, besonders mit den Rezeigat. Darfur war im 19. Jahrhundert das Zentrum für den Sklavenhandel mit Menschen aus Bahr el Ghazal und Auseinandersetzungen mit den arabischen Sklavenhändlern waren an der Tagesordnung. Weitere Probleme waren früher und sind heute die unterschiedlichen ökonomischen Quellen. Die Fur und Masalit sind sesshafte Bauern und die Baggara und Zaghawa sind Rinder- und Kamelnomaden. Unterschiedliche Lebensweisen, Ressourcen wie Wasser und Land, führen fortwährend zu Konflikten. Dazu kommt der Mangel der Ressourcen durch anhaltende Dürreperioden und ein starker Anstieg der Bevölkerung.

Tatsächlich fühlt sich die Bevölkerung von der arabisch-dominierten Regierung in Khartum marginalisiert. Wenig Unterstützung gab es bisher für das Gesundheitswesen, Bildung, Wasserversorgung von der Khartum-Regierung. Gegen diese Marginalisierung von Khartum eskalierte der Konflikt 2003. Ein Aufbegehren der beiden (schwarzafrikanischen) Rebellengruppen - Sudan Libration Movement (SLM) -gestützt von den USA und Eritrea - und Justice and Equality Movement (JEM) - lehnten sich gegen Khartum auf. Die Regierung ging daraufhin gegen die Rebellengruppen mit eigenem Militär und mit Hilfe der Dschandschawid-Milizen vor. Die Dschandschawid-Milizen werden beschuldigt, Kriegsverbrechen und systematisch ethnische Säuberung durch Völkermord und Vertreibung in das Nachbarland Tschad ausführen. Etwa 400.000 Menschen sollen nach Schätzungen durch diesen Konflikt gestorben sein. Die sudanesische Regierung wies eine Mitschuld der muslimischen Milizen zurück. Forschungen haben ergeben, dass Darfur reichhaltige Erdöl-Quellen besitzt und auch Bodenschätze wie Uran, Kupfer unter anderem vorhanden sind. Interessengruppen sind schon vor Ort. Was wird aus Darfur und den Vertriebenen?

Nach langem diplomatischen Ringen gab die sudanesische Regierung 2007 ihr Einverständnis zu einer Friedenstruppe der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union. 26.000 Mann sollen als größte Friedensmission der Welt ab Oktober 2007 in Darfur stationiert werden.

Über die politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Hintergründe dieses Konflikts und neueste Entwicklungen über den Friedensprozess berichten:
Sudan Tribune
Auswärtiges Amt

Ostsudan

Konflikt in Ostsudan

Konflikt im Ostsudan
Quelle: WIKIPEDIA - Die freie Ezyklopädie

Beja-Konflikt

Als Konflikt im Ostsudan werden die seit den 1990er Jahren bestehenden Spannungen zwischen den lokalen Ethnien angesehen. Recht, Ordnung und staatliche Sicherheit hauptsächlich von den Beja und Rasheida bewohnte Gebiete ist eine arme, uterentwickelte und immer wieder von Dürre und Hunger geplagte Region, die sich von der Regierung in Khartum vernachlässigt fühlt. Mit dem 2006 unterzeichneten Friedensabkommen zwischen den Rebellen und der Regierung Khartum ist der Konflikt gegenwärtig beigelegt. Das ist sehr wichtig für die Regierung, da die Ölpipeline nach Post Sudan durch Ostsudan führt.

Zum Ostsudan gehören die vier Bundesstaaten El-Bahr al-Ahmar (Blue Nile), Al-Quadarif, Kassala, Nahr an-Nil (River Nile). Dieses Gebiet ist die Heimat der Kamelnomaden Bedja (etwa 1 Million Einwohner) - mit den Untergruppen Adabde, Beni Amer, Bischarin, Hadendowa, Hedareb - und Rashaida (etwa 85.000).

Die Menschen im Ostsudan sind arm und leiden unter Dürre und Hunger. Trotz der reichen Vorkommen an Gold und Eisenerz wird die Region von der Khartumer Zentralregierung marginalisiert.

Schon 1957 wurde die Organisation Beja Congress unter der Führung des Bedja Dr. Taha Osman Bileya gegründet. Die Organisation setzt sich für mehr regionale Autonomie der Bedja ein. Außrdem ist sie ein Teil des oppositionellen Bündnisses National Democratic Alliance (NDA). Auf verstärkte Repressionen durch die Khartum Regierung begannen die Bedja in den 90er Jahren einen bewaffneten Kampf, der sich auf Regierungseinrichtungen, wie die wichtige Erdöl-Pipeline nach Port Sudan konzentrierte.

Als der Sezessionskrieg im Südsudan 2005 endete und der Süden eine gewisse Autonomie erhielt, erhofften sich auch Bevölkerungsgruppen aus anderen Landesteilen des Sudan mehr Regionalautonomie. Im Westen begann der Konflikt in Darfur. Der Beja Congress vereinigte sich mit den Rebellen der SLM in Darfur. Außerdem schlossen der Beja Congress eine Allianz mit der Rashaida-Organisation Free Lions und der JEM in Darfur zur Eastern Front zusammen. Verschärfte Attacken auf Regierungseinrichtungen fanden daraufhin statt, eine Eskalation ist bisher ausgeblieben.

Friedensverhandlungen begannen 2006 in Asmara zwischen der sudanesischen Regierung und den Rebellen des Ostsudan. Einigung herrschte über Zuschüsse für Bildung, Gesundheit und dem Zugang zu Trinkwasser. Verträge zur Sicherheit und Aufteilung von Macht und Wohlstand wurden geschlossen und am 14. Oktober 2006 wurde ein Friedensvertrag unterzeichnet.

WIKIPEDIA - Ostsudan

 

2.3.6

Presse und andere öffentliche Medien

Die Medien - Radio und Fernsehen - werden vom Staat kontrolliert. Quelle: BBC - Sudan/Medien
Druckmedien, falls sie nicht der Regierungspartei gehören oder staatlich sind, unterliegen einer Zensur. Für Internetbenutzer besteht ein begrenzter Zugang zu vom Ausland operierenden kritischen Webseiten. Unerwünschte Webseiten werden von Sicherheitsbehörden blockiert.

Radio Omdurman operiert mit AM 12, FM 1, shortwave 1. Seit kurzem sendet der Privatsender Mango moderne Pop-Musik.

Drei lokale Fernsehsender informieren die sudanesische Bevölkerung. Wer es sich leisten kann und staatliche Erlaubnis erhält, kann Satelliten-Fernsehen einsehen.

Sechs arabischsprachige Zeitungen erscheinen täglich. Khartoum Monitor und Nile Courier sind englischsprachig. Die in englischer Sprache sporadisch erscheinende Zeitschrift AL BAB ist ein wichtiger Führer für Leute, die in Khartum arbeiten und leben. Täglich erscheint ein englisch- und arabischsprachiges Bulletin der Sudan News Agency ( SUNA) über Internet. Der Zugang zum Internet wird staatlich kontrolliert. Filter-Software bremst unerwünschte Websites.

Es bestehen momentan keine günstigen Bedingungen für die Entfaltung von Wissenschaft, Kunst und Literatur. Besonders Print Medien können sich auf Grund der politischen Bedingungen nicht uneingeschränkt entwickeln. Die Situation scheint sich jedoch zu entspannen.

Sehr empfehlenswert für letzte Meldungen, aktuelle Themen aus den Krisengebieten im Sudan und politische Analysen, sowie die Entwicklung im Südsudan finden Sie auf der Website von Sudan Tribune, u.a. die "Today's breaking news".

2.3.7

Menschenrechte

Seit dem 1. Juli 1998 ist im Sudan eine neue Verfassung in Kraft. Darin ist als Grundprinzip festgelegt, dass "... der Staat Sudan ein Land von rassischer und ethnischer Harmonie und religiöser Toleranz ist ..." Die Studie "Zur Lage der Menschenrechte im Sudan - Islamischer Staat und kulturelle Vielfalt" will eine Antwort geben, wie die Bestimmungen der sudanesischen Verfassung unter Berücksichtigung eine islamischen Weltbildes zu verstehen sind. Quelle: www.missio-aachen.de.

Weitere Informationen unter: amnesty international Deutschland und eine Pressemitteilung des Deutschen Bundestags über die "Einhaltung der Menschrechte".

2.4

Außenpolitik

Die bilaterale Sudan/Deutschland Außenpolitik befasst sich zur Zeit ausführlich mit dem Darfur-Konflikt. Außerdem informiert das Auswärtige Amt über Innenpolitik, Menschenrechte und Wirtschaft.

Die Republik hat die Folgen seiner selbst gewählten Isolierung fast ganz überwunden. Die Beziehungen zu den arabischen Nachbarstaaten, insbesondere zu Ägypten und Libyien, haben sich normalisiert. Gleiches gilt für Äthiopien, das einen Großteil seiner Erdölimporte aus Sudan bezieht. Die Republik bietet Äthiopien den Ausbau einer Straße zum Hafen Port Sudan als Exportverbindung an. Sudan hat auch mit Eritrea und zuletzt mit Uganda diplomatische Beziehungen aufgenommen. Uganda und Sudan haben erklärt, dass sie die gegenseitige Unterstützung bewaffneter Oppositionsgruppen (LRA/SPLA) einstellen wollen.

Entwicklungspolitik

 

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