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TANSANIA
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Wirtschaft: System und Politik
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Die von Julius Nyerere begründete 'Ujamaa-Politik' (Swahili: Verwandtschaft, Bruderschaft) wurde zum Inbegriff des afrikanischen
Sozialismus. Die Politik Nyereres hat die nationale Identität und konfliktfreie Koexistenz der vielen Ethnien gefördert. In wirtschaftlicher Hinsicht wirkten die zwei Jahrzehnte Ujamaa allerdings wie eine planwirtschaftliche Vollnarkose, deren Nachwirkungen bis heute spürbar sind. Das unter dem Druck von IWF und Weltbank 1986 eingeführte
Liberalisierungsprogramm zur wirtschaftlichen Erholung war längst überfällig. Leider wurde
es zunächst als Freischein für ungezügelte Wirtschaftspiraterie missverstanden. Der Volksmund bezeichnete diese
Politik einer fehlgeleiteten Liberalisierung daher als 'Ruksa-Politik' (Swahili 'Ruhusa': Erlaubnis).
Seither wurde durch eine stärkere Armutsorientierung mehrfach nachgebessert und die Maßnahmen zur wirtschaftlichen Konsolidierung werden in ganzheitliche Entwicklungsstrategien ('Poverty Reduction Strategy Papers', PRSP) eingebettet, die im Land selbst erarbeitet werden - so wie die derzeit gültige 'Nationale Strategie für Wachstum und Armutsbekämpfung' (Abk. auf Swahili: MKUKUTA). Dabei wurde auch die Zivilgesellschaft mit einbezogen, wie 'PRSP-Watch' von VENRO bestätigt. Integrale Bestandteile der Wirtschaftspolitik sind die Privatisierung der Staatsbetriebe sowie Anreize für ausländische Direktinvestitionen. Doch ist auch von einem 'Ausverkauf' des Landes an Ausländer die Rede, was zu Ressentiments gegenüber ausländischen Investoren (und Einwanderern mit tansanischer Staatsangehörigkeit) geführt hat. |
| Sektoren |
Unter den Wirtschaftssektoren
sind v.a. der Bergbau und
der Tourismus Beispiele für diese ambivalente Entwicklung:
Sie werden von ausländischen Unternehmen dominiert, haben aber auch in besonderer Weise zum Aufschwung der Wirtschaft beigetragen und sind die großen Hoffnungsträger der Konjunktur.
Ganz allmählich scheint sich das Defizit in der Außenhandelsbilanz
zu verringern: Der Bergbau hat hieran wesentlichen Anteil, aber auch die
traditionellen landwirtschaftlichen Exportkulturen wie Kaffee, Tee,
Baumwolle, Sisal, Cashewnüsse und Blumen. Die Landwirtschaft wird noch lange den weitaus größten Anteil am Bruttoinlandsprodukt des Agrarstaates Tansania halten. Sie dient vier Fünfteln der Bevölkerung der eigenen Subsistenz, bzw. ist deren wichtigste Einnahmequelle. Das Hauptnahrungsmittel ist ein dicker Maisbrei (Ugali), der häufig mit Bohnen oder Blattgemüse und - wenn verfügbar - Fleisch verzehrt wird. Die Landwirte haben zwar von der Deregulierung der Märkte profitiert, allerdings ist das Gesamtniveau der landwirtschaftlichen Produktion nach wie vor ausgesprochen niedrig, so dass es regional immer wieder zu Hungersnöten kommt. Wie in anderen afrikanischen Ländern bleibt der ländliche Raum weit hinter den Entwicklungen in den Städten zurück: Während auf dem Land selbst die Stromversorgung vielerorts eine vage Zukunftsvision ist, wird in den Städten längst mit kabellosen Internet-Verbindungen weltweit kommuniziert. Per Definition ist der informelle Sektor jener Teil der Volkswirtschaft, der nicht in der offiziellen Statistik erfasst ist. Amtliche Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass de facto mehr als die Hälfte des Volkseinkommens von 'fliegenden Händlern' (Wamachingas), Straßenküchen (Mama Lishe) und anderen Tätigkeiten im 'Heiße-Sonne-Sektor' (Jua-Kali-Sektor) Tansanias erwirtschaftet wird.
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| Verschuldung | Tansania ist ein Land mit hoher Staatsverschuldung. Es gehört jedoch auch zu den ersten Nutznießern der Initiativen für 'Heavily Indepted Poor Countries (HIPC)' und der 'Multilateral Dept Relief Initiative (MDRI)', auch wenn diese bei weitem keine vollständige Entschuldung herbeiführen werden. |
| Indikatoren, Statistiken und Analysen |
Mit der geringen Produktivität in der Landwirtschaft sind die Lebenshaltungskosten
korreliert, von denen 55,9 % für die Ernährung verwendet werden. An
zweiter Stelle kommt der Posten 'Fortbewegung' (9,7 %), dann 'Energie
und Wasser' (8,5 %) sowie 'Drinks und Tabak' (6,9 %).
"In Tansania verdient ein Huhn, das ein Ei legt, mehr als ein Lehrer", beklagt sich ein Staatsdiener. Bei rein ökonometrischer Betrachtung, z.B. im Hinblick auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP), ist Tansania immer noch das drittärmste Land der Erde. Und doch lassen die wirtschaftlichen Kennziffern Tansania als einen 'rising star of Africa' erscheinen. Eine positive Bilanz der wirtschaftlichen Entwicklung zieht nicht nur die Weltbank. Noch beeindruckender sind die jüngsten Wirtschaftstrends. Einen holistischen Ansatz für die Klassifizierung von Ländern hinsichtlich ihres Entwicklungsniveaus verwendet das UNDP mit dem Human Development Index (HDI). Er berücksichtigt neben dem Lebensstandard auch andere wichtige Parameter. Tansanias Position (derzeit 159 von 177) in der HDI-Rangliste der Länder ist deutlich besser, als seine Position in der BIP-Rangliste (171 von 174). Wer die Situation der Menschen in Tansania kennt, wird bestätigen, dass eine allzu pessimistische Einstufung der Lebensverhältnisse in Tansania (gegenüber anderen afrikanischen Ländern) kaum gerechtfertigt ist. Das bestätigt auch der 1997 geschaffene 'Human Poverty Index' (HPI): Zwar leben 32,5 % der Bevölkerung in extremer Armut, in mehr als einem Drittel der Entwicklungsländer ist dieser Anteil jedoch noch höher. Der HDI ist seit 2001 kontinuierlich gestiegen (0,467 vs. 0,400). Im selben Zeitraum ist die Lebenserwartung, nachdem sie zuvor v.a. aidsbedingt stark gefallen war, um 7 Jahre auf 51,0 Jahre angestiegen und das Pro-Kopf-Einkommen bei Kaufkraftparität ist sogar um 43 % von 520 US$ auf 744 US$ pro Jahr gewachsen. In Analogie zum Human Development Index berechnet UNDP einen Gender-Related Development Index, der neben den erwähnten Entwicklungsparametern auch die Gleichberechtigung der Geschlechter berücksichtigt. Der GDI liegt kaum unter dem HDI (0.464), so dass man in Tansania nicht von einer 'Feminisierung' der Armut sprechen kann. Der voluminöse dritte 'Poverty and Human Development Report' der tansanischen Regierung (2005) ist ein weiterer Beleg für die beachtlichen Fortschritte des Landes. Trotzdem wird Tansania voraussichtlich wohl nur einzelne der 'entwicklungspolitischen Jahrtausendziele' (Millennium Development Goals) erreichen. Die Gründe hierfür sind zahlreich und werden von den Analysten entsprechend unterschiedlich gewichtet. |
| Entwicklung und Entwicklungs- politik |
Tansania auf eigene Füße zu stellen ('self-reliance'), war eines der
Ziele von Julius Nyereres Ujamaa-Politik. Anspruch und Wirklichkeit hätten nicht weiter
auseinander liegen können: Kaum ein anderes Land wurde derart mit Hilfe überschüttet wie Tansania - und mit derart wenig Erfolg. Der Begriff
'Donor-economy' beschreibt eine Wirtschaft, die überwiegend fremdfinanziert ist, was auf Tansania zutrifft. Viele sind bemüht, Mitarbeiter in einem der internationalen Projekte zu werden. Ein besonders weit verbreiteter Projektautotyp wurde in der
'Pajero-Kultur' Tansanias zum Sinnbild für beruflichen Erfolg. Dabei hat das 'Nikolaus-Syndrom' der Geber auf der Empfängerseite das 'Abhängigkeitssyndrom' verstärkt. Der Mangel an Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, der durch den Sklavenhandel, die Kolonialzeit und die Diktatur der CCM eine lange Vorgeschichte hat, ist nur schwer zu überwinden.
Mit der Verbesserung der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit den 1990er Jahren, haben sich aber auch die Chancen auf nachhaltige Erfolge durch die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) verbessert. Die Schwerpunkte der deutschen EZ mit Tansania liegen im Bereich der Wasserversorgung, des Gesundheitswesens und der Dezentralisierung. Die bilaterale EZ soll dabei zunehmend mit den Bemühungen anderer Akteure harmonisiert werden und den Gestaltungsspielraum Tansanias erweitern. Dabei soll die Zivilgesellschaft des Landes (NROs, Verbände, Selbsthilfegruppen, etc.) so gut wie möglich beteiligt werden. Die noch junge Zivilgesellschaft Tansanias wächst erst langsam in ihre Rolle als wirkungsvolles Korrektiv von Wirtschaft und Politik hinein. Seit der politischen Liberalisierung wollen aber immer mehr Menschen mitbestimmen und die Verantwortung für die Entwicklung ihrer Gemeinschaften selbst in die Hand nehmen. Die Liste der am Entwicklungsprozess des Landes beteiligten nationalen und internationalen Organisationen hat einen eindrucksvollen Umfang erreicht. Die Dachorganisation der tansanischen Nichtregierungsorganisationen ist die 'Tanzania Association of Non-Governmental Organizations' (TANGO). Leider sind nicht alle NGO, die sich als lokale Partner für Entwicklungsprogramme empfehlen, von Bürgersinn geleitet und am Gemeinwohl orientiert. Der Autor dieser Landesinformationsseite hat diese Gruppe der NGO, die im Windschatten der integeren Institutionen agieren, den Begriff 'Business Oriented Non-Governmental Organization' geprägt: BONGO wird im Swahili (meist mit einem verschmitzten Lächeln) für 'Bauernschläue' gebraucht, mitunter aber auch für die Stadt Daressalam oder als Synonym für das ganze Land. Aber: Wer sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichert, riskiert, von der freien Presse angeprangert zu werden und mancher ist bereits von einem hohen Amt zurückgetreten. Das war in den 1980er Jahren noch fast undenkbar. Tansania hat das Image eines 'Fasses ohne Boden' verloren und ist wieder zu einem Hoffnungsträger geworden. Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner Organisationen und Institutionen: CIM, DED, Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, GTZ, Hanns-Seidel-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, InWEnt, IWF, KfW, Konrad-Adenauer-Stiftung, SIDA, UNDP, USAID, Weltbank |
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