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TANSANIA
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Soziale Strukturen
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In Tansania sind formalisierte soziale Sicherungssysteme weitgehend unbekannt. Selbst die relativ kleine Gruppe der formal Beschäftigten, die in eine Rentenkasse einzahlt, kann nicht auf eine existenzsichernde
Altersrente hoffen. In eine Krankenversicherung zahlen oft nur diejenigen ein, die sich diesen 'Luxus' leisten können und an eine Arbeitslosenversicherung ist gar nicht erst zu denken. Wer alt, arbeitslos, arm oder krank wird, ist auf die Solidarität in der Großfamilie angewiesen ('economy of affection'). Dass eine Gesellschaft, in der jeder Zweite
unter der Armutsgrenze lebt, an diesen Herausforderungen nicht völlig scheitert, ist nur dem traditionellen System der gesellschaftlichen Kohäsion zu verdanken. Da dieses jedoch von den erfolgreichen Mitgliedern der Gesellschaft Einkommensverteilung verlangt, und somit auch ein erhebliches Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung darstellt, steht es unter einem erheblichen Modernisierungsdruck. Gerade in den Städten ('Stadtluft macht frei') ist von den alten
sozio-kulturellen Strukturen häufig nicht mehr viel übrig, während neue tragfähige Strukturen, die diese ersetzen könnten, noch nicht entstanden sind. Gerade die
Frauen, von denen nur sehr wenige eine
gut bezahlte Anstellung haben, tragen einen großen Teil der Last.
Obwohl sie neben dem Haushalt auch für die Versorgung der Kinder, der Pflegebedürftigen und nicht selten der arbeitslosen Männer zuständig
sind, werden die bestehenden Frauenrechte
oft durch gewohnheitsrechtliche Praktiken unterlaufen.
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| Bildung und Gesundheit |
Das Bildungswesen und
die Gesundheitssysteme Tansanias waren einst vorbildlich in Afrika. Wegen der immer schlechter werdenden wirtschaftlichen Gesamtentwicklung v.a. während der 1980er Jahre, kam es jedoch auch in diesen Bereichen zu einem massiven Zerfall. Die später eingeleiteten Strukturanpassungsmaßnahmen zielten - mit Erfolg - primär auf eine wirtschaftliche Konsolidierung und auf 'weniger Staat', wodurch sich die Lage in den staatlichen Domänen Bildung und Gesundheit zunächst weiterhin verschlechterte. Inzwischen ist die Talsohle durchlaufen. Die Reformbemühungen, aber auch der Schuldenerlass, haben inzwischen signifikante Verbesserungen ermöglicht. Diese werden allerdings nach wie vor von den verheerenden Auswirkungen der
AIDS-Epedemie überschattet. In den letzten Jahren wurden nicht nur im Bereich der Primar- und Sekundarschulen Kapazitäten entwickelt, auch die Zahl der Hochschulen nimmt deutlich zu. Neben der University of Dar es Salaam und der Sokoine University of Agriculture in Morogoro, gibt es die dezentral operierende Tumaini University der evangelisch-lutherischen Kirche (das 'Kilimanjaro Christian Medical Centre', KCMC, ist eines der besten Krankenhäuser des Landes und liegt in Moshi), die St. Augustine's University der katholischen Kirche in Mwanza, die State University of Zanzibar und weitere Hochschulen. |
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Sprachen
Sprichworte auf Swahili finden sich auf den 'Kangas', mit denen sich viele Frauen in Tansania bekleidet sind. Diese farben- frohen Tücher sind sehr charakteristisch für das Straßenbild |
Die ethnische Vielfalt Afrikas ist beinahe so groß wie jene der gesamten übrigen Welt. In Tansania leben weniger als 40 Millionen Menschen, diese gehören aber 120 verschiedenen Ethnien mit jeweils eigener Sprache an. Nur sehr wenige Volksgruppen haben mehr als eine Millionen Angehörige und ethnische Konflikte spielen in Tansania praktisch keine Rolle. In Tansania ist man stolz darauf, dass das Swahili zur nationalen Identität beigetragen hat. Im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Staaten, in denen es neben den Lokalsprachen meist nur eine europäische Amtssprache zur Verständigung im beruflichen Umfeld gibt, wird in Tansania von fast allen Menschen das Swahili als gemeinsame Amts-, Verkehrs- und Umgangssprache akzeptiert. Die zweite Amtssprache, Englisch, wird in Tansania dagegen selbst auf höchster Ebene oft nur dann verwendet, wenn Ausländer anwesend sind. Mit Englisch mag man sich als Tourist und unter Umständen sogar im Berufsleben in Tansania behelfen können. Um aber in der faszinierenden Kultur des Gastlandes heimisch zu werden, müssen Sie Swahili erlernen. Sie können diese Sprache dann auch in einigen Nachbarländern anwenden, denn es ist die am weitesten verbreitete afrikanische Sprache. Als solche wurde sie auch neben Englisch, Französisch, Portugiesisch und Arabisch als offizielle Arbeitssprache der Afrikanischen Union zugelassen. Zum Selbststudium bietet sich ein Internetkurs an, aber im deutschsprachigen Raum finden sich auch viele Swahili-Kurse und -Lehrer. Fortgeschrittene werden dem Swahili-Programm der Deutschen Welle folgen können. |
| Kunst |
Traditionelle ostafrikanische Kunst - in Form von wertvollen Gebrauchsgegenständen, Masken, Musikinstrumenten, etc. - wird man in Tansania kaum noch antreffen. Zwar sind 'Antiques' sehr in Mode gekommen, doch handelt es sich dabei fast ausnahmslos um dekorative Plagiate. Authentische Objekte erwirbt man eher auf internationalen Auktionen.
Unter den zahlreichen Kunstformen Tansanias sind die Ebenholzschnitzereien der Makonde auf der ganzen Welt bekannt. Die Makonde stammen aus dem Grenzgebiet von Tansania und Mosambik. Leider müssen die meisten Künstler ihre Phantasie und Intuition den Gesetzmäßigkeiten des (touristischen) Marktes unterordnen, so dass sehr viel Massenware produziert wird, für die der Begriff 'Airport Art' schon ziemlich schmeichelhaft ist. Die Makonde produzieren aber neben Aschenbechern, gedrechselten Kerzenständern und allen nur erdenklichen Variationen von Holzgiraffen durchaus auch großartige Kunst.
Die naive 'Tingatinga'-Malerei ist nach einem genialen tansanischen Künstler benannt. Auch hier ist es jedoch heute nicht einfach, unter der touristischen Massenware anspruchsvolle Kunstwerke zu finden. Architektonische 'Kunstwerke', die unter Denkmalschutz gestellt
wurden, entstammen meist den Kulturen der Fremdherrscher und sind dementsprechend v.a. an der Küste und auf Sansibar
(Stonetown) zu finden. |
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Küche
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Tansania hat viele Attraktionen, aber nur wenige Ausländer teilen mit den Tansaniern deren besondere Vorliebe für den Maisbrei
'Ugali'.
Das Reisgericht 'Pilau' hingegen, das ursprünglich aus Indien stammt und v.a. zu besonderen Anlässen gekocht wird,
sei sehr zur Nachahmung empfohlen.
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Religion
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Um zu verhindern, dass die Religion in Tansania wie in anderen Ländern Afrikas zu einem Politikum wird, wurde bei Volkszählungen seit 1967 nicht mehr nach der Religionszugehörigkeit gefragt. Man geht davon aus, dass sich das ursprünglich ausgewogene zahlenmäßige Verhältnis zwischen Christen, Muslimen und Anhängern traditioneller Religionen inzwischen zugunsten der katholischen und evangelisch-lutherischen Kirchen verschoben hat, aber auch der islamische Bevölkerungsanteil ist gewachsen. Häufig werden Elemente aus der autochthonen Spiritualität in den christlichen oder islamischen Glauben integriert (Synkretismus). Religiöse Konflikte waren in Tansania – ebenso wie ethnische Auseinandersetzungen – weitgehend unbekannt. Erst in jüngster Zeit gibt es eine Tendenz der politischen Instrumentalisierung von Religion, insbesondere durch den Konflikt um die muslimisch geprägte CUF-Partei, die auf den Inseln Sansibars und an der Küste hohe Stimmenanteile verbuchen kann. |
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