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Thailand
 Seite 4: Gesellschaft, Kultur & Religion

makrosoziale Struktur

Soziale Lage und soziale Klassen

Im Juli 1990 verabschiedete das thailändische Parlament gegen den Widerstand des Senats den lang ersehnten Social Security Act. Das Sozialversicherungsgesetz verschaffte Arbeitnehmern in privaten Wirtschaftsbetrieben  einen Versicherungsschutz gegen die allgemeinen Lebensrisiken Krankheit, Unfall, Invalidität und Tod. Nicht davon profitieren allerdings die rund 10 Millionen Selbständigen, von denen viele im informellen städtischen Sektor (Händler oder Kleingewerbetreibende) ihr Geld verdienen.

Die thailändische Gesellschaft und ihre Strukturen sind für Außenstehende nur schwer zu durchschauen. Das Patron-Client Prinzip spielt immer noch eine tragende Rolle. Zudem gibt es auch klare hierarchische Strukturen, die sich schon im Begrüßungsritual, dem Wai, ausdrücken. 

Stadt-Land-Verhältnis

Die Verhältnisse zwischen der Land- und der Stadtbevölkerung sind nach wie vor sehr ausgeprägt. Mehr als dreiviertel der Bevölkerung lebt im ländlichen Bereich nach wie vor in traditionellen Strukturen und zum Teil auch in ärmlichen Verhältnissen. Einer der Gründe warum viele junge Mädchen ihr Glück in Bangkok suchen.  Die Landflucht ist nach wie vor ein aktuelles Problem und immer wieder werden von den Regierenden Programme aufgelegt, dem entgegen zu wirken. In der Stadt hat sich  eine Mittelklasse gebildet, die immer stärker nach politischem Einfluss verlangt. 

Geschlechterverhältnis

Die Thailändischen Frauen werden in einem Sprichwort als die Hinterbeine des Elefanten bezeichnet. Sie sind zwar in der Familie oft diejenigen, die alle Belange steuern, nach außen aber definieren sie sich über den Status des Mannes und sind durch enge gesellschaftliche Regeln gebunden. In Bangkok gibt es allerdings eine zunehmende Anzahl an moderne Thai Frauen, die sich berufliche sehr engagieren, selbstbewusst und  erfolgreich sind, und sich sich immer mehr vom traditionellen Frauenbild abwenden. 

Blumenhändler Bangkok - Martens-Traub

Bildung

Das Bildungssystem ist reformbedürftig und die letzte  Regierung hatte sich eine grundlegende Umstrukturierung zum Ziel gesetzt. Die meisten Lehrer sind schlecht ausgebildet und die Unterrichtsmethoden veraltet - die Prügelstrafe wurde erst vor wenigen Jahren offiziell abgeschafft.
Es gibt zahlreiche Organisationen und Projekte, die sich für eine Erneuerung der Bildungsstrukturen im gesamten Asiatisch- Pazifischen Raum einsetzen. Dabei stehen Programme für  Gender in der Erziehung  und HIV-Prävention ganz oben auf der Agenda.

Gesundheits- wesen

Moderne Medizin, Gesundheitsversorgung 

In Bangkok gibt es zahlreiche private Kliniken, in denen man nach westlichen Standards versorgt wird, vorausgesetzt man kann es sich leisten. In ländlichen Gegenden ist der Standard deutlich unter diesem Niveau.  Das Gesundheitssystem ist seit 2000 im Focus der Regierung. So sollen die Bürger durch staatlich organisierte Kampagnen schon in der Schule frühzeitig über Hygiene Gesundheit erhaltende Maßnahmen informiert  werden.  Die durchschnittliche Lebenserwartung der Thais liegt mit  67 Jahren (m) und 73 Jahren (w)  unter der Lebenserwartung in den Nachbarländern Vietnam und Malaysia. Dafür dürfte wohl insbesondere die Ausbreitung von AIDS verantwortlich sein.

HIV

In Thailand ist  ist die AIDS -Problematik erst seit Anfang der 90er Jahre "offiziell".  Die Entwicklung und die politischen und medizinischen Maßnahmen haben in den vergangenen Jahrzehnten viel bewegt. Berichte  der WHO zeigen die  aktuelle Situation.:man schätzt, dass rund 85%-90% der Prostituierten in Thailand mit HIV infiziert sind. Die größte Überträgergruppe (>70%) sind heterosexuelle Männer.

Geisterhaus Bangkok - Martens-Traub

Kultur

Tempel Doi Suthep - Martens-Traub

Kulturelle Identitäten 

Die Thais sind ein sehr selbstbewusstes und stolzes Volk. Ihre Kraft ziehen sie sicherlich aus ihrer starken Verbindung zur Religion und ihren Traditionen und der Monarchie. Die religiösen Feste und besonders der Geburtstag  des Königs werden von der gesamten Bevölkerung ausgiebig gefeiert.

Kunst

Das  Ramakien, die Thai-Version des indischen Ramayana war und ist Inspiration für Schauspiel, klassischen Tanz, Literatur und Kunst. Das zeigt insbesondere ein Blick in die Geschichte der Kunst und Literatur  in Thailand.

Sprache

Auch in der Sprache der Thai spiegelt sich die Hierarchie der Gesellschaft wider. Die passende Ansprache für Personen spielt eine große Rolle im Umgang miteinander.

 Nur in Zentralthailand wird das "Hochthai" gesprochen. Neben dem Isaan im Nordosten, das der Laotischen Sprache näher ist als dem Thai  gibt es zahlreiche Dialekte. Für Europäer ist es nicht ganz leicht diese Tonsprache zu erlernen- aber versuchen sollte man es auf jeden Fall. In den ländlichen Gebieten kommt man mit Englisch nicht sehr weit.

Religion

Buddhakopf- Quelle unbekannt

Offizielle Religionen

Der Theravada - Buddhismus, der in Thailand vorherrscht, geht auf die frühesten Schriften des Buddhismus zurück. Die heutige Form des Buddhismus in Thailand gilt als sehr ursprünglich und traditionell. Der König ist auch hier Vorbild und vielen Ritualen verpflichtet. 94% der Thais sind  Buddhisten, knapp 4% sind Moslems, Konfuzianer knapp 2% und Christen sind mit 1% vertreten.

Bei der Erarbeitung der neuen Verfassung wurde die Frage nach einer Verankerung des Buddhismus als Staatsreligion heftig diskutiert. 

Politische und gesellschaftliche Bedeutung der Religion

Die Religion ist neben Nation und Königtum eine der drei, den Staat tragenden Säulen.  Opfergaben (Tam bun) im Tempel oder an die Bettelmönche gehören zum Alltag der Thais. In ländlichen Gebieten ist  der Tempel (Wat) der zentrale Punkt der Dorfgemeinschaft, dort sind traditionell Schulen angesiedelt und gerade in ärmlichen Gebieten wird die Bevölkerung über die Mönche mit dem Notwendigsten versorgt.

Den Frauen bleibt im thailändischen Buddhismus der Weg zur Erleuchtung verwehrt - ein schlechtes Karma im vergangenen Leben führte zur Wiedergeburt als "unreine" Frau.

Auswirkungen der Religion auf Alltagsleben und Beruf

Mönche sind ein wichtiger Teil der religiösen Lehre des Theravada-Buddhismus, es gibt in Thailand ca. 350 000 Mönche. Ein Mönch genießt den Respekt aller gläubigen Laien. Oft werden bei Streitigkeiten oder in Lebenskrisen Mönche um ihren weisen Rat gebeten und Mönche weihen Gebäude, Flugzeuge und vieles mehr. 

Fast jeder männliche Thai tritt, meist in seiner Jugend, einmal für ein paar Tage, Wochen oder als "Mönch auf Probe", als Novize in ein Wat ein. Dort leben und meditieren sie mit den Mönchen für einige Zeit. 
Die Mönche sind tagtäglich ab Morgengrauen unterwegs, um sich Essen und andere Opfergaben von den Gläubigen zu "erbetteln". Für die Gebenden eine Gelegenheit das eigene Karma zu verbessern.

Der Glaube an Magische Kräfte, Geister und Astrologie verträgt sich mit dem buddhistischen Glauben ohne Probleme. Amulette, Tätowierungen und andere Glücksbringer spielen im täglichen Leben der Thais eine wichtige Rolle. Das wird u.a. auch an den vielen Geisterhäuschen deutlich.

Bettelmönche - Quelle unbekannt

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