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Tschad
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Makrosoziale Struktur
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Die
Kulturgeschichte des Tschad
lässt sich zurückverfolgen bis in das
Neolithikum. Noch aus dem 6. Jahrtausend vor Christi sind
Felszeichnungen, die Hirtennomaden als Zeugnisse einer noch fruchtbaren
Sahara im Tibesti und Ennedi-Gebirge hinterlassen haben,
zu sehen. Von der frühen Besiedlung der Region rund um den Tschadsee
zwischen dem 4. und 12. Jahrhundert zeugen Überlieferungen und
Keramikfunde. Diese werden der legendären Kultur der Sao zugeschrieben, die sesshafte
Landwirtschaft betrieben, befestigte Siedlungen erbauten und sich auf
das Keramik- und Bronzehandwerk verstanden. Besser dokumentiert ist die
weitere tschadische Geschichte durch arabische Reisende und Geographen
sowie die Berichte europäischer Entdecker und Ethnographen, wie Heinrich
Barth, Gustav
Nachtigall und Gerhard Rohlfs. Schon seit jeher waren der südliche und der nördliche Teil des heutigen Tschad sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen und kulturellen Prägungen ausgesetzt. Der großen zentralistisch geprägten Reiche des Nordens lassen sich seit dem 8. Jahrhundert n. Chr. nachweisen und spielten auch später eine zentrale Rolle im Transsaharahandel. Der Islam verbreitete sich schon sehr früh, seit dem 11. Jahrhundert, in der Region des Tschadbeckens und einflussreiche Sultanate, wie das von Kanem-Bornou und Ouaddai und Barguirmi |
Felsenzeichnung
in einer Höhle im Ennedi
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Ethnizität |
Heute gliedert sich das Land
in mehr als 200 ethnische
Gruppierungen, die sowohl sprachlich als auch kulturell
sehr heterogen sind. Die geographischen Gegebenheiten der Sahara-,
Sahel- und
Sudanzone haben zu unterschiedlichen Wirtschaftsformen geführt,
die sich in nomadischer, halbnomadischer oder sesshafter Lebensweise
ausdrücken. Die
sozio-ökonomische Gesellschaftsstruktur
der verschiedenen Ethnien differiert daher stark. Vertreter der
verschiedenen Wirtschaftsformen sind beispielsweise die Tubu-Nomaden
der Sahara, die oftmals halbnomadisch lebenden arabischen
Ethnien der Sahelgebiete und die sesshaften Sara
der
Sudanzone. |
Nachbarschaftliche
Hilfe bei der Hirseernte
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Stadt-Land- Verhältnis |
Zwischen Stadt- und Land herrscht wie in vielen Ländern der Sahel-Zone auch im Tschad eine nicht zu übersehende Kluft. Der Urbanisierungsgrad liegt bei 24%. Die größte Stadt des Landes ist die Hauptstadt N'Djaména mit knapp einer Mio. Einwohner. Die Analphabetenquote wird bei den Männern auf etwa 59%, bei den Frauen auf etwa 87% geschätzt. Die Bevölkerung Tschads ist sehr jung. Die Altersstruktur liegt bei unter 15jährigen bei 47% und bei den über 65jährigen bei 2,9%. Das Durchschnittsalter beträgt 16,3 Jahren. |
Geschlechter- verhältnisse |
Gesellschaftliche
und
religiöse Rahmenbedingungen und Einflüsse prägen ganz
entscheidend
die Situation der Frauen im Tschad. Allerdings finden sich auch
gemeinsame Komponenten. Als während des Bürgerkriegs viele Männer
emigrierten oder keine Arbeit fanden, waren die Frauen gezwungen, neue
Strategien zu entwickeln, um das Überleben der Familie zu sichern. Eine
Veränderung der Geschlechterverhältnisse war die Folge. Da die
Möglichkeiten einkommenschaffender Aktivitäten sehr begrenzt war,
konzentrierten sie sich auf die Herstellung von Nahrungsmitteln,
bildeten Handelnetzwerke und nahmen dabei weite Wege auf sich.
Der Konflikt ermöglichte Frauen in öffentliche, ehemals nur den
Männern vorbehaltene Domänen vorzudringen und ihren Platz dort im
Kleinhandel auch zu verteidigen. Allerdings darf dieser Umstand nicht
vergessen lassen, dass Frauen nach wie vor nur geringe
Handlungsspielräume und begrenzte Verfügungsgewalt über
Ressourcen, ihren Körper, und ihr Handeln besitzen, auch wenn diese
Tatsache natürlich von Ethnie zu Ethnie variiert. Einige aktuelle Artikel zu Frauenthemen und Diskussionen im Tschad bietet ein Dossier der monatlich erscheinenden Zeitschrift Tchad & Culture (alle Artikel können am Ende des Textes über "suivante" ancheinander abgerufen werden). Ausschnitte aus Lebensabschnitten von Frauen sowie Bräuche bei Hochzeiten und Geburten vermitteln einen kleinen Einblick in das Alltagsleben. Beschneidung: Die weibliche Beschneidung wird in weiten Teilen des Tschad, v.a. in den östlichen und südlichen Gebieten praktiziert. Dabei handelt es sich um die verschiedensten Formen und Ausprägungen von der sogenannten "kleinen Beschneidung" bis zur "Infibulation". Insgesamt sind davon ca. 60 % der Frauen im Tschad betroffen, wobei sowohl christlich und animistisch geprägte Ethnien als auch muslimische Ethnien diesen Eingriff durchführen. Im Kampf gegen die weibliche Beschneidung im Tschad wurde 1994 von der tschadischen Journalistin Zara Jacoub ein Aufsehen erregender Film gedreht. In "Dilemme au Feminin" wurden Ausschnitte einer reelen Beschneidung gezeigt und 1995 im tschadischen Fernsehen ausgestrahlt. Daraufhin erhielt Javoub mehrere Morddrohungen und es kam zur Verhängung einer Fatwa gegenüber der Journalistin. Über den Fall und die Wogen, die er nach sich zog, berichtet Amnesty International 1996. |
Frauen
bei der Festmahlszubereitung
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Bildung |
Neben Koranschulen
im Norden, deren
Schüler "mouhadjirine" Da der Staat jedoch nur zum Teil die Bereitstellung von Lehrmaterialien, Lehrerausbildung und -bezahlung wahrnimmt, sind die vielfach auf dem Land gegründeten Associations des Parents d'Élèves gezwungen, auf eigene Initiative und Kosten Lehrkräfte für ihre Kinder zu organisieren. |
Gesundheit und Sozialwesen |
Das Bildungs- Von vielen Tschadern werden nach wie vor sowohl aus Kostengründen als auch aus Überzeugung traditionelle Heilmethoden bevorzugt. HIV/Aids Noch zählt der Tschad zwar nicht zu den Hochprävalenzländern, aber das Virus verbreitet sich besonders im Süden (Erdölregion) sehr schnell. Die Infektionsrate ist somit konstant steigend und aktuelle Statistiken sprechen von etwa 5% der Bevölkerung, die betroffen sein soll. Kulturelle und religiöse Tabus sowie eine große Unwissenheit bezüglich Übertragungsmöglichkeiten und Verwendung von Kondomen, führen zu großen Schwierigkeiten bei der Implementierung von Aufklärungskampagnen und Programmen. Bei der WHO |
Kunst/ Film/ Musik
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In
N'Djaména kann
in der Bibliothek des CEFOD
(Centre
d' Étude
et de Formation pour le Développement)
nach Literatur zu den einzelnen Ethnien und anderen
sozialwissenschaftlichen Fragen geforscht werden. Außerdem
publiziert das Institut kleine Reihen zu politischen, juristischen und
gesellschaftlichen Fragen, es gibt Bände zu tschadischen
Sprichworten und Kurzgeschichten, Frauenfragen und oraler Literatur. Das Centre Culturel Francais bietet Kulturveranstaltungen von Film über traditionelle und moderne Musik bis Tanz und aktuelle Informationen im Kulturbereich. Die Universität von N' Djaména steht in Kooperation u.a. mit der Universität Hildesheim, hat aber leider keine eigene Webseite. Die Universität Bayreuth veröffentlicht wissenschaftliche Reihen zum Tschadbecken. Das Netzwerk Mega-Tschad betreibt interdisziplinäre Forschung zum Tschad-Becken; des weiteren werden viele wissenschaftliche Studien zur Tschadregion im französischen Verlag L' Harmattan aufgelegt. Rafigui, das 'Journal des Jeunes Francophones au Tchad' berichtet auf seiner website unregelmäßig über soziokulturelle, gegenwartsbezogene Themen und Neuigkeiten aus der Musik-, Film- und Kunstszene, die besonders städtische Jugendliche ansprechen soll. Musik: 2007 hat die tschadische Sängerin Mounira Mitchala den großen Nachwuchspreis 'Prix Découvertes RFI' von Radio France International in Conakry erhalten. Sie gilt als hoffnungsvolles Talent mit der Fähigkeit in ihrer Musik traditionelle und moderne Elemente zu verbinden. Weitere Stars aus der tschadischen Musikszene finden Sie bei ialtchad.com. Traditionelle Musikbeispiele werden bei tchadien.com vorgestellt. Film: Neben seinen bekannten Filmen "Bye Bye Africa" und "Abouna" (Unser Vater) hinterfragt der in Paris studierte tschadische Filmemacher Mahamat Saleh Haroun in seinem neuen Film "Daratt" (Trockenzeit) die Problematik von Amnestie und Toleranz in seinem Heimatland. Kulinarisches: |
Religion |
Die Religion
bestimmt und
charakterisiert das soziale Leben der Menschen. Dies gilt sowohl
für den Islam
als auch das katholische
und protestantische
Christentum und die traditionellen
afrikanischen Religonen (Animismus). Dabei werden die beiden
monothestischen Religionen nicht als monolithische Blöcke
wahrgenommen, sondern weisen auch synkretistische Elemente auf. Die Muslime im Tschad folgen mehrheitlich der sunnitischen Rechtschule des Islam. In der früheren Geschichte haben mystische Bruderschaften insbesondere im Osten und Norden des Landes eine große Rolle gespielt. Gegenwärtig werden zunehmend Einflüsse des Islam, u.a. durch die Unterstützung Saudi-Arabiens, Libyens und des Sudan, im christlich geprägten Süden des Landes sichtbar. Arabisch als Verkehrssprache gewinnt immer mehr an Bedeutung. |
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