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Tunesien
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Anfänge:
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Tunesien ist seit der Altsteinzeit besiedelt.
Seit etwa 2000 v. Chr. wanderten libysche
Stämme in Tunesien ein. 1.100 v. Chr. begannen die
Phönizier,
Handelsniederlassungen
im tunesischen Küstenland zu gründen. Das 814 v.Chr. gegründete
Karthago
entwickelte
sich zur bedeutendsten phönizischen Niederlassung im westlichen Mittelmeer.
Die drei
punischen Kriege zwischen Karthago und Rom (264-146 v.Chr.) endeten mit
der Zerstörung
Karthagos und leiteten die Phase der
Römerherrschaft ein, die bis ins
5. Jh. u.Z. währte. Zur Zeit der Blüte Karthagos und auch später in der römischen Zeit war Tunesien die Kornkammer Nordafrikas. Der Versteppungs- und Verwüstungsprozeß hatte noch nicht eingesetzt. Man muß sich das Land grüner und fruchtbarer vorstellen als heute, wovon die zahlreichen gut erhaltenen punischen, karthagischen und römischen Siedlungen im Landesinnern zeugen. Die Niederlage Karthagos gegen Rom führte zwar zur Zerstörung Karthagos und seiner militärischen Vernichtung, dennoch kam es eher zu einer Assimilierung der punischen und phönizischen Elemente und ihrer Integration in das römische Imperium, als daß man von einer kulturellen römischen Gleichschaltung sprechen könnte. Teilweise existierten punische und römisch-griechische Götter nebeneinander oder vermischten sich. Erst der sog. Beni-Hilal-Einfall ab 1051 im Zuge eines Machtkampfes zwischen zwei rivalisierenden islamischen Dynastien führt zu einer tiefgreifenden Arabisierung, da - ähnlich wie im Irak 1258 beim Mongolensturm - die Bevölkerung stark dezimiert und vor allem Landwirtschaft und Bewässerung völlig zerstört wurden. Es kam buchstäblich zu einer - von Menschen verursachten und bis heute anhaltenden - "Verwüstung", da die Eroberer Hirtenvölker waren und Weidewirtschaft betrieben; die Ackerbaukultur verfiel. Der tief im Landesinnern gelegenen Hauptstadt Kairouan, dem Zugriff byzantinischer Seefahrer entzogen und von einem Grüngürtel fruchtbaren Kulturlandes umgeben, wurde die Lebensgrundlage entzogen. Kairouan verlor seine wirtschaftliche und administrative Bedeutung, sein agrarisches Hinterland, einen Großteil seiner Bevölkerung, versank in relative Bedeutungslosigkeit bis heute und gilt als exotische Attraktion "mitten in der Steppe". |
Beginn
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Die soziale Teilung innerhalb des Landes zu Beginn der Moderne geht auf den Grundkonflikt zwischen Modernisierern
und religiös-konservativen Kräften, zwischen Öffnungs- und Abschließungstendenzen
zurück. |
Der
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Der Staatsgründer Habib Bourguiba (1903-2000)
Habib Bourguiba mit Bewunderinnen (Quelle: http://www.bourguiba.com/pages/PresidentsAlbum.aspx) Habib Bourguiba führte das Land in die Unabhängigkeit und wurde nach deren Erreichung 1957 Präsident bis 1987. Er war ein origineller, charismatischer und laizistischer Politiker, der stark von der französischen Kultur geprägt war und zu den Begründern der "Francophonie" gehörte. Die französische Sprache war für ihn nicht nur ein "Werkzeug im Kampf für die Freiheit", sondern auch eine Hilfe bei der Entwicklung des eigenen Landes "im Kampf gegen den Obskurantismus". Ohne religionsfeindlich zu sein, war ihm religiöse Anmaßung fremd. In erster Ehe mit einer Französin verheiratet, umgab er sich gern mit Frauen und war ihnen gegenüber offen. Er vertrat ein emanzipationsorientiertes Frauenbild, schaffte in Tunesien als einzigem arabischen Land die islamische Polygamie ab und ersetzte sie durch die weltliche monogame Ehe. Das von ihm nach der Unabhängigkeit durchgesetzte Personenstandsrecht ( "Code du Statut Personnel", verabschiedet am 13 August 1956) ersetzte religiöse Rechtsnormen konsequent durch weltliche. Frauen erhielten u.a. das Recht auf Scheidung, blieben aber im Erbrecht noch benachteiligt, sind aber im Vergleich zu anderen arabo-muslimischen Ländern in einer besseren Situation. Die aufklärerische Grundhaltung (er wandte sich auch konsequent gegen die Verschleierung) machte ihn bei den Islamisten unbeliebt bis verhaßt, trug ihm aber den Respekt der laizistischen Kräfte ein. Beide Strömungen - bei genau entgegengesetzter Bewertung - sehen in ihm eine Art "tunesischen Atatürk". Auch Bourguibas zweite Frau, die tunesische "Patrizierin" Wassila Ben Ammar, übte einen starken Einfluß auf ihn aus, als seine körperlichen und geistigen Kräfte nachließen und er die ihm obliegenden Aufgaben als Präsident nicht mehr bewältigen konnte. Innenpolitisch wurde Bourguibas Präsidialherrschaft zunehmend autoritärer, u.a. weil in der tunesischen Gesellschaft die zivilen und demokratischen Traditionen und Gegenkräfte nicht ausreichend entwickelt waren und er den Versuchungen des Personenkultes erlag. Wirtschaftspolitisch war er undogmatisch. Allerdings gab es auch in Tunesien, wie fast überall in der zweiten Häfte des 20. Jahrunderts in den Entwicklungsländern, eine fast natürliche Affinität zwischen autoritärer Herrschaft und bürokratischem Staatssozialismus. So kam es zu Kollektivierungen in der Landwirtschaft während der " sozialistischen Phase" unter Wirtschaftsminister Ahmed Ben Salah von 1962-69, die aber nach katastrophalen Ergebnissen wieder abgebrochen werden mußte. Wie viele Alleinherrscher versäumte es Bourguiba, seine Nachfolge zu regeln, die ihm schließlich aufgezwungen wurde, als der von ihm eingesetzte Ministerpräsident Zine El Abidine Ben Ali ihn durch ärztliches Attest für amtsunfähig erklären ließ und sich selbst zum Präsidenten machte. Nach dem Tod Bourbuibas am 6. April 2000 und seinem staatlicherseits hastig durchgeführten Begräbnis wurde die Bevölkerung von einer spontanen Welle der Trauer und Anteilnahme erfaßt. |
Der
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Zine El Abidine Ben Ali
übernahm die Macht am 7. November 1987, der seither nationaler Feiertag ist. Das von
Habib Bourguiba gelegte laizistische Fundament des Staates wurde von Ben Ali respektiert,
doch liegt sein Schwerpunkt stark auf dem
Ausbau autoritärer Herrschaft hin zu diktatorischen Strukturen und effektiver
Verwaltung und Kontrolle. Ursprünglich Militäroffizier und Geheimdienstchef, wurde er von Habib Bourguiba 1984 zum Innenminister und später 1987 zum Premierminister ernannt. Ben Ali steht als Mann der Sicherheitsapparate wesentlich weniger im Licht der Öffentlichkeit als sein charismatischer Vorgänger. Im Unterschied zu diesem gilt er persönlich als religiös und absolvierte bereits 1988 sowie 2003 die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch). Durch eine Verfassungsänderung ermöglichte er sich 2002 eine weitere, vierte Amtszeit; ursprünglich sah die Verfassung nur maximal drei Amtszeiten vor. |
Der verfas-
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Tunesien ist eine Republik mit einem formalen Mehrparteiensystem,
in der der Präsident eine verfassungsmäßig herausragende
Stellung einnimmt und sowohl in der Exekutive als auch der Legislative die anderen Verfassungsorgane
überragt:
"Das präsidiale System, das mit der ersten
Verfassung der Republik Tunesien
vom 1.6.1959 etabliert wurde, ist - essentiell unverändert durch die
folgenden Verfassungen bzw. Verfassungsmodifikationen - "auf einen
präponderanten, zentralistisch regierenden Staatspräsidenten zugeschnitten
und schränkt die Machtfülle des Präsidenten nicht ein".
Ursprünglich hatte sich seine Ben Alis Machtergreifung gerade auch durch die Abschaffung des Lebenszeitprinzips des Präsidenten legitimiert. Die damals erreichte breite Legitimation wurde seit 1987 und speziell seit 1991 durch effektive Kontrolle von oben nach unten ersetzt. Der Autoritarismus wurde zum Hauptmerkmal der Regierungszeit Ben Alis. Autoritarismus und Modernität stehen jedoch in einem Spannungsverhältnis. Ben Alis "Wahlsieg" bei den Präsidentschaftswahlen 2004 stand nach der Verfassungsänderung 2002 nichts mehr im Wege. Das Tunesien nach der Unabhängigkeit ist ein zentralistischer Staat, aufgeteilt in 24 Governorate (Regierungsbezirke), der von von einem Präsidenten als Zentralfigur dominiert ist. Die Governeure werden vom Präsidenten ernannt. Präsidentschafts- sowie Parlaments- und Kommunalwahlen finden zwar alle 5 Jahre statt, doch kann der Präsident die zugelassenen Kandidaten so selektieren, daß das plebiszitäre Element überwiegend akklamativen Charakter bekommt.
Lokale Delegation des Gouvernorats Tunis in La Marsa (eigenes Foto) |
Die Recht- sprechung |
Die Rechtsprechung ist am französischen Rechtssystem orientiert und
sehr ausdifferenziert in Strafrecht (
droit pénal), Zivilrecht (
droit civil), Steuerrecht
(droit fiscal) und die anderen Rechtsgebiete. |
Machthaber |
Das Regime Ben Alis spricht von einer neuen
Ära der Veränderungen,
die am 7.November 1987 begonnen haben sollen und den drohenden Staatsbankrott und die
Aushöhlung der staatlichen Institutionen verhindert hätten. Richtig daran ist vermutlich, daß die ungeklärte Nachfolge des Präsidenten Bourguiba das Land in einen Zustand der personellen und institutionellen Lähmung gebracht hatte. Als 1984 auf Verlangen des Internationalen Weltwährungsfonds die Subventionen auf den Brotpreis abgeschafft wurden, kam es zu den sog. Brotunruhen, die das Ende der Ära Bourguiba einläuteten. Verschiedene klientelistische Gruppen versuchten die Nachfolge Bourguibas in ihrem Sinne zu regeln, neutralisierten sich gegenseitig und führten einen Zustand der Lähmung herbei, den der damalige Premierminister Ben Ali durch seine Machtübernahme auflöste und beendete. Die Agonie am Ende der Ära Bourguiba hatte eine starke islamistische Opposition begünstigt, die angesichts der Schwäche und Unentschlossenheit der Regierung ihre Stunde herannahen sah und in einen legalistischen und einen putschistischen Flügel gespalten war. Ben Ali, der neue "starke Mann" an der Spitze des Staates, sah sich bald mit dieser Herausforderung konfrontiert und nahm die unfertigen und undurchsichtigen Putschszenarien zum Anlaß, nach anfänglichem Zögern entschlossen gegen die Islamisten vorzugehen, die teils noch in Haft sind. |
Macht-
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Hatte Ben Ali die ursprüngliche Absicht Bourguibas, über die Anführer der Islamisten
die Todesstrafe
zu verhängen, zunächst noch zum Anlaß genommen, die
Ära Bourguibas
zu beenden ,
so kam es 1990/91 doch zum "Showdown" zwischen laizistischer Staatsmacht und
der organisierten islamistischen Opposition um die
Ennahda-Partei. Im Angesicht des sich abzeichnenden ersten Golfkrieges und der Beinahe-Machtübernahme der FIS in Algerien gewannen die putschistischen Elemente innerhalb der Islamisten zeitweilig Einfluß. Es kam zu gewalttätigen Unruhen, die von der Staatsmacht als Auftakt eines Umsturz-Szenarios verstanden wurden. Ben Ali nahm diese Gefahr sehr bewußt wahr und ergriff mit Hilfe seines Innenministers Kallel die Initiative. Es kam zu landesweiten Verhaftungen, die zur Ausschaltung des organisierten Islamismus als politische Opposition führten. Jedoch gewinnt der Islamismus heute wieder zunehmend an Terrain in der tunesischen Gesellschaft. Soweit erkennbar, ist das islamistische Lager gespalten, so daß die zu Ben Ali in Opposition stehenden Kräfte versucht sind, mit dem "moderaten" Flügel gemeinsame Sache gegen das Regime zu machen. Im Konflikt zwischen einer Staatsmacht, die den Islamismus benutzt, um der Gesellschaft demokratische Ausdrucksformen zu verwehren, und einer islamistischen Opposition, die die Religion politisch instrumentalisiert, tritt die Staatmacht zumindest als Garant von Stabilität und moderatem Wohlstand auf. Die Schwäche der zwischen Islamismus und Laizismus zerrissenen tunesischen Opposition liegt darin, daß die Erfolge des Regimes: wirtschaftliches Wachstum, Wohlstandszuwachs und politische Stabilität durch autoritäre und repressive sowie teilweise nepotistische und korrupte Herrschaftsstrukturen zu garantieren, nicht völlig verleugnet werden können, die anzubietenden Alternativen aber absolut unklar sind. So ist bisher nicht zu erkennen, wie die internen Differenzen innerhalb der Opposition bei den Themen: Stellung der Frau in der Gesellschaft, individuelle Freiheiten, das Verhältnis zwischen Staat und Religion oder islamische Körperstrafen überwunden werden können. Dazu gibt es bisher lediglich interne Gespräche und Klärungsversuche, und es ist völlig offen, ob das Bestreben, den politischen Islamismus in Tunesien zu demokratisieren, nicht auf Wunschdenken hinausläuft. Zudem wird der Opposition unter dem Deckmantel der Legalität keine mögliche Schikane erspart. Im Oktober 2007 ist ein hellsichtiger Vertreter der laizistischen Opposition und möglicher Architekt einer inneroppositionellen Verständigung, der langjährige Vorsitzende der sozialdemokratisch ausgerichteten PDP, der Anwalt Nejib Chebbi, in einen unbefristeten Hungerstreik getreten, um gegen die de-facto-Zerschlagung seiner Partei-Infrastruktur zu protestieren und wurde als Zeichen der Sympathie auch von zahlreichen Diplomaten, so etwa dem amerikanischen Botschafter, besucht. Die Aufmerksamkeitsbedundungen waren vermutlich ursächlich dafür, daß die Kündigung des Mietvertrages für die Parteizentrale zurückgenommen wurde. Da das Regime Ben Ali das Land fest im Griff hat, nutzen seine Gegner die Medien im Ausland. Insbesondere der Sender Al Jazeera bietet eine gern genutzte Möglichkeit, sich in die tunesischen Wohnzimmer zu katapultieren und dem Sicherheitsapparat "schlaflose Nächte" zu bereiten. Dies führte 2004 zu einem diplomatischen Eklat. Die im Namen der Al Qaida verübten Anschläge im Januar 2007 machen darüber hinaus deutlich (wie in Tunesien üblich, werden mit großer Hingabe die wildesten Gerüchte verbreitet), daß es unabhängig von der tunesichen Innenpolitik den Versuch gibt, den gesamten Maghreb an sich zum Ausgangspunkt einer neuen Terrorbewegung zu machen. Zwar ist die Überwachung des Landes engmaschig; den Sicherheitsorganen entgeht vergleichsweise wenig. Die Entführung zweier österreichischer Wüstentouristen im März dieses Jahres (2008) hat aber gezeigt, daß die unkontrollierbaren, chaotischen Strukturen in Algerien auf Tunesien zurückschlagen, wenn von tunesischer Seite auch reklamiert wird, die Entführung habe nach einer unbeabsichtigten Übertretung der Staatsgrenze auf algerischem Territorium stattgefunden. Zwar nimmt der islamischtische Terrorismus ein Recht auf Widerstand gegen eine vermeintlich "gottlose" Diktatur zu Unrecht in Anspruch; die Außenwahrnehmung Tunesiens als "riesiges Gefängnis" weist aber auf ein wirkliches Legitimitätsdefizit hin (das allerdings eher geringer ist als in allen anderen nicht-demokratischen arabischen Ländern). |
Zivil- |
Die Zivilgesellschaft wird in Tunesien durch den omnipotenten Staat kontrolliert.
Dies gilt für die erwähnten Oppositionsparteien ebenso wie für die berufsständischen
Verbände und Vereinigungen sowie für die offizielle
Gewerkschaft UGTT und den Arbeitgeberverband
UTICA. |
Die Presse |
Freie Presse
und öffentliche Diskussion sind in Tunesien formal gewährleistet,
de facto aber nicht vorhanden, da ohne eine Autorisierung des Innenministeriums
nichts gedruckt werden darf. Auch ausländische Presseerzeugnisse werden aufmerksam
zensiert. Dies betraf u.a. verschiedene Ausgaben von "Jeune Afrique" oder "Le Monde". Die französischsprachige Tageszeitung "La Presse" bemüht sich gleichwohl um die Diskussion von lokalen, punktuellen Mißständen sowie die Dokumentation und das "Nachvollziehen" staatlicher Initiativen. Die Redaktion hat dabei mit Identitätsproblemen zu kämpfen, da einerseits selbst Präsident Ben Ali jede Form von Selbstzensur verurteilt hat, die Konstruktion des tunesischen Pressewesens eine solche aber unvermeidlich hervorbringt. Außerdem werden zahlreiche Veranstaltungen und private Initiativen gefördert, soweit sie nicht politisch unliebsam sind, z.B. Reise- und Bildungsveranstaltungen in Tunesien zu antiken Stätten oder private Führungen in der Altstadt von Tunis, der Medina, während des Fastenmonats Ramadan. Weiterhin existiert ein beträchtlicher privater Anzeigenteil mit Auto- und Wohnungsmarkt. Ferner gibt es noch die Parteizeitung "Le Renouveau", die in öffentlichen Institutionen für Führungskräfte umsonst verteilt wird. Zudem sei noch auf die weniger gelesene "Le Temps" hingewiesen, die sich inhaltlich kaum von den anderen Tageszeitungen unterscheidet. Darüber hinaus gibt es noch einige arabischsprachige Tageszeitungen sowie französisch-arabische Wochenzeitungen, die ebenfallsihre Seiten mit dem Jargon von Regierungsverlautbarungen füllen (sog. "langue de bois"). |
Rundfunk, Fernsehen und Internet |
Etwas interessanter dagegen ist das staatliche tunesische Rundfunkprogramm.
"Radio Tunis International": es
bringt gelegentlich durchaus interessante Kultur-, Musik- und Diskussionssendungen auf
Französisch, aber auch in internationalen Sprachen, u.a. auch auf Deutsch. Hinzugekommen sind in den letzten Jahren auch verschiedene Privatsender, die zunehmend populär werden, unter anderem auch ein Programm ausschließlich religiösen Inhalts, Radio Zitouna, das sich offiziell als "islamistisch" bezeichnet. Zentrales Medium in Tunesien ist das Fernsehen. Der offizielle Regierungskanal "Tunis 7" (neuerdings werden in den zugänglichen Übersichten auch private Fernsehsender erwähnt) bietet Informations- und Unterhaltungssendungen teils auf Französisch, überwiegend jedoch auf Arabisch, und per Internet weitere zusätzliche Dienstleistungen, u.a. Wetter und Kultur, angeboten. In der Popularität hat der Privatsender Hannibal-TV den staatlichen Sender Tunis 7 deutlich übertroffen und bezeichnet sich selbst als die Referenz in Tunesien beim Fernsehen. Das Internet hat sich auch als audiovisuelle Informationsplattform zu etablieren begonnen, eine Reihe neuer junger Firmen vertreibt und veröffentlicht ihr vorwiegend audio-zentriertes Angebot ("Podcasts") über Internet-Seiten. Radio TounesBledi ist eine solches virtuelles Radio, das nach eigenen Angaben 550.00 Zuhörer erreicht. Andere Stationen sind:
Außerdem zu nennen sind die internetbasierten Informationsquellen. Der tunesische Staat hat diverse "Webzines" auf den staatlichen Servern plaziert. An ihrer massiven Rezeption kann man aber zweifeln. Mittlerweile gibt es auch über 1000 Blogs auf staatlichen oder ausländischen Servern, u.a. "extravagante" arabische (in tunesischem Dialekt), internationale in Französisch und auch multisprachliche, die sich reger Beliebtheit erfreuen. Auch die Geschäftswelt versucht das Internet zu Informations- und Werbezwecken zu nutzen, in der Hoffnung, daß sich die Geschäftsabschlüsse dadurch beschleunigen mögen. Diese neuen Angebote bieten oft eine Vielzahl nützlicher Informationen, sind handwerklich perfekt gemacht (inklusive der Möglichkeit, Newsletter oder RSS zu beziehen und kostengünstig Werbung zu plazieren), oder zielen auf Partnerschaften mit ausländischen Investoren. Durch den Siegeszug der Parabolantennen und webbasierten Informationsquellen haben die rein tunesischen Informationsquellen jedoch an Bedeutung verloren. Im weiteren zu nennen sind insbesondere die arabischsprachigen Sender Al Jazira und Al Arabia, die das Bedürfnis nach nicht westlich beeinflußten, auf Arabisch verbreiteten Informationen bedienen möchten. Zusätzlich erfreuen sich aber durchaus auch westliche, europäische Programme großer Beliebtheit. Die Werbeauftritte der tunesischen Regierung im Internet werden dagegen weniger häufig frequentiert. (Internet in Tunesien: Siehe Seite 5) |
Zensur
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Daß im November 2005 in Tunis der
Weltinformationsgipfel der Vereinten Nationen
stattfand, kann im besten Fall das
Spannungsverhältnis
zwischen
Autoritarismus und Modernität hervorheben.
Obwohl es dem fremden Besucher Tunesiens kaum auffällt, ist die
Regierung sehr bemüht,
die Medien und insbesondere das Internet als Forum freien Ausdrucks zu
kontrollieren. Ein Hase- und Igel-Spiel ist im Gang, das für die Betroffenen gefährlich werden kann, die die Regierung ihre Überwachungskapazitäten ständig aktualisiert und aufmerksam die Erfahrungen anderer Länder, insbes. Chinas, verfolgt. Die "Menschenrechte" werden sehr selektiv interpretiert. Allerdings soll auch möglichst wenig Aufsehen erregt werden. Einmal verärgert, verfährt das Regime allerdings keineswegs zimperlich, und die tunesischen Haftbedingungen in solchen Situationen können potentiell lebensbedrohlich sein, wie sich exemplarisch am Fall des Regimekrikers Zouhair Yahyaoui gezeigt hat. Auch die zahlreichen Internet-Cafés unterliegen strikter Überwachung und stehen unter der Drohung des Lizenzentzuges. Die Provider sperren mittels einer Filtersoftware den Zugang zu bestimmten Seiten im Internet. Folgende regimekritische Seiten, die auf ausländischen Servern installiert sind, dürften daher gesperrt sein, wenn man über einen tunesischen Provider versucht, darauf zuzugreifen. Die Liste ist allerdings keineswegs vollständig:
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