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Tunesien
Seite 5: Praktische Hinweise

Einreisen und Aufent-
halts-
bestim-
mungen



Flagge
Die Einreise nach Tunesien kann auf zweierlei Art erfolgen:
  • mit dem Flugzeug
  • mit dem Auto per Schiff
Mit dem Flugzeug gibt es Möglichkeiten u.a. mit Lufthansa und Tunisair oder per Charterflug, dann u.U. nach Monastir, ca. 100km südlich von Tunis. Die Preise schwanken sehr stark nach gewähltem Tarif, im Extremfall zwischen 200 und 2000 Euro.
Die Überfahrt per Schiff kann über Genua in Italien oder Marseille erfolgen. Die Angebote können vor Ort in Tunis bzw. im Hafen von La Goulette eingeholt werden; sie stellen sich dann im Vergleich zur Online-Auskunft manchmal anders dar.
Das Visum wird bei der Einreise in den Reisepaß eingestempelt und ist für EU-Staatsbürger 3 Monate gültig. Danach muß eine erneute Aus- und Wiedereinreise oder aber die Ausstellung einer lokalen dauerhaften "carte de séjour" erfolgen.

Wohnen und Ver-
sorgung



Die Wohnsituation ist trotz vieler Möglichkeiten überwiegend als Angebotsmarkt zu bezeichnen. Die Unterkunft kann zunächst in einem Hotel erfolgen, die zahlreich in guter Qualität vorhanden sind. Da sich Europäer und Cooperants (sofern sie nach Tunis kommen) in den nördlichen Vororten von Tunis: La Marsa, Gammarth, SidiBouSaid und Carthage sammeln - Versorgungslage, Verkehrsanbindung und Lebensqualität sind dort sehr gut - , hat dies zu hohen Mieten geführt.

Frischobst
TGM (Tunis-Goulette-Marsa) in Marsa Plage, Richtung Tunis
(Quelle: Eigenes Foto)

Der Zustand der Häuser und Wohnungen ist häufig, aber nicht immer, passabel. Auf eine Klimaanlage sowie eine funktionierende Heizung (im Winter wird es sehr naßkalt) sollte geachtet werden.
Die Versorgung erfolgt über kleine Epicerien um die Ecke, Superettes, kleine und große Supermärkte und lokale Märkte und ist sehr gut, da die Preise, insbesondere für lokale Produkte, niedrig und die Wege kurz sind.

Frischobst
Frisches Obst und Gemüse je nach Saison findet man überall
(Quelle: Eigenes Foto)

Geld und Geld-
transfer



Die tunesische Währung, der tunesische Dinar, ist im Landesinnern frei konvertibel; es gibt keinen Schwarzmarkt. Lediglich die Ausfuhr ist verboten. Der Geldumtausch kann auch zum normalen Kurs an einem der zahlreichen Geldautomaten per Kredit- oder EC-Karte erfolgen, die automatisch korrekt zum Tageskurs in Dinar umrechnen und ausgeben. Es empfiehlt sich aber, die Ausgabezettel sicherheitshalber aufzuheben.
Die Eröffnung eines Bankkontos ist möglich nach der Klärung des aufenthaltsrechtlichen Status, d.h. bei Vorlage der Aufenthaltsberechtigung, des Arbeits- und Mietvertrages. Es können Konten nur in tunesischen Dinar oder zusätzlich auch in Devisen angelegt werden. Das Verfahren ist hierbei relativ bürokratisch.
Das Überziehen des Kontos muß unbedingt vermieden werden, da dies sofort einen peinlichen Sanktionsautomatismus auslöst, der nur durch sofortigen Kontoausgleich und Vorlage entsprechender schriftlicher Beglaubigungen eventueller Gläubiger, bestätigt durch einen staatlich anerkannten Notar ("houssier") wieder unterbrochen werden kann.

Reisen, Transport und Verkehr



Tunesien ist einrelativ kleines Tourismus- und Reiseland mit übersichtlichen Entfernungen. Mit Ausnahme eines militärischen Sperrgebiets im Süden im Dreiländereck zu Algerien und Libyen sind alle Gegenden zugänglich und relativ gefahrlos erreichbar. Die Tunesier sind auf Ausländer eingestellt und verhalten sich freundlich.
Der Transport erfolgt in der Regel mit dem eigenen Auto. Es gibt aber auch Zugverbindungen in passabler Qualität, insbesondere entlang der Küste zwischen Tunis, Sousse, Mahdia und Sfax. Im Landesinnern werden Sammeltaxis verwendet, die recht schnell unterwegs sind und mit denen man sich nicht auf ein Wettrennen einlassen sollte.

Sammeltaxis
Sameltaxis beim Warten auf Kunden vor der Abfahrt
(Quelle: Eigenes Foto)

Das Land verfügt über eine gut ausgebaute Hotelinfrastruktur verschiedener Niveaus
. Tunesien bietet recht gute Möglichkeiten of Offroad-Touren, insbes. in die Wüste, aber auch in die bergigen Regionen im Nordwesten oder zu den historischen Kulturdenkmälern und -stätten.
Eine interessante Alternative zur Touristenhochburg Djerba ist die etwas nördlich gegenüber von Sfax gelegene Insel Kerkennah, die für ihre deftigen Tintenfischrezepte (poulpe) bekannt und touristisch weitgehend unerschlossen ist. Sie kann von Sfax aus mit einer regelmäßig verkehrenden Fähre erreicht werden und bietet eine gewisse Ruhe im sonst oftmals recht lärmenden tunesischen Alltagsleben.

Überfahrt nach Kerkennah
Zwei Passagiere in traditioneller Jebba auf der Überfahrt nach Kerkennah
(Quelle: Eigenes Foto)

Als kultureller Kontrast und Anlaß zur Vertiefung in die Geschichte des ersten und zweiten Weltkrieges bzw. den internationalen Kontext sind auch die zahlreichen Militärfriedhöfe interessant. Sie sind sehr wenig besucht, im allgemeinen gut gepflegt und ermöglichen ein Wegtauchen aus dem tunesischen Alltagstrubel, so auch der schön gelegene deutsche Militärfriedhof bei Borj Cedria an der Südseite des Golfs von Tunis:

Deutscher Soldatenfriedhof
Deutscher Militärfriedhof in Tunesien bei Borj Cedria
(Quelle: Eigenes Foto)

Traumhaft gelegen ist der französische Militärfriedhof auf der Höhe von Gammarth, der auch gärtnerisch und landschaftspflegerisch anspruchsvoll gestaltet ist. Daneben gibt es noch andere Militärfriedhöfe, so etwa einen amerikanischen zwischen Sidi Bou Said und Karthago, der völlig anders konzipiert ist.

Helme als Blumentöpfe
Französischer Militärfriedhof mit alternativer Helmnutzung
(Quelle: Eigenes Foto)

Aber auch die islamischen Friedhöfe (auf angemessene Bekleidung ist zu achten) haben durchaus die Ausstrahlung friedvoller Stille, die einen gelegentlichen Besuch reizvoll macht, so z.B. der Friedhof Abdelaziz zwischen La Marsa und Gammarth:

Islamischer Friedhof bei La Marsa
Islamischer Friedhof bei La Marsa
(Quelle: Eigenes Foto)

Aber auch kleinere, in unmittelbarer Nähe der Wohnhäuser gelegene Friedhöfe haben eine intensive Ausstrahlung:

Kleiner Friedhof mit Wohnhaus
Kleiner Friedhof in Sidi Bou Said mit Wohnhaus bei Nacht
(Quelle: Eigenes Foto)

Bleibt der obligatorische Hinweis auf die tunesischen Strände und das Strandleben. Da die Wohnverhältnisse oftmals eher bescheiden sind und die Hitze im Sommer unerträglich werden kann, verlagert sich ein Teil des Alltagslebens von Juli bis September an den Strand. Die Kehrseite davon ist, daß die Strände oft nur von Weitem traumhaft wirken, von Nahem sind sie oft mit Tüten und Flaschen übersät.

Strand bei Solimann
Strand bei Soliman (Golf von Tunis, Südseite)
(Quelle: Eigenes Foto)

Generell sind die Nordstrände östlich von Tunis bis nach Tabarka hin zwar schwieriger zu erreichen, aber wegen des bergigen Hinterlandes reizvoller und weniger überlaufen als die eher flachen Strände im Süden um Djerba, Sousse und Hammamet. Eine beeindruckendes Panorama bietet sich aber in jedem Fall.

Sicher-
heit



Aufgrund der internationalen Großwetterlage rät das Auswärtige Amt derzeit dazu, sich in Tunesien vorsichtig und möglichst unauffällig zu verhalten und zu bewegen, wenn auch Tunesien derzeit als das ruhigste und stabilste Land in Afrika gilt (vgl. Seite 1, Sicherheits- und Stabilitätsindex).
In Tunesien wird polizeiliche Aufsicht großgeschrieben. Zu bestimmten Zeiten, etwa bei Staatsbesuchen oder wenn der Präsident oder sonst ein Würdenträger in amtlicher Mission unterwegs ist, sind entlang der Straße alle paar hundert Meter Polizisten postiert. Man muß in jeder Situation jederzeit mit einer Polizeikontrolle rechnen, besonders im Straßenverkehr.

Sehr wichtig ist es daher, stets gültige Papiere mit sich zu führen. Ist dies nicht der Fall, so hat man mit polizeilichen Sanktionen zu rechnen oder muß sur place "verhandeln".

Gesund bleiben



Es werden vom Auswärtigen Amt einige Impfungen empfohlen, insbes. Tetanus, Diphterie und Polio, auch Hepatis A und bei Langzheitaufenthalten Hepatits B. Malaria gibt es glücklicherweise nicht mehr. Dies stimmt mit anderen Empfehlungen überein. Bei Hundebissen, die recht häufig vorkommen, sollte bzw. muß eine Tollwut-Akutimpfung vorgenommen werden.

Frischobst
Mit wilden, hungrigen Hunden auf der Suche nach eßbarem Müll muß auch und gerade am Strand immer gerechnet werden
(Quelle: Eigenes Foto)

Ansonsten ist auf Hygiene bei der Nahrungsaufnahme zu achten und Trinkwasser sollte nicht überall bedenkenlos aus dem Wasserhahn verwendet werden. Sehr sinnvoll ist eine Reiserückholversicherung für den Notfall.
Weiter besteht im Sommer die Gefahr eines Sonnenstichs, insbesondere bei Dehydrierung - auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten!
Hellhäutige Menschen setzten bei starker Sonne ihre Haut unter Streß und sollten sich vor Sonnenbränden durch entsprechende Kleidung und Sonnenschutzmittel schützen. Die exzessive Sonneneinstrahlung begünstigt nach medizinischem Wissensstand auf die Dauer die Entstehung von Hautkrebsen.
Außerdem ist auf den Schutz der Augen zu achten, die bei dem intensiven Sonnenlicht einer andauernden Belastung ausgesetzt sind, die sich langfristig durch später eintretende Schädigungen bemerkbar machen kann.

Telekom- munikation, Internet



Das Telefonieren aus Deutschland ist nicht mehr sehr teuer, über Internet-Telefonie (VOIP) mittels Skype oder per Call-by-Call haben sich die Kosten erfreulich reduziert.

Nach der 2003 durchgeführten Teilderegulierung des Telefonmarktes ist man in Tunesien auch nicht mehr ausschließlich auf den staatlichen Anbieter (das amtliche Telefonbuch ist im Internet veröffentlicht) angewiesen. Es konkurrieren zwei Firmen:
Es ist günstiger, einen tunesischen Anbieter zu haben als einen deutschen. Zwar funktioniert das Handy dort auch mit D1- oder D2-Vertrag, doch sind die Kosten durch die Inanspruchnahme des Roaming sehr hoch.
Zudem sind beide Anbieter direkt am Flughafen vertreten; die tunesische Rufnummer kann sofort zugeteilt werden. Die Kosten liegen etwa bei 5 Euro für den Anschluß und bei 5 oder 10 Dinar (3 bzw. 6 Euro) für die Prepaid-Karten (Stand Juni 2008).


Den größten Aufschwung in Tunesien hat in den letzten 5 Jahren das Internet genommen, das ein relativ hohes technisches Niveau hat. Die staatliche Regulierungsbehörde ATI war 1998 die einzige berechtigte Stelle in Tunesien, die einen Web-Server betreiben durfte. Von dieser Behörde wurden in der Folge Lizenzen für weitere private Provider vergeben, von denen mittlerweile 5 existieren, die zusammen derzeit 950.000 Abonnenten versorgen. Das wären etwa 10% der Bevölkerung. Allerdings haben über die zahlreichen Internet-Cafés sehr viel mehr Menschen Zugang zum Netz. Die 5 Anbieter für Privatkunden bieten preislich und servicemäßig akzeptable Inernet-DSL-Zugänge auf einem ähnlichen Niveau:
Zwar sind diese DSL-Zugänge gegenwärtig (Juni 2008) sehr viel weniger leistungsfähig als in Deutschland, allerdings deutlich besser als eine Modemverbindung. Eine 256-kbyte-Verbindung kostet ca. 8 Euro monatlich (128 kb sind zum Glück schon wieder out). Der klassische Zugang über Modem ist als Lockangebot bei allen Anbietern umsonst. Vorsicht ist dennoch geboten, denn die Kosten der Telefonverbindung (bei häufigem Einloggen) übersteigen häufig deutlich den niedrigsten DSL-Tarif.

Sonstiges, nütz-
liche Adressen



Als deutscher Staatsbürger kann man sich selbstverständlich auch - zu den angegebenen Dienst- und Öffnungszeiten - an die deutsche Botschaft in Tunis wenden.

Es gibt für Interessierte eine Vielzahl von lokalen Märkten (Souks), auf denen außer mit Alkohol praktisch mit allem gehandelt wird, was "nicht niet- und nagelfest" ist. Dies Orte werden von Ausländern häufig wegen des recht rustikalen Feilschens gemieden, bieten für Tunesier aber eine günstige Gelegenheit, sich mit dem Nötigsten zu versorgen und eröffnen einen interessanten Einblick in die wirkliche Lebenssituation der Menschen.

Zouk bei Le Kram
Lokaler Souk bei Hammam Lif: Preiswert Einkleiden von Kopf bis Fuß
(Quelle: Eigenes Foto)

Zouk bei Le Kram
"Altkleidersammlung" vs. Entstehung in indigener Textilindustrie
(Quelle: Eigenes Foto)

Nach der Einreise sollte man sich schnellstmöglich mit Arbeitsvertrag und Mietvertrag zur zuständigen Ausländerpolizei begeben (police etrangère), um dort zumindest eine provisorische Aufenthaltsgenehmigung ("carte de séjour temporaire") zu bekommen. Diese wird in der Regel innerhalb von 1-2 Wochen ausgestellt, bis zur engültigen "carte de séjour", die durchaus bis zu 3 Monate (oder länger) auf sich warten lassen kann.
Mitausreisende Partner können unter der Voraussetzung, daß sie alle 3 Monate das Land wieder velassen, zur Not auch mit Touristenvisum ohne "carte de séjour" auskommen, ansonsten müssen auch sie eine solche beantragen. Man muß dafür aber verheiratet sein und dies belegen können.

Anschließend sollte man sich um seine Autopapiere kümmern. Dabei hilft das Büro der GTZ.

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