alle Länder Homepage
Landesüberblick Staat & Politik Wirtsch. & EZ Gesellsch. & Kultur Praktisches

Uganda
Seite 2: Geschichte, Staat & Politik

Geschichte

Uganda Flagge

Die Landesflagge
© 3 dflags.com

Besonderheiten der Landesgeschichte

Im Jahr 1888 übernahm die Imperial British East Africa Company das Gebiet als „Uganda Protective“. Fünf Jahre später wurde es britisches Protektorat, also ein Schutzgebiet, was nichts anderes als die kaschierte Umschreibung einer Annexion war. Die Briten fanden vier funktionierende Königreiche vor und griffen massiv in das vorhandene regionale Machtgefüge ein, das zu jenem Zeitpunkt von bugandischen Hegemonialbestrebungen gekennzeichnet war.

historische Epochen

Schauen Sie sich bitte über die koloniale und nachkoloniale Ära diesen geschichtlichen Abriss vom 14. Jahrhundert bis heute an.
Sehen Sie sich Ugandas Regenten seit der Unabhängigkeit doch einmal an. Eine Übersicht über Ugandas Geschichte finden Sie in der Zeittafel bei Areion.

Historische Persönlichkeiten

Viele verbinden mit Uganda bis heute Idi Amin und seine Schreckensherrschaft. Auf den Seiten von BBC finden Sie ausführliche Information über die Vertreibung der Asiaten durch Idi Amin. Der frühere ugandische Diktator starb im August 2003 im saudi-arabischen Exil. Die ugandische Regierung schloss ein Staatsbegräbnis für den als "Schlächter von Afrika" berüchtigten Amin aus.

Schädel Luwero

Nach dem Bürgerkrieg 1986: Schädel und Knochen in Luwero
© Bild: N. Schaub
Auch Milton Obote starb im Exil. Bis zu seinem Tod am 10.10.2005 war er Vorsitzender der von ihm gegründeten Partei, UPC. Schätzungen besagen, dass zwischen 100.000 und 300.000 Menschen als Ergebnis der Kämpfe zwischen Obotes UNLA und verschiedenen anderen militärischen Gruppen, vor allem Yoweri Musevenis NRA, starben. Noch lange lagen die Schädel und Knochen der Toten im sog. Luwerodreieck, wo Obotes UNLA am schlimmsten gewütet hatte.
Schauen Sie zurück in die Vergangenheit: Bilder aus Obotes Regentschaft. Am 28. Nov. 2005 wurde seine Witwe, Mama Miria Kalule Obote als Parteivorsitzende des Uganda Peoples Congress (UPC)gewählt. Bei den Präsidentschaftswahlen erlangte sie als Kandidatin der UPC ca. 0,9 der Stimmen.

Bedeutung der kolonialen Vergangenheit für die Gegenwart

Es ist eine Binsenweisheit, dass die aktuellen Probleme eines Landes in der Geschichte begründet sind, vor allem, wenn es eine koloniale Vergangenheit ist. Das gilt für Uganda im besonderen Maße und Begriffe/Konzepte wie divide and rule und indirect rule sind eng mit der britischen Kolonialgeschichte -- nicht nur in Uganda -- verbunden. Lesen Sie hierzu eine Kurzbiographie über den "Erfinder" der indirect rule, Lord Frederick Lugard .

Geopolitik in der Region Große Seenplatte:

Wollen Sie die schwerwiegenden Probleme der nachkolonialen Zeit Ugandas verstehen, sollten Sie die folgenden Quellen lesen. Sie helfen Ihnen auch, die ganz aktuellen, die Region der Großen Seenplatte (Uganda, Kongo, Ruanda, Burundi) umfassenden Auseinandersetzungen in ihrem geschichtlichen Kontext nachzuvollziehen. "Musevenis Uganda" spielt in diesem Drama eine äußerst aktive Rolle:

Der Staat




Präsident Yoweri Museveni
wurde am 23.02.2006 wiedergewählt.
© Bild: NRM


Staatsform,
Verfassung und Gewaltenteilung

Ugandas Staatsform ist eine Präsidialrepublik.

Die Verfassung , die am 8. Oktober 1995 verabschiedet wurde und zuvor unter breiter Beteiligung der Bevölkerung entstand, enthält einen Katalog von Grundrechten, darunter solche auf rechtliches Gehör, Religions- und Informationsfreiheit sowie Schutz bestimmter Gruppen wie Frauen, Kinder, Behinderter und ethnisch-religiöser Minderheiten. Im Jahr 2005 wurde die Verfassung geändert und ergänzt. Eine Bestimmung über die Amtszeitbeschränkung des Präsidenten auf zwei Wahlperioden wurde dabei aufgehoben. Bis 2005 war die Betätigung politischer Parteien zu Gunsten eines Movement (quasi-Einparteien-) Systems eingeschränkt.


Formaler Staatsaufbau und regionale staatliche Gliederung und Verwaltung

Informationen zum gesamten Kabinett stehen auf der offiziellen Seite der Regierung bereit. Außerdem sind 10 Ministerien mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten.

"Local Government"

Dezentralisation ist eine der Haupt-Säulen der Movement-Regierung. Bereits während des Buschkrieges Anfang der 80-er-Jahre organisierte Museveni die von seiner Guerillagruppe besetzten Gebieten in Westuganda in sog. "resistance councils", die später in local councils umbenannt wurden. Einen Überblick über die Funktion des sog. "local Government" und die Distrikte finden Sie beim Uganda District Portal. Sehr anschaulich und informativ sind auch die Seiten des Ministry of local Government.

Recht, Ordnung und staatliche Sicherheit

Weitgehend wird die Unabhängigkeit der Justiz in Uganda beachtet. Allerdings finden gerade die Menschen in armen und ländlichen Regionen keinen oder nur unzureichenden Zugang zu den Organen der staatlichen Rechtspflege. Überlange Untersuchungshaftzeiten und eine unzureichende Infrastruktur bei Gerichten, Polizei und Gefängnissen sind an der Tagesordnung. Verfahren dauern lange und sind nicht transparent. Gefängnisse sind mit derzeit 192 % ziemlich überfüllt. Die Todesstrafe wird nach wie vor verhängt, wenn auch bei Zivilpersonen selten vollzogen. Die Polizei ist personell unterbesetzt und korruptionsanfällig. Interessieren Sie sich für das Organigramm der Polizei, dann werden Sie bei policeaccountability fündig.

Innenpolitische Themen

Yoweri Museveni,
der Präsident von Uganda
© Bild: Statehouse Uganda


Prof. Dr. Bukenya, Vizepräsident in Uganda
© Bild: Statehouse Uganda

Präsident Museveni und die NRM (National Resistance Movement):

Der Präsident Ugandas Yoweri Kaguta Museveni wurde am 29. Januar 1986 Präsident der Republik Uganda. Mit 26 jungen Männern ging er 1980 in den Busch, organisierte das National Resistant Movement (NRM) und die Natioanal Resistant Army (NRA) und bekämpfte in einem fünfjährigen Buschkrieg das Terrorregime von Milton Obote.

Der Vizepräsident: Prof. Gilbert Balibaseka Bukenya
Prof. Dr. Bukenya ist, wie seine Vorgängerin Dr. Speciosa Kazibwe, ein Doktor der Medizin. Er befürwortete die umstrittene Verfassungsänderung die eine Wiederwahl Musevenis 2006 für eine 3. Amtszeit möglich machte.

Mit der Machtübernahme Musevenis und seiner National Resistance Armee (NRA) im Januar 1986 wurde eine lange Epoche von Gewalt und Terror in Uganda beendet. In den meisten Landesteilen kehrte nach den Schreckensherrschaften von Idi Amin und Milton Obote Frieden ein. Die politische und wirtschaftliche Lage in Uganda verbesserte sich deutlich. Uganda avancierte zum Musterschüler von IWF und Weltbank.

In den letzten Jahren hat der anfangs so gute Ruf Musevenis und seines Landes doch ziemlich gelitten. Die Existenz einer menschenverachtenden Rebellenbewegung im Norden des Landes ("Lord's Resistance Army") mit 1,4 Mio. Binnenflüchtlingen; die allgegenwärtige Korruption und zunehmende Kritik an der Staats- und Regierungsführung sind Gründe dafür. Vor allem letzteres hat dazu geführt, dass einige Geber die Budgethilfe für Uganda gekürzt haben. Dennoch steht Uganda immer noch in vieler Hinsicht besser da als die meisten Nachbarländer.

Die Reden des Präsidenten finden Sie auf der Seite des statehouse.

Basis- demokratie

Ugandas Movement System

Bis vor kurzem war die Betätigung politischer Parteien zu Gunsten eines Movement (quasi-Einparteien-) Systems eingeschränkt. Das Movement System wäre im herkömmlichen Sinne als undemokratisch zu bemängeln. Es gibt jedoch Wahlen, die bis auf die unterste administrative Ebene eine Beteiligung der Bürger an der politischen Willensbildung ermöglichen. Ziel ist es, den Bürger zunehmend zu politischen Rechten und Pflichten hinzuführen, z. B. auch durch die Dezentralisierung der Administration auf regionaler Ebene. In einer historisch, ethnisch oder religiös sehr heterogenen Gesellschaft kann ein solches System geeigneter sein, eine konfliktträchtige Zersplitterung der Gesellschaft zu vermeiden.

Wahlen






































































Parlamentsgebäude

Parlamentsgebäude in Kampala
© Bild: E.-M. Hess

Referendum

Im Jahr 2000 fand zu der Frage ob Beibehaltung des Basisdemokratiesystems oder Einführung eines Mehrparteiensystems ein Referendum statt. Bei einer Beteiligung von 55% (die Opposition rief zum Boykott auf) sprachen sich 90% für die Beibehaltung des Quasi-Einparteiensystems aus. Doch bereits im März 2003 beschlossen das National Executive Committee (NEC, das oberste Entscheidungsgremiums des Movements) und im Mai 2003 die "National Conference of the Movement" eine Öffnung des politischen Raums und eine Änderung des politischen Systems (Mehrparteiensystem). Dieser Beschluss machte eine Neuregelung von Tatbeständen in der Verfassung Ugandas zu Fragen des politischen Systems sowie der Regierungsform und des verfassungsgemäßen Weges notwendig. Bei einem weiteren Referendum am 28.07.2005 bestätigte die Mehrheit der Wähler (92,5 %) eindrucksvoll die von Präsident Museveni vorgeschlagene Öffnung des politischen Raumes von Einparteiensystem zu Mehrparteiendemokratie.
Im November 2005 wurde Musevenis schließlich zum Parteivorsitzenden der NRM gewählt.

Die Präsidentschaftswahlen


Wahlkampf in Uganda
© Bild: G. Ehrler
Bei den Präsidentschaftswahlen am 23.02.2006 wurde Präsident Museveni im Amt bestätigt. Er hat die erste Mehrparteienwahl seit 26 Jahren mit knapp 60 Prozent der Stimmen gewonnen.
Etwa sieben von 10,5 Millionen Wahlberechtigten hatten ihre Stimme abgegeben. Musevenis Herausforderer Kizza Besigye kam auf 37 Prozent. Die drei weiteren Kandidaten, darunter die Witwe Milton Obotes, erreichten zusammen weniger als 3,5 %. Nach der Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses brachen die Unterstützer des amtierenden Präsidenten in Jubel aus. Die Opposition warf der Regierungspartei Wahlbetrug vor. Die EU-Beobachterkommission bescheinigte den Wahlvorgängen einen im Wesentlichen korrekten Verlauf.

Eid bei der Amtseinführung
© Bild: statehouse

Allerdings war der Wahlkampf nicht sehr sachlich verlaufen, um politische Programme ging es nur am Rande, dafür vielmehr um Schuldzuweisungen und um gegenseitige Beschimpfungen. Kurz nach seiner Rückkehr aus dem Exil wurde Col. Besigye, verhaftet. Als dessen Anhänger dagegen protestierten, gab es Zusammenstöße. Einen Überblick der Wahlergebnisse finden Sie bei wikipedia . Zehn Staatsoberhäupter und zahlreiche Vertreter weiterer Staaten nahmen an der Vereidigung des alten und neuen Präsidenten in Kampala teil.

Parlamentswahlen

Zeitgleich zu den Präsidentschaftswahlen wurden die Abgeordneten des 8. Parlaments gewählt. Mindestens 80 bisherige Abgeordnete, darunter viele Minister, wurden nicht wiedergewählt. Trotz leichten Gewinnen bei der Opposition zählen 202 der 309 Abgeordneten zu Musevenis NRMO-Partei.

Parteien

Politische Parteien:

Um sich ein Bild über Parteien in Uganda machen zu können, sollten Sie die Geschichte der Parteien kennen. Bis vor kurzem waren politische Parteien und Organisationen in ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung eingeschränkt. Zwar konnten Parteien aufgrund eines Gesetzes vom 02.06.2002 auf nationaler Ebene tätig sein, doch sie durften keine lokalen Büros eröffnen und keine Veranstaltungen in der Öffentlichkeit durchführen. Im Nov. 2004 erklärte das Verfassungsgericht diese Beschränkungen für verfassungswidrig. Nun können sich Parteien registrieren.

Neben den traditionellen Parteien, wie der Democratic party (DP) , Uganda Peoples Congress (UPC) und der Conservative Party (CP), spielt nun das Forum for Democratic Change (FDC), das aus der Reform Agenda, dem National Democrats Forum (NDF) and einer Sektion des Parliamentary Advocacy Forum (PAFO), hervorging, eine größere Rolle.
Wie schwer sich Musevenis Movement auf dem Weg von einer Bewegung zur Partei tut (die NRMO wurde 2003 als Partei gegründet), lesen Sie am besten in einem für die Friedrich Ebert Stiftung erstellten Profil.

Korruption

Korruption

ist in Uganda ein sehr aktuelles Thema, in das sich selbst Präsident Museveni aktiv einbringt und zu dem sich auch die Presse freimütig äußert. Nach dem von Johann Graf Lambsdorff entwickelten Corruption Perception Index (CPI) rangiert Uganda auf Platz 110 von 163 untersuchten Ländern. Immerhin ist ein leichte aber stete Verbesserung zu beobachten.
Das Uganda Debt Network (UDN) hat eigens eine Anti Corruption Kampagne ins Leben gerufen.

Pressefreiheit

Presse und Medien

Die Medien: Uganda erfreut sich seit der Machtübernahme Musevenis einer relativ freien und teilweise regierungskritischen Presse. Eine große Auswahl tagesaktueller Artikel der wichtigsten ugandischen Presseorgane finden Sie bei allAfrica.com. Auch der EastAfrican und südafrikanische Zeitungen sind vertreten. Neben der regierungsabhängigen Tageszeitung New Vision ist noch die unabhängige Tageszeitung Monitor im WWW präsent. Es besteht die Möglichkeit, sich die Ausgaben im Abonnement per eMail als Frühstückslektüre tagesaktuell zuschicken zu lassen! Ebenfalls im www vertreten ist der The Weekly Observer gegründet von Journalisten, die ausgewogenen und guten Journalismus anbieten möchten.
Sehr populär ist in Uganda das Radio, besuchen Sie doch einmal die Seite von Radio Mama; viele weitere Infos zu Sendern finden Sie unter TV-Radio World Uganda Mehr links zu ugandischen Zeitungen und Medien und ein ausgiebiges Internetverzeichnis finden Sie bei afrol . Sehr gut recherchierte und informative Berichte bietet IRIN, das Informationsnetzwerk von OCHA (UN office for the Coordination of humanitarian affairs).

Außenpolitik































Logo CHOGM

© Chogm 2007 Uganda

Das Land im regionalen und internationalen Kontext

In der Außenpolitik verfolgt Uganda einen pragmatischen Kurs. Für die Entwicklung des Landes setzt Präsident Museveni auf die Unterstützung der westlichen Industriestaaten und der internationalen Geberinstitutionen (Weltbank, Internationaler Währungsfonds, United Nations Development Programme , Europäische Union, African Development Bank).
Die Staatsführung Ugandas bemüht sich um eine enge Anlehnung an die USA. Im Sommer 2003 besuchte zum 2. Mal in kurzer Zeit ein amerikanischer Präsident das Land am Viktoriasee und würdigte Ugandas Erfolge bei der AIDS-Bekämpfung
Großbritannien spielt aufgrund traditioneller Bindungen eine wichtige Rolle. Darüber hinaus bemüht sich Uganda über diverse multilaterale Foren um eine wichtige Stimme in der Region (Ostafrika, Große Seen) und auf dem Kontinent. Die übrigen europäischen Staaten genießen, in Widerspiegelung ihrer bilateralen Hilfe, ebenfalls hohe Wertschätzung.
Die zuvor engen Beziehungen zu Ruanda waren aufgrund bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen ruandischen und ugandischen Truppen in der DRC eine Zeitlang belastet. Gegenseitige hochrangige Besuche signalisieren eine Verbesserung des Verhältnisses.
Uganda unterstützt als einziges afrikanisches Land die Afrikanische Union mit der Entsendung von 1600 Soldaten und nun auch mit Militärausbildern zur Unterstützung der somalischen Übergangsregierung. .
Mit Kenia und Tansania verbinden Uganda freundschaftliche Beziehungen.
Besuchen Sie die Seiten des ugandischen "Ministry of Foreign Affairs" . Auf der Seite des Statehouses finden sie aktuelle Berichte über Staatsbesuche oder auch Bilder aktueller Ereignisse.
Commonwealth Meeting in Uganda (CHOGM): Wichtigstes Ereignis für Uganda ist wohl das Commonwealth Meeting im Nov. 07. Uganda scheute keine Mühen um die Infrastruktur für ein solches Ereignis zu schaffen und erhofft sich einen Aufschwung im internationalen Ansehen aber auch in der Wirtschaft und im Tourismus.

Menschenrechte

Zur Lage der Menschenrechte:

Im aktuellen ai-Menschenrechtsreport 2007 (Zeitraum Jan - Dez 2006) wird sowohl über Fortschritte bei den Gesprächen zwischen der Regierung und der bewaffneten Oppositionsgruppe Widerstandsarmee des Herrn (Lord's Resistance Army - LRA) als auch über den friedlichen Verlauf der Wahlen berichtet. Bemängelt wurden Angriffe auf das Recht auf freie Meinungsäußerung und auf die Pressefreiheit. Auch gingen erneut Berichte über Folterungen an Gefangenen und über Repressalien gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ein. Gewalt gegen Frauen blieb weitverbreitet. Militärgerichte sprachen nach wie vor Todesurteile aus.
Einen Überblick mit vielen Karten und aktuellen Berichten über die Konflikte in Uganda finden Sie bei reliefweb. Informieren Sie sich auch auf der Homepage des Human Rights Watch.

Kriege, Krisen und Hoffnung auf Frieden

Der Krieg in Norduganda-
Hoffnung auf Frieden

Offiziell ist er noch nicht zu Ende, der längste ununterbrochene Bürgerkrieg in Afrika, der bereits seit 20 Jahren andauert. Die Rebellen der Lord's Resistance Army (LRA) unter ihrem Anführer Joseph Kony überfielen Dörfer und kidnappten vor allem Kinder zwischen neun und 16 Jahren. In den vergangenen Jahren wurden im Schnitt etwa 500 Kinder pro Monat entführt, gezwungen für die LRA zu kämpfen und sexueller Gewalt, physischer und psychischer Qual ausgesetzt.

Waffenruhe in Uganda: Hoffnung auf Frieden
Nach fast zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg haben sich Regierung und Rebellen in Uganda auf eine Waffenruhe geeinigt. Die Widerstandskämpfer der "Lord's Resistance Army" und die Regierung unterzeichneten Mitte 2006 in Juba im Süden des Sudan unter der Regie Vizepräsidenten der autonomen Region Südsudan Riek Machar einen Waffenstillstand. Die begonnenen Friedensgespräche verliefen wegen gegenseitiger Vorwürfe jedoch zusehends im Sand. Beide Seiten erfüllten die Maßgaben nicht. Als größtes Hindernis für den Abschluß eines Friedensvertrages scheint die Verurteilung von Rebellenführer Joseph Kony, seines Vertreters Otti und drei weiteren LRA Führern durch den internationalen Strafgerichtshof zu sein. Die aktuellen Entwicklungen der Friedensverhandlungen finden Sie bei Uganda Conflict Action Network.

Mitte April wurde die Waffenruhe nun endlich erneuert - Regierung und Rebellen wollen Friedensgespräche fortsetzen. Seither konnten die vom ICC gesuchten Führer nicht dazu bewegt werden selbst an den Gesprächen teilzunehmen. An der Unterzeichnung des Abkommens im Sudan nahm dieses Mal auch der wegen Kriegsverbrechen vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) gesuchte Rebellenführer Joseph Kony teil, wie ein Sprecher seiner Widerstandsarmee des Herrn (LRA) mitteilte.
Immerhin ist in Norduganda bereits jetzt eine große Veränderung in der Sicherheitslage zu sehen, seit Monaten gibt es keine Entführungen und kaum Überfälle.

Zu Beginn der Friedensgespräche, im August 2006 lebten 1,4 der 1,6 Millionen Einwohner, vor allem der Volksgruppe der Acholi in Flüchtlingslagern .
Die Situation in den Lagern ist oft katastrophal, Mangel an sauberem Trinkwasser, kaum Bildungschancen für die Kinder und schlechte sanitäre Bedingungen sind an der Tagesordnung.
Langsam entspannt sich die Situation. Doch noch immer sind die meisten Menschen nicht zurück auf ihrem Land . Die Regierung will die Menschen näher an ihre Dörfer in sog. "Zwischenlager" siedeln. Viele trauen dem Frieden noch nicht, andere kennen ihr Land gar nicht oder finden dort nichts mehr vor, im schlimmsten Fall ist das Land in anderem Besitz.
Einen bildlichen Eindruck über die Situation der entwurzelten Menschen erhalten Sie bei einem Besuch der Fotoreportage von Avsi

Flüchtlingscamp Norduganda

Über 1,4 Millionen Menschen leben seit fast 20 Jahren im Norden Ugandas in Flüchtlingscamps.
© Bild: G. Ehrler

Frauen Norduganda

Diese Frauen in Gulu, Norduganda haben sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen. Sie versuchen mit Nähprodukten ein wenig Geld für ihre Familien zu verdienen
© Bild: G. Ehrler

Kindersoldaten Früher rekrutierte Ugandas Regierungsarmee Kinder, heute tun es Ugandas Rebellen. Das führt zu Kontroversen. Jüngstes Beispiel: das Kindersoldatenbuch von China Keitetsi Sie nahmen mir die Mutter und gaben mir ein Gewehr. Die heute 28-jährige Uganderin beschreibt darin, wie sie im Alter von acht Jahren in die damalige Guerillabewegung des heutigen ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni zwangsrekrutiert wurde. Mit dem Buch hat die Autorin Persönlichkeiten wie Kofi Annan, Nelson Mandela, Bill Clinton, Whoopie Goldberg und die Königin von Schweden zu Tränen gerührt und dazu beigetragen, das Thema der in Afrika kämpfenden Kinder auf die internationale Tagesordnung zu setzen. Die ugandische Regierung allerdings stellt das Buch als frei erfunden dar.
Heute behauptet die ugandische Armee sie würde keine Kinder als Soldaten rekrutieren. Doch laut der Gesellschaft für bedrohte Völker tut die Armee nicht genug um zu verhindern, dass Kinder als Soldaten verpflichtet werden.
Die Filmemacher Ali Samadi Ahadi und Oliver Stoltz haben die schwierige Wiedereingliederung der Kindersoldaten in die Gemeinschaft in ihrem Film Lost Children dokumentiert.

Konfliktlage "Große Seen"

Die Krise der zentralafrikanischen Region der Großen Seen

Im Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo (DRC), dem Ersten Afrikanischen Weltkrieg, hat die Kriegsführung in Afrika südlich der Sahara seit 1996 eine neue Qualität erreicht. Die Gründe für den Ausbruch der Gewalt sind so vielfältig wie die Akteure. Das Chaos und die Instabilität der letzten Jahre in Mobutus Zaire sowie die Gefahren für die umliegenden Staaten und die Destabilisierung der Region nach dem Genozid in Ruanda (1994) mögen die Hauptgründe für die Gewalt sein. Doch spätestens nachdem der Konflikt sich in einen langwierigen Stellungskrieg verwandelt hat, wurde klar, dass dieser Krieg vor allem dazu geführt wurde, um die reichen kongolesischen Bodenschätze auszubeuten. Mehr dazu im Artikel Präsidenten werden Paten.
Im Zentrum der Krise in der zentralafrikanischen Region der 'Großen Seen' steht der im August 1998 ausgebrochene Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo. Angola, Simbabwe, Namibia unterstützen auf Beschluss der Regionalorganisation SADC die Regierung in Kinshasa. 1998 drangen Uganda und Ruanda mit Unterstützung der burundischen Regierung in die nördliche und östliche Landeshälfte ein, wobei sie auf der Seite der kongolesischen Rebellenbewegungen stehen. Im Juli/August 1999 unterzeichneten die Konfliktparteien das sog. Lusaka Abkommen. Inzwischen haben alle am Konflikt beteiligten Staaten einschließlich Uganda in Übereinstimmung mit den Vorgaben des Lusaka-Abkommens und der einschlägigen Resolutionen des VN-Sicherheitsrates ihre Truppen offiziell zurückgezogen.

Das Genozid und die Folgen mag inswischen lange zurück liegen. Doch bis heute sind vor allem im Osten des Kongos Unruhen. Dies bedeutet auch immer eine angespannte Situation für Uganda. Zum einen kommen immer wieder kongolesische Flüchtlinge nach Uganda, zum anderen gab es auch in jüngster Zeit Tote auf ugandischer Seite. Hier spielt vor allem das Erdölvorkommen am Lake Albert eine Rolle.
Aktuelle Information zu diesem Thema, u.a. die aktuellen taz Artikel finden Sie auf den Seiten von Gertrud Kanu & Iseewanga Indongo-Imbanda , ebenfalls lesenswert sind der Friedenspolitische Ratschlag und Indymedia.

Die tagesaktuellen Entwicklungen sind am besten bei allAfrica.com (Ostafrika Rubrik) nachzulesen.

Ein positives Beispiel, wie Frieden in der Westnileregion durch die Wiedereingliederung der Rebellen mit Unterstützung der Bevölkerung erreicht werden konnte, finden Sie bei eldis.

pfeil-l    zurück zur vorherigen Seite    |   weiter zur nächsten Seite     pfeil-r
 

alle Länder Homepage
Landesüberblick Staat & Politik Wirtsch. & EZ Gesellsch. & Kultur Praktisches