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Gesellschaft & Kultur
Simbabwe

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Die Bevölkerung
In Simbabwe leben knapp dreizehn Millionen Menschen. Die Aufteilung
der Bevölkerung nach Rassen - wie zur Kolonial- und Siedlerzeit -
wurde bald nach der Unabhängigkeit fallen gelassen.
Die folgenden Zahlen über die Bevölkerungsgruppen
sind deshalb Schätzungen.
Rund 97 Prozent der Bevölkerung sind Afrikaner.
Die afrikanische Bevölkerung
ist ethnisch und kulturell-linguistisch
weniger stark differenziert als in den
meisten anderen afrikanischen Staaten.
Die weiße Bevölkerung wird auf 100.000 geschätzt.
Sie ist zumeist britischer Herkunft.
Die asiatische Bevölkerung stammt primär von Nachkommen
indischer Einwanderern ab, die nach Beginn der Kolonisation
als Händler ins Land kamen. Sie unterhalten enge
Verbindungen zur indischen Gemeinschaft im östlichen
und südlichen Afrika und bilden eine relativ abgeschlossene Gruppe,
die
ihre traditionellen religiösen und sozialen Wertvorstellungen
pflegen.
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Die Gesellschaft
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Die Mischlinge stammen überwiegend aus Mischehen, die in der
ersten Zeit der europäischen Besiedlung geschlossen wurden.
Diese Bevölkerungsgruppe steht sozial und ökonomisch
zwischen den Afrikanern auf der einen und
den in der Regel wohlhabenden Europäern auf der anderen Seite.
65 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land. Das ist viel für ein Land
mit einer relativ starken Industriestruktur und gemessen an
Nachbarstaaten wie Sambia oder Südafrika, wo mehr als
die Hälfte der Bevölkerung in den Städten wohnen.
Die Lebenswelten
von Stadt und Land unterscheiden sich auch
heute noch erheblich, wie man anschaulich in einem Essay des
in der Stadt lebenden Schriftstellers Hove über eine Besuch
im Heimatdorf nachlesen kann.
Sprachen und Religionen
Abgesehen von zahlreichen Minderheitsprachen lassen sich zwei
große Sprachgruppen
unterscheiden.
Etwa 77 Prozent der afrikanischen Bevölkerung in Simbabwe
zählen zum Kulturkreis der Shona, der verschiedene
Dialekte der Shona-Sprache (Karanga, Zezuru, Manyika, Ndau, Korekore)
umfasst. 18 Prozent gehören den Ndebele oder Matabele an.
Andere kleine Sprachgruppen sind Tonga, Sotho, Venda. Shona und Ndebele
sind Schriftsprachen und werden auch in der Schule gelehrt.
Die Hälfte der Bevölkerung gehört
traditionellen Religionen an,
die andere Hälfte sind Christen, mehrheitlich Katholiken (38%).
Daten über die katholische Kirche
finden Sie beim Dachverband der in Afrika tätigen katholischen Orden.
Der Verband stellt auch wichtige
Verlautbarungen der katholischen Kirche in Simbabwe
ins Netz. Eine Seite über
Geschichte und Rolle
der katholischen Kirche in Simbabwe ist z.Zt. in Arbeit.
Uneins sind sich die Kirchen darüber, wie sie mit der
politischen Situation umgehen sollen. Ihre letzte gemeinsame
Stellungnahme
vom Oktober 2006
kam der Regierung sehr weit entgegen, stieß bei kirchlichen Gruppen
jedoch auf heftige Kritik
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Zivilgesellschaft
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NRO und Zivilgesellschaft
Mit der Unabhängigkeit hatte die Zanu binnen kurzer Zeit
wesentliche Kräfte der Zivilgesellschaft wie Gewerkschaften,
Frauen-, Jugend- und Interessenverbände absorbiert.
Die Zivilgesellschat war
lange Zeit von eher unpolitischen Nichtregierungsorganisationen
(NRO) geprägt, deren Funktionären ein gutes Verhältnis zur
Regierung wichtiger war als die Interessensvertretung ihrer
Mitglieder. Einzig
die Kirchen, namentlich die katholische, wahrten eine kritische Distanz.
Erst mit Beginn der 1990er Jahre bildete sich in Simbabwe eine
sich politisch definierende Zivilgesellschaft heraus.
Der Prozess verstärkte sich Mitte der 1990er Jahre.
In dem Maße wie die Dialogfähigkeit der Regierung nicht
nur mit der Opposition, sondern auch mit der Öffentlichkeit
schwand, übernahmen Menschenrechtsorganisationen,
der Gewerkschaftsdachverband ZCTU sowie private Medien
die Rolle der eigentlichen Opposition. Sie sammelten sich
in der National Constitutional Assembly,
die sich seit Mai 2006 allerdings in einer
schweren Krise befindet.
(siehe auch im Kapitel 2 "Staat & Politik".
Kernpunkt war
die Forderung nach einer verfassungsgebenden Versammlung
und Abschaffung des präsidialen Systems. Die NCA erteilte der
Regierung eine historische Niederlage, als sie die
Wählerschaft davon überzeugte, eine von der Regierung vorgelegte
Verfassungsänderung abzulehnen.
Eine ergiebige Quelle über Aktivitäten und Programme der
Zivilgesellschaft ist
der aus 17 Organisationen bestehende Dachverband
Zimbabwe Human Rights NGO Forum.
Als ein Online-Dienst für Aktivisten versteht sich
Kubatana, das über ein
umfangreiches, abrufbares Archiv verfügt. Dort finden Sie auch
eine Übersicht über Organisationen mit Adressen, die im Bereich
Menschenrechte tätig sind
Aus Protesten gegen die Regierungsübergriffe in Matabeleland 1983-85
organisierte sich die Menschenrechtsorganisation Zimbabwe Human Rights
Association Matabeleland ZimRights,
die nach 1992 von Bulawayo nach Harare umsiedelte und heute
landesweit arbeitet.

Sheba Dube von ZimRights. Foto: Hanna Ndlovu/issa.
Hier können Sie ein Interview mit ihr lesen.
Ende 2004 wurde vom Parlament ein
neues NRO-Gesetz verabschiedet.
Es ist bisher vom Präsidenten nicht
unterzeichnet worden,
schwebt aber als
Damoklesschwert
ständig über der Arbeit der NRO. Das Gesetz erlaubt, die
Arbeit der NRO besser zu regulieren und zu kontrollieren.
Nach diesem Gesetz sollen sich alle Organisationen
registrieren müssen.
Eine Registrierung ist allerdings
ausgeschlossen, wenn die Tätigkeit
der Organisation regierungsrelevante Fragen und
Förderung von Menschenrechten berührt. Registriert werden
kann ferner nur, wer keine Gelder aus dem Ausland erhält.
Damit können nahezu alle NRO ausgehebelt werden. Jede
Zuwiderhandlung hat strafrechliche Konsequenzen und ist Grundlage
für Verfolgung und Verhaftung der Verantwortlichen.
Das Gesetz sieht zudem vor, dass
eine mehrheitlich mit Regierungsvertretern besetzte Kommission
weitreichende Untersuchungsbefugnisse hat und sowohl die
Durchsuchung von Büros als auch die Herausgabe und
Beschlagnahme von Unterlagen verlangen kann.
Die Registrierung ist jährlich zu erneuern und
umfasst die Kontrolle der Finanzierungs- und Aktionspläne für das
kommende Jahr.
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Stellung der Frau
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Die Rolle der Frau
Die Gleichstellung der Frau im gesellschaftlichen Leben
ist eine der großen Herausforderungen der simbabwischen Regierung
seit der Unabhängigkeit. Die Rolle der Frauen war und ist tief in
den patriarchalischen Traditionen und Strukturen verankert. Ihre
Arbeit war hoch geschätzt, veranwortliche Positionen konnten
sie jedoch nicht erreichen. Auch die Kolonialherren und das
Siedlerregime hatten kein Interesse an einer Emanzipation der Frau.
Erst mit der
Verabschiedung des Volljährigkeitsgesetzes 1982 erhielten Frauen
die Mündigkeit.
Heute ist die Frau gesetzlich gleichgestellt. Sie hat
Anspruch auf gleichen Lohn bei gleicher Arbeit,
Gleichbehandlung bei
Einstellungen und Beförderungen und auf Mutterschaftsurlaub, wenngleich
es bei der praktischen Umsetzung oft noch hapert. Die internationale
Frauenrechts-Konvention hat die simbabwische Regierung bis heute nicht
unterzeichnet. Ein erster
Bericht über den Stand der Gleichstellung
hat die Convention on Elimination of All Forms of Discrimination against Women
(CEDAW) der Vereinten Nationen 1998 vorgelegt.
Viele Frauen haben sich deshalb zu Selbsthilfegruppen
zusammengeschlossen, die sich mit Problemen der Ernährung,
Gesundheit, der schulischen und beruflichen Ausbildung befassen.
Eine Frauenversammlung. Foto: Flora Veit-Wild/issa
Daneben gibt es Kooperativen von Frauen, die sich
wirtschaftlich auf eigene Füße stellen wollen. Eine Dissertation
über die Wirtschaft von Frauen in Harare
Auf der Suche nach Sicherheit und Gemeinschaft lässt sich Kapitelweise abrufen.
Die Inhaltsübersicht finden Sie auf der Datei 2.
Eine von mehreren Frauenorganisationen die sich um die
Verbesserung der Situation der Frauen in Simbabwe bemüht,
ist die
Women of Zimbabwe Arise WOZA.
Frauen der Mittel- und Oberschicht sind in Staat und Wirtschaft
zwar in wichtigen Personen vertreten,
aber deutlich unterrepräsentiert. In Parlament und Regierung
haben Frauen mit elf Prozent eine geringere Quote, als
die regionale Entwicklungsgemeinschaft SADC
(Southern African Development Community) für ihre
Mitgliedsstaaten fordert.
Eine Frau neben einem Mann
wird in der öffentlichen Wahrnehmung
immer noch dem Mann nachgeordnet, wie die kleine
Restaurant-Episode von Chenjerai Hove
anschaulich schildert.
Vor allem auf dem Lande wird die Rolle der Frau vornehmlich
von traditionellen gesellschaftlichen Vorstellungen bestimmt.
Sie ist im Erbrecht benachteiligt,
Bildungschancen für Mädchen sind geringer;
vor allem dann, wenn das Geld knapp ist, wird zuerst dem
Jungen ein Schulbesuch ermöglicht.
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Gesundheit und Umwelt
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Gesundheit
Nach Angaben des UNDP sind 24,6 Prozent der Bevölkerung
Simbabwes von der Immunschwäche
HIV/AIDS
betroffen. Pro Jahr fordert die Pandemie 100.000 Menschenleben,
die Tendenz ist steigend. Die durchschnittliche Lebenserwartung
ist dramatisch gesunken und liegt heute bei 35 Jahren.
80% aller jugendlichen Infizierten sind Frauen.
Das Thema ist in der Öffentlichkeit noch stark
tabuisiert.
Einen
ausführlichen Bericht zu HIV/Aids in Simbabwe geben die UNDP und das
unaids sowie (auf deutsch) die
Schweizer Regierung.

Zephania Tshuma:
Man talking with Aids worm. Foto:issa
Umfassende Daten zum Gesundheitswesen, zu verbreiteten
Krankheiten, medizinischer Versorgung u.a.
gibt das Büro der
Weltgesundheitsorganisation
WHO.
Umwelt
Konnte die Bevölkerung vor der kolonialen Landnahme stets auf
neue Anbau- und Weideflächen und Jagdgebiete ausweichen, damit sich
das abgewirtschaftete Land regenerieren konnte, so änderte sich das
mit der Landnahme durch die Weißen grundlegend.
Sie nahmen den Afrikanern den Freiraum, das Land entsprechend ihren
Erfahrungen zu nutzen. Sie verdrängten die ansässige Bevölkerung in
weniger fruchtbare und flächenmäßig zu kleine Gebiete, den so genannten
communals lands. Zudem erklärte die Kolonialverwaltung
alle Wildtiere zu königlichem Wild und verbot den Afrikanern die Jagd.
Die Folgen waren Überbeanspruchung des Bodens, Abholzung und Überweidung
sowie geringe Wertschätzung des
Wildes, das mit dem Jagdverbot für Afrikaner den Nutzen verloren hatte.
Die unkontrollierte Großwildjad der weißen Siedler führte zudem zur
Ausrottung bzw. drastischen Reduzierung ganzer Tierarten.
Nach Abholzung erodierte Fläche
in den communal lands. Foto: Hendrik Zimmermann/issa
Die Kolonialverwaltung sah sich schließlich zu
Schutzmaßnahmen gezwungen. Dabei legte sie das damals in Europa
gängige Konzept geschützter Parks zugrunde: Die Natur sollte in
ausgewählten, von der Bevölkerung abgetrennten Gebieten
unversehrt erhalten und der modernen Gesellschaft
das Erlebnis "Wildnis" bieten.
Zwölf Prozent der Fläche Simbabwes sind heute Nationalparks vorbehalten.
Im Südlichen Afrika geht das Bestreben dahin,
solche Parks grenzüberschreitend als
Peaceparks zu öffnen.
Die Einrichtung von Nationalparks hat unbestritten wichtige
Erfahrungen und Kenntnisse zur Erhaltung von Flora und Fauna
gebracht. Ein Problem wurde damit jedoch nicht gelöst: Die Abtrennung
der Bevölkerung von solchen Naturräumen. Um ihre Beteiligung an der
Nutzung, nicht zuletzt auch des Wildes, und damit auch zum
Schutz der Räume zu gewinnen, wurden Projekte wie
Campfire aufgebaut, um die lokale Bevölkerung an der
Bewirtschaftung der Natur zu beteiligen.
Die gtz berichtet über ihr Projekt eines partizipatorischen
Managements der natürlichen Ressourcen im Grenzgebiet von
Simbabwe und Mosambik.
Simbabwe hat federführend für die regionale
Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika SADC
ein
Frühwarnsystem vor Dürren eingeführt.
Ferner wird in einer Süd-Süd-Kooperation mit Indien an
der Weiterzüchtung heimischen Saatgutes gearbeitet. Erste
Modellversuche mit Öko-Labors sind angelaufen,
in denen nachhaltige Wege einer angepassten Landwirtschaft in Simbabwe
erforscht werden.
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Die Künste
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Kultur und Kunst
Einen Überblick über die
Kulturpolitik und das Bildungssystem
in Simbabwe finden Sie in der Länderinformation
des deutschen Außenministeriums.
Eine Liste von Organisationen im Kunst- und Kulturbereich
finden Sie bei
Kubatana.
Die afrikanische Literatur Simbabwes hat eine reiche
orale Tradition von Märchen und Erzählungen, Liedern und
Spottversen. Die schriftliche Form wurde bis zum
Ende der Kolonialzeit von der weißen Minderheit praktiziert und
auf diese zugeschnitten. Es waren meist fragwürdige Romane. Eine
Ausnahme ist die Schriftstellerin Doris Lessing, deren Romane
auch in deutscher Übersetzung aufgelegt wurden.
Erst mit der Ausweitung der allgemeinen Schulbildung in den 1950er
Jahren begannen
auch Afrikaner mit der Veröffentlichung von Erzählungen und
Gedichten in den Hauptsprachen Shona und Ndebele. Mit der
Unabhängigkeit entfaltete sich das literarische Leben stärker. Die Romane
und Erzählungen setzten sich anfangs vor allem mit dem
Befreiungskampf auseinander, griffen dann aber immer stärker
zeitgenössische Themen auf, oft in kritischer Auseinandersetzung
mit der gesellschaftlichen Entwicklung in Simbabwe.
Stilistisch orientieren sich die Englisch schreibenden Schriftsteller
und Schriftstellerinnen
vornehmlich an der klassischen und modernen europäischen
Literatur, während die in den heimischen Sprachen schreibenden
Autorinnen und Autoren traditionelle Erzählformen aufgreifen.
Unter den neueren Autoren haben der früh verstorbene Dambuzo
Marechera, Chenderai Hove, Charles Mungoshi, Shimmer Chindya, Tsitsi Dangarembe und die
im April 2005 verstorbene Yvonne Vera auch international Anerkennung gefunden.
Viele ihrer Werke wurden auch ins Deutsche übersetzt
(s. Literatuliste). Derzeit erhältliche deutsche
Übersetzungen simbabwischer Autorinnen und Autoren stellt
jährlich die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus
Afrika, Asien und Lateinamerika zusammen.

Der Schriftsteller Dambuzo Marechera. Foto: Flora Veit-Wild/issa
Simbabwe bietet gemessen an den anderen afrikanischen Ländern
relativ gute Veröffentlichungsmöglichkeiten. Neben dem
Zimbabwe Literature Bureau, das vornehmlich in Shona und Ndebele
publiziert, sind vier weitere Verlage zu nennen: die College Press,
das Zimbabwe Publishing House,
die katholische Mambo Press und der Verlag Baobab Books.

Der Schriftsteller Charles Mungoshi
bei einer Lesung in der First Street in Harare. Foto: Flora Veit-Wild/issa
Die Autoren und Autorinnen haben sich in
Schriftstellerverbänden organisiert
wie die Zimbabwe Writers Union,
oder die Zimbabwe Women Writers, die die literarische Kreativität
von Frauen fördert.
Seit 1983 findet jedes Jahr in Harare eine Buchmesse,
die Zimbabwe International Book Fair statt.
Sie ist bisher die einzige Buchmesse in Afrika südlich der Sahara,
die einen internationalen Charakter entwickelt hat.
Eine Theaterkultur abseits der klassischen britisch-europäischen
Formen, die auch traditionelle afrikanische Theaterformen aufgreift,
entwickelt sich erst langsam. Das Zimbabwe Publishing House
sucht die Afrikanisierung des Theaters mit der Veröffentlichung
von Stücken zu fördern.
Mischformen europäischer und afrikanischer
Formen sind beim Publikum sehr beliebt. Die Theatergruppe Amakhosi
aus Bulawayo hat die unterschiedlichen Formen zu einem neuen Stil entwickelt.
Sie ist die einzige Gruppe, die auch kommerziell erfolgreich ist
und auf staatliche Unterstützung verzichten kann. Vielleicht kann
sie auch deshalb aktuelle Entwicklungen kritisch aufgreifen.
Bewusst auf die Präsentation afrikanischer Formen setzt dagegen die
National Dance Company.
Die Musikszene in Simbabwe ist lebendig.
Das betrifft vor allem die Rockmusik, die sich
die Stilelemente aus der Karibik angeeignet und afrikanisiert hat.
Musiker wie Thomas Mapfumo und Oliver Mtukudzi sind die
unbestrittenen Stars der simbabwischen Rockmusik, die ihre Musik auch als
politisches Ausdrucksmittel
verstehen. Aus der Zeit des Befreiungskrieges hat sich für
diese Art Text und Musik in Anlehnung an den anti-kolonialen
Widerstand die Bezeichnung
Chimurenga eingebürgert.
Mapfumo und Mtukudzi haben einen eigenen
simbabwischen Stil entwickelt, der Afro-Rock und Reggae
verbindet. In ihren Texten greifen sie immer wieder kritisch
- wie schon in der Kolonialzeit, wo ihre Platten nicht gespielt werden durften -
politische Themen auf.
Auch die traditionelle Musik hat sich aus ihren Ursprüngen weiter
entwickelt und neue Ausdruckformen gefunden. Vor allem die
Musik auf dem Daumenklavier
mbira
hat in den letzten Jahren in Europa viele Freunde gefunden.
Auf der angegebenen Website können Sie auch Beispiele hören.
In Deutschland, Östereich und der Schweiz werden von der maridzambira
Virginia Mukwesha Mbira-Kurse angeboten. Termine in
verschiednen Städten gibt die
Agentur Shava bekannt.
Die bildenden Künste werden in Europa und Nordamerika
in erster Linie mit den Steinskulpturen der Shona in Verbindung gesetzt.

Steinskulptur von Gideon Nyahongo. Foto: Gerda Berger/issa
Waren die traditionellen bildenden Künste streng ausgerichtet auf
Gebrauch und Gebräuche, so hat sich in den Shona-Skulpturen
die "Kunst als Selbstzweck" am weitesten verselbständigt. Die neue
Formensprache simbabwischer Skulpturen findet aber auch Ausdruck
in anderen Materialien wie Holz. International bekannt wurde mit
seinen "Karrikaturen in Holz" Zephania Tshuma (siehe auch oben: Mann im Gespräch mit Aidswurm).

Zephania Tshuma: Foto: Hein Möllers/issa
In der Malerei sind afrikanische Künstler bisher kaum hervorgetreten.
Die moderne Malerei ist eine Domäne weißer Kunstschaffender.
Verbreiteter dagegen unter afrikanischen Künstlern ist eine
Stilrichtung, die man vielleicht mit der "naiven Malerei"
vergleichen könnte. Ihr Gegenstand sind Szenen des Alltags, die
detailliert kommentiert werden.

Weya Painters: Hunting. Auf der Rückseite der Tafel
ist - in entsprechender Verteilung - jede einzelne
Darstellung vom morgendlichen Stärken vor der Jagd
bis zu Heimkehr und Zubereitung und Verzehr des
Wildbrets beschrieben. Foto: Hein Möllers/issa
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