Nigerianische Arbeiter stapeln Reissäcke

WIRTSCHAFT UND BESCHÄFTIGUNG

„Gutes Leben“: Nachhaltige Start-up Förderung

Erfolgreiches Förderprogramm für nachhaltige Start-ups und Kleinunternehmer in Sri Lanka dient nun als Blaupause für Äthiopien.

© Thisal Gunarathna

„Gutes Leben“: Nachhaltige Start-up Förderung

Good Life X (GLX) ist das erste Förderprogramm für nachhaltige Start-ups und Kleinunternehmer*innen in Sri Lanka. Als Erfolgskonzept für nachhaltiges Unternehmertum fördert es die lokale Wirtschaft. Die Vision vom „Guten Leben“ ist dabei nicht nur namensgebend, sondern der initiale Antrieb für ein Konzept, dass nun als Blaupause auch in anderen Ländern umgesetzt wird.

Zutaten für Getränke wie Fruchtsäfte und Tees stammen vorwiegend aus Ländern mit warmem Klima. Zu diesen gehört auch Sri Lanka: Der Inselstaat, südlich von Indien gelegen, ist weltweit bekannt für seinen schwarzen Ceylon-Tee, Ceylon-Zimt und das reichliche Angebot an tropischen Früchten wie Ananas oder Papaya. Das Potenzial erkannten die Gründer des ansässigen Start-ups SOZO: qualitativ hochwertige Fruchtsäfte, Sirups und Tees mit regionalen Produkten aus Sri Lanka für die Welt produzieren – mit dem Anspruch, an eine faire Lieferkette, plastikfreie Verpackung und ein natürliches Produkt. Die Idee kommt an: Trotz der Corona-Pandemie ist der Umsatz seit 2019 um 700 Prozent gewachsen. Letztes Jahr ist das Unternehmen in den indischen Markt eingestiegen und beliefert inzwischen sogar Hotels in der Schweiz. Wie gelang ihnen dieses rasante Wachstum?

Einen wesentlichen Beitrag hat das Förderprogramm Good Life X (GLX) geleistet. Zwar bestand SOZO als Unternehmen schon drei Jahre, aber GLX gab dem kleinen Start-up erst den nötigen Impuls, um auch im internationalen Markt zu bestehen. Es gehörte zu den sechs Unternehmen, die 2019 den ersten GLX-Accelerator (dt. Beschleuniger) in Sri Lanka absolviert haben. Das Pilotprogramm wurde von 2018 bis 2020 durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert und von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH mit der ESCP Business School und der Noah Foundation konzipiert. In drei Monaten bietet GLX ein umfassendes Wissenspaket, das den Start-ups ermöglicht, an wöchentlichen Sitzungen zu allen gründungsrelevanten Themen teilzunehmen. „Wir sind das erste und bisher einzige Accelerator-Programm in Sri Lanka, das sich auf die Entwicklung nachhaltiger Unternehmen spezialisiert. Wir haben tatkräftige und erfahrene Talente aus Sri Lanka mit den richtigen Partnern auf der ganzen Welt vereint.“, betont Randhula de Silva über die Besonderheit von GLX. De Silva, bis 2020 noch GIZ-Mitarbeiterin, ist inzwischen Geschäftsführerin von GLX. Denn das Programm hat sich bewährt.

Applaudierende nigerianische Reisbäuerinnen vor dem Schild einer Frauenkooperative

© SOZO

GLX verknüpft Ideen mit den richtigen Partnern

Insgesamt 40 Unternehmen hat Good Life X in den letzten zwei Jahren unterstützt. Dabei entstanden innovative Konzepte zu städtischer Landwirtschaft („vertical farming“), zur ganzheitlichen Verwertung von Rohstoffen oder Plattformlösungen für lokales Kunsthandwerk. Egal ob Vertrieb, Finanzierung, Branding oder Personalmanagement – ein großes Netzwerk aus erfahrenen Expert*innen unterstützt im individuellen Austausch.

„GLX unterscheidet sich deutlich von anderen Start-up-Förderprogrammen in Sri Lanka, da es uns zum Beispiel von Anfang an wertvolle Einblicke in den europäischen Markt gab. Zugleich half es uns als Exporteur auf die Sprünge, so dass wir besser verstanden, was funktioniert – und was nicht. So konnten wir unser Sortiment entsprechend optimieren“, erklärt SOZO Gründer Dushyantha De Silva. Durch die enge Zusammenarbeit mit Expert*innen weltweit haben die Start-ups direkt Kontakt zu möglichen Investoren, Partnern und Kund*innen. So waren neben der GIZ auch die renommierte Berliner ESCP Business School für die Programmentwicklung und die Noah Foundation als Implementierungspartner involviert: „Fast allen Gründern ist gemeinsam, dass sie ständig aufs Neue vor alltäglichen Herausforderungen stehen, die Generationen vor ihnen bereits durchdacht und durchlebt haben. Als Mentor kann man die Start-ups dabei unterstützen, dass sie diese bestmöglich meistern“, erklärt Peter Borchers, Professor an der ESCP und eines der Gründungsmitglieder von GLX. Aber nicht nur für lokale Gründer*innen ist das Förderprogramm wertvoll.

Das GLX-Konzept ist ein zukunftsfähiger Katalysator für nachhaltiges Wirtschaftswachstum in Sri Lanka geworden. Und das sei wichtig, so Randhula De Silva. Denn es brauche Strategien, wie der asiatische Raum nach jahrzehntelangem Wachstum soziale Ungleichheit und ökologische Herausforderungen überwinde. „Innovative Strategien unterstützen Sri Lanka dabei, sein Potenzial auszuschöpfen und einen Wachstumsimpuls zu geben.“

Nigerianischer Bauer bei der Arbeit auf dem Reisfeld

© Peter Borchers

Erfolgreiche Blaupause expandiert nach Äthiopien

Der Einsatz der Bundesregierung für das Pilotprogramm hat sich nachhaltig gelohnt: Seit diesem Jahr steht GLX in Sri Lanka auf eigenen Beinen und läuft selbsttragend weiter. Unterdessen liefen mit Hilfe der GIZ die Vorbereitungen für den Start des erfolgreichen Konzepts in Äthiopien. Dort wird es unter dem Titel „The Good Business“ (TGB) in Kooperation mit der Noah Stiftung, dem äthiopischen Innovation Hub iceaddis und der ESCP umgesetzt. Kein Zufall, schließlich wurde das Programm bereits anfangs so konzipiert, dass es mit wenigen Anpassungen auch in anderen Ländern funktioniert: „Wir sehen schon jetzt die Synergieeffekte zwischen GLX und TGB in der Programmgestaltung, im Programmmanagement und durch die gewachsenen Netzwerke. Natürlich müssen jedes Land und jede Wirtschaftsstruktur individuell betrachtet werden. Es gibt bei Start-ups und jungen Unternehmen aber auch universelle Herausforderungen“, erklärt Katrin Oehlkers, GIZ-Projektmanagerin in Äthiopien. „Daher sind viele Module weitgehend universell. Einzelne, bei denen es um landesspezifische, rechtliche Aspekte von Firmengründungen oder um Exportfragen geht, werden von lokalen Spezialisten übernommen. Somit ist das Programm sehr gut internationalisierbar“, ergänzt Borchers.

Gesagt, getan: Seit März läuft die Vision vom „Guten Leben“ mit 18 Unternehmen in Äthiopien.

Stand: April 2021

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