Berufliche Bildung in Bosnien und Herzegowina

Projektbeschreibung

Bezeichnung: Berufliche Bildung in Bosnien und Herzegowina
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Länder: Bosnien und Herzegowina
Politischer Träger: Ministerium für zivile Angelegenheiten von Bosnien und Herzegowina (MoCA)
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2022

Ausgangssituation

Das Berufsbildungssystem in Bosnien und Herzegowina (BiH) gilt als eines der am wenigsten entwickelten des gesamten Balkans. Dadurch haben junge Menschen in BiH kaum die Möglichkeit, eine bedarfsgerechte Berufsausbildung zu absolvieren. Infolgedessen sind sie vielfach nicht ausreichend qualifiziert und haben keinen Zugang zu hochwertigen und gut bezahlten Arbeitsplätzen. Die Ursachen für diesen Missstand liegen in einem veralteten, stark fragmentierten und ineffizienten Berufsbildungssystem und der Tatsache, dass durch die bisherigen Bildungsreformen nur geringe Fortschritte erzielt wurden. Die Umsetzung von Strategien für die berufliche Bildung kommt nur langsam voran, weil sich die beteiligten Akteur*innen nicht einig sind und die zahlreichen staatlichen Stellen untereinander oft nur eine geringe Kooperationsbereitschaft zeigen.

Infolgedessen nehmen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung zu, so dass das Armutsrisiko steigt. Die wirtschaftliche Entwicklung wiederum wird durch den akuten Fachkräftemangel beeinträchtigt. Gleichzeitig verschärft die massive Abwanderung von Fachkräften den Fachkräftemangel und belastet die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Unternehmen.

Ziel

Die dual organisierte berufliche Ausbildung ist in den Strukturen und Prozessen ausgewählter Berufsbildungsakteur*innen verankert.

Vorgehensweise

Das Projekt unterstützt den Austausch zwischen öffentlichen und privaten Akteur*innen bei der Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für eine dual organisierte Berufsausbildung. Darüber hinaus werden ausgewählte Berufsschulen, die formale Wirtschaft, Schulbehörden und die Bildungsministerien befähigt ihre Rolle bei der Planung und Umsetzung der dual organisierten Berufsausbildung besser wahrnehmen zu können.

Der politische Hauptträger ist das Ministerium für zivile Angelegenheiten von Bosnien und Herzegowina (MoCA).

Zu den Durchführungspartnern zählen die Bildungsministerien auf Ebene der Entitäten und Kantone, Schulbehörden, Berufsschulen, Handelskammern und Verbände, Arbeitgeberverbände, Unternehmen sowie die Berufsbildungsräte der Entitäten, Kantone und Gemeinden.

Wirkungen

Bisherige Ergebnisse und Wirkungen:

Das Projekt hat sechs neue oder reformierte Pilotprogramme zur Einführung der dual organisierten Berufsausbildung an fünf Schulen (drei in der Föderation Bosnien und Herzegowina und zwei in der Republika Srpska) durchgeführt.

In drei Berufen in den Bereichen Holz- und Metallverarbeitung wurden zusammen mit der Privatwirtschaft Berufsstandards definiert. Dadurch ist es erstmals gelungen, die aktuellen Arbeitsmarktanforderungen in wohlstrukturierter Form in die Lehrpläne unter Berücksichtigung von Lernzielen einfließen zu lassen.

In der Stadt Goražde im Kanton Bosnisches Podrinje wurde eine Plattform zur Verbesserung der dual organisierten Berufsausbildung eingerichtet. Diese sieht regelmäßige Treffen vor, an denen Vertreter*innen von Partnerschulen und Unternehmen teilnehmen. Außerdem wurden der Kanton und Goražde im Zusammenhang mit der Entwicklung einer verbindlichen Verordnung für die praktische Ausbildung an Schulen und in Betrieben beraten. Dadurch ist die Zahl der Betriebspraktika gestiegen, die die Schüler*innen in der Bau-, Metall-, Textil- und Kunststoffindustrie absolviert haben. Ferner wurde eine Vergütung für Schüler*innen, die ein Praktikum absolvieren, eingeführt. Zu den weiteren Ergebnissen zählen der Einsatz von Ausbilder*innen für die Schüler*innen, ein obligatorischer Ausbildungsplan sowie eine zuverlässige Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben.

Das Projekt hat sich an der Produktion von Werbematerial wie Videoclips, Broschüren oder Flyern beteiligt. Darin wird für die Berufsausbildung im Allgemeinen und für bestimmte Berufe im Besonderen geworben, beispielsweise mit Erfolgsgeschichten.

Mit Unterstützung des Projekts wurden zwei Absolventenverbleibsstudien veröffentlicht, deren Hauptziel darin besteht zu ermitteln, wie die Absolvent*innen einer Berufsausbildung in BiH bei der Arbeitssuche vorgehen. Zu den weiteren erhobenen Daten zählen der derzeitige Beschäftigungsstatus sowie Angaben zu den Beschäftigungsbedingungen und zur Qualität der Sekundarschulbildung.

Überdies wurden zwei Elternbefragungen durchgeführt und veröffentlicht, um die Meinungen und Einstellungen der Eltern zur Berufsbildung in Erfahrung zu bringen.

Das Projekt hat mehrere Studienreisen nach Deutschland und Serbien organisiert. Dadurch hatten die Partnerinstitutionen Gelegenheit, sich mit dem Konzept der dual organisierten Berufsausbildung vertraut zu machen.

Ferner hat das Projekt Lehr- und Lernmaterialien für die Metallwirtschaft erarbeitet.

Mit „Moje znanje – tvoje buduće zvanje“ (Mein Wissen – Dein zukünftiger Beruf?) wurde ein Peer-to-Peer-Programm eingerichtet, das Grundschüler*innen dazu ermutigt, einen der zahlreichen Berufe zu wählen, die von den weiterführenden berufsbildenden Schulen angeboten werden.

Andere Sprachversionen

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