Qualitativ hochwertige Bildung für alle ermöglichen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verbesserung des Lernumfelds an öffentlichen Schulen in aufnehmenden Gemeinden (ILEPS)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ); Kofinanzierung mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Land: Jordanien
Politischer Träger: Bildungsministerium
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2022

Ausgangssituation

Rund ein Drittel der 9,5 Millionen Einwohner*innen Jordaniens sind Angehörige von Drittstaaten, von denen viele als Geflüchtete ins Land kamen. Besonders die große Anzahl syrischer Menschen hat das jordanische Bildungssystem stark belastet: Mehr als 204 öffentliche Schulen unterrichten morgens jordanische Schüler*innen und nachmittags syrische Schüler*innen in zwei Schichten. Die Lehrkräfte sind überfordert, da sie teilweise mehr als 50 Kinder in einem Klassenzimmer unterrichten müssen.

Die vorhandene Infrastruktur ist für die deutlich erhöhte Nutzung nicht geeignet, Schäden an Schuleinrichtungen durch Vandalismus sind weit verbreitet und die Unterhaltskosten sind hoch.

In Jordanien haben 93 Prozent der Schüler*innen an öffentlichen Schulen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
In mehr als zwei Drittel der Schulen fehlen jedoch funktionstüchtige Toiletten und jede*r dritte Schüler*in hat keine Möglichkeit, sich die Hände zu waschen. Außerdem steht in vielen Schulen keine Seife zu Verfügung. Mädchen ist aufgrund dieser unzureichenden hygienischen Bedingungen oft keine angemessene Monatshygiene möglich.

Durch das vorherrschende Doppelschichtsystem ist das soziale Miteinander zwischen syrischen und jordanischen Schüler*innen immer noch sehr gering. Da es an Geld fehlt, werden Aktivitäten außerhalb des Lehrplans, die Kreativität und den sozialen Zusammenhalt fördern, nur selten durchgeführt. Aus diesem Grund hat das Bildungsministerium 20 Prozent der Schulzeit, also 90 Minuten pro Woche, für außerschulische Aktivitäten vorgesehen. Sie finden während der Unterrichtszeit an allen öffentlichen Schulen im ganzen Königreich statt.

Die Einschulungsquoten bei Kindern mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten sind sehr niedrig, da die meisten Schulen weder barrierefrei noch inklusiv sind. Es fehlt zudem ein adäquates Schultransportsystem und ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderungen. Darüber hinaus gibt es kein einheitliches Konzept für die Umsetzung integrativer Bildung.

Ziel

Das Lernumfeld an öffentlichen Schulen in aufnehmenden Gemeinden ist verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt gemeinsam mit den jordanischen Partnern Lösungsansätze für saubere, sichere und inklusive Lernumgebungen. Es erhält zusätzliche finanzielle Unterstützung von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA).

Die Maßnahmen konzentrieren sich auf die Rehabilitierung von Schulen. Dazu wendet das Projekt bedarfsgerechte, bautechnische Entwürfe von Prototypen an und unterstützt die Instandhaltung von Schuleinrichtungen. Der barrierefreie Zugang zu Einrichtungen und die außerschulischen Aktivitäten sind Teil des Konzepts, um den inklusiven Aspekt der Maßnahmen zu stärken. Insgesamt erhalten so 12.500 Schulkinder in bis zu zwölf Schulen einen Zugang zu Spielplätzen, Sportanlagen, barrierefreien Sanitäranlagen und Schulgebäuden. Das Vorhaben verbessert zudem die Bedingungen für eine langfristige Nutzung von sanitären Einrichtungen an überlasteten Schulen. Dies erfolgt durch ein Konzept für Gebäudemanagement, das den Betrieb und die Instandhaltung von Schuleinrichtungen regelt. Bei den nötigen Entscheidungen wird das Bildungsministerium mit der Erhebung und Nutzung von Daten unterstützt. Darüber hinaus hilft das Vorhaben dem Bildungsministerium dabei, außerschulische Aktivitäten umzusetzen. Zudem gibt es Schulungen für Ausbilder*innen, um die Maßnahmen landesweit umzusetzen.

Das Projekt ist Teil der BMZ-Sonderinitiative „Fluchtursachen mindern, Aufnahmeregionen stabilisieren, Flüchtlinge unterstützen“. Die geförderten Maßnahmen kommen Geflüchteten und aufnehmenden Gemeinden gleichermaßen zugute. Langfristig mindern sie strukturelle Fluchtursachen wie soziale Ungleichheit oder Perspektivlosigkeit. Dieses Projekt sorgt für eine verbesserte Lernumgebung sowohl für syrische als auch für jordanische Schüler*innen.

Wirkungen

Das Projekt richtet sich in erster Linie an Gemeinden im Norden des Landes und in großen städtischen Gebieten wie Amman, Irbid und Zarqa, da die Mehrheit der Geflüchtete in diesen Regionen aufgenommen wurde. Die Maßnahmen wurden an 46 Schulen mit insgesamt 37.008 jordanischen und 10.482 syrischen Kindern durchgeführt. Des Weiteren wurden 48 Hausmeister*innen geschult.